Cerro Morado - mein erster Fünftausender

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H. Eigenmann, Adliswil

Strassenslalom nach Banos Morales Der kleine Lastwagen poltert mit seinen vier Passagieren die Schotterstrasse im Tale des Rio Yeso, des Gipsflusses, gen Osten, der Kordillere zu, eine immense Staubwolke in den trockenen Himmel wirbelnd. Sehr lieb von meinem Vetter, uns zu dieser Thermalquelle, genannt Banos Morales, zu bringen, etwa zwei Autostunden von Santiago entfernt - zum Ende dieses Strässchens und zum Beginn der Einsamkeit. Werden wir wohl unseren Berg zu sehen bekommen, oder wird unser Abenteuer schon bei der nächsten Kurve endenSchon setzt Rolf zum Christiania an, und im Nu sind wir herum: Rolf schwingt um die Kurven. Überhaupt: hat ein Wagen wo Pferde, so sollen alle wo ziehen, und zwar ohne Schnaufpausen, und hat ein Wagen vier Räder, mal sehn, ob wirklich alle vier stets am Boden bleiben müssen. Sie bleiben, auf Schotter, denn bevor es kippt, rutscht es. Auf einer Seite dieser Bergstrasse geht es steil' s Loch ab.

Ein finsterer Brocken Gregorio, unser Führer, brüllt etwas, zeigt gen Norden, hämmert ans Fenster. Rolf reagiert; die Räder stehen still, gleich auch das Auto. Die Staubwolke hüllt uns nun ein, entzieht den Blicken unseren Berg; denn um den muss es sich handeln. Wozu denn sonst Grego^ rios Gefuchtel?

Wir strecken unsere Glieder, schütteln den Staub von den Kleidern, rücken das Gepäck zurecht. Rolfs ioo geplagte Pferde fauchen im Kühler - wir warten.

Allmählich setzt die Grelle des frühherbstlichen Nachmittags wieder ein. Aus dem sich langsam verziehenden Staub beginnen sich die Umrisse des Cerro Morado abzuzeichnen: Zwei nicht allzu steile Zipfel überragen ein Gletscherplateau. Unter dem Plateau, uns zugekehrt, eine finstere Südwand, eine unmögliche, eine Eigerwand. Sie schliesst das Seitental ab, das uns den Blick auf diesen finsteren Brocken freigibt.

Gregorio erklärt: « Wir müssen noch bis zum Ende der Strasse, also weiter nach Osten, von dort aus in einem Tagesmarsch ein anderes Seitental hoch, das an die Ostflanke des Morado führt. Dann Anstieg auf den Gletscher und Hochlager. » « Du meinst, diesen Steilabfall hinauf, dort rechts unter der Eiswand? » fragt Carlos besorgt, und Shirley, meine Frau, fügt hinzu: « Habe sicher grosse Lust auf einen Fünftausender und möchte keine Spielverderberin sein; nur, wie sich die Sache von hier aus ansieht, da weiss ich nicht so recht. Bin keine Fünftklässle-rin. » Gregorios Begeisterung bleibt ungedämpft: « Ist nicht so bös, wie 's aussieht. » Für Gregorio gibt es keine Probleme. Eine einwöchige hoch-andinische Expedition mit drei völlig unbekannten Kameraden zu führen, von deren Berg-tauglichkeit er keine Ahnung hat - nun ja, was ist da schon dabei?

Lager und Lasten « Also, Rolf, bring uns zum Ende dieses Waschbrettes, und, bitte, ganz! » Und bald sind wir in Banos Moralesrunter von der « camio-neta ». Ho ho ruck! :'runter auch mit dem Gepäck: Zelte, Schlafsäcke, Eisenwaren, Seilwerk, Kochgeschirr, Proviant für eine Woche... Du liebe Zeit, welche Lasten! Wir sind doch keine Esel - oder vielleicht doch? Zwar ist das Refugio los Valdes nicht weit weg, aber bis zum Fuss des Cerro Morado ist es nach wie vor ein Tagesmarsch. Ausserdem gehört los Valdes dem Deutschen Ausflugsverein. Gregorio jedoch ist Mitglied des Club Manque ( Kondor, auf arau-karier-indianisch ). Dann gibt es noch den Club Andino de Chile. Das sind die drei Vereine, die ich kenne. Ich bin aber unterrichtet worden, dass es noch viele weitere Bergvereine gibt, von denen die meisten offenbar sehr klein sind. Wer in Südamerika geht denn schon bergsteigen? Wieviele Fussballklubs muss es da wohl geben! Wir stellen unsere Zelte unweit Banos Morales auf und machen uns an die Zubereitung einer währschaften Mahlzeit. Es wird Abend, ein Abend im chilenischen Februar, wie sie alle sind: Die Hitze des Tages weicht der milden Wärme des Abends, die Sterne beginnen am wolkenlosen Himmel zu funkeln, nahebei die wenigen Lichter von Banos Morales, der warmen Quelle, deren es übrigens in diesem vulkanischen Land eine ganze Menge gibt. Wir befinden uns ja hier im « Pazifischen Feuergür-tel », jener Störzone, die sich der ganzen Westküste Süd- und Nordamerikas entlangzieht, von Patagonien bis zu den Bering-Inseln, von dort über die Asiatische Ostflanke bis Neuseeland.

Karges Land zum Fuss des Berges Durch die spätsommerliche Landschaft schleppen wir unsere Lasten näher an den Berg heran. Keine Wolken, kein Wald. Magere Wiesen, dürres Gestrüpp. Sträucher mit Früchten, die Krallen haben und sich in die Kleider einhaken, um auf diese Weise weiterverfrachtet zu werden.

Es geht nun ein Seitental des Rio Yeso, des Gipsflusses, hinan, in dem die Gletschermilch der umstehenden Fünf- und Sechstausender rauscht. Sie sind das Wasserreservoir für das umliegende Tiefland, diese vereisten und verfirnten Riesen; denn hier sind die Sommer lang, heiss und trocken: Wüstenklima zwischen der Küsten- und Hochkordillere; das chilenische Unterland hüben, das argentinische drüben, fruchtbar dort, wo es sich von den aus der Hochkordillere herausströmenden Flüssen bewässern lässt. Über ein halbes Jahr Dürre, dann die Sintflut; Schnee im Hochgebirge, der im folgenden Sommer die Weinberge und Weizenfei- der und auch die Kraftwerke des Unterlandes speist.

Nun einige Firnfelder, die manchmal den Fluss überdecken. Schliesslich, auf 3000 Meter Höhe, eine sandige flache Stelle auf einer Morä-nen-Öde: unser Lager 2. Ganz nahe jetzt der 800-Meter-Steilabfall, Felswände und Schnee- zungen, die Oberkante überbaut von einer Eiswand. Der wird uns schon einen Tag lang Arbeit machen, dieser Steilabfall!

Die hohe Stufe Tagwacht - und gleich an besagte Arbeit. Das Gepäck ist leider nur ganz unwesentlich leichter geworden. Bei solchen Ausflügen fallen die Nahrungsmittel nicht mehr ins Gewicht: Sie sind konzentriert, dehydriert, und auf die frischen Früchte hat man sich bis nach der Rückkehr zu freuen.

Anfänglich erscheint der Fortschritt ermutigend gut; nach einer Stunde jedoch wird es mühevoller; immer jäher steilen sich die Schneefelder auf. Allmählich beginnt die Angelegenheit « technisch » zu werden. Hin und wieder, insbesondere in Anbetracht der Ballone auf unseren Rücken, finden wir Seilsicherung für angebracht. Guter Vorwand auch, wieder einmal abzustellen und zu verschnaufen. Dann wieder eine halbe Stunde Firn, eine Stunde Fels, eine « Seilstufe », wieder Firn, und so Stunde um Stunde — langsames, anstrengendes Emporstreben, hin und wieder eine heiklere Stelle, mal eine Rast - Nüsse, Rosinen und Wasser —, die 5600 Meter hohe Punta Italia im Blickfeld, dann wieder Frondienst, Stunde um Stunde. Endlich, ein letzter Felsblock — und wir ruhen uns an der Oberkante des Abfalles aus.

Warmes Lager auf kaltem Grund Der Gletscher: In stetiger Steigung, in ungemütlicher Grelle, jedoch ohne allzu tiefes Einsinken geht es weiter bergan. Die Schatten werden länger, man beginnt sich nach einer Lager- stelle umzusehen, d.h. nach einer möglichst spaltenfreien und ebenen Fläche.

Aufatmen mit Gepäck bei Fuss, dann wieder Arbeit: Ebentrampeln des Lagerplatzes, Zelte auf, Plastikböden hinein, Schaumgummi-Matratzen drauf, Daunen-Schlafsäcke ausgebreitet. Endlich faucht der Petrolkocher; zu langsam schmilzt der Gletscherfirn zu Suppe.

Die Sonne verabschiedet sich vom wolkenlosen Himmel, von dem stets wolkenlosen mittelchilenischen Himmel. Das Wetter mag für den Alpinisten ein Problem sein; für den Andinisten ist es keins, nicht in der mittelchilenischen Kordillere. Weiter südlich, da ist es anders. Das 4000 Kilometer lange ( und nur ein paar r oo Kilometer breite ) Chile erstreckt sich von dem zu den nassesten Zonen der Erde gehörenden Feuerland - nur noch 500 Kilometer von der Antarktis entfernt — zur überaus trockenen Pampa de Tamarugal im Norden, wobei die Atacama-Wüste alle Trockenheitsrekorde der Erde hält.

Zwar schneit es in mein Gesicht: Die Feuchtigkeit unseres Atems ist an der Zeltwand gefroren, und hin und wieder bröckelt eine Flocke ab; aber nach dem Erwachen am nächsten Morgen schauen wir wieder in einen herrlich durchsichtigen Sternenhimmel.

Die erste Stunde verbringt man mit Auftauen der steifgefrorenen Schuhe über dem Petrolkocher und mit Frühstückkochen, und die zweite Stunde - nun ja, bis man so alles anhat und seinen Kram beisammen! Das Morgenrot erglüht, als wir uns in Marsch setzen.

Die Pénitentes Der Gletscher, auf dem wir gelagert haben, ist soweit ein ganz normaler, wie auch in unseren Alpen zu finden. Mein Höhenmesser lügt, dass das Hochlager schon auf 4600 Meter liege. Wir wissen indes, dass der Gipfel 5080 Meter misst, hier eine beträchtliche, wenn auch nicht aussergewöhnliche Höhe: Wir halten ständig Ausblick auf einige « Sechser ». Wie wir nun weiter ansteigen, beginnt der Gletscher allmählich eine andinische Besonderheit aufzuweisen, notabene eine unangenehme: die sogenannten « pénitentes », zu deutsch Büsserschnee. Es ist ein Wald von manns- bis übermannshohen Säulen, unten sehr dicht aneinanderstehend, oben zu dünnen Spitzen auslaufend, Säulen aus Firnschnee, nicht senkrecht stehend, sondern gen Norden geneigt, gebildet durch die Bestrahlung der Sonne. Die ursprünglich glatte Decke kräuselt sich zuerst einmal zu Wellen; das geschieht in den Alpen auch. Die Abtragung durch Verdunsten ist intensiver in den Wellentälern; sie vertiefen sich also, und die Pénitentes entstehen.

Wir erreichen den Gipfel unter möglichster Vermeidung der Firnfelder mit ihren Pénitentes, halten uns an den Fels. Bergkrank ist nur mein Höhenmesser geworden: er zeigt etliche hundert Meter höher an als die offiziellen 5080.

Wir halten unsere Gipfelrast, geniessen unseren Rundblick in die ungeheure Kordillere — auf drei Seiten -, in braunes Hügelland, bereichert durch einige wenige Lagunen, in Richtung Küste.

Das Souvenir In all dieser Lichtflut und herrlichen Einsamkeit dürfen wir unsere Pflicht nicht vergessen: das Souvenir. Es ist hier Sitte, ein kleines Etwas aus seinem Besitz zu hinterlassen, dafür einen Fund, den man macht, mitzunehmen. Eine reizende Sitte in einem Land, das viele Berge hat und wenig Bergsteiger. Wir hinterlassen einen Stoffriemen mit Schnalle, mit dem Aufdruck « Recreational equipment Coop, Seattle », und wir finden eine Patte « Andino Nevado Kobe, Chile »: Zwei Jahre zuvor ist eine japanische Expedition in der Gegend gewesen, und zwischen damals und heute hat der Berg seine Ruhe gehabt.

Die Routenwahl beim Abstieg erweist sich als ungeschickt; wir geraten in Büsserschneefelder, die uns arg zu schaffen machen. Bemühendes Sich-Durchzwängen durch einen eigenartigen Urwald auf fast 5000 Meter. Tiefer und tiefer geraten wir in diese unerquicklichen Pénitentes ( was für ein zutreffendes Wort !). Ach, wie weit sind wir noch von unserem Lager weg, wie viele tausend Pénitentes müssen noch umklettert, umgehackt, überschritten werden, bis wir endlich, reichlich müde, auf ebenere Gefilde kommen! Noch ein Monstrum von Gletscherspalte wird umgangen - und wir plumpsen erlöst auf unser Lager.

Der Nebengipfel Gregorio und ich haben vor, am nächsten Tag noch den Nebengipfel zu erobern. Unseres Wissens ist er erst einmal bestiegen worden -das übliche Schicksal von Nebengipfeln, die im Schatten ihres grossen Bruders stehn.

Wir machen uns alsogleich an eine Felswand heran, die sofort schwierig wird. In meisterhafter freier Kletterei bezwingt mein Kamerad einen Abschnitt, der jedoch für mich, der ich nachfolgen möchte, zu schwierig ist. Umsonst mühe ich mich ab, über diese « Crux » zu kommen... Wie, zum Teufel, hat denn er das hinge-kriegt? Keine Griffe - irgendeine winzige Zacke, an die die Kante eines Schuhes gedrückt ist, soweit man da drücken darf; schon lange drücke ich da, ohne weiterzukommen - der Fuss beginnt zu zittern - eine Hand sucht vergebens nach einem Griff, während die andere ausgespreizt am Felsen haftet, auch ohne Griff, nur Reibung. Übrigens zittert sie nun ebenfalls. Meine Kräfte verlassen mich, und ich brülle hinauf, dass ich falle - und schon hange ich im Seil - eine Art Erlösung. Gregorio lässt mich zum letzten Standplatz hinab und erst mal fünf Minuten ausruhen. Er selbst ist in freier Kletterei hochgekommen, und ich soll es nicht einmal als zweiter schaffen? Es muss doch irgendwie möglich sein, denn auch Gregorio ist keine Fliege. Also nochmals probiert: eine kleine Variante vielleicht, z.B. in dieses Couloir da links, das allerdings nass und darum schlüpfrig ist; aber doch - da geht 's nun irgendwie; ich wage mich einfach an die Grenze des Möglichen, gesichert, wie ich bin. Freilich, um als erster da hochzukommen... Alle Achtung vor Gregorio!

Klettern ist in Chile noch lange kein Massensport; ausser Gregorio lernten wir aber dennoch einige Chilenen kennen, die sich mit Leib und Seele diesem Vergnügen verschrieben haben, und was uns besonders beeindruckte, war neben ihren Fähigkeiten auch ihre Bereitwilligkeit, uns auf ihre Übungstouren mitzunehmen. Um so anerkennenswerter ist die Begeisterung unserer chilenischen Bergfreunde, als dort Gebirgsausrüstung ebenso schwer erhältlich wie teuer ist. Wir konnten ihnen keine grössere Freude machen, als unsere Ausrüstung vor unserer Heimreise zu einem Trostpreis zu verkaufen oder zu verschenken.

Gregorio und ich bewältigen nach dieser Kletterübung den Nebengipfel im Nu - es fehlen ihm ein paar Meter, um die Fünf voll zu machen - und sind schon am frühen Nachmittag wieder beim Gletscherlager zurück. Es fällt der gemeinsame Beschluss, noch heute den Steilabfall hinter uns zu bringen. Schon vor 4 Uhr spähen wir über seine Oberkante in die Tiefe.

Ein Rucksack macht sich selbständig Vorsichtig arbeiten wir uns hinab. Hin und wieder folgt eine Steilstelle, die, besonders im Hinblick auf unsere Lasten, ein Anseilen ratsam erscheinen lässt. Da kommt aber auch schon ein Stück, wo ich den Vorschlag mache, man möge doch ohne Gepäck angeseilt hinabklettern und dieses gesondert hinunterlassen. Shirley macht den Anfang, und unten angekommen, schickt sie sich an, die Säcke in Empfang zu nehmen. Stück um Stück wird hinunterbefördert und im Steilhang deponiert. Carlos'Sack ist gerade abgestellt worden - da setzt er sich auf eigene Faust in Bewegung. Ich rufe erschreckt Shirley zu. Zu spätEr ist ihr entwischt, und seine Fahrt ist in respektable Beschleunigung geraten. Er erreicht ein erstes Schneefeld - Gegenstände aus seinem Inhalt beginnen sich selbständig zu machen, ein Handschuh hier, ein Steigeisen dort. Schon sehr weit weg ist er, als sich seine Fahrt verlangsamt, gerade dort übrigens, wo der Hang wieder steiler zu werden droht. Noch immer rollt er, nähert sich gefährlich dieser neuen Böschung. Nur noch drei, zwei Purzelbäume... Jetzt steht er fast still. Wird er wohl anhalten?... Ach, du liebe Zeit, er beginnt wieder zu rollen und entschwindet unseren Blicken, eine Felsrinne hinab...

Sofort machen wir uns hinterher. Die Spur ist leicht zu finden: Man folge den liegengelassenen Überbleibseln und dann besagter Rinne, in der nun auch noch ein ansehnliches Wässerchen fliesst, das seinerseits unter einem grossen Firnfeld verschwindet. Vom oberen Ende dieses Firnfeldes gähnt uns ein tiefes Loch an, in dessen Schwärze der Bach sich gebohrt hat - eine Art Gletschertor, aber diesmal am oberen Ende.

Es gibt kein langes Spekulieren; in diesem Schlund muss der Sack stecken. Zwar ist er nicht zu sehen; aber er kann keinen anderen Weg genommen haben. Heldenhaft macht sich Carlos daran, sein Eigentum wieder zu erobern. Er wirft eine Plastikhülle um und lässt sich in das plätschernde und gurgelnde Maul abseilen. Wahrhaftig! Sein Sack hat sich da unten verklemmt, und bald hissen wir mit vereinten Kräften Sack und Mann ans Tageslicht. Wenig verheissungsvoll sieht sein Inhalt aus: feucht bis nass zum Wringen, ausser - welch ein Glückseiner nagelneuen und teuren Miniaturkamera, die, sorgsam in einer Plastikhülle verpackt, Sturz und Schauer wohlbehalten überstanden hat.

Köstlichkeiten des Tieflandes Es ist schon dunkel geworden, als wir unseren alten Lagerplatz erreichen und uns ohne lange Vorbereitungen zur Nachtruhe begeben. Armer Carlos; für ihn wird die Nacht ungemütlich sein -in seinem nassen Schlafsack. Wir leihen ihm grossmütig entbehrliche Kleidungsstücke.

Wir haben vor, es auf dem Rückmarsch gemütlich zu nehmen und auf halbem Weg nochmals zu lagern. Carlos ist begreiflicherweise anderer Meinung. Er und Gregorio machen sich also frühzeitig auf, um noch am gleichen Tag nach Hause zu kommen.

Aber endlich, nach einem Tag wonniglicher Bergeinsamkeit, stehen auch Shirley und ich auf der staubigen Strasse von Bafios Morales und winken mit unseren Daumen wie geübte Stopper den Vehikeln, die talauswärts fahren. Ein Lastwagen nimmt uns mit. Er ist mit Gips beladen; da hinten gibt es tatsächlich irgendwo einen Gipsbruch. Wir nehmen auf seiner staubigen Ladung Platz, wechseln dann aber wohlweislich, ordentlich geweisselt, in der ersten eines öffentlichen Verkehrsmittels würdigen Ortschaft auf einen Autobus über. Es ist ein Kleinbus, ein Zwölfplätzer, der den Namen « Micro » auch verdient. « Micro » ist die Abkürzung für « Microbus »; so heissen aber in Chile alle Busse, selbst wenn es sich um Häuser von Bussen handelt.

Reifenpanne! Wie um uns, durstig, staubig, verschwitzt und müde, wie wir sind, noch etwas länger auf Trauben, Bad und Bett warten zu lassen.

Dann endlich, o Wonne! Wie die Trauben schmecken! Welch schmeichelnde Wohltat, das warme Bad! Und welch inniges Gefühl der Freude, Genugtuung und Dankbarkeit unseren Bergkameraden und Verwandten gegenüber, in deren Gesellschaft und mit deren Hilfe es uns gelungen ist, einen - und bislang den ersten -Fünftausender mit unserem Besuch zu beglücken!

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