Die Entwicklung des Tourenwesens im SAC

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Entwicklung des Tourenwesens im SAC

Ulrich Mosimann, Utzigen ( BE )

Am Galletgrat ( Doldenhorn, BO ) 53 Die Stellung des Gesamtclubs Als vor nunmehr 125 Jahren der SAC ge-gründetwurde, waren die meisten der bedeutenden Gipfel in den Alpen bereits bestiegen. Vor allem Mitglieder des zwei Jahre zuvor entstandenen englischen Alpine-Club hatten mit Sportgeist und Abenteuerlust diese Periode des

Im Mittelpunkt dieser Bestrebungen stand vor allem eine vertiefte wissenschaftliche und touristische Erforschung der Alpen, welche auch mit der Durchführung von Clubtouren systematisch vorangetrieben werden sollte. Damit wurde dem Tourenwesen im SAC von Anbeginn an eine zentrale Bedeutung zugemessen. Ein wesentlicher Bestandteil des bereits vom ersten Zentralkomitee erlassenen ( Exkursionsregulativs ) war die Ausscheidung von offiziellen Tourengebieten, innerhalb derer man zusätzliche Kenntnisse und Unterlagen für die damals in Entstehung begriffenen topographischen Karten und Clubführer sammeln wollte.

Bereits im August des Gründungsjahres wurde im Tödigebiet unter der Leitung des ersten Zentralpräsidenten eine Tourenwoche mit 19 Teilnehmern durchgeführt. Die Resultate dieses Unternehmens vermochten aber nicht in allen Punkten zu befriedigen. So überliess man in den folgenden Jahren die Initiative den einzelnen Sektionen, wobei aber das jeweilige Zentralkomitee immer noch die Exkursionsgebiete bestimmte und über die Tätigkeit der Sektionen eine ständige Kontrolle ausübte.

Nach dem Abschluss der Arbeiten am Kartenwerk des Siegfried-Atlas zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde an der Delegiertenversammlung des SAC im Jahre 1903 auf die weitere Bezeichnung von offiziellen Exkursionsgebieten verzichtet. Damit erhielten die einzelnen Sektionen auch formell eine weitgehende Autonomie bezüglich der Ausgestaltung und Durchführung ihrer Tourentätigkeit.

Das Obergabelhorn vom Südgrat des Trifthorns Die ausgeprägten föderalistischen Strukturen im SAC vermochten sich in der Folge besonders im Tourenwesen bis in die Gegenwart zu erhalten. Im Gegensatz zu einigen Alpenvereinen der Nachbarländer konnte oder wollte damit der Gesamtclub - vertreten durch die im dreijährigen Turnus wechselnden Zentralkomitees ( CCauf die Entwicklung im schweizerischen Alpinismus nur einen geringen Einfluss ausüben. So vermochte beispielsweise auch der Wunsch nach einem offiziellen Engagement des SAC im Expeditionsbergsteigen nie richtig Fuss zu fassen, obwohl der einzigen vom Gesamtclub mitfinanzierten Anden-Expe-dition im Jahre 1963 ein ausserordentlicher Erfolg beschieden war. Im Bereich des ( alpinen Breitensportes ) hingegen hat der Gesamtclub als Anbieter von Dienstleistungen für die Sektionen durchaus wichtige Funktionen wahrzunehmen. Eine wesentliche Aufgabe der vom CC eingesetzten Kommissionen für Sommer-und Winteralpinismus stellt sich in der Aus-und Weiterbildung von Tourenleitern, welche in ihren Sektionen für die verantwortungsvolle Betreuung des Tourenwesens zuständig sind. Die steigenden Bedürfnisse im Ausbildungswesen in den letzten Jahren manifestierten sich auch im Wunsch nach geeigneten Ausbil-dungsorten; so stand die Schaffung eines eigentlichen ( Ausbildungszentrums ) an Abgeordnetenversammlungen mehrmals im Brennpunkt der Diskussion. Nach einem langen und kostspieligen Irrweg wurde aber schliesslich auf eine zentrale Lösung verzichtet, und seit dem Sommer 1986 stehen in der Forno- und Ornyhütte vom CC finanzierte Räumlichkeiten für Ausbildungszwecke zur Verfügung.

Die Entwicklung in den Sektionen Nach dieser, in geraffter Form skizzierten Bedeutung des Gesamtclubs hat man sich nun für die weitere Betrachtung des Tourenwesens vor allem dem Geschehen in den Sektionen zuzuwenden:

Nur langsam sich intensivierende Tourentätigkeit Obwohl die meisten schon nach ihrer Gründung eigene Exkursionsprogramme zusammenstellten, vermochte sich die eigentliche Tourentätigkeit während der ersten Jahrzehnte nur sehr langsam zu entfalten. Einerseits wurden vielerorts die Kräfte durch die grossen infrastrukturellen Aufgaben ( Hüttenbau ) beansprucht, andererseits waren auch die Möglichkeiten der meisten Clubmitglieder bezüglich Freizeit und Mobilität bei weitem nicht mit den heutigen Verhältnissen vergleichbar. Das hinderte die Sektionen aber nicht daran, die private Initiative von profilierten Alpinisten vorbehaltlos zu unterstützen, welche mit bahnbrechenden Unternehmungen nun auch dem schweizerischen Alpinismus kräftige Impulse verliehen.

Im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Tourenskilaufs um die Jahrhundertwende begann sich dann aber im SAC eine deutlich konservativere Haltung bemerkbar zu machen. So stand man in vielen Sektionen den winterlichen Bergfahrten der ersten Skialpinisten mit grosser Skepsis gegenüber oder betrachtete diese Neuerung gar als untaugliche Spielerei. Nach einigen Jahren wurde aber doch nach und nach die grosse Bedeutung der Ski für den winterlichen Alpinismus erkannt. Und in den Veranstaltungsprogrammen der Sektionen erschienen auch die ersten Kurse und Touren - zu Beginn zogen da und dort sogar Fussgänger und Skifahrer gemeinsam aus.

In den folgenden Jahrzehnten führten die steigenden Mitgliederzahlen und die damit verbundene Nachfrage nach Clubtouren ebenfalls zu einem stetigen Ausbau der Tourentätigkeit. Vermehrt wurden so von den Sektionen Touren geplant und durchgeführt, welche zuvor noch den privaten Unternehmungen der Gründergeneration vorbehalten waren.

Kritisch-konservative Stellungnahme zum ( Extrem-Alpinismus ) Während in den dreissiger Jahren in den benachbarten Alpenländern - vor allem in den nördlichen Kalkalpen und in den Dolomiten -der sogenannte Extrem-Alpinismus ) bereits eine beachtliche Bedeutung erhielt, vermochte dieser in der Schweiz erst nach dem Zweiten Weltkrieg richtig Fuss zu fassen. Dieser Entwicklung stand man nun aber im SAC vielerorts sehr kritisch gegenüber: So wurde die Erschliessung von neuen Routen, wo es den Erstbegehern primär um die Suche nach schwierigen Wegen ging - d.h. wo dies das treibende Motiv war und nicht das Gipfelerlebnis - mit den Zielsetzungen des SAC als unvereinbar betrachtet. Nicht zuletzt aufgrund einer entsprechend ablehnenden Haltung des SAC Schloss sich in den fünfziger und sechziger Jahren in vielen Regionen die bergsteigerische Elite zu Kletterclubs zusammen. Und zweifellos hat dann diese Abkoppelung einiges dazu beigetragen, dass die Tourentätigkeit im SAC, abgesehen vom quantitativen Wachstum, über längere Zeit in eher ruhigen Bahnen verharrte und dass damit letztlich der ganze Club verstärkt als etikettiert wurde.

Die Bedeutung neuer alpinsportlicher Formen In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren ist nun aber die grosse Popularität des Bergsteigens im allgemeinen und die geradezu stürmische Entwicklung im Spitzenalpinismus im besonderen auch am Tourenwesen im SAC nicht spurlos vorübergegangen.

Obwohl bei den meisten Sektionen das Schwergewicht der Aktivitäten auch weiterhin den sogenannt Tourenbereichen zuzuordnen ist, zeigt sich bei den Tourenteilnehmern ein zunehmendes Interesse an neuen alpinsportlichen Formen. Mit dieser verbreiterten Palette beginnt sich eine zunehmende Spezialisierung abzuzeichnen, als deren Folge der typische Allroundbergsteiger weniger häufig anzutreffen ist. Gleichzeitig ist die Spannweite bezüglich des alpintechnischen Niveaus grösser geworden: Während einerseits bei vielen Clubmitgliedern vor allem Bergwanderungen und einfache Hochtouren im Vordergrund stehen, ist andererseits auch eine erhöhte Nachfrage nach technisch anspruchsvollen Aktivitäten vorhanden, die noch vor wenigen Jahren die möglichen und vertretbaren Grenzen sprengten. Obwohl das im Rahmen von Clubtouren angebotene Gruppenbergsteigen nur einen Teil der Mitglieder anzusprechen vermag, haben sich die Sektionen bei dieser Entwicklung nun mit immer vielfältigeren Anforderungen und Ansprüchen auseinanderzusetzen. Vor allem in den grossen Agglomerationssektionen des Mittellandes beginnen sich im ( Dienstleistungssektor ) ihres Tourenwesens in zunehmendem Masse gewisse, strukturell bedingte organisatorische Belastungsgrenzen abzuzeichnen.

Gleichzeitig hat man sich da und dort wiederum mit unterschiedlichen ideellen Vorstellungen zu befassen, welche - geschichtlich betrachtet - mit den Auseinandersetzungen um Tourenskilauf und Extrem-Alpinismus durchaus vergleichbar sind. So prallen gegenwärtig im Umfeld des sogenannten Sportkletterns traditionelle Wertvorstellungen und moderne Auffassungen über das Bergsteigen im SAC recht heftig aufeinander. Wie weit sich in Zukunft die Wege des ( konventionellen ) Bergsteigens und des Sportkletterns entfernen oder ergänzen werden, ist momentan schwierig abzuschätzen. Ansätze zu einem sinnvollen Miteinander wären durchaus vorhanden, auch wenn hier wie dort noch Vorurteile aus dem Weg zu räumen sind.

Generelle Wandlungen im alpinen ( Betätigungsfeld ) Ob der gegenwärtigen Aktualität des Span-nungsfeldes von Sport und Alpinismus sollte aber nicht übersehen werden, dass auch die übrigen, weniger spektakulären Formen des Im Aufstieg zur Rothornhütte ( Zermatt ) Bergsteigens von einem rascheren Wandel beeinflusst werden: So führt die ungebrochene Attraktivität der naturnahen Freizeitgestaltung in den Bergen zu einer zunehmenden Beanspruchung der Tourengebiete, verbunden mit einer Überlastung der hochalpinen Unterkünfte und der Umwelt. Gefördert wird diese Entwicklung durch ebenfalls rasch an Bedeutung gewinnende kommerzielle Interessen und eine verstärkte Präsenz der Medien bei Bergsportthemen. In diesem Umfeld wird es dem SAC und seinen Sektionen nur mit ge-samtheitlichem Denken und weitsichtigem Handeln gelingen, seine Funktion als eigentlicher der Bergsteiger zu bewahren und damit auch in Zukunft seine verantwortungsvollen Aufgaben im Dienste der Alpinisten und der Gebirgswelt erfüllen zu können.

Unterhalb des Windjochs

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