Das Bündner Gotthardhaus

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Mit 8 Bildern ( 152-159Zürich Vom scharflinig geometrischen Matterhorn bei Zermatt bis zur kleinen, aber nicht weniger kühnen und abenteuerlichen Nadel des Zervreiler Homes in den Adula-Alpen ist das markante Gotthardhaus verbreitet. Wie die in den Alpen heimischen Behausungen, die als sogenannte Landenhäuser bezeichnet werden, ist es in den weithin sichtbaren, auf erhöhten Schwemmkegeln oder freien Terrassen über dem Talgrund gelegenen Dörfern und Weilern geschart, deren Bewohner dank der dadurch gewährten Sicht auf die, wenn auch spärlichen, Nachbarsiedelungen der Einsamkeit weniger ausgeliefert sind. Der Einzelbau ist durch Giebelständigkeit und Wandbetonung aktiv gestaltet; auch unterstreicht die talseitige Blockbauvorkragung über das massive Kellergeschoss wie die Fenster- und Schmuckkon-zentration auf die talseitige Giebelfront den Talblick. Aufs Schönste zeichnen auch die am Berghang gestaffelten Hausfirsten die Geländeform nach, gewähren dadurch dem rückwärtigen Nachbarn dank den leicht geneigten Satteldächern den Ausblick und verkörpern so eine aus dem Geist des Lebens und der Landschaft entwickelte ungeplante Ordnung.

Das Gotthardhaus gleicht in diesen Punkten dem Landenhaus, nur ist bei ihm die berg-und also rückseitige Haushälfte, in der stets die Küche untergebracht ist, währenddem die Stuben und Kammern im Talblock liegen, zweckgemäss massiv erstellt. Die lebendige kontrastreiche Halbierung in einen hinteren Massivbau und vorderen Holzbau geht über geographische und sprachliche Grenzen hinweg; sie ist für das turmhohe mehrstöckige Aussenganghaus in den Walliser Tälern, das sogenannte Walliser Gotthardhaus, wie für das zweistöckige Tessiner Gotthardhaus kennzeichnend. Das Bruchsteinmauerwerk erhält dank der in heimischer « rasa pietra »-Technik vermauerten pastellf arbenen Sichtsteine ein lebendiges Eigenleben, das neben dem von der Bergsonne honigdunkel patinierten Holzwerk voll zur Wirkung kommt. Von einheitlichem Grundtypus, in den Einzelheiten aber von Tal zu Tal sinnvoll differenziert, überraschen selbst in hochgelegenen rauhen Tälern, den gletschernahen « Enden der Welt », vielfach die Bauten durch die Kraft und Sicherheit der einfachen Gestaltung, Land und Leuten alle Ehre machend.

Das Bündner Gotthardhaus in der romanischen Talschaft Lugnez, die sich bei Ilanz südwärts öffnet und das auch in seinem Seitental, dem von Waisern besiedelten Valsertal, vorkommt, fällt durch eine Besonderheit auf. An den baumlosen Hängen mit den allseits blossgestellten Weilern treten an den knappen Baukörpern bergseits massig vorspringende Natursteinkamine auf. Diese pyramidenförmigen Kaminzüge sind im Hang gegründet und verjüngen sich über ein bis zwei Stockwerke, je nach Hangneigung über das Giebeldreieck hinweg, um in Firstnähe das Glimmerstein-Plattendach zu überragen.

In diesem harten und kargen Hochtal mit seinen langen Wintern bildet die Feuerstelle der Küche das ganze Jahr hindurch den häuslichen Sammelpunkt. Ältere Behausungen, wie das aus dem 16. Jahrhundert stammende « Gandahus », heute Heimatmuseum von Vals, weisen besonders schwere und derbe Kaminzüge auf. Die vorgebauten und mit einem Fensterchen erhellten gemauerten Küchenstübli, die vom gut proportionierten Kamin überragt werden, verankern die Baukörper gleichsam bergseits im Hang. Bei einem der häufigen Doppelhäuser im ganzjährig bewohnten Peil bei Vals, auf 1800 Meter Höhe, sind gleich zwei solche symmetrisch angeordnete Küchenerweiterungen auf der dem Tale abgewandten Giebelseite zu treffen.

J. Jörger zählte ( gemäss seiner Monographie: Bei den Waisern des Valsertales, Basel 1946 ) an 79 Häusern, darunter an zwei der ältesten, 25 solcher äusseren vorgebauten Fürhus-kamine und erwähnt, dass sie bis ins Jahr 1838 errichtet wurden.

In den zeitweise bewohnten Aussenweilern trifft man das in den Alpen noch weit verbreitete offene Herdfeuer. Durch das Dach über der pechschwarzen Küche entwich auch der Rauch des von der Küche her beheizten Stubenofens. Heute aber hat sich im Vals und im Lugnez die das Brennmaterial besser nützende « Chouscht » durchgesetzt.

In den Tessiner Bergtälern, wo in einfachen Verhältnissen Ofen unbekannt sind, bildet das noch heute offene Kaminfeuer den Sammelpunkt, an dem die Familie zu allen Essenszeiten zusammenkommt. Von der schlichten Herdstelle bis zum mächtigen Cheminée mit den beidseitigen, gegen die Zugluft schützenden hochlehnigen Bänken sind alle Zwischenstufen vertreten, vielfach die sichere Hand der geborenen Baumeister des « cantone dei sassi » verratend. Die Wichtigkeit der Feuerstelle markieren wiederum am gemauerten schlichten Tessiner Haus auf die Giebelfront oder ungezwungen auch auf die Traufseite verteilte vorgebaute Kaminzüge und sind oft sein einziger Schmuck. Vielfach überrascht das Tessiner Haus durch geschickte Ausnützung der Hangstellung oder enger Dorflagen, ohne seine Ursprünglichkeit zu verlieren.

Nichts Schöneres gibt es im Gesundbrunnen unserer Bergwelt, als wenn Landschaft, Menschen und Leben, wozu auch die Bauten gehören, in beglückender Harmonie zusammenklingen.

Frunt auf 1950 m. Geborgenheit unä Gemeinschaft ist aus den ungeplant geordneten Weilern und Bergdörfchen spürbar Das Gandahus aus dem 16. Jahrhundert ist mit seinem schweren, gemauerten, äußeren Kaminzug ein markantes Valser Gotthardhaus Gotthardhäuser in Vals im Lugnez mit den typischen Außenkaminen Valser Gotthardhaus aus Silgin gegenüber Lumbrein Bergfront eines wie üblich mit dem First talzugerichte-ten Hauses aus Valle mit vorgebauter Feuerküche und Kaminzug 1S3I1S4I15SI156 - Aufnahmen Ernst Brunner ( Luzern ) Das Gotthardhaus Tessiner Gotthardhaus aus Sobrio ( Inventino ) mit doppelten, mauerbündigen Firstkaminen, die an die gemauerten Glockenturmscheiben der heimischen Kapellen erinnern Doppelhaus aus Peil ( 1800 m ), das heute noch ganzjährig bewohnt wird Gotthardhaus aus dem Avers mit talseits gegen den Dachfirst kielförmig ausladendem Satteldach sowie auf der Talfront angeordnetem Hauseingang, wie es beim nahen Engadinerhaus die Regel bildet 157/1581159 ~ Aufnahmen Ernst Brunner ( Luzern )

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