Die Ersteigung des Bietschhorns von Süden

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Prof. Dr. K Schulz in Leipzig ( Section St. Gallen ).

Von Der Versuch, den stolzesten Gipfel des Clubgebietes auf neuem Wege zu ersteigen, war mir im Jahre 1883 nahe am Ziele fehlgeschlagen.Beim Abschied von Zermatt Ende August 1884 lenkte ich die Aufmerksamkeit meiner Reisegefährten, der Herren L. Purtscheller aus Salzburg, sowie Dr. Otto und Emil Zsigmondy aus Wien auf die noch ungelöste Aufgabe und meinte, der schönste Weg aus dem Wallis in 's Berner Oberland führe über den Gipfel des Bietschhorns. Eine ganze Reihe schwieriger Touren in den Dolomiten und in den Schweizer Bergen hatten mich gelehrt, was ich von der Leistungsfähigkeit meiner Freunde erwarten durfte. Wer im Sturm und Nebel den Abstieg auf der italienischen Seite des Matterhorn gefunden und mit Ruhe und Sicherheit ausgeführt, der durfte nach meinem Dafürhalten sich auch eine Aufgabe setzen, wie die Ersteigung des Bietschhorns vonVergl. Jahrb. des S.A.C. 19. Jalirg. S. 2 u. folg.

Süden. Dem von dem Einen mit Begeisterung aufgenommenen Plane stimmten die Andern nach reiflicher Erwägung und Durchsprechen der Verhältnisse, wie ich sie an dem Berge gefunden hatte, gleichfalls zu. Als wir an dem schönen Sonntag des 31. August das Nicolaithal hinauszogen, richteten sich unsere Augen voll gespannter, aber keineswegs siegesgewisser Erwartung nach den schlanken Formen des gewaltigen Berges.

In Stalden war bei dem Gastwirth Venetz gerade ein Brief meines Führers in früheren Jahren, Alexander Burgener, der mit Herrn Déchy im Kaukasus war, angekommen und wurde von uns mit größtem Interesse gelesen. Er schilderte die Beschwerlichkeiten der Reisenden in einem Lande, wo es „ keinen Wein, nur etwas Cognac auf den Touren gibt ", und „ wo man nicht in Hotels schlafen kann ", in drastischer Weise.

Auf der Straße traf ich Polycarp Andenmatten, der mir 1881 als zweiter Führer gedient hatte. Ich engagirte ihn als Träger bis zu dem von uns aufzu-suchenden Schlafplatz am Bietschhorn. Von Vispach fuhren wir mit der Bahn nach Raron und suchten Herrn Johann Schröter auf, der einen Weinschank hat. Durch einen Brief des Herrn Joseph Seiler in Zermatt an ihn freundlichst empfohlen, wurden wir bestens zum Nachtquartier aufgenommen. Herr Nationalrath von Roten gesellte sich zu uns und bei solidem Abendbrod und vortrefflichem Walliser Wein wurde der Abend angenehm verplaudert. Die Unterhaltung drehte sich meist um geschichtliche und wirthschaftliche Dinge im Wallis/ Für unser Vorhaben interessirten sich beide ö2K. Schulz.

Herren, sowie der junge Herr Schröter sehr; sie nahmen aber auf das Bestimmteste an, daß es nicht ausführbar sei, und verheimlichten das uns keineswegs. Zum Schlafen wurden wir über die Straße in ein großes, einsames Haus geführt, wo Jeder ein ordentliches Bett bekam.

Am andern Morgen, nach eingenommenem Katfee, ließen wir tins tüchtig mit Proviant versehen, Schinken, Käse, Schwarzbrod und Weißbrod, und vertheilten ihn unter uns und Andenmatten, der außerdem in einem Tragkorb einige Decken mitnahm. Mit herzlichein Danke verabschiedeten wir uns von Herrn Schröter. Die einfache und biderbe, altfränkische Art der Aufnahme und des Hauswesens hatte uns sehr zugesagt, und als die für „ Herrn Schulz und drei Mithaften " ausgestellte Rechnung für Abendbrod, Wein, Nachtquartier, Kaffee und Proviant nur Fr. 24 oder 25 betrug, erkannten wir wohl, daß uns die uneigennützigste Gastfreundschaft erwiesen worden war.

Der 1. September brach mit prachtvollem Wetter an; 5 Uhr 35 Min. verließen wir Raron. Sehr langsam ansteigend passirten wir die obersten Hütten von Raronkuinineii um 6 Uhr 30 Min. und betraten dann rechts einbiegend und an einer Wasserfuhre entlang marschirend das Bietschthal. Den Weg durch dasselbe fand ich wegen der Holzabfuhr gegenüber dem Zustand im vorigen Jahre sehr verbessert. Die Schönheit des Bietschthales machte auf uns den tiefsten Eindruck. Kaum eine halbe Stunde hinter Raronkummen, oberhalb der tief eingeschnittenen Klus verengt sich das Thal; hohe Felswände treten dicht heran, Die Ersteigung des Bietschhorns von Süden. ( >3 aber die Thalsohle bleibt bedeckt mit dem herrlichsten Wald. Föhren, Fichten, Tannen, Birken und andere Bäume in oft sehr großen und schönen Exemplaren wechseln mit einander und bieten farbenreiche, entzückende Bilder. Die obere Alphütte, von der aus das wieder breiter gewordene Thal sich nur wenig-ansteigend zum Jägisand, einer ausgedehnten Schuttfläche, hinzieht, erreichen wir 7 Uhr 45 Min. Sie ist auch in diesem Jahr nicht bewohnt, meterhoch wuchern auf dem gedüngten Boden grüne Kräuter, vermischt mit Brennnesseln, empor.

Weiter oben treffen wir Schafe und unter einem mächtigen Felsblock eine kleine Schäferhütte zur Linken des Weges. In ihrer Nähe machen wir auf prächtigem Rasen um S Uhr 30 Min. eine lange Rast. Berückend gewaltig und schön baut sich vor uns die Pyramide des Bietschhorns auf. Der Himmel ist klar und rein, die Luft würzig und still. E. Zsigmondy holt Papier und Farben aus dem Rucksack und macht sich an eine Aquarellskizze des wunderbaren Berges. Andenmatten sucht nebenan Holz, und wir kochen uns in Purtschellers Blechtopf, der auch als Zuckerbüchse dient, Suppe. Köstlich schmekt uns dazu Herrn Schröters kräftiges Roggenbrod. Während auf dem, Papier-block unseres Malers die starren Felsformen des Bietschhorns entstehen, philosophiren Purtscheller und ich, ob diese Stunden reinen Naturgenusses einsam und hoch über dem Getümmel der Menschen nicht beinahe ebenso schön sind, wie die Freude über einen eroberten Gipfel. Wir ertappen uns darauf, daß wir doch keine richtigen Spitzenfresser sind; dorthin, wo wir selige-

Stunden genießen, können bequem auch gewöhnliche Menschenkinder kommen. Möge man es nur aufsuchen, das einsame Bietschthal, Jeder wird reichbelohnt von einem Ausflug dahin zurückkehren. Während wir träumend liegen, haben leichte Nebel sich am Bietschhorn gesammelt, der Maler muß seine nahezu beendete Arbeit abbrechen. Um 1 Uhr 32 Min. setzen wir uns -endlich wieder in Bewegung. Ein von mir gemachter Vorschlag, schon früher aufzubrechen und einen möglichst hoch gelegenen Schlafplatz zu suchen — mir waren die im vorigen Jahre am Berge vorgefundenen Schwierigkeiten in deutlicher Erinnerung geblieben — erfuhr keine Billigung.

Wir überschreiten die Steinwttste des Jägisandes, gehen dann zu unserer Linken etwas ansteigend über einen gewaltigen Felssturz, der vor Jahren von den Wänden zwischen Eggenhorn und Praghorn abgestürzt ist, und steigen langsam an den wasserdurclirauschten Terrassen des Rämi empor. Dort, wo die im Westen vom Bietschgletscher herabkommenden Bäche sich mit dem Mittelbach vereinigen ( Punkt 1988 des Siegfriedatlasses ), sind glatte Felsen, die einige Vorsicht erfordern. Die Zuflüsse und auch der Mittelbach werden übersprungen; am linken Ufer des letzteren steigen wir empor. Dort sind die Erlensträucher, Alpenrosen und Wachholderbüsche, in denen ich im vorigen Jahre mit Burgener und Perren am Morgen gelegen habe; dort weiter oben, wo die Vegetation aufhört, war unser Nachtlager, erzähle ich meinen Freunden. Die glatten Platten, die damals in der Nacht so schlecht zu passiren waren, können wir jetzt am Tage über die in ihnen befindlichen Risse und Absätze leicht überschreiten. Mit dem Erreichen der Linie, die auf der Karte vom Gipfel des Thieregghorns zum Wilerhorn zu ziehen wäre, hört die Vegetation ziemlich auf, es beginnen trümmerbesäte Halden.

Im Westen sind schwere Wetterwolken aufgestiegen, das Wetter ist recht unsicher geworden, und wir sehen uns nun nach einem Schlafplatz um. Meinem wieder geltend gemachten Wunsch, höher zu gehen und oberhalb des Gletschers in den Felsen der Pyramide des Bietschhorns selbst einen Schlafplatz zu suchen, wird -entgegnet, oberhalb des Gletschers würde es kälter und rauher sein, wir wollten am Morgen lieber früher aufbrechen. Da es beinahe 4 Uhr geworden war und gegenüber dem drohenden Umschlag des Wetters füge ich mich der Majorität. Drüben an den Felsen des Thieregghorns winkt uns eine deutlich erkennbare Balm ( Höhle ) mit grünem Rasenpolster. Wird das Wetter schlecht, so ist das die sicherste Zuflucht. Purtscheller und E. Zsigmondy sind indeß noch etwas höher gegangen und stehen prüfend vor einem mächtigen, nach Süden überhängenden Felsblock.

Sie rufen uns hinzu und wir entscheiden uns für ihn als Nachtquartier. In der Höhe von 2650 bis 2&60 Meter gelegen, ist er augenscheinlich schon von Schafen als Zufluchtsort benutzt worden. Die Höhlung ist geräumig, aber namentlich zur Rechten ziemlich flach. Räumen wir eine Anzahl Blöcke heraus und bauen wir zur Linken und vorne eine Steinmauer, dann gibt es eine prächtige Hütte, in der wir mit unseren Decken wundervoll logiren wollen! Und sogleich ging die 5 Cyclopenarbeit an, Steine wurden aus der Höhle herausgeschleppt und gewälzt, der Boden geebnet und link » eine Mauer erbaut. Mitten in der Höhle lagen jedoch zwei Riesenblöeke, die auch dem Anfassen von vier kräftigen Armen nicht weichen wollten. Wir nahmen unser Manilahanfseil heraus, schlangen es um den Block und zogen zu dreien daran, während zwei im Inneren der Höhle mit den Beinen gegen das Felsstück stemmten. Nach einigen vergeblichen Versuchen bewegte sich der Coloß und ließ sich zur Seite wälzen. Der zweite war noch größer und leistete-länger Widerstand. Wir hatten das Seil um eine Kant& gelegt; als wir zogen, riß es plötzlich. Wir taumelten zurück, wie die sieben Schwaben mit ihrem Spieße,, aber das Seil wurde wieder zusammen gebunden, an einer besseren Stelle umgelegt, und der wohl 5 bis 6 Centner schwere Granitblock mußte auch heraus-Er erhielt die Rolle eines Thürpfeilers zugetheilt Jetzt war ein für fünf Leute bequem zureichender Raum unter dem Block frei, die Mauer erhob sich höher und höher. Um 6 Uhr standen wir triumphirend vor dem Werk unserer Hände. Die „ Südliche Bietsch-horncabane im Rämi " war fertig und wir beschlossen, sie dem Schweizer Alpenclub für 25 Franken zum Kauf anzubieten. Daß sie mit der Weißhornhütte erfolgreich concurriren könne, darüber waren wir einig. Westlich und östlich von der Hütte in einer Entfernung von circa 50 Schritt war Wasser; an dem letzteren haben wir einen Steinmann errichtet. Jetzt wurde gekocht — Andenmatten hatte einen Arm voll Holz mit herauf-genommen — Abendbrod gegessen und aus cristalli- sirter Citronensäure mit Wasser und Zucker Limonade, unser gewohntes Getränk auf den führerlosen Bergfahrten, gemacht. Wein mitzunehmen verbietet die damit verbundene zu große Belastung. Nur etwas Cognac oder Rhum in einer Feldflasche wird gegen große Kälte oder zur Stärkung bei größeren Touren noch mitgeführt.

Trotzdem im Westen dicke Wolken heraufzogen, war am Nachmittag das Bietschhorn mehrfach frei vom Nebel geworden. Wir studirten eifrig seine Wände und Couloirs und E. Zsigmondy meinte, in dem Couloir, welches direct westlich von dem von mir im vorigen Jahre benutzten liege, gehe es namentlich in seinem oberen Theile. Ob es freilich von unten zugänglich sei, das schien nicht sicher; dort waren steile, schwarze Stellen mit ablaufendem Wasser, die wenig verheißend aussahen. Aber vielleicht konnten wir aus meinem weiter östlich gelegenen Couloir in dieses westlich daran stoßende hinüber gelangen; dann bestanden große Chancen für den Erfolg. Siegesgewiß rief unser Jüngster zum schneegekrönten Gipfel hinauf: „ Warte Bietschhorn, morgen wirst du gemacht !" Wir lachten über die uns etwas verfrüht erscheinende Zuversicht, aber unsere Mienen wurden wieder ernst, als wie zur Antwort auf den vermessenen Ruf eine Steinlawine polternd in einem der Couloirs herabstürtzte.

Das Bietschhorn ist neben Weißhorn und Matterhorn der schönste, aber von allen Wallisern wohl der ungastlichste Berg. An keinem sind selbst auf dem " gewöhnlichen Wege so viele Partien zurückgeschlagen worden, im Verhältniß zu denen, die den Gipfel erreichten.

mK. Schulz.

Wir legten uns zur Ruhe in der Erwartung, daß, wie die Wolken zogen, Regen und Sturm uns wecken würden. Wer beschreibt unser frohes Erstaunen, als wir, um 2 Uhr 30 Min. nach ordentlichem Schlafe erwachend, einen völlig wolkenlosen Himmel über uns sehen. Ein Preudenruf hallt hinaus in die sternenhelle isacht. In unserer Universalblechbüchse wird Thee gekocht, ein Imbiß genommen und um 3 Uhr 30 Min. aufgebrochen. Andenmatten hat seinen Lohn erhalten und es sich nochmals in der Hütte bequem gemacht, um dann am Morgen mit den Decken nach Raron und nach Hause zu gehen. Er sieht uns nicht ohne Sorge unseres Weges ziehen und bittet dringend, ihm Nachricht zu geben, wie es uns ergangen sein würde.

Beim Schein einer Meraner Papierlaterne stiegen wir über Schutt und Trümmer aufwärts direct auf den östlich am Fuße des Bietschhorns eingebetteten kleinen Gletscher zu. Die Temperatur betrug 612° Celsius plus. Wir betraten die Moräne und dann nach Löschen der Laterne um 4 Uhr 25 Min. den ziemlich steilen und anfänglich aperen Gletscher. Sehr erstaunt war ich über den Unterschied im Umfang der Schneebedeckung in diesem und im vorigen Jahre. Wohl eine halbe Stunde über den Gletscher hinaus hatte sich im vorigen Jahre ein Schneefeld erstreckt, über welches wir abgefahren waren und welches uns das leidige Trümmerfeld fast ganz verdeckt hatte. Wir waren nach der Excursionskarte bereits ca. 3000 m hoch. Wie viel werden uns die ca. 1000 m bis zum Gipfel des Bietschhorns noch kosten? Mit der Rechnung 300 m pro Stunde wird es dies Mal wohl nicht gehen.

Während des Aufsteigens hatte ich mich öfters umgesehen; breiteten sich in unserem Rücken doch die Walliser Alpen bis zum Montblanc aus. Mit dem ersten leisen Aufkommen des Morgens hoben sich die mächtigen Gestalten des Weißhorns, des Matterhorns und der Mischabelgruppe in grauem Dämmerlicht ab, bis sie nach und nach im Silberglanz wie in matter electrischer Beleuchtung dastanden. Es war nicht das gewöhnliche schwere Bleigrau vor dem Sonnenaufgang, sondern ein lichterfttllter, feenhafter Zauberglanz, eine Märchenpracht, welche die vergoldenden Sonnenstrahlen dann rasch in imponirende Wirklichkeit verwandelten. Auf welchen physikalischen Bedingungen dieses bisher in solcher Schönheit nicht von mir beobachtete Bild des werdenden Morgens beruhte, wer vermöchte es zu sagen?

In Bewunderung des herrlichen Schauspiels brachten wir ziemlich lange mit dem Anlegen der Steigeisen zu, die uns das Stufenschlagen ersparen sollten. Dann stiegen wir den Gletscher hinan, eifrig mit dem Studium der Felswände beschäftigt, wo sie den besten Zugang gewähren würden. Das von mir im letzten Jahre benutzte Couloir ließ sich bereits übersehen. Direct unter diesem Couloir und ebenso unter der Mündung des weiter westlich gelegenen entragten dem Gletscher abgeschnittene Felswände, deren Zugänglichkeit ich nach meinen vorjährigen Erfahrungen bezweifeln mußte. Purtscheller, immer geneigt, den Stier bei den Hörnern zu fassen, wollte sie direct angreifen. Wir hatten indeß bald das breite Felsband zur Rechten entdeckt, welches ich im vorigen Jahre mit Burgener beim Abstieg benutzte. Es zieht vom Gletscher zu dem Grat zwischen Thieregghorn und Bietschhorn empor, ungefähr dort, wo der Grat die tiefste Depression zeigt, und gewährt allein einen bequemen Zugang, wovon die Zsigmondy's sich auch schnell überzeugten. Wir riefen Purtscheller zurück, durchschritten vor dem Felsen eine tiefe Einbuchtung im Gletscher und betraten 5 Uhr 20 Min. die Felswand, ohne in diesem Jahre hier einen Bergschrund zu finden. Das Band führt nach rechts in die Höhe. Dort angekommen wandten wir uns links und traversirten die Wand des Kessels, wie ich es im vorigen Jahre gethan hatte, bald auf pfadartigen Bändern, die mit Schutt und losen Platten bedeckt waren, bald über steile Platten auf- und absteigend. Wir hatten uns noch nicht mit dem Seil verbunden und brauchten uns bloß an einigen Stellen durch Zureichen der Eispickel gegenseitig zu unterstützen. Die glatte Stelle, die ich im Vorjahre mit dünnem Eise überzogen angetroffen hatte, passirten wir 6 Uhr 15 Min. Sie war jetzt nur von Wasser beronnen und bot uns den ersten Morgentrunk.

Von da kletterten wir 10 Min. lang- nach rechts aufwärts und befanden uns nun etwa in halber Höhe auf der westlichen Abdachung des vom Bietschhorn südwärts ziehenden Grates unterhalb der Stelle, wo der westliche Grat ( vom Stockhorn her ) sich mit dem genannten Südgrat vereinigt. Nach dem Titelholzschnitt zum 19. Jahrgang des Jahrbuchs standen wir am unteren Ende des am weitesten rechts befindlichen Schneefeldes an der hinter demselben sichtbaren Felswand.

Das Schneefeld kennzeichnet die Ausbuchtung oder Verbreiterung des langen und schmalen Couloirs, welches sich über dem Schnee bis in die Nähe des Gipfels emporzieht. Dasselbe liegt hart an der Südost kante der Gipfelpyramide. Auf dem topographischen Atlas ist es nicht angedeutet. Es ist das von mir 1883 zum Aufstieg benutzte Couloir. Auf dem Holzschnitt verschwindet es zwischen den beiden äußeren Felsgraten zur Rechten.

Das bereits oben genannte, weiter westlich gelegene, sehr breite und tief eingeschnittene Couloir leitet direct :cum Gipfel hinauf und ist auf dem topographischen Atlas genau und bestimmt angegeben. Es zieht sich über dem kleinen Gletscher rechts von der Zahl 3053 in die Höhe.

Ich nenne jenes Couloir das östliche, dieses das westliche. Der zwischen beiden befindliche zerrissene Felsrücken und besonders dessen westliche Abdachung hat uns den Weg zum Gipfel des Berges dargeboten. Während auf dem Holzschnitt das westliche Couloir sich so wenig übersehen läßt, wie das östliche, tritt auf demselben der beide trennende Felsrücken, speciell dessen westliche Abdachung deutlich hervor. Es ist der Felsgrat mit den vielen Zacken und Thürmen, der gerade vor dem mehrgenannten Schneefeld emporzieht. Die Umgehung dieser Thürme war nächst dem Erreichen des Felsgrates aus dem östlichen Couloir heraus das Schwierigste an unserem Wege.

Zwischen der Felswand, auf der wir standen, und zwischen der unteren Ausbuchtung des östlichen Couloirs befand sich noch ein schmaler, mit Eis bedeckter TiK. Schule.

Einschnitt, zu dem wir hinabstiegen und den wir auf eingeschlagenen Stufen nach aufwärts überschritten. Wir erreichten die jenseitigen Felsen, kletterten an ihnen empor und konnten nun die ganze Ausbuchtung unter dem oberen engen Theil des östlichen Couloirs-übersehen. Mit dem größten Erstaunen mustere ich die tiefgreifende Veränderung gegen voriges Jahr-Statt eines weiten Schneefeldes mit einem hohen Schneekamme liegt nur eine dünne Schnee- und Eisdecke über den überall hervortretenden Felsen; an vielen Stellen sind diese ganz frei, nur dicht an der Mündung der engen Partie des Couloirs hat sieh der Schnee in dickeren Massen angesammelt. Und in diesem — 0 wehist deutlich eine tiefe Rinne eingeschnitten, die Verrätherin häufiger Steinfälle, die im, vorigen Jahre ganz fehlte. Es ist klar, das vergangene-Jahr war mit seiner dichteren Schneebedeckung viel günstiger für die Ausführung der Partie. Was werde » wir dieses Jahr erleben? Einigermaßen beruhigt uns,, daß, obwohl die Sonne schon auf die Südwand des-Berges schien, sich noch kein Stein geregt hatte.

Wir setzen uns auf den Felsen nieder, um zu frühstücken; kaum haben wir einen Bissen zu uns-genommen, als es über uns rasselt und der erste Stein-in großen Sätzen auf uns zugesprungen kommt. Das-ist eine schöne Geschichte; vor 7 Uhr geht es die& Mal schon los! Mit dem Frühstück in der Hand wenden wir uns zur Linken 1 ), um aus der Schußlinie Die Ersteigung des Bietschhorns von Süden. 7:J zu kommen. Otto, der wegen zurückgelassener Steigeisen sich von uns getrennt hatte, kommt nach etwa 20 Min. zurück. Nach kurzer Rast packten wir unsere Rucksäcke wieder auf und traversiren nun eiligst nach rechts aufwärts. An mehreren Stellen ist es nöthig, in der dünnen Eisdecke über den Felsen Stufen zu schlagen. Wir kommen so auf die östliche Flanke des verbreiterten Couloirs und steigen über Schneeflecken und Felsblöcke bis ca. 20 m unter der Mündung des engen Einschnitts empor.

Um jetzt weiter zu kommen, müssen wir, wenn wir das verengte Couloir salbst mit seiner gefahrdrohenden Rinne vermeiden wollen, wieder hinüber auf die westliche Flanke der Ausbuchtung. Dort scheinen die Felsen, welche das schmal gewordene Couloir einfassen, ersteigbar zu sein; auf der östlichen Seite richtet sich die Felswand starr und senkrecht in wilden Riffen in die Höhe. Hier ist kein Zugang. Wir betreten den tiefen, unterhalb der Mündung des engen Einschnitts von Lawinenfällen aufgestauten Schnee. Purtscheller geht stufenschlagend voraus. Jetzt ist er an der tiefen Rinne, er steigt hinein, wieder mehrere Stufen, E. Zsigmondy steht gespannten Blickes nach oben in der Nähe der Rinne, um beim ersten Geräusch den Freund zu warnen. Nun schwingt er sich am eingerammten Pickel aus der eisbekleideten Rinne heraus, noch einige Stufen und Schritte und er ist gedeckt unter schützenden Felsen. Darauf geht E. Zsigmondy durch und ich übernehme das Amt des Wächters, dann ich und O. Zsigmondy. Wir steigen im Schnee noch ein Stück hinauf und klettern dann in die Felsen.

Es sind steil aufgerichtete Granitplatten, an denen wir uns in die Höhe ziehen; die lange schmale Spalte, durch die ich letztes Jahr geklettert, lassen wir zur Rechten liegen. Bei einigen besonders hohen Platten lasse ich mir das Seil zur Unterstützung zuwerfen. Wir sind jetzt — es ist 8 Uhr — schon etwas über die Mündung des engen Theils des Couloirs zu unserer Rechten emporgeklettert und befinden uns auf der -östlichen Abdachung des Grates zwischen den beiden großen Couloirs. Mein Aneroid zeigt eine Höhe von 3520 "'an1 ). Aber direct aufwärts lassen sich die Felsen nicht weiter verfolgen, sie werden zu steil und glatt.

Die Formation des Berges ist hier eine außerordentlich wilde und zerrissene. Die Südostkante der Gipfelpyramide und der mit ihr ziemlich parallel aufwärts laufende Grat, auf dem wir uns befinden, bestehen aus sich über einander aufbauenden grotesken Thürmen mit tiefen Einschaltungen und Steilabstürzen. Wir standen am Fuß eines dieser Thürme und suchen ihn zu umgehen. Zu unserer Linken war an einem großen Felszahn eine Gratlücke, durch die man wahrscheinlich in das westlich gelegene große Couloir sehen konnte. Es galt zu prüfen, ob wir schon so hoch seien, daß wir uns über der von unten gesehenen steilen und schlechten schwarzen Stelle befinden würden. Dann konnten wir vielleicht schon jetzt in dieses Couloir hinüber. Zur Gratlücke führte ein sehr schmales Felsband. E. Zsigmondy und Purtscheller gehen vorsichtig auf demselben hin und schauen hinüber. Das Resultat der Prüfung ist kein günstiges. Eine unzugängliche oder doch sehr schwere glatte Felswand würde zu überwinden sein, auch die schwarze Stelle ist schwerlich schon unter unserem Standpunkt.

Jetzt blieb uns kein anderer Ausweg, als die Umgehung auf der östlichen Seite auszuführen. Das ging aber nur, indem wir in das mehrerwähnte enge Couloir zu unserer Rechten einstiegen, durch welches ich 1883 gegangen war. Dem ersten Steine waren inzwischen mehrere andere gefolgt, aber die letzten 10 Minuten lang war es still gewesen. Zudem waren die Steine regelmäßig in der Mitte durch die Rinne hinabgeflogen, und wir sehen, daß wir uns an der westlichen Seitenwand ziemlich hoch und also verhältnißmäßig vor den Steinen geschützt halten können. Vielleicht können wir das Couloir weiter oben wieder verlassen. Wir traversiren nun rechts in 's Couloir hinein und steigen in demselben empor, immer so hoch wie möglich an den westlichen Wänden. Mehrfach gehen Steine neben uns ab. Die höher am Himmel rückende Sonne wirkt immer kräftiger, bei der dünneren Schneebedeckung lösen sich viel mehr Steine als im vorigen Jahre. Jetzt springen sie auch an den seitlichen Hängen empor — es geht nicht weiter, die Gefahr ist zu groß, das Couloir, in dem wir seit 20 bis 25 Minuten sind, läßt sich nicht weiter verfolgen. Also zu unserer Linken hinaus wieder auf den vorher verlassenen Grat, sobald es irgend geht.

Hastig klettern wir empor, tiefer Neuschnee in den Winkeln zwischen den Felswänden und dem Boden des Couloirs erschwert das Klettern; da öffnet sich links ein Zugang zu einem Felsabsatz, über einen runden Felsblock mit fußtiefem Neuschnee gilt es sich emporzuziehen — es ist die erste Einbuchtung zur Linken, die uns aufnimmt, weiter oben im Couloir ist eine zweite größere — tief aufathmend stehen wir an geschützter Stelle auf einem Felsband über dem Couloir. Die Einbuchtungen bezeichnen die Einschnitte zwischen großen Thürmen des Grates. Der erste ist von uns umgangen und liegt bereits unter uns. Wir stehen am Fuße des zweiten. Zwischen beiden richtet sich aber eine glatte Felswan'd als östliche Abdachung des Grates und als Schulter des zweiten Gratthurmes auf, an der wir prüfenden Blicks emporschauen. Nur über diese Wand können wir wieder auf den Grat gelangen. Das schaut verdammt schlecht aus! ist das Thema, was alle vier, jeder auf seine Weise, variiren. Das Band, auf dem wir umühr stehen, fuhrt in südlicher Richtung zunächst etwas in die Höhe, dann wieder abwärts.

Anfänglich ist die aufragende Wand sehr steil, sogar überhängend. Trotzdem will O. Zsigmondy hier probiren. Indeß E. Zsigmondy und Purtscheller gehen weiter auf dem Band abwärts, dort scheinen mehr Griffe und Haltepunkte zu sein. Nach einer etwas erregten Discussion darüber, welche Stelle die räth-lichste sei, bindet sich Purtscheller das Seil um den Leib und fängt an zu klettern. Er scheint zweifelhaft. „ Es geht weiter oben nicht. " „ Wenn Sie nicht wollen, so gehe ich hinauf. " So flogen die Worte hin und her. Von Neuem zieht Purtscheller sich empor, einen leichten, wenn auch sehr wenig sichern Halt gewährt ihm das Seil, welches er um kleine Vorsprünge über sich legt, während E. Zsigmondy unten das andere Ende hält und vorsichtig anzieht. Zuerst bietet die Wand eine flache Rinne mit guten Griffen. Die ist bald überwunden. Dann kommt eine glatte Stelle. Langsam geht es aufwärts. Oh, schon ist er halb oben; in einer Höhlung unter einem vorstehenden Block kann er verschnaufen. Aus der Höhlung ist nach links auf die Kante der Wand oder Schulter herauszutreten und von schlechtem Stand aus wieder senkrecht empor zu klettern. Purtscheller macht hier Halt. Emil bindet sich an das von jenem gehaltene Seil und klettert mit seinem und Purtschellers Rucksack auf dem Rücken nach. Der vorstehende Felsblock drängt ihn mit den beiden schweren Säcken unangenehm ab, aber er gelangt glücklich zur Kante hinüber. Jetzt klettert Purtscheller weiter. Es geht prächtig! Mit Armen, die den Körper dem Gesetze der zur Erde niederziehenden Schwerkraft entrücken, zieht sich unser Freund an kleinen schmalen Rippen auf den Platten empor, die zur Noth etwas Halt für die Hände, aber fast keinen Widerstand für die Füße bieten. Das untere Ende des 21 Meter langen Seils bewegt sich bereits über uns, aber schon nähert sich Purtscheller auch dem Sims der Wand, noch einen Aufzug und er hat sich hinaufgeschwungen und steht schwer athmend und verschnaufend hoch über unseren Häuptern. Wir jubeln über die Meisterleistung unseres Gefährten, in vielfältigem Echo irrt unser Hurrah in den Felsspalten und Thürmen umher. Purtscheller bindet sich das Seil vom Leib und ruft: Nur nach, es scheint hier oben weiter zu gehen!

E. Zsigmondy läßt zunächst die beiden Rucksäcke hinaufbefördern, dann klettert er am Seil direct an der Kante hinauf und steht bald bei Purtscheller oberhalb der Wand auf der Höhe der Gratschulter.

Während des langwierigen und mühsamen Kletterns saßen O. Zsigmondy und ich, die wir den Freunden nicht helfen konnten, unten auf dem Felsbande. Schon einige Zeit hatte ich eine von Italien lier sich aufthürmende Wolkenschicht beobachtet, die über das Saasthal näher rückte und jetzt uns ihre ersten Boten in Gestalt leichter Nebel schickte, die sich an die Felsen hefteten. Indeß blieb es trocken und die Temperatur warm. Ich beschäftigte mich mit einigen Granitblöcken, an denen prächtige rauchfarbige Cristalle saßen. Sie waren meist nur klein, aber einige von der Größe eines Fingergliedes konnte ich abschlagen.

Purtscheller und Emil warfen jetzt das Seil zu uns herab und riefen: Bindet die Pickel fest! Es reichte nicht ganz zu uns herunter, und Otto mußte etwas in die Höhe klettern, um es zu fassen. Mit Sicherheit, läßt sich danach die Höhe der senkrechten Stelle auf circa 24 m angeben. Wir schlangen das Seilende um die vier Eispickel, holten auch eine Rebschnur heraus und banden sie fest darum, aber es war schwer, die sperrenden Stöcke festzukriegen. Währenddem verloren die Obenstehenden, die uns nicht sehen konnten, die Geduld und riefen herunter. Wir antworteten hinauf, aber sie konnten uns nicht ver- stehen. Auch uns gingen die meisten ihrer Worte verloren, da ein sehr starkes und nahes Echo den Schall jedes Wortes begierig aufsog und neckend und lärmend zurücksandte, so daß das nächste Wort in den rückströmenden Schallwellen unverständlich verhallte. Der Berggeist mischte sich drohend in unser Spiel und wollte die Einigkeit stören. Endlich waren die Pickel fest und wurden in die Höhe gezogen, da und dort anstoßend. 0 weh, jetzt saßen sie fest unter dem vorstehenden Block. Langsam! Vorsicht! riefen wir hinauf. Wenn jetzt die Rebschnur riß, waren unsere Pickel rettungslos verloren und wir hätten die Partie kaum fortsetzen können. Schließlich gelang es, sie zur Seite zu schwingen und aufzuziehen.

Wieder kam das leere Seil zu uns herab. Otto'Zsigmondy hatte die Vorsicht gebraucht, vor dem Beginn der ganzen Kletterei den Knoten, der nach dem Zerreißen auf dem Schlafplatz die beiden Theile verband, sorgsam neu zu knüpfen. Nochmals wurde er auf seine Festigkeit geprüft. Dann kletterte ich, von Otto unterstützt, einige Meter empor, band das Seil vorsichtig um mich, was in einer schwierigen Situation nicht gerade leicht war, und kletterte nun, von oben unterstützt, tapfer vorwärts. Unter dem vorstehenden Block rief ich Halt und verschnaufte. Dann ging es links hinaus und jetzt erst sah ich die Köpfe der oben Ziehenden. Noch einmal mußte ich am oberen Theil der Wand verschnaufen, dann noch einige kräftige Klimmzüge; starke Arme faßten mich und ich stand bei den Freunden hoch erfreut, daß ich an keiner Stelle am Seil gehangen hatte. Ohne Seil freilich hätte ich Tiiemals die Wand überwinden können und ich konnte es jetzt beurtheilen, daß Freund Purtscheller beim Vorausklettern ein Stückchen geliefert hatte, was ihm auch unter den Führern nur die ersten Felskletterer hätten nachmachen können. Nun folgte auch Otto und als der Letzte gerötheten Antlitzes neben uns stand, sahen wir frohen Muthes an dem starren Felspanzer des Berges hinauf. Was soll uns noch aufhalten, nachdem wir eine solche Stelle siegreich überwunden hatten?

Von 9 Uhr bis 10 Uhr 15 Min. hatten wir mit der Ueberwindung der steilen Wand zugebracht. Sie liegt nach meinem Aneroid in einer Höhe von 3610 m. Wir standen jetzt wieder auf dem zerrissenen und in wilden Felszacken zerspaltenen Grat zwischen dem westlichen und dem östlichen Couloir. Ein Thurm gerade über uns war überhängend. Dieser war es, wie wir nun sehen konnten, von dem die Steine in das östliche Couloir zu unserer Rechten fielen. Ganze Ladungen prasselten jetzt in demselben hinunter und die zersplitternden Felstrümmer bestrichen auch die seitlichen Hänge. Es ist gut, daß wir das Couloir verlassen haben. Den gefährlichen Thurm müssen wir links umgehen, da rechts nach dem Couloir hinunter die Richtung des Steinfalls ist und überhängende Wände dort eine Umgehung verbieten. Von dem Felszacken, den wir über die steile Wand erreicht haben, steigen wir daher links hinab durch dicken, die Felsen bedeckenden Neuschnee. Noch können wir das große westliche Couloir, welches unser Ziel ist, nicht erreichen. Wir sind erst in ein kleines Nebencouloir auf der westlichen Abdachung des Grates gelangt und steigen in ihm wieder zur Grathöhe empor, die hier aus einem kleinen Schneekamm besteht. Von hier übersehen wir zu unserer Linken den unteren Theil des westlichen Couloirs. Seine steilen Wände sind mit Eis bedeckt, in der Mitte geht eine tiefe Rinne, in der Wasser fließt. Unterhalb der Mündung der Rinne muß die schwarze Stelle sein, die wir von unten beobachtet haben. Wir sind jetzt wohl 60 bis 80 in höher als die Mündung. Aber über diese steilen Eiswände läßt sich nicht wohl traversiren. Wir müssen uns noch auf dem Grat halten und dürfen das Couloir -erst weiter oben betreten. Wo der kleine Schneekamm endet, baut sich der Grat wieder in mächtigen steilen Felsabsätzen in die Höhe. Rechts erhebt sich eine glatt abgeschnittene Felswand ohne Halt und Griff, links zieht eine Eiswand steil zu dem geschilderten Kessel des westlichen Couloirs hinunter. Jenseits der etwa 5 m breiten Eiswand zieht sich eine schmale Rinne in einem hohen Felsabsatze empor, die gangbar erscheint.

Emil Zsigmondy hatte sich jetzt an unsere Spitze gesetzt und schlug auf der Eiswand, da, wo sie an den glatten Felsen zur Rechten anstieß, leichte Stufen. Wir warteten auf dem Schneegrat. Ich war Zweiter und wollte mich in Bewegung setzen, nachdem Emil in der Felsrinne drüben 2 bis 3in die Höhe gestiegen war. Die Felswand rechts war glatt wie eine Bretterwand, fand ein Fehltritt statt, so schoß der Gleitende auf der steilen Eiswand in den mächtigen Kessel des Couloirs. Nach dem Passiren der hohen Wand war 6 das Seil eingerollt worden. Ehe ich den Gang antrat,, rief ich Emil zu, mir das Seil herüberzuwerfen, ich-möge hier nicht unangebunden gehen. Emil brummte etwas über den dadurch verursachten Zeitaufwand, warf dann aber das aus dem Rucksack herausgenommene-Seil herüber, welches ich erst beim dritten Wurf mit dem Pickel zu fangen vermochte. Ich band mich nun fest an und weil ich mich auf diese Weise sicher fühlte und weiteren Zeitverlust vermeiden wollte, trat ich rasch in die erste Stufe, glaubte den Fuß in die zweite zu setzen — in demselben Moment war ich ausgeglitten und rutschte auf der Eiswand hinunter. Ein Schreckensruf: Emil! entglitt den Lippen Otto's; aber schon hatte auch Emil, obwohl er in der Felsrinne einen schlechten Stand hatte, mit eisernem Arme das Seil angezogen. Der Ruck ließ mich nicht abwärts, sondern über die Eiswand hinüber an ihren Rand gleiten; ich konnte einen aus dem Eis hervorstehenden Felsen unterhalb der Felsrinne fassen und stieg mit wenigen Schritten zu der Rinne empor. Das Ganze hatte sich in einem Moment vollzogen, schneller, als es sich denken läßt. Der Vorgang erinnert mich an das Ausgleiten Whympers in ganz ähnlicher Situation am Col de Lion.l ) Whymper sagt: „ Wie dies geschah, kann ich noch heute nicht begreifen. " Auch mir ging es so und ich weiß nicht .sicher, ob Emil recht hatte, als er mir nachher sagte, er habe gesehen, daß ich Die Ersteigung des Bietschhorns von Süden. S3 nicht in die Stufe, sondern daneben getreten sei. Er habe mir zurufen wollen, als ich mit Blitzesschnelle bereits ausgeglitten war. Die Stufen waren nur oberflächlich geschlagen für mit Steigeisen bewehrte Füße. Da ich in diesem Jahre mich zum ersten Male der Steigeisen bediente, fehlte es mir wohl am sicheren Tritt. Daß man mit Steigeisen anders auftreten muß, als mit bloß benagelten Schuhen, nämlich stets mit dem ganzen Fuß, habe ich vielfach empfunden.

Ich habe diesen Vorfall genau erzählt, weil ich es für eine Pflicht des Touristen, der seine Fahrten dem Vereine der Alpenfreunde erzählt, halte, auf diese Weise auch auf seine eigenen Kosten zur Belehrung Anderer beizutragen. Nicht sowohl durch die Schilderung gewonnener Erfolge, als durch die Erzählung erfahrenen Mißgeschickes läßt sich unser Können in den Bergen weiter vervollkommnen, und lassen sich dem Walten des Geschickes, welches nie ganz aus den Alpen verbannt werden wird, einige Opfer entreißen.

Dem, der etwa geneigt ist, zu sagen: Da sieht man es, wie das Gehen ohne Führer hätte ausfallen können, möchte ich erwidern: Gerade hier hat sich das Urtheil des führerlosen Touristen bewährt, der sich weigerte, über eine gefährliche Stelle ohne Anwendung des Seiles zu gehen. Wäre ich ohne an 's Seil geheftet zu sein ausgeglitten, so wäre ich allerdings verloren gewesen; aber hätte " ich den Weg ohne Seil gemacht, so wäre ich auch langsamer und vorsichtiger gegangen und hätte das Ausgleiten wahrscheinlich vermeiden körinen.

Purtscheller und Otto passirten sodann einer nach dem Andern am Seile vorsichtig und glücklich die heikle Stelle. Die Felsrinne oder der Camin, in dem wir jetzt hinaufkletterten, ist so eng, daß ein nicht zu beleibter Tourist gerade durch kann. Er ist ca. 30 m hoch und war damals großen Theils mit Schnee ausgefüllt. Nach oben zu sind in demselben einige senkrechte und glatte Absätze, bei denen ich die Hilfe des Seils in Anspruch nahm. Auf der Höhe des Camins angelangt, stiegen wir auf einer Stufe des Felsgrates noch etwas aufwärts, dann standen wir wieder vor mehreren großen Thürmen. Zwischen ihnen waren tiefe Einschnitte. Durch einen derselben mußten wir trachten vorwärts zu kommen. Der Einschnitt rechts führte wieder in 's östliche Couloir, zu dem wir jedoch sehr tief hätten hinunter steigen müssen. Augenblicklich war Nebel im Couloir, der die Steinfälle aufhören ließ. Bald schien jedoch die Sonne wieder und kurz darauf begannen auch die Steine wieder zu fallen.

Aus diesem Grund, sowie eingedenk des am Abend bei der Musterung des Berges empfangenen Eindrucks, wandten wir uns ohne jede Discussion zu dem Einschnitt links, der augenscheinlich in das große westliche Couloir führte. Zu demselben führt ein steiles Felscouloir empor. Um an dessen untere Mündung zu gelangen, ist eine sehr glatte, plattige Stelle mit schlechten Griffen nach links aufwärts zu überschreiten. Emil ist vorausgeklettert. Jetzt — 11 Uhr 45 Min. steht er bereits auf dem Einschnitt und ruft nach gewonnenem Ueberblick uns zu: „ Der Gipfel ist Die Ersteigung des Bietschhorns von Süden. *5 frei! Hurrah, der Weg liegt offen !" Dann wirft er Purtscheller, ehe dieser die Platte betritt, das Seil zu. Purtscheller ist schnell oben; nun fange ich, während wir an den Platten in schmalen Ritzen stehen, in die nur die Zacken der Steigeisen etwas eingreifen, das uns zugeworfene Seil und binde es um. Die Stelle unmittelbar vor dem Einschnitt ist sehr steil und hat viele beim Angreifen ausbrechende Steine.

Als ich oben bin, wird das Seil zu Otto hinab-geworfeu; die bei diesem zurückgebliebenen Pickel werden heraufgeseilt, dann kommt Otto nach. Um 12 Uhr 5 Min. sind wir Alle auf dem Einschnitt vereinigt, dessen Höhe ich mit 3660 m messe. Jetzt sind nur noch 300 m zum Gipfel.

Unser Blick fällt ungehindert in das westliche Couloir. Wir stehen auf der Abdachung des Grates, rechts über uns dessen Höhe, links unten der tiefe Einschnitt und die Rinne des hier sehr breiten Couloirs. Die am Abend als gangbar erachteten Seitenhänge des Grates lassen sich mit den Augen verfolgen bis dahin, wo die Schneehaube des Gipfels ansetzt. Ist diese erst gewonnen, dann haben wir gesiegt. Aber bis zu ihr ist es noch eine weite Strecke. Unterhalb der Schneehaube ist in dem sich nach oben verengenden Couloir offenbar noch eine böse Stelle — ein gefrorener Wasserfall. Er befindet sich etwa in derselben Höhe wie der von mir im vorigen Jahr im östlichen Couloir beobachtete. Es ist wohl dieselbe Terrainstufe, der beide ihre Entstehung verdanken.

Ueber Alles erhaben ist von hier der Anblick des Gipfelmassifs. Jetzt schauen die Thürme vor dem mK. Schulz.

westlichen Hauptgrat des Berges gespenstisch aus dem Nebel hervor, die Gipfelzacken scheinen ohne Verbindung mit der Erde in den Himmel hineinzuragen — jetzt ist Alles wieder dicht zu — da auf einmal verschwindet der Nebel wie auf plötzliches Zauber-gebot und an dem tiefblauen Himmel heben sich die schön beleuchteten Felsbildungen — in ihrer Wildheit an die Wunder der Dolomiten erinnernd — in scharfen Contouren ab.

In einiger Entfernung vor uns entragt dem nach Westen abfallenden Seitenhang des Grates, auf dem wir uns befinden, noch ein kleinerer Felsthurm, der die Aussicht auf die Verhältnisse zwischen ihm und dem gefrorenen Wasserfall noch zum Theil verdeckt. Zu dem Felsthurm führt in der Wand ein Band, auf welchem viel Neuschnee lag. An einigen Stellen war der Abfall nach links etwas steil; ich band mich daher, nachdem wir das Band betreten hatten, mit Purtscheller an das Seil. Der Neuschnee machte die Passage unsicher, indem mehrfach Steine unter unseren Tritten wichen.

Die Stelle, wo zur Linken der Felsthurm aufragte, war bald erreicht. Auf dem Sattel zwischen dem Thurm und der Wand zur Rechten war nun endlich der Blick auf unseren Weg bis in die Nähe des Gipfels ganz frei. Der mächtige, mit sehr steilen Schnee- und Eiswänden versehene Kessel, den wir schon früher kennen gelernt haben, verengte sieh jetzt rasch nach oben. In sein Schneebecken mündeten vom Gipfel herabziehend zwei schmale Couloirs. Da, wo das rechte oder östliche in das Schneebecken eintrat, war der hohe Absatz, über welchem der gefrorene Wasserfall hing. Neben den Eisstalaktiten, von denen einige unter der Wirkung der Sonne prasselnd herunterstürzten, waren vom rinnenden Thauwasser schwarz aussehende Stellen im Felsen. Wir betrachteten die ganze Partie mit tiefem Mißtrauen; dort konnten sich uns wohl noch Hindernisse in den Weg stellen. In dem weiter westlich vom Gipfel herunterziehenden schmalen Couloir fielen häufig Steine. Jetzt kam auf einmal eine Ladung Eis in demselben herunter, dann eine größere Anzahl Steine und hierauf schob eine mächtige Schneelawine nach, dumpf brausend und zischend und sich in die enge Eisrinne einzwängend. Als sie hinunter war, nahm wieder Wasser seinen regelmäßigen Lauf durch die Rinne.

Wir waren jetzt nach dem Aneroid 3720 m hoch und machten um 1 Uhr 5 Min. einen Halt von 15 Min., um zu essen. Die schon öfter gefüllten und wieder ausgetrunkenen Limonadeflaschen gewährten uns die angenehmste Erquickung. Das Wetter ist mild und schön, die Aussicht auf das Wallis prachtvoll, wenn auch ziehende Nebel uns diesen und jenen Blick öfter rauben und im Osten des Bietschhorns sich als hohe Wand aufthürmen.

Wir traversiren sodann an der Gratabdachung weiter aufwärts und kommen an eine Stelle, wo die regelmäßiger verlaufende und nicht mehr so zerrissene Gratrippe sich nach Osten, also zu unserer Rechten, tief ausbuchtet, um dann direct zur Schneehaube des Gipfels emporzusteigen. Durch diese Ausbuchtung im Grat, die einen großen Felskessel darstellt, können wir die abgeschnittene Stelle mit dem gefrorenen Wasserfall umgehen. Wir steigen daher noch ziemlich weit vor diesem rechts in die Felswand hinein und klettern längs eines kleinen Felssporns über steile und vielfach beinahe senkrechte Absätze bis beinahe zur Rippe des Grates in die Höhe. Es kommen immer wieder schwere Stellen, obwohl der vorauskletternde Emil mehrmals mehr ermunternd als nüchtern beobachtend ruft: Es wird besser! Aber ganz merklich rückten wir, wenn auch in schwerer Arbeit, dem Gipfel näher. Das Bewußtsein davon feuert unsere Kräfte an, und als wir uns wieder einmal eine Felsstufe hinaufgearbeitet haben, etwa in einer Höhe von 3800 m, siehe da grüßt zum ersten Male der zierliche Schneedom des Gipfels mit seiner luftigen Gwächte auf uns herab. 0! er ist ganz nahe!

Mit gegenseitiger Unterstützung geht es vorwärts; Purtscheller unterstützt mich mit dem Seile, ich selbst den mir nachfolgenden Otto. Fast auf der ganzen Strecke in dieser Ausbuchtung haben wir, wie schon an mehreren vorausgegangenen Stellen, die Pickel vorauszureichen. Der erste, Emil, nimmt sie in Empfang und setzt sie in den Felsen an eine weitere Stelle. Wenn wir da angelangt sind, werden sie wieder vorausgereicht. Jetzt müssen wir etwa an die Stelle gelangt sein, wo ich im vorigen Jahre drüben im östlichen Couloir mich mit Burgener zur Umkehr entschloß. Wenn wir nur 20 bis 25 Min. zu opfern hätten, so wäre auch der Scheitel des Grates zu unserer Rechten noch zu erklettern gewesen und von da aus hätte ich gewiß sehen können, wo wir damals Die Ersteigung des Bietschhorns von Süden. 89* waren. Aber schon war es bald 3 Uhr, wir mußten auf 's Aeußerste eilen. So wandten wir uns noch unterhalb der Grathöhe nach Westen, um aus der Ausbuchtung heraus wieder in das Couloir zu kommen, in dem nun schon tief unter uns der eisige Wasserfall sich befand. Jenseits des Couloirs beginnt die Schneehaube der Gipfelpyramide. Dies Traversiren nach links führt uns über leichter zu begehendes Terrain, indeß auch hier treten steile Platten auf. Während Purtscheller und ich schon länger durch das Seil verbunden waren und Otto es sich nur öfter hatte zuwerfen lassen, bindet Letzterer sich nun als Dritter daran. Namentlich zwei Traversirstellen sind mir kurz vor dem Couloir als recht schlecht in Erinnerung geblieben. An der ersten steht eine große ganz glatte Platte senkrecht in die Höhe, nur in weiter Entfernung von einander sind einige ganz kleine Absätze, die man durch einen großen Grätschschritt zu erreichen vermag. Die zweite Stelle ist dicht vor dem Couloir, es fehlen alle Griffe, nur an Ritzen kann man sich festhalten. Sorgsam suchten wir durch Spannen des Seiles der Gefahr des Ausgleitens entgegenzutreten. Alles ging gut; Emil war unangeseilt vorausgeeilt und schlug in dem auftretenden Eis unverdrossen Stufen.

Im Couloir — es war 3 Uhr 6 Min. geworden und wir waren 3860 m hoch — hatten wir unter dem Eis den kluksenden Ton, der rinnendes Wasser verräth, gehört und durch einige Schläge mit dem Pickel solches zum Trinken freigelegt. Wir gingen durch das Couloir hindurch und stiegen auf seinem jenseitigen Ufer über leichte Felsen, die mit Eis und 30K. Schulz.

Schnee wechselten, etwa 12™ aufwärts. Jetzt sahen wir, daß drei Gräte zum obersten Gipfel des Berges hinauf liefen. Es sind Felsrippen, die jedoch vielfach mit Schnee und Eis bekleidet sind. Auf dem am meisten östlich gelegenen Grat erhebt sich unter uns eine ganz schmale Wand zu Thurmeshöhe empor. Dort etwa müßte das von mir mit Burgener erstiegene Couloir nach oben ausmünden. Wenn ich nur hinunter sehen könnte, aber neidische Nebel verhüllen jetzt dort Alles; es ist mir nicht möglich, mich näher über die Stelle zu orientiren, die ich im vorigen Jahre erreicht hatte. So ließ sich auch nicht beurtheilen, ob dort der Aufstieg noch durchzusetzen gewesen wäre, die schmale Wand und ihre Umgebung sah wenig vertrauenerweckend aus. Emil wählt von den drei Gräten den mittleren, uns zunächst liegenden, als den am wenigsten steilen.

Um zu ihm zu gelangen, müssen wir durch das sich nach Westen wendende und nun allmählig sich verflachende Couloir wieder hindurch auf die andere Seite. Wieder sind Stufen in hartem und glänzendem Eis zu schlagen; dann geht es am Rand des Couloirs über eine recht steile und bei ihrem Eisüberzug unangenehme Felspartie empor. Emil, der aufdem Grat Stufen schlägt, löst Steine, die gegen uns herabfallen. Ein paar Scheltworte eilen zu ihm hinauf. Jetzt sind wir auf dem letzten Grat, im Sturmschritt geht es über die Stufen und einzelne aus dem Eis hervortretende Felsstücke dem nahen Gipfel entgegen. Einige kräftige Windstöße fassen uns als Boten aus der erhabenen Region, der wir entgegen streben. Den Hut fest- gebunden! Die Gwächte des Gipfels, hinter welcher die Sonne steht, glänzt wundervoll durchsichtig zu uns herab.

Da wird unser Vordringen plötzlich gehemmt... Was ist das auf der Nebelwand rechts? Dort glänzt ein dreifacher Regenbogenring und im Inneren befindet sich der Schatten einer Person. 0 endlich sehe ich einmal das vielberufene Nebelbild des Brockengespenstes in voller Schönheit! Der innere und kleinste Regenbogenring erglänzt in vollster Farbenpracht, der zweite ist etwas schwächer, der dritte ist nur wenig zu sehen. Obwohl wir nahe an einander waren, bemerkte Jeder nur seinen eigenen Schatten im inneren Ring. Der Schatten stellte die ganze Figur des Menschen dar. Der innerste Ring war so groß, daß der ganze über lebensgroß erscheinende Schatten darin Platz hatte und noch Arm und Stock innerhalb dieses Ringes in die Höhe heben konnte. Die Situation, in der wir das Nebelbild sahen, war folgende. Die Sonne stand im Westen, woher auch der Wind kam. Den obersten Gipfel des Bietschhorns bildet ein schmaler von Süd nach Nord verlaufender Felsgrat. Auf dessen Ostseite stand eine Nebelschicht, die der Westwind nach Osten zu abtrieb, so daß es von Ferne gesehen so aussah, als erneuere sich der Nebel direct aus dem Felsgrat heraus, wie dies bei den sogen. Wolkenfahnen der Fall zu sein scheint. Wir befanden uns auf dem Grat zwischen der Sonne und der Nebelwand. Der Blick nach Westen hin war ganz frei und die Aussicht rein. Wir sahen die Erscheinung dann auch noch auf dem Gipfel und haben sie länger als eine Stunde beobachtet. Die Nebelwand war ziemlich nahe zu unserer Rechten, das Bild erschien aber doch in einer gewissen Entfernung.1 ) Der Eindruck, den dieses „ Gespenst " auf uns machte, war ein heiterer und erhebender. Wir sahen in ihm eine Verherrlichung unseres Sieges über „ den südlich ganz jäh abgerissenen Bau " 3 ) des Bietschhorns, der eben errungen wurde, indem Emil seinen Fuß auf den Gipfelgrat setzte. Der dahin führende Schneegrat hatte sich abgeflacht, die letzten Schritte waren ganz leicht während Emil auf dem Grate zum Steinmann läuft, der noch etwa 50 Schritte weiter nördlich sich erhebt, betreten auch wir mit einem lauten Hurrah den Gipfelgrat und schauen auf den imposanten Nordabfall des Bietschhorns hinunter. Es ist 3 Uhr 55 Min.

Der Gipfel des Berges besteht aus einem schmalen, hoch aufgerichteten Dachfirst, der im Wesentlichen von Nord nach Süd verläuft. Nur am südlichen Ende wendet er sich noch in einem stumpfen Winkel nach Westen. Dieser westliche Ausläufer ist etwa 12 —15 m lang und war bei unserer Besteigung durch eine dünne und zierliche Gwächte gekrönt, die ihn gleich hoch mit der nördlichen Fortsetzung erscheinen ließ. Wir betraten den Gipfelgrat gerade in diesem Winkel. Es ist die Stelle, bis zu welcher auch v. Fellenberg bei seiner Besteigung vordrang, und wo Michel seinen Pickel durch die Gwächte stieß und constatirte, „ daß sie den ungeheuren Abgrund nach Süden weit überragte. " Von hier aus läßt sich unser Weg bis an die Mündung des obersten schmalen Couloirs mit dem Auge verfolgen.

Wie ich hinunterschaue nach dem Nestgletscher, gewahre ich tief unten auf der Firnmulde eine deutliche Fußspur. Ich rufe: Eine Spur, seht die Spur! Das Bietschhorn ist bestiegen worden; jetzt wird uns der Abstieg leicht. Währenddem war Emil bereits an den Steinmann gelangt, hatte der Flasche mit den Karten der Ersteiger den Hals abgeschlagen und rief uns zu, die oben aufliegende Karte lesend: Holzmann und Cullinan sind erst gestern, am 1. September, mit Berner Führern auf dem Berg gewesen. Wir gingen nun auch zum Steinmann hin, lösten uns vom Seil und hielten trotz der vorgerückten Tagesstunde in froh ester Stimmung neben dem Steinmann sitzend eine Mahlzeit. Das Schönste an der von v. Fellenberg so anschaulich und warm geschilderten Aussicht, nämlich die Kette der penninischen Alpen vom Monte Leone bis zum Montblanc lag nur wenig von Nebeln beeinträchtigt vor uns, nach Osten zu verhinderte die Nebelschicht jede Aussicht. Die Temperatur war mit einem Schleuderthermometer gemessen 2° Celsius plus. Der West- und Südwestwind, der uns kurz vor dem Gipfel ein paar Mal ordentlich gefaßt hatte, war auf der Spitze selbst ganz manierlich und, da uns die Sonnenstrahlen wärmten, wenig störend.

In der Flasche war eine ganze Anzahl von Karten; aber sie vertheilten sich auf eine Reihe von Jahren. Im laufenden Sommer war das Bietschhorn nur zwei Mal vor uns bestiegen worden, im Juli von Körber und Brunner ( Section Bern ), dann von unseren unmittelbaren Vorgängern; 1883 gar nur ein Mal ( Utterson Kelso ), 1882 wieder nur zwei Mal ( Gruber, sowie Schweizer und Gröbli; die führerlosen Ch. und P. Montandon erreichten damals den nördlichen Vorgipfel ). Wir nahmen die Holzmann'sche Karte zum Wahrzeichen unserer Besteigung, nachdem ich sie durch eine sorgfältige Abschrift ersetzt hatte, mit. Die Daten unserer Besteigung fügten wir den übrigen Karten bei und steckten die Flasche wieder in den Steinmann.

Die Sonne sank tiefer am Himmel und mahnte zum Aufbruch. 4 Uhr 30 Min. traten wir mit den Worten: Jetzt so rasch als möglich! den Abstieg über den Nordgrat an. Da der Grat bis zum Vorgipfel aus aperem Fels bestand und in guter Ordnung war, banden wir uns nicht an und schritten schnell, an einigen Stellen laufend, über ihn hin. Bald hinter dem Steinmann war ein schmaler aufrechtstehender Block zu überklettern, dann zog sich der Grat etwa fußbreit und ziemlich horizontal zum nördlichen Vorgipfel hin, den wir 4 Uhr 40 Min. erreichten.

Wir standen nun vor der bekannten scharfen und steil abfallenden Schneeschneide. Hier würden wir lang- Die Ersteigung des Bietschhorns von Süden. .',!.> wierige Stufenarbeit gefunden haben, wenn nicht ein freundliches Geschick und Herr Holzmann mit seinem Führern so trefflich für uns gesorgt gehabt hätten.. Sehr tiefe und bequeme Stufen führten theils tiber^ theils neben dem Schneekamm hin, theils waren sie zu beiden Seiten der Schneide geschlagen. Emil, ich und Otto banden uns jetzt an 's Seil. Purtscheller faßte es zwischen mir und Otto mit der Hand. Im Sturmschritt ging es wieder vorwärts, so daß wir den Schneegrat bereits 5 Uhr 10 Min. verlassen konnten, nicht ohne durch ein Ausgleiten des Unangebundenem erschreckt worden zu sein, der jedoch geschickt genug war, rasch nach dem Seile zu greifen.

Ueber den Felsgrat, der auf den Schneekamm-folgt, konnten wir leider nicht mehr so schnell vorwärts kommen, da sein Gestein außerordentlich lose war und von uns fortwährend Steine losgelöst wurden.. Es ließ sich auch bei der größten Vorsicht nicht vermeiden. Wir hatten das Seil entfernt und suchten entweder ganz dicht zusammenzubleiben oder in eine breite Marschlinie getrennt vorwärts zu kommen. Im Wesentlichen hielten wir uns an die westliche Abdachung des Felsgrates.

Die Eiswand zur Linken ging jetzt in die flache Firnmulde des oberen Nestgletschers über. An dieser Stelle, unterhalb einer Gruppe mächtiger Seracs, führten die vom Gipfel beobachteten Spuren links nach dem Schafberg hin. 6 Uhr 28 Min. betraten wir über einen Bergschrund springend den Gletscher und trollten alle vier an 's Seil gebunden eilig über ihn hin. Ueber die vom Gipfel des Bietschhorns 9«K. Sclnüz.

nach dem Nestgletscher herabziehende Eiswand prasselte jetzt eine Steinlawine mit lautem Getöse und Knattern nieder; große Platten rollten in rasender Schnelligkeit herunter, sprangen über den Bergschrund und rissen dann in dem flacheren Firn metertiefe und viele Meter lange Furchen. Schon bricht die Abend-däinmerung herein, auf der Erhebung am Bietschjoch, wo Fels zu Tage tritt, verlieren wir die Spuren. Nach einigem Suchen sind sie wieder gefunden. Um 7 Uhr bei beginnender Dunkelheit stehen wir auf der Höhe des Schafbergs.

Am südlichen Horizont liebt sich hinter dichten und dunkeln Wolken leise das Dämmerlicht des Mondes. Der in wilder Eile und in phantastischer Gestaltung wechselnde Saum der Wolken glänzt in rother und gelber magischer Beleuchtung. Ein Windstoß reißt jetzt die brauenden Nebel auseinander und von einem gelben Wolkenraum eingeschlossen, steht die tadellos -vveiße, silberglänzende Pyramide des Weißhorns vor uns. Es sah in seiner Wolkenumrahmung gar nicht wie ein Gebilde dieser Erde aus. War es schöner in der Mondes- oder in der Morgenbeleuchtung — wir konnten uns nicht entscheiden. Jenseits des Lötschthales im Norden tragen die Berge eine finstere WTolkenkappe, in der es in kurzen Zeiträumen hell aufblitzte, was einen jähen Reflex auf den weißen Firnfeldern hervorrief.

Wenn wir nur die Clubhütte noch sehen könnten, die eine gute Stunde unter uns an dem Felsrücken zur Hechten liegen soll! Es ist nicht möglich. Während wir auf dem Gletscher noch ziemlich hatten sehen können, breitete im Thale bereits die Nacht ihre Schwingen aus. Das Mondlicht verhüllen uns wieder neidisch die Wolken. Noch waren wir 3100 m hoch. Niemals war einer von uns auf dem Schafberg « der auf der Clubhütte gewesen. Wir versuchten erst vom Joch ab etwas wie einen Weg oder doch Fußspuren zu finden; in dem losen und weichen Thonschiefer-schutt war das aber verlorene Liebesmüh. Darauf holte ich die neue Clubkarte heraus und wir studirten sie mit angezündeten Schwefelhölzchen. Das Resultat unserer Studien war: Den Schafberg gerade hinunter, erst etwas Richtung nach links, später wieder nach rechts! Vom Seile hatten wir uns gelöst und sprangen und kletterten nun Jeder auf seine Faust über die Schieferhänge hinunter. Wir riefen uns öfters zu, um ungefähr beisammen zu bleiben. Bald mußte bei jedem Schritt das Terrain mit dem Pickel untersucht werden, da es allmälig dunkel und dunkler geworden war. Kaum auf vier bis fünf Schritte war ein Mensch noch zu sehen. Absätze und kleine Wände nöthigten öfters zu Vorsicht. Unter dem unsicheren Tritt lösten sich natürlich viele Steine, welche die Vormänner, die man nicht sehen und warnen konnte, gefährdeten. Als Einer über den Anderen wegen des Steinfalls immer ärger raisonnirte, hielten wir Kriegsrath und bildeten wieder eine lange Tirailleurlinie mit der Weisung, die gegenseitige Entfernung thunlichst beizubehalten. Eine Zeit lang ging es so ganz gut, dann führte der Wechsel in den Terrainverhältnissen uns wieder zusammen. Wir kamen auf Schneestreifen, dann auf ein Schneefeld, auf dem wir abfahren konnten; 7 weiter unten nahmen uns weite Trümmerfelder, aus Morainenblöcken gebildet, auf.

Wo nur die Clubhütte sein mag? Wir konnten sie nicht entdecken, obwohl an dem Abend, wie wir nachher erfuhren, eine Partie auf derselben nächtigte. Da wir dies nicht ahnten, riefen wir nicht, und jene hatten um diese Zeit schon das Licht gelöscht. Wir sind augenscheinlich zu weit links und zu tief auf die Thalsohle gerathen, die Hütte wird sich rechts etwas über unserem Weg befunden haben. Es lag uns nicht viel daran, die Hütte verfehlt zu haben,, und ich gab die Hoffnung nicht auf, in der Nacht noch Ried zu erreichen. Hinter den auf dem Bietschjoch vom Wind hin und her gejagten und sich ballenden Wolken stieg das Licht des Mondes empor und erhellte die wilde Stein wüste, in der wir uns befanden. Noch einmal wurde die Karte herausgenommen und beim Schein der Papierlaterne besehen. Nach meiner Ansicht mußten wir das Thal, in dem der Nestbach Hießt, zu erreichen suchen. Die Waldregion auf dem rechten Abhang desselben war mir bekannt, von dort getraute ich mich den Weg zu finden.

Wir stiegen tiefer und trafen um 9 Uhr auf die ersten Lärchentannen. Hier hielten wir eine lange Rast und verzehrten den letzten Proviant. Es lag-sich so wohlig auf den Alpenrosensträuchern und die gegenüberliegende Bergkette vom Hockenhorn zum Breithorn und Großhorn glänzte so magisch in der Mondscheinbeleuchtung, daß die Stunden des Genießen& sich auch in später Nachtzeit nicht ablösen lassen wollten von der Stimmung der Ermüdung. Was scheert Die Ersteigung des Bietschhorns von Süden. O'J es mich nach einer so prächtig verlaufenen Besteigung, ob ich auf Alpenrosen schlafe oder in einem Bette! Aber nicht Alle von uns dachten so, Einige sahen sehnsüchtig hinunter auf ein Lichtlein in Ried, welches die Stätte des Lehner'schen Gasthauses zu verrathen schien. Ja, ja! Dort könnten wir längst sein, wenn wir drei Stunden höher im Felsen geschlafen hätten, wie einer von uns gewollt und vorgeschlagen hatte.

So ging es denn wieder vorwärts auf einem Fußpfad durch den Wald. Wo er horizontal sich nach Osten wendet, verfolgen wir ihn und treffen auf die Blöße, in deren Mitte der Nestbach herunterfließt. Er braust mächtig und stark, aber bald hat Jeder ein Fleckchen gefunden, wo er übersprungen werden kann. Drüben narren uns eine ganze Zeit lang Wege, die kommen und verschwinden, wie die Geschlechter der Menschen — nur in kürzeren Zwischenräumen. Mein Pfadfindertalent war schon der Gegenstand berechtigter Zweifel geworden, trotzdem ich predige: Ieh weiß es gewiß, hier rechts am Wald muß der Weg kommen. Bereits etwas abgestumpft setzen wir ein Bein vor das andere; doch was ist das? Wir sind ja auf dem Weg! Seht Ihr wohl, Ihr Zweifler, so habe ich doch recht gehabt. Rasch geht es hinab, auch die Lonzabrücke wird auf den ersten Anlauf gefunden, und um 12 Uhr 25 Min. donnert der Pickel an die Thüre des Hôtel Nesthorn. Auf, auf, Herr Lehner! Im zweiten Stock öffnet sich ein Fenster und Jemand ruft zu uns herab: Wer sind Sie? Ist Herr Schulz da? Ja wohl! Schulz, die Zsigmondy und Purtscheller; wir kommen vom Bietschhorn. Wer. 100K Schulz.

sind Sie? Ilolzmann aus London. Oh, wir haben Ihre Karte und sagen Ihnen schönsten Dank für die vortrefflichen Stufen, die wir gefunden haben.

Unterdessen hat sich die Hausthüre geöffnet und nach einem erquickenden Abendtrunk schlafen vier müde Wanderer so fest, wie Menschen schlafen können. Als wir erwachten, war Herr Holzmann, der um 2 Uhr nach dem Beichgrat aufbrach, wahrscheinlich schon auf Belalp.

Im Laufe des 3. September kam Herr Ingenieur Imfeld nach Ried. Sein Schwager, Herr Joseph Seiler aus Zermatt, war mit Joseph Rubi von Ried und einem Walliser Führer am 2. September zur Clubhütte gegangen, um am 3. das Bietschhorn zu besteigen. Schon am Morgen des 3. September war jedoch das Wetter schlecht geworden und Herr Seiler kam am 4. September früh nach Ried zurück, ohne seinen Plan haben ausführen zu können. Er war nur bis auf den Schafberg gelangt. Von unserer Absicht unterrichtet, hatte er mit dem Fernrohr eifrig nach unseren Spuren ausgeschaut, aber nichts entdecken können. Rubi, der jetzt am meisten auf 's Bietschhorn führt, hatte ihm gesagt: Sie brauchen sich gar nicht umzusehen nach den Spuren der Herren, das Bietschhorn von Süden zu ersteigen ist nicht möglich. Auch der beste Kenner des Clubgebietes urtheilte: „ Gegen Süden in den Hintergwind des Bietschthales fällt das Horn in unersteiglichen Granitwänden, wo kein Schnee haften bleibt, ab.Als wir Rubi die Holzmann'sche v. Fellenberg, Itinerariuin S. 160.

Karte zeigten, meinte er: Sie werden vom Bietschjoch über den Westgrat aufgestiegen sein. Sein Zweifel war nicht zu besiegen.

So war ein schweres Ringen um einen neuen Weg auf das stolze Bietschhorn glücklich zu Ende geführt. Ob durch Umgehung der glatten Wand eine Erleichterung gewonnen werden kann, muß dahin gestellt bleiben. Das östliche Couloir wird immer sehr gefährlich bleiben; daß in demselben einmal guter Schnee i ) angetroffen werden könnte, erscheint mir nach meinen diesjährigen Erfahrungen unwahrscheinlich.

Wenn wir die Stufen bei unserem Abstieg nicht gefunden hätten? Nun dann hätte es ein Bivouak in den Felsen unterhalb des scharfen Schneegrates gegeben, und wir hätten vermuthlich über das kleine Nesthorn abzusteigen versucht.

Viele Details habe ich wesentlich aus dem Grunde hinzugefügt, um denen, welche die Berge kennen, ein möglichst vollständiges Material zur Beurtheilung unserer führerlosen Touren zu bieten. Als Betheiligter halte ich mit meinem Urtheil zurück. Aber das darf ich wohl sagen, da aus meiner Schilderung hinreichend hervorgeht, daß wir nicht gleich leistungsfähig waren: Drei und namentlich zwei von uns sind tüchtigen Führern vollkommen ebenbürtig. Was ihnen an Routine und an Gewohnheit des Lebens im Gebirge ab- geht, wird mehr als ersetzt durch geistige Ueberlegenheit, Kenntniß der alpinen Literatur, der Karten Vergl. Jahrbuch, 19. Jahrg., S. 23.

und Kühnheit des Entschlusses. Es ist klar, daß solche glänzende Eigenschaften sich nur selten bei Touristen vorfinden werden. Bei schwierigen, ohne Führer unternommenen Hochtouren, namentlich bei solchen ersten Ranges, sollen sie jedoch vertreten sein, sonst sind solche Touren nicht berechtigt.

Wir hätten so gerne noch einige Besteigungen im Clubgebiet ausgeführt, aber das schlechte Wetter trieb uns hinweg. Am 4. September regnete es vom frühen Morgen an, das Barometer stand tief; so beschlossen wir, hinunter in 's Rhonethal zu wandern und mit der Eisenbahn das Berner Oberland aufzusuchen. Meine Freunde verhandelten mit der Wirthin und dem dienstbaren Hausgeist über Schutzmittel gegen den Regen und verlangten nach Regenschirmen. Darauf erfolgte ein Schütteln des Kopfes. Nachdem man versucht hatte, ihnen die Sache deutlicher zu machen, sagten die Frauen: Ach so, Sie wollen „ Wetterhuteünd sofort werden zwei große alterthümliche Instrumente gebracht, die andere Menschenkinder als die Lötschthaler Regenschirme nennen. Purtscheller eroberte eine wollene Pferdedecke und schlang sie kunstgerecht um sich. Der Rucksack bildete unter derselben jene stilvolle Erhöhung eines gewissen Körpertheils, die unsere heutigen Damen mit ebenso viel Geschmack, als feinem Sinn als Mode adoptirt haben. Ich prangte im Gummimantel. Wer sie so gesehen hätte, die Bietsch-hornfahrer — mit Eispickel und „ Wetterhut "!

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