C. Festbericht

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In aller Gemüthsruhe gewärtigte der Vorstand die Zusendung eines Festberichts von Seiten der festgebenden Section, wie dies gewöhnlich zu geschehen pflegte. Allein aus verschiedenen Gründen trat plötzlich die Aufgabe, eine kurze Beschreibung des letzten Clubfestes auszuarbeiten, an das Präsidium heran. Es wäre nun schreiender Undank, wenn sich dasselbe diesem Pensum nicht mit Freuden unterzogen hätte, obwohl es sich gar sehr bewusst ist, dass nach Verfluss mehrerer Monate seine Feder die vielen reichen Bilder nicht mit der von ihm selbst gewünschten Frische und Schärfe in die Erinnerung zurückzurufen vermag, und dass auch der knapp zu Gebote stehende Raum nur eine unvollständige Skizze gestattet.

Wer hätte vor zehn Jahren, als der S.A.C. zum ersten Male in die gastfreundlichen Mauern der alten Stadt Genf einzog, sich träumen lassen, dass zu der im Jahre 1879 erneuerten Feier nicht nur Schweizer Clubisten, sondern auch zahlreiche Vertreter beinahe sämmtlicher Alpenvereine Europa's, sogar Amerika's, sich zusammenfinden werden. Die Section Genf #rat sich denn auch selbst übertroffen, indem sie nicht nur ihre Freunde des S.A.C. auf 's herzlichste aufnahm und ihnen die schönsten Festtage bereitete, sondern auch in überraschender Weise die aus eigener Initiative übernommene Aufgabe löste, als verbindendes Element den Mitgliedern der verschiedenen Alpenvereine die seltene Gelegenheit zu bieten, sich kennen zu lernen und ihre Ansichten über gemeinsame Interessen auszutauschen. Die aufopfernde Hingebung der beiden Herren Präsidenten Freundler und H. de Saussure, die vortreffliche Organisation, die unermüdliche Thätigkeit der verschiedenen Comités, unterstützt durch verdankenswerthes Entgegenkommen von Behörden, Vereinen und Bürgern, gestalteten das Fest zu einem der glänzendsten, welche der S.A.C. je gefeiert.

Dem Jahresfeste des S.A.C. ging bekanntlich eine internationale Conferenz der verschiedenen Alpenvereine voraus, zu welcher Abgeordnete des englischen, deutsch-österreichischen, italienischen und französischen Alpenclubs, des Appalachian Mountain Club, der Association d' Excursions en Catalogne und des Alpenclubs Oesterreich sich eingefunden hatten.

Die erste Sitzung wurde durch den Präsidenten Hrn. Pfarrer Freundler mit einem warmen Willkommen der zahlreich eingetroffenen Gäste eröffnet, der Redner erinnerte an die bei frühern ähnlichen Vereinigungen geäusserten Wünsche, welche es als Pflicht für anderwärts genossene Gastfreundschaft erscheinen liessen, eine Einladung der Alpenvereine an 's Clubfest in Genf ergehen zu lassen; in kurzen Zügen wurde als Zweck solcher Zusammenkünfte hervorgehoben: Die Berathung von Fragen, welche alle Alpenvereine gemeinsam interessiren und die Erforschung der Alpen fördern, durch persönliche nähere Bekanntschaft zu erleichtern.

Eine wichtige humanitäre Bedeutung erblickt Herr Freundler in der Annäherung und freundlichen Vereinigung so vieler Männer der verschiedensten Lebens-stellungen, abweichender politischer und religiöser Anschauungen, anderer Sprachstämme, jeglicher Altersstufe, welche durch das gemeinsame Band der Liebe zu den Alpen zu einer grossen Familie sich -verbunden fühlen.

Zur Discussion gelangten in den zwei Sitzungen folgende durch die Central-Direction des Club alpin français in Uebereinstimmung mit dem Genfer Comité aufgestellte Fragen:

1Wie kann das Gasthofwesen verbessert werden?

2Unterhalt und Aufstellung von Schutzhütten-Reglementen.

3Instruktion und Prüfung der Führer.

4Ueber die Möglichkeit und Zweckmässigkeit gemeinsamer Schritte bei den Eisenbahngesellschaften zur Erzielung von Fahrpreisermässi-gungen für in Gesellschaft reisende Alpinisten.

5Sanction der Alpenvereine für die Bestimmungen über Führer und Gasthäuser.

Auf den Eingangsbericht des Hrn. Talbert, Vicepräsidenten des C.A.F., folgte über jede dieser Fragen eine lebhafte eingehende Besprechung, welche viele nützliche Erfahrungen und gute Rathe zu Tage förderte. Es lag in der Natur der Sache, dass von bindenden Beschlüssen und Erschöpfung dieser Themata nicht die Rede sein konnte, immerhin klärten sich viele Meinungen auf, das Mögliche wurde vom Unerreichbaren gesondert und im Allgemeinen der Boden einer vielleicht nur allmählichen, aber einzig praktischen Durchführbarkeit wünschbarer Verbesserungen betreten.

Bei der grossen Verschiedenheit des Gasthofwesens musste von gemeinsamen Vorkehren abstrahirt werden, doch schien sich die allgemeine Ansicht dahin zu vereinigen, es möchten zur Stimulirung die guten und billigen Gasthäuser in Reisebeschreibungen oder anderswie zur allgemeinen Kenntniss gebracht werden.

In Betreff der Clubhütten wurde die Befolgung des Hüttenreglements des S.A.C. empfohlen und die Grundsätze desselben in Beziehung auf Ordnung und Reinlichkeit als die richtigen anerkannt.

Allgemeine Zustimmung fanden die Mittheilungen über den Führerkurs in Interlaken und die praktische Anleitung, welche die Société des Touristes du Dauphiné den Führern angedeihen lässt. Beide Methoden entsprechen den Verhältnissen der betreffenden Gegenden. Wo, wie in Interlaken, Führerkandidaten in Begleit erprobter älterer Führer schon beinahe sämmtliche Hochgipfel besucht haben, ist theoretische Ausbildung angezeigt, wo aber die Praxis fehlt, muss unbedingt hierauf das Hauptgewicht gelegt werden. Bei der Patentirung kann und sollte aber auf beides gebührend Eücksicht genommen werden.

Erfreulich war es, zu vernehmen, dass namentlich die grossen Eisenbahngesellschaften Frankreichs, Oesterreichs und Italiens den Clubisten ansehnliche Rabatte gewährt haben von 30 bis 50 °/o; in der Schweiz wird es kaum statthaft sein, ausnahmsweise Vergünstigungen zu verlangen oder zu bewilligen, und werden wir uns wohl alle mit den allgemeinen Ansätzen für Gesell-schaftsbillete zufrieden geben.

Die letzte These wurde in dem allgemeinen Wunsche zusammengefasst, es möchten diese internationalen Conferenzen periodisch wiederholt werden und zu engerer Verbindung und Förderung gemeinsamer Interessen führen.

In praktischer Gestaltung dieses Grundsatzes sprach Hr. Prof. Richter von Salzburg, Delegirter des deutsch-österreichischen Alpenclubs, die Hoffnung aus, dass die nächste Conferenz in den österreichischen Alpen stattfinden möchte, wo den Alpinisten ein herzlicher Empfang sicher sein werde.

Passende Abwechslung boten mehrere vortreffliche Vorträge. Hr. H. de Saussure macht der Versammlung interessante Mittheilungen über den amerikanischen Alpenclub, Hr. Ch. Durier von Paris führte die Zuhörer mit grosser Lebhaftigkeit auf den Aetna und entwarf ein sehr anschauliches Bild dieses merkwürdigen Berges.

Die immer mehr sich einbürgernde Meteorologie der Alpen war vertreten durch ein Mémoire des Paters Denza, des Directors des Observatoriums von Moncalieri.

Müde der langen Verhandlungen in tropischer Hitze, beeilte sich männiglich, der liebenswürdigen Einladung des Hrn. H. Pasteur nach Grand-Saconnex Folge zu leisten. Auf diesem klassischen Boden, mitten in der herrlichen von der Kunst in grossartigem Style unterstützten Natur fühlten sich die zahlreichen von Herrn und Frau Pasteur in herzlichster Weise begrüssten Gäste bald heimisch, und es entwickelte sich in ungezwungener Weise ein charakteristisches, höchst anziehendes Leben.

Alte Bekanntschaften werden erneuert, neue angeknüpft, liebe Freunde begrüsst, man sucht und findet sich im Schatten der mächtigen Alleen, beim reichlich gespendeten Wein, auf weichem Rasen, im wirbelnden Tanze. Für Alles ist väterlich gesorgt. Mit Zauber-gewalt zieht es die Alpinisten hin, den König der Berge in seinem purpurnen Abendgewand zu bewundern, und kaum erblasst die Gletscherwelt, so versilbert der hinter der Aiguille du Midi in vollem Glänze aufsteigende Mond die Bergeshöhen und funkelt wiederspiegelnd in dem ruhigen weiten See.

Dem allgemeinen Gefühle des Dankes für die in so hochherziger Weise gebotene Gastfreundschaft verliehen die Herren Freundler und Augerd ( Section de Lyon ) den passendsten Ausdruck, welcher von dem geehrten Gastgeber in freundschaftlichen, zum Herzen sprechenden Worten erwidert wurde.

Den 2. August Nachmittags versammelten sich die Abgeordneten der Sectionen des S A. C. zur Vorbe-rathung und Erledigung der im Protocoll näher bezeichneten Geschäfte, während die nach und nach zahlreich anlangenden Clubisten unter collegialischer Führung von Mitgliedern der Section Genf die Sehenswürdigkeiten der Stadt, welche mit ihren historischen, künst- lerischen und naturwissenschaftlichen Schätzen dem Fremden so reiche Geistesnahrung bietet, besichtigten.

Im schön geschmückten Stand der Coulouvrenière, einem der ältesten Vereinslocale Genfs und vielleicht Europa's, bot die Section Genf ihren Gästen eine reichliche Collation, und bald bürgerte sich ein gemüthliches fröhliches Leben in Saal und Garten ein.

Die Generalversammlung des S.A.C. fand den 3. August Vormittags im geräumigen Saale des Conservatoire statt und wurde durch eine gediegene Rede des Hrn. Festpräsidenten H. de Saussure eröffnet. Bei dieser Gelegenheit wurde die Versammlung mit bisher unbekannt gebliebenen Briefen hervorragender Männer des Auslandes an den berühmten Vorfahr Horace Benedict de Saussure überrascht. Wir dürfen voraussetzen, dass diese höchst interessante Correspondenz auch weitern Kreisen bekannt gemacht werde. Zwei gediegene Vorträge der Herren Prof. Favre über die Gletscher und Prof. Schiess über die Bergkrankheit gaben der Sitzung die wissenschaftliche Weihe, während Hr. Prof. Rambert die Anwesenden durch eine reizende poetische Idylle aus dem Greyerzerland elektrisirte. Das Geschäftliche wurde nach einer gedrängten Berichterstattung über das Wirken des Vereins rasch erledigt, so dass der quasi zweite Theil der officiellen Generalversammlung, das grosse Banquet, in seinem Rechte nicht verkümmert wurde.

Kaum konnte der Riesensaal des Hôtel National die Menge von 450 Personen fassen. Geniale Bilder Lugardons versetzten mitten in die Alpenwelt, das Auge schweifte entzückt über den blauen See bis hinan an die in zartem Dufte winkenden Bergeshöhen. Was Wunder, dass in Kurzem eine begeisterte Stimmung sich der Gemüther bemächtigte und in zahlreichen Toasten zum Ausdruck gelangte, eingeleitet von Seiten des Hrn. Präsidenten de Saussure durch ein geistreich gedachtes, warmes Hoch auf das theure Vaterland.

Aus allen Tischreden der Vertreter befreundeter Alpenvereine klang herzliches Wohlwollen, freundschaftliche Gesinnung für die Schweiz und hohe Begeisterung für die Alpenwelt, welche in den gediegenen, zündenden Worten des Präsidenten des englischen Alpenclubs, Hrn. Mathews, gipfelte: « Que Dieu bénisse la Suisse et les Alpes! » Eine zweite feenhafte Soirée vereinigte nach erfrischender Fahrt auf dem See bei 500 Theilnehmer in der herrlichen Campagne des Herrn Festpräsidenten zu Genthod, dem Stammsitze der Familie de Saussure. Auch dieser reizende Abend mit seiner splendiden Gastfreundschaft, der zauberhaften Beleuchtung, der die muntere Jugend zum Tanz einladenden Musik, dem Wogen und Treiben reiner Festfreude wird jedem der glücklichen Gäste in stetem freundlichstem Andenken bleiben.

Es darf der Referent nicht schliessen, ohne im Namen der Schweizer Clubisten den beiden hochgeehrten Mäcenen Herren Pasteur und de Saussure und ihren geschätzten Familien, welche in so liebenswürdiger Weise dem S.A.C. ihre Sympathien bezeugten, den tiefst empfundenen Dank desselben auszusprechen.

Nun aber hinaus aus den schwülen Strassen, aus den heissen Sälen, hinauf auf die luftige Höhe des alten Freundes Salève! Lasst schweifen den freien Blick über Berg und Thal und See, streift ab das Ceremoniel der Sitzungen, des Stadtlebens, und weiht eine kurze Spanne Zeit der Freundschaft, dem herzlichen, verständnissvollen Zusammenleben mit Gleichgesinnten L Eine wahre Wallfahrt pilgert hinauf durch die grünen Matten, die Wälder, die steilen Stiege hinan. Wie wohlig und gemüthlich pulsirt das Leben im Freien, in vollen Zügen geniesst Jeder die Schönheit der Natur, den Reiz allgemeiner Fröhlichkeit und Harmonie, welche Alle, alt und jung, Angehörige verschiedener Nationalitäten ohne Unterschied zu einer trauten Familie umfasst.

In dem Garten des Hôtel de la Reconnaisance zu Monnetier findet das Fest seinen würdigen Abschluss. Die Wogen der Beredtsamkeit erheben sich neuerdings, und in allen Sprachen und mit beredten Worten wird den werthen Genfer Freunden der wohlverdiente Dank gezollt, wird der das ganze Fest durchwehende und belebende Gedanke gleicher Liebe und Begeisterung zur hehren Alpenwelt gefeiert.

Auf Wiedersehen, liebe Freunde, in Kapperswyl!

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