C. L. Harald Friedrich: Winterreisen in dem heimischen Riesengebirge

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Riesengebirge. " Wolfenbüttel, Heckners Verlag, 1906. Preis 2 Mk.

Idem: Gedicht des Dr. Ludwig Tralles über das schle-Sische Riesengebirge. " Wolfenbüttel, Heckners Verlag, 1906. Mit 16 Bildertafeln. Preis 3 Mk.

Als mir der genannte Verlag, mit dem ich zum erstenmal in Verkehr kam, diese beiden Bücher „ zur gefl. Besprechung " zusandte, fragte ich mich ernsthaft, ob ich sie nicht sofort als für meine Leser zu weit abliegend retournieren sollte. Bei näherer Betrachtung fand ich aber doch gewisse Berührungspunkte zwischen dem Winterleben im Riesengebirge und dem in unsern Alpen einerseits und zwischen der literarischen Leistung des Dr. Tralles und der unseres Haller anderseits, die es erlauben und in gewissem Sinne rechtfertigen, daß auf diese zwei Schriften im Jahrbuch S.A.C. aufmerksam gemacht wird. Die Winterreisen des Herrn C. L. Friedrich, der in Groß-Salze bei Magdeburg wohnt und sich durch ein Herbarium des Riesengebirges und botanische Schriften als Kenner ausgewiesen hat, sind lebendig und unterhaltend. Das Volkstum im Riesengebirge schildert der Verfasser mit Liebe und Verständnis für die einfachen und derben Leute mit ihrer oft in rauher Schale steckenden Herzensgüte und schlichten Tapferkeit. Die nicht immer gefahrlosen Abenteuer auf seinen Winterreisen schildert er mit Humor, wo es sein kann, und mit Ernst, wo es sein muß, und so erhalten wir ein lebendiges und reiches Bild, trotzdem das Büchlein in großem schönem Druck nur 54 Seiten umfaßt. Skifahrer und andere Wintersportleute werden auch technisch manches sie Interessierende daraus erfahren. Die Illustration ist hübsch und zeigt u.a. Haustypen, die vielleicht auch wie bei uns über kurz oder lang verschwinden werden. Um so verdienstvoller ist ihre photographische Wiedergabe.

Wenn es der Herausgeber, der eben genannte Herr Friedrich, in der der Neuherausgabe des Gedichtes von 1750 vorangeschickten kurzen Lebensbeschreibung des Herrn Balthasar Ludwig Tralles ( 1708—1797 ) auch nicht ausdrücklich sagen würde, daß Tralles zu seinem Opus durch die Lektüre von Hallers „ Alpen " begeistert wurde, welche ihn auf seiner Gebirgsreise begleitet hatten, so würde man diesen Einfluß doch sofort herausmerken. Aber, aufrichtig gesprochen, der Nachahmer ist an poetischem Schwung noch hinter seinem Vorbild zurückgeblieben, und die äußere Form, Verszeilen von achtfüßigen Trochäen, von denen immer zwei aufeinanderfolgende sich reimen, aber abwechselnd männlich und weiblich, klappert gelegentlich noch mehr als die Alexandriner Hallers. Haltung und Tendenz des Gedichtes sind ganz hallerisch, doch tritt zum Vorteil des jüngeren Gedichtes das didaktische neben dem schildernden Momente etwas mehr zurück. Von dem Charakter des Tralles'schen Opus und seinem „ Bergsinn " mögen folgende Verse einen Begriff und die Begründung unserer Kritik geben:

„ Aber wer ein dreifach Erz auf dem kühnen Busen traget, Wem die Blöße der Natur Mut, Begier und Lust erreget, Wer die hohen Wunder Gottes über Tand und Wollust setzt, Und vom. Pöbel abgeschieden Wissenschaft und Wahrheit schätzt, Der durchstreicht den rauhen Pfad dieser unbelaubten Wüste Und erblickt durch Dampf und Dust das erhabne Schaugerüste Des berufnen Riesengipfels, den die unterworfne Welt Für den Ahnherrn aller Berge, für der Felsen König hält. "

Es wäre nicht ohne Nutzen, die Parallele zwischen Tralles und Haller, die sich auch persönlich kannten ( Haller hat, vergeblich, den jüngeren Fachgenossen zu einer Professur der Medizin in Göttingen empfohlen, und Tralles hat ihm sein Gedicht zugeeignet ) und in manchen Abneigungen und Vorurteilen sich glichen ( beide haben La Mettries homme machine bekämpft und Lessings Liberalismus und Toleranz nicht goutiert ), weiter zu verfolgen, aber es gehört dies nicht hierher. Begnügen wir uns damit, darauf hinzudeuten, daß als Kuriosum des alten Tralles Hymne auf das Eiesengebirge noch immer lesenswert ist, und daß die Neuausgabe durch die Beigabe des kulturhistorisch und literarisch interessanten Lebenslaufes des schlesischen Arztes und Gelehrten und durch den köstlich altmodischen Buchumschlag und Bilderschmuck ( meist nach einem Original von 1803 gefertigt ) diesen Wert noch erhöht hat.

Redaktion.

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