Der Vulkan Dempo in Südsumatra

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Mit 2 Zeichnungen und 5 Bildern.Von H. Liniger

( Basel ).

Der Dempo ist der zweithöchste Berg in Sumatra; seine Höhe wird verschieden angegeben, von 3046 bis zu 3230 m.

Er beherrscht das südliche Gebirge der grossen Insel; der höchste Gipfel, der Pik von Kerintji ( oder Korintji ) mit 3800 m, beschrieben von Alb. Frey1 ), ist etwa 100 km weiter nördlich zu finden.

Der Dempo ist, wie alle hohen Gipfel Indonesiens, ein Vulkan, der weit über die flachen Gebirgsrücken des Barissangebirges von " Westsumatra hinausragt. Wohl zeigt er nicht die zierliche Gipfelform eines Fushijama in Japan oder Slamat in Java, doch ist seine Kegelform sehr gut erhalten, und nur die oberste Partie ist abgestumpft. Übrigens hat die Insel 19 noch tätige Feuerberge. Nach der globalen Untersuchung der indonesischen Vulkane durch Junghuhn im Jahre 1852, der bereits 109 Vulkane kannte, wurde das Gebiet 1876/77 zum erstenmal genauer untersucht durch den Holländer Verbeek, der seine Resultate 1881 in einem von einer geologischen Karte begleiteten Werk niederlegte 2 ). Eine neuere und gründlichere Durchforschung der Umgebung von Pager Alam und des Goemaigebirges, die beide unmittelbar nordöstlich des Vulkans liegen, unternahm 1912 der Basler Petrolgeologe 2:52 DER VULKAN DEMPO IN SÜD SUMATRA.

Dr. Tobler x ), der seiner Arbeit auch eine für die dortigen Verhältnisse sehr schöne Isohypsenkarte beifügte, die das Dempogebiet mitenthält, trotzdem Vulkane keine Fundstellen fili Erdöl abgeben.

Die Besteigung des Dempo bietet keine bergsteigerischen Schwierigkeiten wie z.B. der Merapi in Java, wo steile Halden mit lockerem Aschenmaterial durchschritten werden müssen; immerhin ist es auch kein leicht erreichbarer Punkt wie etwa der Bromo oder der Tangkoeban Prahoe in Java, wo man mit Auto oder Pferdchen bis in die Nähe des Kraters gelangen kann, der endlich auf einem Touristenweg erstiegen wird. Der Dempo trägt einen Urwaldmantel bis an die Spitze und enthält keine gebahnten Pfade; die Schwierigkeit besteht darin, dass man einen Weg erst im dichten Dschungel aushauen muss. Früher war das Gebiet natürlich nur unter erheblichen Mühen in langen Märschen zu erreichen, weil diese zentralen Gebirge des Urwaldlandes weitab von Verkehrswegen liegen; heute jedoch führt von Palembang aus eine Bahn ( übrigens Fig. 1.eine sehr seltene Sache auf Residentschaft Palembang ( Südsumatra).der Insel, wo Flüsse die Hauptverkehrslinien sind ) nach Lahat, und von dort aus kann man die Hochfläche von Pager Alam, die zahlreiche Dörfer unit grosse Plantagenbetriebe aufweist, mittels einer modernen Autostrasse erreichen.

Da Südsumatra keine grosse Auswahl an Bergbesteigungen bietet und ich an einer schönen Vulkannadel ( am Serillo bei Moeara Enim ) im wahrsten Sinne des Wortes « abgeblitzt » war, so suchte ich. mir ein anderes Betätigungsfeld und reiste in meinen Ferien eines Tages mit meiner Frau von Palembang nach Pager Alam 2 ). Die Fahrt von Lahat bis auf die Hochebene ist landschaftlich höchst genussreich ( vgl. Bilder 79, 80, 81 ); der Hauptort der Pasumahochebene ist eine reizende Siedlung, ihre heutige Hauptstrasse jedoch eine verhunzte europäische Kaufhausstrasse, deren wellblechbedeckte Buden zu den hübschen Satteldachhäusern passen wie eine Kitschpostkarte zu Ankerbildern.

Im europäischen Viertel logieren wir im Gasthaus ( Passangrahan ) der Bataaf'sehen Petroleum Maatschappij, das früher fast ausschliesslich der O N O iJCH E R rPATA^1^ 02EAN ,t

Gefällter Urwald an den Hängen Les Dempovulkans, wo eine Tee-dantage entstehen wird

Seltener Fund im Dschungel bei Pager Alam: Steinbild aus Andesit, einem Eruptivgestein des

Dempo. Eine erobernde Hindurasse muss diese Statuen im 7.11. Jahrhundert n. Chr. geschaffen haben luf einem der obersten Emplacements der zukünftigen79/so/si - Fotos h. Liniger Teeplantage. Die Häuser sind Kuliwohnungen; im Hintergrund der Abhang des Dempo runner & Cie. A. G. Zürich Die Alpen - 1941 - Les Alpes Erholung malariakranker Angestellter dieser Gesellschaft diente, heute aber als Ferienort für die B. P. M. Leute recht geschätzt ist, da es immerhin 750 m hoch liegt. Anderntags sind wir die Gäste des Schweizer Arztes Dr. Surbeck, der dort das Spital einer grossen Plantage betreut. In seiner gastfreundlichen Familie geniessen wir einen herrlichen Tag. Der weitgereiste Arzt zeigt uns seine Sammlung von Buddhaköpfen aus dem Tempelbezirk von Angkor ( Siam ) und führt uns zu den grössten Blumen der Welt, die in Wäldern der Umgebung wachsen ( Amorphophallus Titanum, ein Aaronsstab von über 2 m Höhe ) und zu seltsamen Steinbildern aus frühen, unbekannten Kulturepochen, die jüngst ausgegraben worden sind; vielleicht gehören sie jener Kultur an, die die berühmten Monolithe der Osterinsel schuf.

Dem Hausherrn verdanke ich auch die Bekanntschaft mit dem Schweizer Direktor einer andern Plantage, mit Herrn Coulin, der von meinem Vorhaben gehört hat und mir in liebenswürdiger Weise einen europäischen Assistenten als « Bergführer » und sechs Kulis zur Verfügung stellt, die mir den Weg öffnen sollen.

Die Autofahrt am Spätnachmittag des andern Tages verschafft mir einen Überblick über den Plantagenbetrieb der Umgebung von Pager Alam. Die Anpflanzungen stehen meist auf den äusserst fruchtbaren vulkanischen Gesteinen, die sich in riesigem Mantel wie versteinerte Ströme um den Dempo legen; sie reichen heute bis gegen 2000 m an ihm empor, und an der obern Grenze der Neuanlagen schlagen die Kulis weiter den Urwald ab, um Raum zu gewinnen. Die Monokultur früherer Zeiten ist verlassen, und viele Plantagen haben sich heute auf 2—4 Kulturen verlegt resp. spezialisiert, um gegen alle möglichen Überraschungen, mögen sie klimatischer oder wirtschaftlicher Art sein, geschützt zu sein. So pflanzt man in Pager Alam nicht nur Kaffee, sondern wie weiter nördlich bei Kerintji auch Tee, ferner Sisal-hanf und Chinarinde.

Beim obersten Emplacement, ca. 1500 m, halten wir an; dorthin wird der Bergführer kommen. Unterdessen schaue ich mir die Landschaft an, die in grossartiger Übersicht sich vor meinen Augen ausbreitet. Denn das ist eine der köstlichsten Möglichkeiten im Wandertag des Geologen, dass er ein Landschaftsbild nicht nur nach der ästhetischen, nicht nur nach der berg-steigerisch-technischen Seite zu beschauen und würdigen vermag, sondern dass er auch mit Seherauge in die Vergangenheit des Gebirges, der Ebene taucht und das Werden des Landes wie einen Film vor sich abrollen sieht, der nicht nur wissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch die Erhabenheit der Naturwerdung und Ehrfurcht vor der Allgewalt der Schöpfung vermittelt.

Dort erst gewahre ich die riesigen Ausmasse des Vulkankörpers, der in sanften Hängen sich etwa 30 km in beiden Haupthimmelsrichtungen absenkt und hinter mir dunkel und jäh in den tiefen Wolken des Spätnachmittags verschwindet. Eine weite Hochfläche umsäumt rings den Vulkanfuss; im Osten heisst sie Pasumafläche. Im grauen Licht der heranstreichenden Regenwolken steigt hinter dieser fruchtbaren Ebene ein waldiges und felsiges Gebirge auf, das völlig unschweizerisch aussieht und dessen Züge als Herbst- Die Alpen — 194t — Les Alpes.19 DER VULKAN DEMPO IN SÜD SUMATRA.

bild etwa im Riesengebirge oder in den Abbruzzen zu lesen wären. Es ist das von Dr. Tobler untersuchte Goemaigebirge, eine langhingestreckte Falte des Barissangebirges, deren Kern und höchste Teile aus alten Grüngesteinen bestehen, sogar aus permocarbonischen Kalken, und an dessen Flanken, wie in den schweizerischen Gebirgen, jüngere Tertiärgesteine, und zwar in bedeutender Mächtigkeit, sich ausdehnen ( vgl. Fig. 2 ). Nun liegen, wie die genaue Kartierung Toblers ergab, die Tuffe und Agglomeratsströme des Vulkans überall auf den gefalteten Tertiärschichten auf; es muss also die Faltung älter sein als der Vulkan; anderseits muss die Faltung erst nach der Bildung der obern Tertiärschichten erfolgt sein — mit andern Worten: die Faltung fand statt am Ende des Tertiärs und der Vulkanausbruch in der nachfolgenden Erdperiode, also erst im Quartär, in der Eiszeit. Gerade ersteres Resultat steht in Übereinstimmung mit den Faltungszeiten auch NE 0 I 2 ä'5 km.

Nach Tobler. Höhen zweimal überhöht.

Schematisiertes Profil durch dem Dempo.

der schweizerischen Gebirge; die gewaltigste Gebirgsbildung der Erde vom Jura- und Alpengebirge über Karpathen, Kaukasus und Himalaja bis in den Sundaarchipel erfolgte also in grossartiger Einheitlichkeit und weltweiter Verbreitung.

Hinter dem Goemaigebirge liegen in dunklen Waldwellen die Niederungen Sumatras, wo unter der dichten Urwalddecke eingeebnete Falten mit ihren ölschätzen sich verbergen.

Die täglichen Regenböen umfloren die Landschaft und treiben mich in die Hütte.

Am Abend, nachdem der Assistent eingetroffen ist, findet Lohnauszahlung statt. Es ist hari besar ( grosser Tag 1 ), wie der Inländer sich ausdrückt. Welch bunte Bilder entwickeln sich da im nächtlichen Dunkel, von qualmenden Fackeln oder von einer stechend hellen Gasolinlampe mehr versteckt als enthüllt. Ruhig stehen Hunderte von javanischen Kulis, bis sie drankommen, demütig und ängstlich, aber auch unbeherrschter die Kuliweiber. Rings um die Hütten wird im Dunkel gekocht, gebrätelt, gehandelt, und malaiische und chinesische Kaufleute haben ihren guten Tag, während in andern Winkeln im Flackerschein eines ÖUämpchens Männer mit Würfeln um Geld spielen, bis ihr ganzer Lohn der letzten 14 Tage in den wenigen Nachtstunden dahin-geschmolzen ist.

Von 11 Uhr bis Mitternacht versuche ich, ein wenig zu schlafen, und um 1 Uhr brechen wir nach einem herrlichen Kaffee auf. Vor und hinter uns beiden Europäern marschieren je drei Kulis mit Pechfackeln, in deren gespenstischem Schatten wir über eine Stunde über die regennassen Baumstämme stolpern, klettern, fallen und fluchen. Auch traversieren wir mehrere Wasserleitungen, ähnlich angelegt wie die Bissen im Wallis. Endlich verschluckt der undurchdringliche schwarze Urwald das Trüpplein, und wir steigen in westlicher Richtung bergan. Die sechs Mann arbeiten schweigend und unverdrossen in die Dickichte hinein, und wir marschieren mit verminderter Geschwindigkeit nach. Mählich beginnt das Gelände anzusteigen, und nun sausen die Buschmesser und schneiden in das dunkle Meer eine fussbreite Lücke, durch die man sich hindurchwindet und dabei das regenschwere Gebüsch abstreift; bald ist man bis auf die Haut nass. Kein Tier stört unsern Marsch, kein Vogel verrät sich durch sein Geschrei; in wohliger Kühle geniesst man das mühelose Steigen, weil sich die dünnere Luft allmählich bemerkbar macht. Als sich die ersten Spuren der Dämmerung in einigen Lücken des Laubdaches zeigen, ist auch der Steilhang des eigentlichen Vulkankegels erreicht. Nach einem Marschhalt führt nun das fortwährend entstehende Weglein auf einen Grat, während im Dunkel in den Gründen die Wasser der Quellbäche der Seitenströme des Moesi rauschen. Gleichzeitig bemerke ich einen Wechsel in der Vegetation; während der Anstieg erst im gewöhnlichen Urwald mit seinen Grossformen, seinen Ficusarten, seinen Zingiberaceen, geführt hat, ist der Steilhang nur mit Regenwald bedeckt, von dessen immer-feuchten Ästen graue Flechten herunterhängen, je weiter man nach oben steigt in immer dichtem Zotteln, so dass man beim Licht der Fackeln in ungeheure, verfilzte Spinngewebe zu schauen vermeint. Auch üppige Moospolster schiessen überall auf und epiphytische Farne, die im Tiefland auf den Bäumen wachsen, stehn dort oben auf dem Boden. Die untere Nebelwald-grenze beginnt durchschnittlich an der untern Kondensationsgrenze der Wolken, auf schätzungsweise 2300-2400 m. Der phantastische Gratweg geht schliesslich in einen Blockgrat über, auf dem uns die aufsteigende Sonne überrascht. Die Fackeln sind schon gelöscht worden. Es ist ein gewittriger Morgen, und zur Regennässe hat sich nun auch der Schweiss gesellt. Der Wald wird niedriger und lässt hie und da Blicke ins Land frei; aber wir haben keine Zeit, darauf zu achten, denn der Blockgrat, der mich irgendwie an denjenigen des Aletschhornsüdgrates erinnert, wird zusehends wilder und steiler. Zwischen haus- oder zimmergrossen, mit nassem Moos besetzten Blöcken öffnen sich tückische Spalten, die man überspringen oder mit Hangelgriff an glitschigen und flechtenüberdeckten Ästen überspreizen muss, so dass für den beschuhten Europäer der Moment kommt, sich der Turnkunst und der Klettertechnik zu erinnern, um so mehr als die Steilheit noch zunimmt und die letzten 50-100 m direkt alpinen Charakter aufweisen. Aufschnaufend gerät man plötzlich auf eine fast ebene Stelle, will sich orientieren, sieht, dass man den Hang unter sich hat, und vergisst nicht nur, die Landschaft zu betrachten, sondern auch den Mund zu schliessen, denn — o Überraschung — das Strauchwerk zu Seiten des Pfades besteht aus blühenden 2—3 m hohen Alpenrosenstöcken. Wohl sind es keine Rhododendron ferrugineum, aber doch echte, blassrosa Alpenrosen. Und die nächste Überraschung, die einem da auf 3000 m wartet, sind die Blumen, die in ziemlicher Menge auf der kleinen Hochebene wachsen: die richtige Alpenflora, die sich auf den fast strauchfreien Plätzen sonnt: gelbe Primel, Astern, die wie unsere alpinen Astern aussehen, eine Art Katzenpfötchen, auch eine edelweissähnliche Pflanze, wahrscheinlich eine Gnaphalia, heidekrautähnliche Büsche und Kreuzkraut, sogar richtige Rasenpolster. Aber immer wieder diese hohen blassrosa Alpenrosen.

Sodann merkt man, dass man auf dieser Höhe von ca. 3000 m an der Waldgrenze angelangt ist; es ist eine klimatische und keine durch Vulkanausbrüche bedingte ( vgl. « Die Alpen » 1934, Seite 407 ). Von unserer kleinen Hochfläche aus erhebt sich erst der eigentliche Vulkangipfel ( Bild 83 ). Er stellt sich uns dar als ein flacher, graugestreifter Hang, auf dem sich eine kümmerliche Vegetation von heidelbeerartigen Büschen und zerzausten Föhren nach oben langsam verliert. Diese Grenze ist nun edaphisch bedingt, da man in den Bereich der jungen Eruptionen des Berges gelangt ist. Die letzte hat 1906 stattgefunden, sich aber nur auf schwächern Auswurf von Gasen beschränkt. Lava soll keine geflossen sein.

Um 7 Uhr 30 haben wir den obersten Rand des Kraters erreicht, und die Kulis laufen nach vorne, dem Abgrund entgegen. Ich geniesse allerdings erst einen Schluck Tee, wobei mich mein Begleiter, der Assistent, etwas argwöhnisch lächelnd von der Seite her betrachtet. Erst jetzt kommt mir wieder in den Sinn, dass er behauptet hat, dass kein Europäer hier heraufkomme, ohne dass er die prächtige Aussicht auch seinem Mageninhalt zeigen wolle. Dies sei die Folge des Arbeitens in den Tiefebenen, die ja nur wenige Meter über Meer liegen. Ich feiere einen kleinen Triumph, verschweige aber wohlweislich, dass ich in den vorangegangenen Wochen auf Java mehrere hohe Vulkane erklommen hatte.

Dann treten auch wir an den Rand des Kraters und werden für unsere Mühe reichlich belohnt. In einem jäh abschiessenden Kessel von etwa 1200 m Durchmesser liegt ca. 400 m tiefer, von einer fahlen Frühsonne magisch verklärt, ein Kratersee von märchenhafter Schönheit, von fast unheimlicher Ruhe; es spiegeln sich die grauen Tuffwände, die helleren Bänder in einem schwefelgelbgrünen Wasser. Jeden Augenblick meint man, es müsse ein Rauchstrahl aus der Tiefe der Felsen, aus dem Schlund des Wassers stossen, aber alles bleibt ruhig, nicht einmal Steinschlag ertönt. Lange betrachte ich dieses Wunder, das auf den Vulkanen Insulindes gar nicht selten ist, und dann beginnt der Blick die Umgebung aufzunehmen. Gegenüber ist die Kesselwand nicht so hoch, und dahinter gewahrt man die Reste eines älteren und viel grösseren Kraterrandes, der sich auch in nördlicher Richtung deutlich feststellen lässt, im Westen jedoch von der Erosion weggefressen worden ist. Der ältere Urkrater muss eine Höhe von gegen 3800 m gehabt haben ( vgl. Fig. 2 ). Die kleine Hochterrasse, auf der wir vorher die Alpenrosen gesehen haben, war die Vertiefung zwischen dem alten und dem neuen Vulkan, vielleicht ein geringer Rest des alten Kraterbodens. Es steckt also der Dempo in einem Vorläufer mit weiterem Krater; ein solcher Riesenschlund heisst in der Vulkanologie Caldera ( auch Caldeira ) xsie wird oft gebildet durch Einsturz oder Explosion des alten Vulkans, in dessen Grund sich dann neue « Auspuffrohre » und damit neue Vulkankegel bilden. Eine der bekanntesten Calderen Niederländisch-Indiens ist der Tenggervulkan auf Java mit ca. 12 km Durchmesser; sein bekanntester Sprössling ist der vielbestiegene Bromo.

Weit in der Runde dehnt sich die Insel Sumatra; vor allem versperrt das Barissangebirge mit seinen langen Reihen von Buckeln die Aussicht nach Westen; doch darüber hinaus wird schwach der Indische Ozean, südlich der Stadt Benkoelen, sichtbar. Im Norden glaubt man den Vulkan Kaba zu erkennen, doch bedeckt der schon nach 8 Uhr aus der Tiefebene aufsteigende Dunst bald wesentliche Teile der Szenerie. Noch sind uns unvergessliche Blicke über die unendlichen Flächen nach Osten, in die unabsehbaren Waldgebiete vergönnt, und bei dem folgenden Rundgang auf dem breiten Kraterrand gewahrt man einen kurzen Moment die kleine Vulkanruine des westlich anschliessenden Boekit Boenkoeh; dann sind wir in die rasch und wild aufsteigenden Wolken, die wieder aufsteigenden Regendünste von gestern, eingehüllt und sind mit unserem Bergsee allein. Mein Begleiter erzählt von früheren Besteigungen; u.a. sei auch Hermann Hesse hier heraufgestiegen; der letzte Besteiger von der Ostseite her, die ja die weitaus günstigste Anstiegsroute ist, war drei Jahre zuvor oben gewesen.

Das Tiefland ruft uns! Die Wolkenbänke verdichten sich, wie es an den Vulkanen dieser Zonen beinahe jeden Tag im Jahr die Regel ist, nach 9 Uhr morgens so schnell, dass kühlfeuchter Hauch uns erschauern macht, an das nahende Gewitter mahnt und wir, nach einem letzten Blick auf den nun fauliggrünen und düstern See, den Abstieg antreten.

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