Cabeza Bianca

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VON HANS THOENEN

Von der Besteigung des Pumasillo her hatten wir unser einzigartig gelegenes Felsenlager stehen gelassen, um von hier aus die Besteigung der im Süden des Pumasillo liegenden Cabeza Blanca durchführen zu können.

Am Nachmittag des 13. Juni strebten Seth Abderhalden, Franz Anderrüthi und ich, schwer bepackt, dem Hochlager zu, nachdem unsere Träger bereits einen Teil des Materials bis an den letzten Steilaufschwung unterhalb des Felsenlagers gebracht hatten. Wiederum verbrachten wir einen unvergesslichen Abend auf der frei ins Pacchatal hinausragenden Plattform. Früh krochen wir in unsere Schlafsäcke, um anderntags noch bei Dunkelheit das erste, bereits gut bekannte Wegstück hinter uns zu bringen. Es sollte ein schöner, anstrengender Tag werden. Bis ca. 250 m unter den Gipfel des Pumasillo konnten wir die alte Route benützen, doch sahen wir schon bald ein. dass die Tropensonne während der letzten Woche kräftig gewirkt hatte. In den auf der Nordseite der Route gelegenen Partien waren die Stufen vollständig ausgeschmolzen, desgleichen z.T. die Verankerungen der fixen Seile, so dass vielerorts die Route praktisch wieder neu angelegt werden musste. Günstiger waren die Verhältnisse auf der Südseite, wo wir die alten Spuren noch unverändert vorfanden. Nach Erreichen des unmittelbaren Gipfelaufbaues des Pumasillo stiegen wir, über Rampen und Terrassen traversierend, durch tiefen Pulverschnee zum Fusse der Nordwand der Cabeza Blanca ab. Hier stellte sich nun die Frage, ob wir direkt durch die Nordwand den Gipfel angehen oder rechtshaltend den Nordwestgrat erreichen wollten, um dann über diesen auf den Gipfel zu gelangen. Wir entschlossen uns für die letztere Variante, da auf der linken Seite das Überschreiten des Bergschrundes sehr zeitraubend, wenn überhaupt möglich gewesen wäre. Aber auch weiter rechts bedeutete das Überwinden der Randkluft eine schwere Knacknuss: Bauchig wölbte sich der Oberrand vor, der zum Erreichen des Nordwestgrates überwunden sein wollte. Seth ging in Führung, schwer bestückt mit Eishaken und Holzpflöcken. Über anderthalb Stunden arbeitete er an dieser schweren Seillänge, bis er auf dem Nordwestgrat stand und für mich das erlösende « Nache cho! » ertönte. Die Sonne hatte während der Wartezeit in die wie ein Hohlspiegel wirkende Firnmulde ge- brannt und mir arg zugesetzt. Ungelenkig, mit Flimmern vor den Augen, stelzte ich die ersten Schritte bis an die Randkluft heran. An den von Seth geschlagenen Eishaken und Holzstücken arbeitete ich mich empor. Auch für den Zweiten war diese Seillänge eine grosse Kraftanstrengung und Balanceübung. Alle Bewegungen mussten behutsam durchgeführt werden, da man sonst durch die überhängende Eiswand abgedrängt und aus dem Stand geworfen worden wäre. Franz hatte die Wartezeit wesentlich besser überstanden, da er sich aus seiner Protectorjacke und den Skistöcken einen Sonnenschutz improvisiert hatte. Über den Nordwestgrat, immer noch steil ansteigend, aber ohne besondere Schwierigkeiten, erreichten wir den Gipfel, der als grosse Ausnahme in den Anden eine relativ breit ausladende Kuppe bildet.

Kurz war die Gipfelrast, da noch ein langer, schwerer Abstieg vor uns lag; die Randkluft, die uns im Aufstieg so viel Zeit gekostet hatte, überwanden wir rasch durch Abseilen und erreichten dann in relativ kurzer Zeit die Schulter des Westgrates des Pumasillo. Hier begannen nun zeitraubende Rückzugsmanöver, wollten wir doch möglichst alles technische Material aus dem « Blumenkohlgrat » heraus für weitere Besteigungen zurückbringen. Besonders die glänzend bewährten Holzstücke wollten wir möglichst vollzählig herausholen. Franz hatte aus diesem Grund im Basislager aus Kistendeckeln Abseilverankerungen improvisiert, die nun beim letzten Rückzug aus dem « Blumenkohlgrat » die Holzstücke ersetzten. Rotglühend versank die Sonne hinter dem Nevado Paccha, als wir vom letzten Aufschwung des Grates abseilten und wir durch die in Rot aufleuchtenden Firnfelder unserem Felsenlager zustrebten. Die rasch hereinbrechende Nacht überraschte uns noch kurz vor Erreichen unseres Unterschlupfes. Nach kurzem Imbiss krochen wir in unsere Schlafsäcke und glitten hinüber ins Reich des Schlafes, wo das Erlebnis der schweren aber schönen Besteigung beglückend nachklang.

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