Carl Liner

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Zu der Kunstbeilage „ Rauhreif ".

Von Ernst Jenny.

In den vom S.A.C. veranstalteten Ausstellungen alpinmotivlichen Inhaltes — Zürich 1933, Genf 1936 — herrschte die Landschaft, das Gipflige, derart vor, dass sich auch der liebevollste Beschauer einer gewissen Langweil nicht erwehren konnte. Was er vermisste, war das Bergvolk, seine Siedelung, sein Tagwerk und Festtag, nicht minder die Tier- und Pflanzenwelt. Man kann nicht sagen, dergleichen hätten frühere Meister schon gemalt und gezeichnet, oder die Landschaft dränge sich derart zwingend auf, dass für das Figürliche nicht viel übrig bleibe. Jedes Thema kann neu gestaltet werden.

Schon in seinem frohmütigen Berichte « Malerische Streifereien im Appenzellerland » 1 ) wies der aus Tablatt-St. Gallen gebürtige, heute in Appenzell wohnende Carl Liner darauf hin, wie sehr ihn das Bergvolk, das Verbunden-und Verwachsen sein von Natur und Mensch — anzog. Und heute noch ist er der Meinung, dass er sich nicht zu den eigentlichen Alpenmalern im Sinne eines Darstellers alpiner Landschaft zählen dürfe; sein Interesse ging mehr in der Richtung, das Leben und die Sitten der Alpenbewohner zu erfassen, namentlich Umgebung und Beruf.

Am lebhaften Völklein des Alpsteins gefiel ihm die heitere Farbenfreude, die auf seinen Wohnstätten — Haustüren, Giebelfenstern, Tennstoren — im Schmuck des letzten Haus- und Hüttengerätes, des Schellenbandes und sogar des Tabakbeutels zum Ausdruck kommt, von der Tracht nicht zu reden. Kaulbachsche Farbenscheu sei hier nicht heraufgedrungen, man könne vom Volke nur lernen.

In diesem angedeuteten Sinne malte Liner Bilder wie « Gruss ins Tal », zwei Sennen und ein Bub schauen von einem Bergsaum in die zum fernen Bodensee reichende Tiefe und « schütten » dazu ihre grossen Kuhschellen; « Gottesdienst » der Sennen unter Anführung des Alpmeisters; « Das Wasser », ein Bauer, der Wasser holt und dabei ins Tal blickend über den Segen des Wassers sinnt; « Die Milch », heute im Zürcher Kunsthaus. Das grosse Gemälde « Der Käser », das in Basel und Venedig zur Ausstellung kam, verwendet für eine Bundesfeierkarte 1919 — ist für Liner die Erfassung eines ernsten, fast weihevollen Vorganges inmitten schöner Gefässe als Zeugen alter Kultur, und er meint nachdenksam dazu: « Wir wissen noch nicht gut genug, dass wir den Alltag und das Nächstliegende mit dem erfüllen müssen, was wir Weihe und Kultur nennen. » Für seine Landschaftsbilder studierte Liner vor allem die Vorgänge der Beleuchtung, um zu einer bessern Erfassung der Farbe und ihres besondernIn « Die Schweiz » 1898, Seite 217-222. Mit 6 Bleistiftskizzen und Federzeichnungen. Man findet in dieser leider erloschenen Zeitschrift manchen graphischen Beitrag Liners. auch farbige Kunstblätter.

Die Alpen — 1936 — Les Alpes.30 Lebens zu gelangen. Doch lassen wir ihm selber nun das letzte Wort: « Dazu trug wesentlich bei die Eigenart der appenzellischen Landschaft. Hier sind die Häuschen überall zerstreut, alles wimmelt von kleinen Sachen, von Hecken, Wäldchen, abgesägten Bäumen, das Kleinliche drängt sich in stärkerer Weise vor als anderswo. Wenn aber die Atmosphäre ihre Wunder vollführt, Sonne und Wasser ihre Spiele treiben, dann ist alles anders. Silber, Gold, Purpur und Blau weisen dann das laute Grün in seine Schranken, und im Winter haben sie es mit dem Weiss zu tun und mit den schwarzen Wäldern. Aber alle Freilichtmalerei ist bei uns kurz angebunden. Es geschieht kaum, dass zwei Tage in der Stimmung gleich sind. Wenn es auch nicht gleich umschlägt, so genügt der Föhneinfluss, um ganz andere Töne zu erzeugen. Da heisst es flink sein und aufpassen. Wenn der « Rauhreif » am Morgen noch so stolz und reich funkelt bis zum reichsten und feurigsten Rot, so liegt er mittags am Boden, wenn der Föhn nur einen Spalt findet zwischen Bergen und Wolken. In den letzten Jahren malte ich öfters an den Seen des Alpsteins. Immer mehr freue ich mich an den Erscheinungen und Möglichkeiten der Farbe und des Lichtes. »

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