Der Rauhfusskauz

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Michel Strobino, Hérémence

In den Alpen und im Jura findet man ihn zwischen 1000 m Höhe und der oberen Waldgrenze. Bereits im Januar, wenn die Wälder noch unter einem dicken Schneemantel liegen, setzt das Rufen des Rauhfusskauzes ( vor allem der männlichen Tiere ) ein. Weder Kälte noch Schnee scheinen die Glut der Männchen zu beeinträchtigen, die bereits ihr zukünftiges Nistgebiet abgrenzen.

Im März, wenn langsam der Schnee aus den Schluchten des Jura verschwindet, beginnt für den Rauhfusskauz die Zeit der Liebe. Die Paare finden sich zusammen und suchen verlassene Höhlen, um ihre Brut aufzuziehen. Von allen zur Verfügung stehenden Höhlen bevorzugt dieser Kauz die geräumigen der Schwarzspechte. In jedem Frühjahr hackt dieser Specht eine neue Höhle, doch ist es möglich, dass er, nachdem die mühsame Arbeit beendet ist, beschliesst, seine Jungen in einer alten aufzuziehen, die er schon in den vorhergehenden Jahren bewohnt hat! Der Rauhfusskauz findet also in den Gebirgswälder Nist-möglichkeiten in grosser Zahl. Sind in einem Baum mehrere Höhlen, kann man das Glück haben zu beobachten, wie beide Vogelarten ihre Brut gleichzeitig aufziehen.

Wenn es im Wald Nacht wird und die Gelb-bauchunke ihren melancholischen Rufertönen lässt, legt das Männchen des Rauhfusskauzes als Gabe für eine Gefährtin, die er so anzulocken sucht, frische Beute in das Innere einer Höhle. ( In der Höhle, wo ich im Frühling 1984 das Nisten verfolgen konnte, hatte das Männchen sechs Spitzmäuse und sechs Feldmäuse niedergelegt. ) Wenn ein Weibchen in die Höhle eindringt und eins der Beutetiere verspeist, ist die Höhle in Besitz genommen und das Paar gebildet.

Wie bereits erwähnt, kommt es vor, dass der Rauhfusskauz mit dem Sperlingskauz zu-sammenlebt. Obgleich deutlich kleiner, ist der Sperlingskauz doch viel aggressiver als der sanfte und wenig angriffige Rauhfusskauz, den er, falls er sein Tagesversteck entdeckt, oft angreift. Im allgemeinen ergeben sich aus dem Zusammenleben jedoch keine Probleme, denn der Rauhfusskauz ist ein Nachtvogel, der Sperlingskauz eindeutig ein Tagvogel, sie begegnen sich also nur zufällig.

In besonders günstigen Gebieten, dort wo sich grosse, von zahlreichen kleinen Lichtungen durchsetzte Wälder erstrecken, kann die Besiedlungsdichte ein Rauhfusskauzpaar auf einen Quadratkilometer erreichen. Die hauptsächlichen Feinde dieser Eulenart sind Habicht, Sperber, Schleiereule und Marder. Bei meinen Beobachtungen in den Alpen und im Jura konnte ich feststellen, dass in den von der Schleiereule bewohnten Gebieten der Rauhfusskauz völlig fehlt. Man hat mir jedoch berichtet, dass im bayerischen Naturschutzgebiet der Rauhfusskauz erfolgreich in Gebieten nistet, in denen auch die Schleiereule lebt. Nur lässt das Männchen dort fast nie seinen Ruf ertönen!

Junge Rauhfusskäuze im Nest Die Brut und ihre Aufzucht Ist die Höhle in Besitz genommen, legt das Weibchen alle zwei Tage ein Ei und beginnt vom zweiten Ei an zu brüten. Es kann bis zu acht Eier legen, im Durchschnitt sind es aber vier oder fünf.

Sobald das erste Ei gelegt ist, verlässt das Weibchen während sechs bis sieben Wochen die Höhle praktisch nicht mehr, ausser aus hygienischen Gründen zweimal pro Tag, frühmorgens und bei Einbruch der Nacht. Denn nach dem Schlüpfen der Jungen bleibt es noch zwei bis drei Wochen auf dem Nest, um die Jungen zu wärmen und zu füttern. Während dieser ganzen Periode ist es Sache des Männchens, zu jagen und seine Partnerin mit den Jungen zu ernähren.

Der Eifer des Weibchens beim Brüten ist sagenhaft: Ein Autor berichtet sogar, dass ein solcher Kauz sich von einem Kleiber, der die Öffnung der Höhle zu gross fand, hat einmauern lassen!

Die bevorzugte Beute des Rauhfusskauzes, zumindest in den Alpen und im Jura, sind Kleinsäuger, die er auf einem Ast sitzend belauert oder im Flug über eine der kleinen Lichtungen seines Territoriums jagt. Dank der samtweichen Oberfläche ihrer Federn und des kammförmigen Randes einiger ihrer Haupt-schwungfedern ist der Flug der Nachtraubvö-gel ausserordentlich leise, dadurch können sie auf ihre Beute hinunterstossen, ohne gehört zu werden.

Gegen Mitte Mai, wenn der Frühling in der Ebene schon recht vorgeschritten ist, liegt auf den Höhen, im Territorium des Rauhfusskauzes, noch reichlich Schnee. Dennoch wird bald, nach einer Brutzeit von siebenundzwanzig Tagen, das erste Küken seine Schalen sprengen. Das Küken, dessen Schlüpfen ich beobachtet habe, brauchte, obgleich das Weibchen von Zeit zu Zeit mit einigen gut angebrachten Schnabelhieben half, die Öffnung zu vergrössern, sechs Stunden, um aus seiner Eierschale herauszukommen.

Da die Eier im Abstand von zwei Tagen gelegt wurden, gibt es zwangsläufig eine entsprechende Staffelung beim Schlüpfen. Bei einem Gelege von fünf Eiern kriecht das jüngste Küken also ungefähr zehn Tage nach dem ältesten aus. Dieser Altersunterschied ist leider oft tödlich für das jüngste. Ich habe mehrmals Fälle von ( Kannibalismus ) beobachtet, bei denen von vier Küken letzten Endes nur zwei das Nest verliessen.

Anfang Juni werden die Tage immer länger und auch wärmer, jetzt muss man bis zehn Uhr abends warten, um die erste Fütterung mitzuerleben. Kommt das Männchen zum Nest, meldet es seine Anwesenheit durch sehr feine Rufe. Daraufhin zeigt sich das so alarmierte Weibchen an der Öffnung der Höhle, um die Beute in Empfang zu nehmen. Dann verteilt es das Futter gerecht unter die Jungen.

Wenn etwa am zwanzigsten Tag das Weibchen die Höhle endgültig verlässt, um mit dem Männchen gemeinsam zu jagen, dann ist es im allgemeinen der älteste Jungvogel ( er ist immer am stärksten ), der die erste herange-brachte Beute packt. Wenn die zweite Beute kommt und er immer noch Hunger hat, so wird er auch diese fressen. Im Lauf der Nacht haben dann die andern, in der Reihenfolge des Alters, ebenfalls Anrecht auf Futter. Auf diese Weise kriegt der Jüngste erst zuletzt etwas zu fressen. Ist unglücklicherweise nicht genug Beute vorhanden oder hindern die atmosphärischen Verhältnisse die Eltern, bis zum Morgengrauen zu jagen, wird der Jüngste geopfert. Jahrtausende alter Ausgleich der Natur, die nicht zögert, wenn nötig die Schwächsten zu opfern, um das Überleben der Art zu sichern!

Im allgemeinen packen die Jungen ihre Beute beim Kopf und verschlingen sie, trotz der Enge ihres Ösophagus, unzerteilt. Es ist eine Besonderheit der Nachtvögel, ihre Beute, auf die dann im Magen Verdauungssäfte einwirken, wenn möglich unzerteilt hinunterzuschlucken. Nach einigen Stunden gibt der Vogel das Gewölle, ein Knäuel aus den unverdaulichen Teilen, von sich.

Gegen Morgen, nach einer letzten Fütterung um etwa halb fünf Uhr, schlafen die gut gesättigten Jungen ein, und plötzlich wird es still in der Höhle. Die Alten putzen sich ein wenig, danach verbringen sie den Tag völlig unbe- Schutz den Eulen!

Legenden werden selten sehr gut den Tatsachen gerecht. Sie sind hartnäckig, und die Zeit rottet sie nicht aus, sondern scheint im Gegenteil das Mysteriöse an ihnen zu fördern weglich in der tiefsten Tiefe eines grossen Hochwaldes, wo sie dank der perfekt angepassten Tarnfarbe ihres Gefieders meist unbemerkt bleiben. Doch wenn sie zufällig von Sperlingen entdeckt werden, so hören diese kleinen Tiere nicht auf, sie mit ihren Schreien zu plagen; die mutigsten Vögel, so die Ringamseln, greifen sogar an, um sie in die Flucht zu treiben.

Die Jungen werden selbständig In der Abenddämmerung beginnen all jene Tiere, die das Zwielicht lieben, sich zu regen. Das Wildschwein verlässt sein Lager, der Dachs macht sich mit seinem schwankenden Gang auf den Weg, um die Nacht über im Gehölz Weichtiere zu verspeisen. In der Höhle des Rauhfusskauzes wachen die jetzt fünfundzwanzig Tage alten Jungen auf. Wie jeden Abend würgen sie das Gewölle aus, das sich während des Verdauungsvorgangs in ihrem Magen gebildet hat und das aus den unverdaulichen Bestandteilen ihrer Nahrung, Haut, Federn, Knochen und Chitin, besteht.

Wie in den vorhergehenden Nächten kündet einer der Alten durch sehr leise Rufe seine Ankunft an; einige Minuten später ist er auf dem Ast, der ihm als letzte Aufsitzstange vor der Höhle dient. Nachdem er sich überzeugt hat, dass keinerlei Gefahr droht, zeigt er sich an der Höhlenöffnung mit einer Spitzmaus, und wie in den vorhergehenden Nächten nimmt sie der älteste der Jungvögel. Nacht für Nacht habe ich das gleiche Schauspiel miterlebt, bis etwa zum dreissigsten Tag. Dann ändert sich die Fütterungsfolge, die Nahrungszufuhr von ein bis zwei Beutestücken pro Jungem und Tag geht nach und nach zurück, und die Jungen werden sehr streitlustig. Die Alten kommen jetzt, lassen sich mit oder ohne Beute auf einem Ast nahe der Höhle nieder und ermuntern die Jungen durch ihre Rufe, zu ihnen zu kommen.

Als ich zwei Tage später wieder zu der Höhle zurückkehrte, war sie leer.

und auszuschmücken. So ist es auch mit den Legenden von der Eule, diesem rätselhaften Symbol, das man einst an die Scheunentore nagelte, um den Teufel zu lähmen, der - wie man meinte - im Eulengefieder Unterschlupf sucht. Die aus diesem Grund unbeliebten Eulen tragen jedoch in hohem Masse zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts bei: Zum Beispiel vernichtet ein Rauhfusskauzpaar mit Der erste Ausflug eines jungen Rauhfusskauzes233 fünf Jungen während einer einzigen Nist-periode wenigstens fünfhundert Kleinsäuger. Es ist unsere Pflicht, wäre es auch nur aus diesem einen Grund, den Rauhfusskauz zu schützen und ihm das Nisten dadurch zu erleichtern, dass wir die alten Bäume mit ihren vielen Höhlen erhalten.

Aus dem französischsprachigen Teil. Übersetzt von Roswitha Beyer, Bern

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