Die Guru-Platte am Hunds-Chopf

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Guru-Platte am Hunds-Chopf

Claude Levy, Bussigny

Auf der Rückkehr von einem durch Jugend + Sport organisierten Kurs bin ich mit meinem Freund Rico durch Sisikon gekommen, wo uns auf der gegenüberliegenden Seeseite eine gewaltige Felsklippe auffiel, die sich vom Ufer geradewegs in die Höhe schwingt. Dabei hat eine mächtige, unglaublich massive Platte unsere Blicke ganz besonders angezogen und uns den Gedanken eingegeben, dort eine Route zu eröffnen.

Bei einer Schiffsfahrt kam ich im Herbst 1983 unter dieser Platte vorbei und fasste den Entschluss, sie bei der ersten Gelegenheit zu erklettern. Und so ziehe ich im nächsten Jahr, am Ende des Frühjahrs, zur Erkundung aus.

Mein erstes Ziel ist, den oberen Verlauf der Platte inmitten eines Gewirrs von waldbekrön-ten Felsen festzustellen. Diesmal begleitet mich ein Kamerad aus Altdorf; wir traversieren eine steile Wiese, dann Gebüsch und steigen über grasbewachsene Felsen abwärts. Schliesslich finden wir unsere Platte, die sich zuerst sanft neigt, bauchig wird, dann plötzlich gegen den See hinabtaucht. Glücklicherweise wird uns der Ausstieg nicht durch eine besonders steile Felsmauer abgeschnitten.

Wir befestigen die Seile an einem Baum oberhalb der Platte. Die Tiefe, die sich unter unsern Blicken öffnet, verfälscht die Dimensionen: Alles scheint riesig in dieser Umgebung, in der unsere Blicke keinen Halt finden bis zu der grünen Fläche des Sees, diesem eindrucksvollen Hintergrund einer ursprünglichen und wilden Landschaft. Uns beschleicht ein Gefühl der Unsicherheit: Wird unser so dünnes Seil die Belastung aushalten?

Wir steigen zwei Seillängen ab und kommen auf eine Terrasse. Plötzlich entdecke ich etwas oberhalb des Platzes, auf dem wir gelandet sind, einen im Felsen steckenden roten Eisenstab, der uns zu verhöhnen scheint. Ich mache meinen Seilgefährten Paul auf die Entdeckung aufmerksam; er ist nicht weniger überrascht als ich. Sollte die Plattenroute bereits vollständig eröffnet sein?

Am nächsten Tag bilden wir eine Vierergruppe, um den weiteren Abstieg zu unternehmen, der reibungslos vonstatten geht. Wir bewundern die Arbeit der

Wir steigen über die von unsern unbekannten Kameraden eröffnete Route wieder auf. Sie ist schön und schwierig. Nachdem schliesslich die 200 m durchklettert sind, spüre ich meine Füsse nicht mehr und fühle mich vollkommen ausgetrocknet.

Wir beschliessen, unverzüglich unsere eigene Route zu eröffnen. Ein ungeschriebenes Gesetz fordert, dass dies nur von unten, von der Basis aus, geschehen darf, doch für uns ist der entscheidende Punkt, dass wir dazu ein Boot brauchen. Ohne Boot keine Eröffnung von unten. Uns bleibt keine Wahl, es gibt nur eine Entscheidung: Wir werden von oben eröffnen, was auch Lästerzungen dazu sagen mögen.

Am festgesetzten Tag sind meine Kameraden bei meiner Ankunft bereits an der Arbeit. Ich steige an den fixen Seilen ab. Wohin führen sie? Wo sind die andern? Ich höre Stimmen, sie müssen demnach bereits ziemlich weit unten sein. Verdammter Paul, welche Geschwindigkeit. Er besitzt einen phantastischen Bohrer, mit dem er einen Bohrhaken in fünf Minuten anbringt, doch welche Ausdauer! Aber meine schöne Route haben sie doch nicht eröffnet, sie befinden sich weiter rechts. Sie haben einen Überhang erklettert und folgen nun einer Kante, die sich längs der Platte hinzieht. Ich helfe ihnen. Nachdem die Haken angebracht sind, geht es darum, den Fels zu reinigen, und noch das eine oder andere in Ordnung zu bringen. Die durch die ( Guru-Platte)1 am Hunds-Chopf ist erschlossen. Gott allein weiss, wieviel Kopfweh dieser Name den Puristen bereiten wird!

Ich kehre noch einmal zurück, um meinen schönen Riss in Angriff zu nehmen. Ich häm-mere, bohre, mühe mich ab. Endlich bin ich oben. Die -Route ist damit ebenfalls eröffnet!

1 Oberhalb der Rütliwiese liegt das Dorf Seelisberg mit einem von einem Guru geleiteten Zentrum für transzen-dentale Meditation. Zur Route selbst: Vgl. MB 6/85, S.273-275.

Kletterei an der Gleichwohl vergesse ich die prächtige Route der unbekannten Kameraden nicht. Ich vernehme aus sicherer Quelle, dass sie am See beginnt. Man muss diesen ersten Kletterern herzlich gratulieren, denn der Zugang zum Gelände ist schwierig.

Was nun mich betrifft, so bin ich mit einem andern Kameraden wiedergekommen, um meine Route zu säubern. Doch ein Föhnsturm hat unserm Unternehmen eine Seillänge, ehe wir unten waren, ein Ende bereitet: Der Wind blies unsere Seile in die Horizontale. Der Wiederaufstieg wurde für uns beide hart und mühsam.

An das Ende dieses kurzen Berichts möchte ich einige Empfehlungen anfügen: Kletterer, Ihr seid auf diesen drei Routen willkommen, doch unter der Bedingung, dass Ihr die Umgebung und besonders die Wiesen der Bauern respektiert. Ihr seid in der Nähe des Rütlis; wenn Ihr Euch auf privatem Gelände aufhaltet, so werdet Ihr erfahren, dass die Anwohner sehr wohl noch verstehen, sich nach alter Tradition gegen Eindringlinge zur Wehr zu setzen!

Aus dem französischsprachigen Teil. Übersetzt von Roswitha Beyer, Bern.

Inhalt 61 Norbert Joos K2- Zwischen Himmel und Erde 77 Lilo Schmidt Der Zmuttgrat rOt q? ä ▼ V1 a Herausgeber Redaktion Schweizer Alpen-Club, Zentralkomitee; Helvetiaplatz 4, 3005 Bern, Telefon 031/43 3611, Telex 33 016.

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Druck und Expedition Stämpfli + Cie AG, Postfach 2728, 3001 Bern, Telex 32950, Postscheck 30-169.

Erscheinungsweise Monatsbulletin in der zweiten Monatshälfte, Quartalsheft in der zweiten Hälfte des letzten Quartalsmonats.

Numbur ( Nepal ) Photo: Rolf Haas 80 Oswald Oelz Sisha Pangma - Bemerkungen zu einer Tibet-Reise 88 Trevor Braham Himalaya-Chronik 1985

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Allgemeine Angaben Adressänderungen: auf PTT-Formular 257.04. ( Mitglieder-Nr. beifügen !) Inhalt: Die Beiträge geben die Meinung des Verfassers wieder. Diese muss nicht unbedingt mit derjenigen des SAC übereinstimmen.

Nachdruck: Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehmigung der Redaktion gestattet.

Zugeschickte Beiträge: Beiträge jeder Art und Bildmaterial werden gerne entgegengenommen, doch wird jede Haftung abgelehnt. Die Redaktion entscheidet über die Annahme, die Ablehnung, den Zeitpunkt und die Art und Weise der Veröffentlichung.

Beglaubigte Auflage: 71 176 Exemplare.

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