Die Mythen

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Willy Auf der Maur, Seewen-Schwyz

Steckbrief eines Gras- und Kletterberges Grasdurchsetzte Flanken kommen in der Bergliteratur und in alpinen Lehrbüchern meistens schlecht weg. Sie sind für den modernen Kletterer ein rotes Tuch und werden als heimtückisch, gefährlich und unangenehm verschimpft.

An den Mythen gibt es kaum eine Route, welche nicht mit einem Grashang beginnt oder in einer Wiese ausmündet. Logischerweise müsste also das Klettern an den Mythen gefährlicher und weniger genussreich sein als anderswo. Nun behauptet aber Franz, mein Seilgefährte, hartnäckig, das Gras sei grundsätzlich in zwei Kategorien aufzuteilen, nämlich zweitens in ganz gewöhnliches Wiesen- und Berggras und erstens in Mythengras. Und letzteres sei eindeutig zäher, reiss- und wurzelfester!

Je länger ich die Behauptung meines Kameraden überdenke, desto mehr muss ich ihm recht geben: das Mythengras ist wirklich ein besonderes Kraut! Es würde mir beispielsweise nie einfallen, an der Festigkeit des Grasuntergriffs ( das gibt es wirklich !) in der drittletzten Seillänge der direkten Westwand zu zweifeln. Und dann die vielen dichten, drahtigen Grasbüschel im Weissen Wändli! Wie oft habe ich meine Finger vertrauensvoll darin verkrallt. Es ist mir noch keiner in der Hand geblieben!

Ich höre sie schon, die bösen Kritiker: « Soo, und dann die vielen Totenplangg-Opfer, die sind wohl auch den ausserordentlichen Qualitäten des Mythengrases zum Opfer gefallen! » Zugegeben, die Totenplangg am Grossen Mythen ist keine Reklame für das Mythengras. Viele, allzu viele Wanderer, welche trotz Warnungstafel die Weganlage verlassen haben, um auf dieser steilen Bergwiese Blumen zu pflücken, mussten dabei ihr Leben lassen. Aber Wiesen in dieser Steilheit sind immer gefährlich, unabhängig von der Art des Grases, besonders wenn sie noch etwas feucht sind, wie dies hier in der Nordwand meist der Fall ist.

Nun, Gras erweckt im Herzen des Kletterers begreiflicherweise selten Freude, selbst wenn sich daran Ochsen aufhängen liessen. Aber man darf dabei doch nie vergessen, dass dort, wo Gras wächst, auch Blumen blühen. Und mitten in harter Kletterei ein Blumenpolster vor sich zu sehen, einige blaue Enziane, ein duftendes Flühblüemli oder gar einige auffällige Feuerlilien: dieser Freude wird sich auch ein leidenschaftlicher Felsgeher nicht verschliessen.

Nicht unbedingt unerwünscht sind dem Kletterer in den Wänden und Flanken auch die vielen Legföhren und Zwergbäumchen. Sogar die « Zünftigen » benützen sie zur Sicherung. Zudem ermöglichen sie eine Anzahl von vergnüglichen Spielen, welche genau auf den Urinstinkt des Menschen zugeschnitten sind. Nicht umsonst trägt die Nordwestflanke des Grossen Mythen, jene legföhrenüberwucherte, gegen Zwischenmythen gewandte schmale Fläche, unter Einheimischen den Namen « Affengarten ». Ohne die hilfreichen Arme der Bäumchen käme man übrigens an mancher schwierigen Kletterstelle an den Mythen nicht weiter, und wenn doch, so würden mehrere dieser Passagen stark an Originalität einbüssen.

An den Mythen finden wir also das besonders zähe Mythengras, es wachsen hier Blumen, Sträucher und Bäume, und dann gibt es in unsern Gefilden natürlich auch Tiere, sehr viele sogar, denn wir befinden uns in einem der ältesten Wildschutzgebiete der Schweiz. Ich will den Leser vor einer Aufzählung und Beschreibung der verschiedenen Tierarten verschonen. Der Mythen-Füh-rer der Sektion Mythen SAC macht dies viel besser, als ich es könnte. Und so will ich mich mit der Schilderung von zwei Tierbegegnungen begnügen, welche mir besonders gut in Erinnerung geblieben sind:

Es war an einem frühen Sonntagmorgen, als ich als Alleingänger zum Einstieg des Adlerspitzli-Südostgrätli hinaufstieg. Der Pfad schlängelt sich im letzten Wegteil in einer steilen Gras- und Geröllflanke waagrecht um mehrere Buckel zum Einstieg hinüber. Und hier sah ich plötzlich ein Füchslein vor mir. Aber welch ein Tier! Füchse müssen von fuchsroter Farbe sein. Sie sollen sei-denglänzendes, luftig abstehendes, buschiges Haar haben. So haben wir früher Meister Reineke um die Nacken feiner Damen liegen sehen. Mein Exemplar aber machte einen äusserst schäbigen Eindruck. Es war so mager wie eine ausgehungerte Hyäne, mit einem bleichfarbenen Pelz, welcher ihm in Fetzen vom Leibe hing. « Armes Füchslein, hast du deine Maus heute schon gehabt? » fragte ich mich im stillen. Das Tier hatte mich bisher weder gesehen noch gerochen, und so wanderten wir selbander gemächlich weiter, der Vierbeiner vorn, ich auf leisen Sohlen hintendrein. Bei jedem seiner Schritte beschrieb die noch recht ansprechende Rute im Rhythmus der wackelnden Hinterteile einen Pendel-Halbkreis. Ich hätte mich, altem Jagdtriebe folgend, nach einem Steine bücken können, aber meine Frau hätte mir die unansehnliche Beute kaum gedankt, umso mehr, als Fuchs etwas aus der Mode gekommen ist. Nach der zweiten Wegbiegung begann das Tier aus unerklärlichen Gründen seine Schritte zu beschleunigen. Ich tat es ihm gleich; doch bald vermochte ich nicht mehr mitzuhalten, und nach der nächsten Wegbiegung schien sich mein Wee-gefährte in Nichts aufgelöst zu haben.

Eine Begegnung mit Meister Reineke in den Flanken der Mythen hat eher Seltenheitswert. Nicht aber diejenige mit der « flüchtigen » Gemse, wie es so schön heisst. Wenn uns der Anblick äsender Herden im Hohlicht des Zwischenmythenpas-ses und anderswo auch oft das Herz höher schlagen liess, so erinnere ich mich doch mehrerer Begegnungen mit Einzeltieren, welche in mir eher gemischte Gefühle zurückliessen. Von Flüchtigkeit und Unnahbarkeit war da nicht viel zu spüren. Aber eben, es gibt halt zwei Sorten Gemsen, nämlich zweitens die ganz gewöhnlichen Ge-birgsgemsen und erstens, natürlich... die Mythengemsen!

Die Mythengemse, welche ich dem Leser vorstellen will - es war ein Bock -, stand am Waldrand bei der Alp « Schwändi », keine vierzig Meter von mir entfernt. Er war wie aus dem Nichts aufgetaucht, während ich auf dem Bänkli vor dem romantischen Schwändi-Hüttli Siesta hielt, hatte einige Augenblicke mit Interesse zu mir hinübergeblickt und dann zu äsen begonnen. Und dies tat er nun schon mehrere Minuten lang, in aller Ruhe, aber mit ständigen Kontrollblicken in meine Richtung. Einen Gemsbock aus nächster Nähe betrachten zu können bereitet stille Genugtuung. Ich tat dies denn auch ausgiebig, doch tauchte in mir nach einiger Zeit der Wunsch auf, den Zustand der angespannten gegenseitigen Beobachtung zu ändern und etwas Bewegung ins Geschehen zu bringen. Also schnalzte ich einige Male kräftig mit der Zunge. Kurzes Herüberstar-ren, aber keine Fluchtreaktion. Ein künstliches Husten blieb ebenfalls ohne Erfolg. « Aufreizende Respektlosigkeit; warte nur, dir will ich schon Beine machen! » Ich bückte mich nach einem Stecken, legte ihn an die Achsel, zielte über einen Astansatz, drückte ab und pulverte ein lautes « Pang » in die Bergwelt hinaus. Keine Reaktion! Ich war einfach Luft für diesen Kerl. So schritt ich zum Letzten: Ich schwang den Stecken über dem Kopf und schmiss ihn, so kräftig ich nur konnte, in Richtung Gemsbock. Ah... nun räumte er das Feld, ohne Eile, gewiss, aber immerhin: der menschlichen Überheblichkeit war Genüge getan. Doch noch lange sah ich ihn zwischen den Baumstämmen durch gelangweilt zu mir herüberblicken.

Schwarze Erde, Moos, Gras, Blumen, Legföhren und Tiere, all dies gibt es an den Mythen kostenlos, als Dreingabe zum Klettern. Denn wenn man es nach den bisherigen Schilderungen kaum glauben kann: es gibt auch Fels an den Mythen. Zur Hauptsache bestehen sie ja aus Gestein, nämlich aus einem oft plattigen, dann wieder karrenartig zerfressenen Kalk, welcher prächtige Klettermöglichkeiten bietet. Und wer sich nach der geologischen Zugehörigkeit dieses Gesteins erkundigt, erfährt zu seiner Überraschung, dass die Mythen nicht aus dem Boden gewachsen sind, wie rechtschaffene Berge dies früher zu tun pflegten, sondern dass sie sich der Buckel ihrer Artgenossen bedienten, um aus dem Räume der heutigen Poebene in die helvetischen Gaue zu schütteln. Und nun sitzen die bis zu Zoo Millionen Jahre alten Malmkalkschichten als Fremdkörper auf Unterlagen, welche « bloss » 50 Millionen Jährchen zählen.

In der Tat muss es auch dem Laien auffallen, dass die Mythen nicht breitsocklig aus dem Gelände herauswachsen, sondern kulissenartig in die sanfte Voralpen-Hügelwelt hineingestellt sind. Diese Eigenart, gepaart mit ausgesprochener Formschönheit, verleiht den Mythen ihren Charakter und eine Ausstrahlung, wie sie nur wenige Voralpenberge besitzen. « Wer die Mythen nicht gesehen hat, hat die Voralpen nicht gesehen, und wer die Mythen nicht von Süden gesehen hat, hat die Mythen nicht gesehen! » könnte man in Abänderung eines berühmten Ausspruchs mit Recht behaupten.

Der Süden ist in unserm Fall der Talkessel von Schwyz, noch besser, der Flecken Schwyz selbst. Hier lohnt es sich, die Benzinkutsche für kurze Zeit zu parkieren und von der barocken Pfarrkirche aus einen kleinen Spaziergang in Richtung Dorfbachquartier zu unternehmen, bis die gewaltige, silbergraue Westwand des Grossen Mythen über dem Giebel des von- Hettlingschen Patrizierhauses steht. Zum Greifen nah scheinen nun die Kanten, Grate und Pfeiler, welche die Wand stützen. Ein faszinierender Anblick!

Man darf die Nachteile des engen Beisammenseins von Berg und Tal nicht verschweigen: die göttliche Stille eines Viertausenders können die Mythen dem Bergsteiger nicht schenken. Stets dringen verschwommen die Geräusche des Tales zu den Wänden hinauf. Dafür gibt es für Liebhaber von Tiefblicken stets allerhand zu sehen. Abgesehen von Gebäuden, Strassenzügen, Flüssen und Seen sind auch grössere Menschenansammlungen von blossem Auge erkennbar. Als ich eines 1Gr. Mythen Photo Peter Schoepflin, Zug 2Kletterei an den Mythentürmen Photo Robert Klinger, Schwyz Tages auf dem Gipfel des Grossen Mythen die Beine in die Tiefe « bambeln » liess, hörte ich einen Vater seinen Spross auf ein Windhundren-nen aufmerksam machen, welches östlich des Fleckens Schwyz stattfinde. Er solle nur genau hinsehen, sagte er, dann könne er die hin- und herrennenden weissen Tiere gut beobachten. Ich tat es ihm gleich, und da mir bekannt war, dass an eben demselben Tage in Schwyz ein Kleinkali-ber-Schützenfest stattfand, waren die flüchtigen Windhunde bald als Schiessscheiben identifiziert, welche an Drähten über die Wiese hinschwebten.

Tausende haben sich schon an der umfassenden Aussicht vom Grossen Mythen erfreut. Professor Dr. Albert Heim, der grosse Geologe, hat sie anno 1866 als Student im Auftrag der Mythengesellschaft als Panorama in allen Einzelheiten aufgezeichnet. Die Sicht reicht an klaren Tagen vom Säntis über den Glärnisch, den Tödi und die Urner Berge zum Pilatus und Rigi. Über die nördlichen und westlichen Vorberge schweift der Blick ungehindert bis in die Vogesen und zum Chasseral.

Ein solches Panorama muss die Leute anziehen wie Honig die Bienen! Und da auf der Ostseite ein guter, teilweise abgesicherter Zickzackweg auf den Grossen Mythen führt, sind die prächtigen Berge denn auch nicht alleiniges Besitztum der Klettergarde. An Wochenenden wimmelt es hier von Bergsteigern jeden Alters und jeden Standes. Es ist geradezu erstaunlich, wie viele Menschen die Mühen des anderthalbstündigen Aufstieges auf sich nehmen. Aber nicht nur am Grossen Mythen, sondern auch rund um unsere Bergstöcke ist ein emsiges Gehen und Kommen zu beobachten. Seitdem verschiedene Seilbahnen und Strassen den sonnenhungrigen, aber untrainierten Stadtmenschen den mühevollen Anstieg aus der Gluthitze der Täler abnehmen, hat das Mythengebiet als Wandergebiet einen unglaublichen Aufschwung genommen Das unbeschwerte Wandern in lichter Höhe ist der Trend unserer Tage. Dank der geringen Höhenunterschiede wird der lange Voralpengebirgszug vom Hochstuckli bis zur Ibergeregg diesem Bedürfnis in idealer Weise gerecht.

Unzählige verträumte Plätzchen am Weg laden zur Rast ein. Man darf hier unbesorgt die Wolldecke ausbreiten, denn solange man die Bergwiese in bezug auf die Bekleidung nicht gerade mit einem Strandbad verwechselt, muss man keineswegs befürchten, plötzlich einen mit der Mistgabel fuchtelnden, bärtigen Älpler auftauchen zu sehen. Die Xaveris und Franz Domi-nis mögen den armen Nebelschluckern eine Nase voll Brüsch- und Alpwirtschaftsduft wohl gönnen. Sie sind nicht so, die Älpler, denn das Rietli, die Weid, der Wald gehören ja auch in den wenigsten Fällen ihnen allein. Sie sind zum grössten Teil Besitztum der Genosssame Schwyz und der Oberallmeinde, einer Korporation der alteingesessenen Familien des Bezirkes Schwyz.

Tausende haben die Mythen als Wanderberg erlebt, ebenso viele aber als Kletterberg. Vor allem sind es die Kleinen Mythen, welche die Bergsteiger von nah und fern anziehen. Hier finden wir auch die Routen, die sich für einen grössern Andrang eignen. Am beliebtesten ist die Nord-Süd-Traversierung von der Haggenegg zum Zwischenmythenpass. Auf ausgetretenen Pfaden, über Wändchen und Stufen, durch Rinnen und über Bänder geht es unterhaltsam auf und ab. Die Hände finden an festem Karrenfels und an knorrigen Legföhren Halt. Wer etwas auf sich hält, darf den 12 Meter hohen Müllerriss auf halber Höhe des nördlichsten Gipfels, des Hag-genspitzlis, nicht verpassen. Die Geborgenheit der mässig steilen Nordflanke muss auf dieser Variante unvermittelt gegen die Ausgesetztheit der Westwand vertauscht werden. Auf halber Höhe ist der Riss zudem durch einen eingeklemmten Stein verstopft. An schönen Sonntagen spielen sich hier richtige kleine Dramen ab. Respektlos wird der eingeklemmte Block zur Turnstange degradiert. Der eine wurstelt sich darüber hinauf, als wäre es ein Überhang in der Grossen-Zinne-Nordwand, ein anderer schnellt in seiner Verzweiflung so kraftvoll daran hoch,

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Quergang in der Direkten Westwand des Gr. Mythen Photo Walter Betschart, Schwyz Winterbesteigung des Kl. Mythen durch das Schwändi-Couloir Photo Willy Auf der Maur-Pfyl, Seewen dass sein Kopf jenseits in der Versenkung verschwindet und die Beine wie Windflügel in der Luft herumrudern.

Einmal sah ich sogar einen Touristen, welcher in seinem Sicherheitsbedürfnis versuchte, den Block zu unterschlüpfen, durch eine Öffnung, in welcher selbst eine Maus steckengeblieben wäre.

Die zweite « böse » Stelle der Klein-Mythen-Traversierung bildet der Nordkamin am Mittelgipfel, der aber ebenfalls auf leichterer Route umgangen werden kann. Dies empfiehlt sich dann, wenn der Kamin bereits belagert ist, denn der sonst saubere Engpass wird im obersten Teil zur Schuttrinne. Auch erfahrenen Berggängern kann hier einmal ein Stein unter den Schuhen wegrollen.

Das letzte Teilstück der Traversierung, das Grätli vom Mittel- zum Vorgipfel, ist wie geschaffen, um im Anfänger die Freude am Klettern zu wecken. Die Kletterei ist harmlos, der Fels sauber und der Tiefblick eindrucksvoll.

Ich erinnere mich noch gut des Tages, da meine heutige Angetraute angeseilt auf dieser Schneide auf- und abbalancierte, während ich den bequemen Wegspuren etwas unterhalb der Gratkante entlang spazierte.Von mir ausgelacht, meinte sie grimmig: « Ich wett de hütt au nu e chle chlädere! » Und dies nach der beschriebenen, dreistündigen Kleinen-Mythen-Traversie-rung, nach den Tücken des Müllerrisses und den Mühseligkeiten des Mittelgipfel-Nordkamins!

Die Klein-Mythen-Fans mögen ihr die damalige Respektlosigkeit verzeihen. Der Fehler lag, wie so oft, am Seilersten, also an mir. Meine Frau ist von mir nämlich an den Mythentürmen ins Klettern eingeführt worden. Dies erklärt alles, denn die Mythentürme in der Westflanke des Kleinen Mythen sind das Reich des Sportkletterers, jener Gattung von Bergsteigern, welche ihr Glück vorzugsweise in den obern Schwierigkeitsgraden suchen.

Hier kann man an schönen Frühjahrs- und Herbsttagen die angehenden Jünger der Zunft bei ihrem harten Ringen beobachten, einen Meter über dem sichern Erdboden in mikroskopische Unebenheiten verkrallt oder sich in steiler Wand krampfhaft nach einem Haken reckend. Die älteste Familie im Talkessel von Schwyz lädt zum Klettern ein: der würdige 60 Meter hohe « Vater », die bhäbige « Mutter », die schlanken, 30 Meter hohen Zwillinge « Peter » und « Paul » und die spitze « Schwester ». Etwas abgesondert, am Pfad, der vom Güntrigs zu den Türmen hinaufführt, lockt noch der bauchige « Zahn ». Eigentlich schade, dass die Namengebung in den Mythentürmen so unkonsequent zu Ende geführt wurde!

Hei, gibt es an den Mythentürmen Arbeit für Hände und Füsse! Wer jeden Turm nur einmal besteigen will, kommt beinahe auf 200 Kletterund ebenso viele Abseümeter, und wer gar alle 22 Routen dieses Kletterparadieses am gleichen Tag durchklettert, erfüllt die Anforderungen einer 600 Meter hohen Wand mit Schwierigkeiten dritten bis sechsten Grades. Es ist ein schöner, sauberer und recht griffiger Fels, welcher hier in Form von Rissen, Wändchen, Verschneidungen und Graten das Herz des Kletterers erfreut. Zudem fehlt es nicht an besonders originellen Kletterstellen, wie zum Beispiel dem Seilwurf auf der Normalroute des « Vaters », welcher schon manchem Bergfreund Kopfzerbrechen verursacht hat. Man kann schliesslich nicht von jedem Kletterer verlangen, dass er sich auch noch aufs Lassowerfen versteht. Und wenn dann das Seil, wie gewünscht, um den Ast der Legföhre liegt, heisst es erst noch sich an den freihängenden Strängen mehrere Meter über die glatte Wand hinaufzuhissen. Auch am « Peter » ist es ein Bäumchen, welches die Besteigung auf der Normalroute ermöglicht. Erst gilt es einmal das Bein nach Affenart über den beinahe waagrecht in die Luft hinausragenden Stamm zu schlingen, sich hinaufzuschwingen und vom Baum Besitz zu ergreifen. Die zweite Phase setzt seiltänzerische Fähigkeiten voraus, denn nun müssen die Füsse schrittweise einem leicht aufstehenden Ast bis zu dessen ab- gebrochenem federndem Ende folgen. Nun erst vermag der Kletterer den nächsten Prachtsgriff zu erlangen.

Viel Luft zwischen den Beinen hat man auch am Spreizschritt vom « Peter » auf den « Paul », der aus einem Abseilmanöver heraus bewerkstelligt wird. Es braucht Mut, hier die Seile zu lockern und sich von der Wand des « Peter » abzustossen. Noch eindrucksvoller ist der Rückweg, wenn man das Abseilmanöver nicht fortsetzen, sondern auf den « Peter » zurückkehren will. Schier unüberbrückbar scheint nun die Kluft, über welche man sich mit den Händen an die jenseitige, schwach gegliederte Wand hinüberfallen lassen muss.

Man fühlt sich frei und glücklich in den Mythentürmen. Es riecht hier trotz spielerischem Tun mehr nach Berg als nach Klettergarten. Die Ausgesetztheit mag es ausmachen, die freie Sicht auf den Talkessel oder die steile Wandflucht im Rücken, über die eine kühne Abseilroute zu den Türmen hinabführt.

Die Mythentürme sind das Reich des Sportkletterers, aber auch ein alpines Paradies für Geniesser und ein ideales Sprungbrett für die grosszügigen und schwierigen Routen am Grossen Mythen.

Fragen Sie einmal den einheimischen Mann der Strasse, welcher der beiden « Muthen » ( das zürcherische « Mi-etä » tut dem Schwyzer in den Ohren weh ) der gefährlichere sei. « De Chli », wird er Ihnen ohne Zögern antworten. Würde man die Zahl der Kletterunfälle zum Massstab nehmen, so wäre die Antwort zweifellos richtig. Es gilt aber zu berücksichtigen, dass die Kleinen Mythen oft Ameisenhügeln gleichen, mit vielen Anfängern und Gelegenheitsbergsteigern, während zu gleicher Stunde die abweisenden Flanken und Wände des Grossen Mythen beinahe verlassen sind. Dass diese von einem ganzen Netz von mittel- bis äusserst schwierigen Routen durchzogen sind, ahnt auch der einheimische Laie kaum. Im besten Fall hat das Schwyzer Fussvolk vage Kenntnis von der Existenz eines Kletterweges irgendwo « vorä ufä ». Vorn ist für die Schwyzer die Westwand, und gemeint ist meistens die Route über das Weisse Wändli, der älteste und leichteste der Westwandaufstiege. Über ein System von grasigen Rinnen und Bändern führt der Weg kurzweilig auf die Mythenmatt, jene schrägansteigende Schnittfläche unter dem rötlichen Gipfelaufbau. Besonders interessant und recht schwierig sind die zwei Einstiegsseillängen. In der ersten muss eine Plattenflucht schräg überwunden werden, und die zweite folgt einer senkrecht ansetzenden, aber griffigen Verschneidung. Die landschaftlich eindrucksvollen Quergänge im Mittelteil der Route bereiten ebenfalls besonderen Spass. Und dann darf man sich noch auf den steilen, aber wiederum sehr griffigen Ausstieg auf die Mythenmatt freuen. Die Weiss-Wändli-Route ist eine Mischung zwischen Felskletterei und botanischer Exkursion, mit viel Gras und festgetretener Erde, aber bei trockenem Boden trotzdem sehr lohnend und empfehlenswert. Von der Mythenmatt aus hat der passionierte Kletterer dann immer noch die Möglichkeit, den Gip-felkopf- statt über das luftige, aber einfache Rotgrätli — über den Südgrat zu erklimmen, welcher zwei Seillängen schönster, schwieriger Risskletterei bietet. Dem Unersättlichen möchte ich anraten, bereits am Einstieg des Weissen Wändli eine Fleissaufgabe zu lösen. Dort harrt nämlich der 6 Meter hohe « Pot de chambre » der Besteigung. Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie dieser rechtschaffene Steinblock zu seinem anrüchigen Namen kam. Seine Besteigung galt aber vor zwanzig Jahren noch als besonders wackere Tat und wurde damals in einem feudalen « Gipfel-büechli » stolz festgehalten. Inzwischen sind die « Pots de chambre » etwas aus der Mode gekommen - der unsrige würde ein Comeback ohne Zweifel verdienen!

Eine ähnliche Oberflächenbeschaffung wie das Weisse weist auch das Gelbe Wändli auf, nur ist es viel kürzer. Eine kleingriffige, stumpfe Verschneidung, unterbrochen von einer ausgebauchten Steilstufe, bildet die Schlüsselstelle. Bei der Schwyz und die beiden Mythen. Nach einer Federzeichnung von Hans Schilter Beurteilung der Schwierigkeit dieser Seillänge scheiden sich die Geister. Der Mythen-Führer gibt ihr eine Vier plus, was den einen über- und den andern unterbewertet scheint. Es blieb mir lange ein Rätsel, warum ich selber ebenfalls bei jeder Begehung zu einem andern Werturteil kam. Inzwischen glaube ich herausgefunden zu haben, dass es in den entscheidenden Metern jedesmal genau darauf ankommt, in welche Griff- und Trittkombination man hineinklettert. Aus diesem Grunde bleibt das Gelbe Wändchen heikel. Die verschiedenen, glücklicherweise glimpflich verlaufenen Unfälle der letzten zwanzig Jahre beweisen es.

Viel erklettert wird das Gelbe Wändli besonders deshalb, weil es vom Adlerspitzli aus den raschesten Weiterweg zum Gipfel des Grossen Mythen vermittelt. Wer sich die Schwierigkeiten des Gelben Wändli nicht zumutet, muss deshalb aber noch lange nicht auf die Erkletterung des eleganten Adlerspitzli über dessen genussreichen Südostgrat verzichten. Dank des gut begehbaren Ruchbandes, welches auf der Höhe des Adlerspitzli die ganze Westflanke des Grossen Mythen durchzieht, lässt es sich bequem zum Einstieg des Weissen Wändli hinüberqueren und die Besteigung über dieses fortsetzen.

Der Liebhaber mittelschwieriger Klettereien wird am Südostgrätli des Adlerspitzli seine helle Freude haben. Er findet hier einen säubern, karrenartig zerfressenen Kalk, interessante Kletterstellen und prächtige Tief blicke. Die einzige etwas knifflige Stelle, ein feingriffiges Wändchen, findet sich oberhalb der Einstiegsschulter - doch damit wird man eher fertig als mit der Gefahr, welche von den lieben Mitmenschen ausgeht, sofern bereits solche im Gelände herumturnen. Denn obwohl der Fels, wie gesagt, sehr fest ist, finden unsauber kletternde Seilschaften auf den Leisten und Bändern immer wieder kleinere bis mittelgrosse Steinbrocken, welche sie mit verspielter Lust unter den Schuhen wegrollen lassen können. Diese Geschosse werden durch eine parallel zum Grat verlaufende Schuttrinne abgefangen und in Richtung Einstieg abgeleitet.

Die Znünipause auf der Einstiegsschulter kann also ohne weiteres zur gefährlichsten Phase einer Adlerspitzli-Besteigung ausarten.

Die Rast wird aus diesem Grund vorteilhaft auf den Gipfel des Adlerspitzli, diesen grossartigen Logenplatz in der Felsarena des Grossen Mythen, verspart. Nirgends empfindet man den Grossen Mythen so sehr als Felsberg wie gerade hier. Angesichts der gewaltigen, senkrechten Wandflucht des Geissstocks, dem man auf vorgeschobenem Posten gegenübersteht, vergisst man Gras, Moos und schwarze Erde, und würden nicht die dunkeln Wipfel eines Bergwäldchens über ihre scharfe Randkante gucken, könnte man sich leicht in den « Dolo-Mythen » wähnen.

Die moderne Klettertechnik hat an den Mythen erst vor rund 15 Jahren Einzug gehalten. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte man nur zwei südliche Anstiege auf das Bollwerk des Geissstocks: « Route drizäh » des alten Voralpenfüh-rers, eine « Genusskletterei » für Grasakrobaten mit guten Tricounibeschlägen, und den Geiss-stock-Riss, eine verteufelt enge Spalte, welche dem Kletterer heute noch mannigfache Eindrücke und volle Befriedigung zu vermitteln vermag. Beide Routen verlaufen im Randbereich der Wandflucht, die eine östlich, die andere westlich.

Die Erschliessung des senkrechten bis überhängenden Mittelteils jedoch wurde zu einem Prüfstein für eine Generation, welche das Wörtchen « unmöglich » in ihrem alpinen Wörterbuch gestrichen hatte. Die ersten Hammerwirbel erlebte die Südostwand. In kompromissloser Linienführung suchten sich die Erstbegeher hier einen gradlinigen Aufstieg durch die fast ungegliederte Wand in Richtung des auffälligen, gelbroten Ausstiegsrisses. Haken- und herrliche Freikletterei in bestem Fels wechseln hier in bunter Folge ab, doch beginnt die Route - wie könnte es anders seinmit zwei Seillängen steiler Graskletterei, die bei Nässe recht schwierig sein können.

Ähnlichen Charakter weist die zweite extreme Route am Geissstock auf, der 250 Meter hohe Südostpfeiler, mit dem Unterschied allerdings, dass hier die Freikletterei von den hakentechnischen Seillängen etwas in den Hintergrund gedrängt wird. Als Zuschauer kann man sich einen kühneren Weg als über diesen leicht überhängenden, rötlichen Pfeiler kaum vorstellen.

Weniger der geraden Linie als dem Weg des geringsten Widerstandes haben sich die Erstbegeher der Geissstock-Südwand verschrieben. Nicht dass man deswegen mit den Händen in den Hosentaschen im Gelände herumspazieren könnte; im Gegenteil, hier heisst es zupacken wie kaum irgendwo an den Mythen, denn der Fels ist steil und schwierig ( Vund Haken gibt es wenige. Aber die Route beschreibt anfänglich eine Rechtsschlaufe, wo ein direkter Aufstieg mit Hakenhilfe sicher auch möglich wäre, und weicht im Schlussteil der Ideallinie nach Westen aus. Das Bändersystem, die ausgesetzte Unterbrechungsstelle, der Pendelquergang zur zentralen Rissverschneidung, sie machen aber unbestritten den Reiz der Kletterei aus, und deshalb wäre es schade, wenn eines Tages eine Seilschaft versuchen würde, die Linienführung mit Hilfe des Senkbleis zu korrigieren.

Eine unberührte Wand kann auf den Bergsteiger die gleiche Faszination ausüben wie ein leeres Blatt Papier auf den Zeichenkünstler. Und wenn ich mir auch voll bewusst bin, wie kläglich sich ein armseliger Erstbegeher neben einem begnadeten Künstler ausmachen muss, so wage ich doch zu behaupten, dass auch das Erschliessen von Routen eine gewisse schöpferische Phantasie verlangt. Vielfach sind dem Wunschdenken des Kletterers allerdings durch die topographischen Gegebenheiten Grenzen gesetzt, so auch auf der Schwyzer Seite des Grossen Mythen, wo der Aufbau leider nirgends eine grosszügige, ungebrochene Routenführung vom Wandsockel bis zum Gipfel erlaubt. Die höchste zusammenhängende Wandflucht baut sich im linken Teil der Flanke auf, ist 300 Meter hoch und mündet, wie das benachbarte « Weisse Wändli », auf die Mythenmatt.

Diesem Schönheitsfehler zum Trotz finden wir in der direkten Westwand, um welche es sich hierbei handelt, einen Kletterpfad, welcher allen ästhetischen und klettertechnischen Ansprüchen des verwöhnten, modernen Kletterers vollauf gerecht wird. Die ideale Linienführung, ausgezeichneter Fels und ein Feuerwerk brillanter, schwierigster Kletterstellen verleihen der Route Klasse und Format. In unmerklicher, steter Steigerung der Schwierigkeit erreicht die rassige Freikletterei im Ausstieg ihren Höhepunkt. Ein fallender Quergang in unerhörter Ausgesetztheit lässt uns hier für erregende Minuten den Hauch der Akrobatik verspüren. Glücklich, wer sich vor der Besteigung in der Spezialdisziplin « Seilquergänge » gut eingeübt hat!

Ein Felsgebilde besonderer Art muss sich jeder Mythenkletterer merken: den « Weissen Nollen », jene auffällige, vom Gipfelkopf abgetrennte, helle Felsmasse am südöstlichen Ende der Mythenmatt. Nicht dass dieser Brocken etwa besondere Kletterfreuden vermitteln würde, aber das Hangeln und Strampeln in den Sonnenwänden des Grossen Mythen gibt Durst, und hier, am Fuss des Nollens, sprudelt auch zur heissen Sommerszeit ein klarer, kühler Wasserstrahl aus einer Felsspalte. So nahe unter dem Gipfel eine Quelle zu finden mutet wie ein kleines Wunder an.

Und wie in den Oasen Kameltreiber, Händler und Pilger zusammentreffen, so finden sich hier beim « Mythenbrünneli » Gras- und Felskletterer aufgeräumt und einträchtig zu einer kurzen Ruhe- und Schwatzpause. Ein Blick ins Routen- büchlein gibt Auskunft, wen man verpasst hat, welche Route der Mann gemacht hat und welcher Weiterweg von ihm gewählt wurde. Es lässt sich nun leicht ausrechnen, ob man ihn noch beim Schoppen auf der Holzegg überraschen kann oder erst in der « Madlee z'Rickebach ».

Das Mythenbrünneli-Routenbuch liefert aber auch noch andere Informationen. So wird der aufmerksame Leser beispielsweise erfahren, dass sich die Klettersaison am Grossen Mythen oft bis tief in den Winter hineinzieht. Die folgenden Einträge beweisen es: « 22. Jan. 56 Adler spitzli-Gelbes Wändli - frühlingshaftes Wetter » -«3i.Dez.6 r Weisses Wändli - hemdsärmlig, Lauerzersee gefroren » - « 14.Nov. 54 E.W. und Trudy A. Geissstockriss - barfuss. » Im November barfuss klettern, an welchem beinahe 2000 Meter hohen Berg könnte man dies sonst noch? Die Liste der Spätherbst- und Winterbegehungen liesse sich beliebig fortsetzen, denn in schneearmen Wintern genügen einige Sonnenstrahlen, um die Schwyzer Seite des Grossen Mythen wieder auszuapern. Kalender-Win-terbegehungen geben also noch kein Anrecht auf den Hosenbandorden, und von eigentlichen Winterbegehungen mit Kälte, Eis und Schnee muss wegen der grossen lawinenträchtigen Grasplanggen abgeraten werden. Mit Pickel und Seil ersteigen lässt sich aber im Winter nach ein bis zwei niederschlagsfreien Wochen der steile, enge Schlauch oberhalb der Alp Schwändi zur Südgratscharte des Kleinen Mythen. Im Hartschnee ist es eine Lust, der Sonne entgegenzusteigen. Den Abstieg wählt man zur Zwischenmythen. Bei Mitnahme von Sommerski kommt man hier erst noch in den Genuss einer rassigen, alpinen Abfahrt.

Doch drehen wir das Rad der Zeit nochmals um einige Monate zurück, um auch der Rückseite des Grossen Mythen etwas auf den Zahn zu fühlen. Von der Holzegg aus erhalten wir Einblick in die stark zerklüftete Ostwand, deren Routen in den letzten Jahren grosse Mode geworden sind. Wenn wir auf der Westseite unser Stek- kenpferd beinahe unbemerkt reiten konnten, so wissen wir hier Hunderte von Augenpaaren auf uns gerichtet. Publikumsscheue Bergsteiger wählen deshalb für ihre Ostwandbesteigung mit Vorteil einen Nebeltag! Weniger nötig ist dies für die Nordwand, obwohl auch hier ein Weg dem Wandfuss entlang führt. Es gelingt nämlich nur wenigen, in dieser gewaltigen, breiten Wandflucht Kletterer auszumachen. Die Nordwand wird sehr wenig begangen. Vielleicht zu Unrecht, denn die direkte Verschneidung müsste mit ihrem guten Fels doch dankbare Kletterei bieten.

Vor Jahren wurden einmal einige unserer besten Bergsteiger alarmiert, um einen Geissbock aus der Gross-Mythen-Nordwand zu retten. Er hatte sich im westlichen Wandteil, im Bereich der alten Nordwandroute, hoffnungslos verklettert. Geissen gehen den würzigen Kräutlein nach.

Sie wissen nun, mit welcher Art von Gelände wir es hier zu tun haben. Aber glauben Sie ja nicht, hier einen Wanderweg zu finden. Geissböcke sind nämlich ausgezeichnete Kletterer. Und wenn der Vierbeiner schon im grasigen Unterbau in Nöte kam, wie hätte er da den äusserst ausgesetzten Hangelquergang in halber Wandhöhe geschafft!

Hier, im gleichen Unterbau, haben übrigens auch mein Seilgefährte Franz und ich erfahren, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Denn mitten im schönsten Klettern - mein Kamerad kraxelte eben einige Meter über mir herum -, da passierte es: ein plötzliches Zurückgleiten der Seilstränge, und schon purzelte Franz an mir vorbei die Steilhalde hinunter. In der Hand hielt er ein mausgraues bis dunkelgrünes Etwas. Was es eigentlich war, konnte ich leider nicht erkennen, und Franz schwieg sich in der Folge beharrlich darüber aus. Ich glaube, es war ein Steinbrocken - oder... sollte es vielleicht doch nur eine Sorte Berggras geben?

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