Der höchste Berg

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Von Fred Lehmann.

Bergsehnsucht! Sie kam in dein Herz damals, als du, ein Knabe noch, dort auf dem Hügel standest, nach Süden gewandt. Schon war das Licht in den Tälern erloschen und glomm nur noch leise auf fernen Spitzen. Da war 's wie ein Winken, ein Rufen, und nie hat die Sehnsucht dich seither verlassen. Wie klopfte dein Herz, wenn Menschen mit Rucksack und Pickel auszogen! « Glückliche Menschen! » entrann dir ein Seufzer, « nichts hält sie ab vom höchsten der Berge! » Heimlich hast du der Mutter das Waschseil entwendet, das Klettern im Steinbruch zu üben.

Vili15 Schelte hast du geerntet, als du dein erstes, sauer verdientes Geldlein auswarfst, ein Bergseil zu haben.

Und dann der Gang mit Rucksack und Pickel in grünender Ebene, der dich in Stunden erst zu den geliebten Bergen brachte, weil eine Bahnfahrt dir damals zu teuer 1 Nie vergess ich die spöttischen Blicke der Bauern, die nicht begriffen, wie weit dich der selbige Tag noch führte.

Bald aber lag deine Spur eingehauen auf eisigem Grat, und keine Wand war dir zu steil und kein Aufstieg zu schwer zu den höchsten der Berge.

Dann stiegest du einmal nicht allein mehr zu Tale. Eine Gefährtin schritt neben dir her, und ich sah dich nicht ein einziges Mal wie früher den Blick nach rückwärts wenden. Einsam, verstaubt stand dein Pickel im Winkel. Hattest du etwa den höchsten der Gipfel erreicht?

Jahre zerfliessen wie Schnee in der Föhnnacht. Menschen kommen und gehen, viele, die nahe dir standen, weilen nun fern, und ihr Antlitz wird fremd. Doch gestern sah ich dich wieder ausziehen mit Bergseil und Rucksack. « Alter, wohin denn so frühe? Schwer liegt der Schnee und in Massen. Keiner bahnt jetzt sich den Weg! » « Einsam ist 's geworden im Tale. Was hält mich hier unten? » Mögest ihn finden, den höchsten der Berge!

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