Die neue Clubhütte am Weißhorn

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( Hierzu ein Hüttenplan Einige Zeilen über die am 9. Juli 1900 eingeweihte Weißhornhütte finden wohl etwelches Interesse bei den Clubgenossenfür weiteres verweisen wir auf die in der Alpina erschienenen Publikationen, 1899, pag. 117, 1900, pag. 69, 91 und 111.

Dieser Bericht hätte durch J. Weinmann abgefaßt werden sollen, leider wurde der Genannte seinen Freunden und der Sektion Basel am 3. März 1901 durch den Tod entrissen, infolge eines mit ungeahnter Schnelligkeit fortschreitenden Herzleidens. An ihm — dem wirklichen Vater der Hütte — verlieren wir eine wertvolle Stützesein Name bleibt mit dem Bau der Weißhornhütte, an dem er als eines der werk-thätigsten Mitglieder der Hüttenkommission mitwirkte, eng verknüpft.

Wir lassen nachfolgend in extenso die von ihm niedergeschriebenen Notizen folgen:

Bau der Weißhornhütte. Nachdem über die Vorgeschichte, Lage, Bau und Einweihung der Clubhütte am Weißhorn successive in der Alpina jeweilen das Wissenswerte erschienen, sei es hier gestattet, an Hand eines Planes und etlicher Photographien einige bautechnische Notizen zu bringen.

Die Hüttenbau-Kommission war sich von vornherein klar bewußt, daß die „ Sektion Basel " im Zermatterthale keine billige Hütte werde erstellen können, da jetzt mit ganz anderen Faktoren zu rechnen ist als vor Eröffnung der Bahn. So galt es vor allem, mit möglichst wenig Materialaufwand eine genügend sichere und geräumige Hütte zu schaffen. Damit war der quadratische Grundplan vorgezeichnet. Die Frage, ob Holz- oder Steinbau ( letzterer nach Art der Domhütte: innere Holzverschalung mit 15 Centimeter Zwischenraum ), war bald gelöst, nachdem die Die neue Clubhütte am Weisshorn.

von der Gemeinde Randa erwartete Gratislieferung des Bauholzes nicht bestätigt wurde ( Alpina 1897, pag. 134 ). So brauchten wir auch nicht auf die große Annehmlichkeit zu verzichten, die Hütte unter unseren Augen in Basel erstellen zu lassen, fanden uns aber dafür bezüglich des Transports der Hütte von Randa zum Hohlicht sehr enttäuscht betreffend die erhoffte Hülfe seitens der Führer und Träger von Randa. Ja, es sollte sogar die Gratisabtretung des Bauplatzes an die Bedingung geknüpft werden, daß wir die Hütte „ nicht möblieren ", damit wie bisanhin jede Partie ihr Kochgeschirr, Decken etc. durch Extraträger hinaufschaffen müsse!

Der Südabhang des Schalliberges, dieses Eckpfeilers des östlichen Weißhorngrates, besteht in seinem oberen Teil aus einer ausgedehnten steilen Trümmerhalde. Diese wird oberhalb des Weges vom bisherigen Schlafplatz zu den Ruinen der früheren Hütte von vier ubereinander- gelagerten Terrassen unterbrochen, von unten nach oben an Vegetation ab-, an Ausdehnung des Stei eichtums zunehmend.

Auf der zweituntersten Terrasse, N.O. der alten Hütte ( Punkt 2859ungefähr 60 Meter höher — wurde von Baumeister Daniel Brantschen in Randa ( dem Erbauer der Domhütte ) noch im Spätherbst des Jahres 1899 die Sockelmauer der Hütte erstellt. Die starke Neigung der Terrasse ( 20° ) erforderte auf der Thalseite eine Höhe von 2,65 Metern, die sich bis zum oberen Ende auf 30 Centimeter verjüngt. Die Steine wurden mit hydraulischem Kalk zusammengefügt und mit Cement verputzt. Rings um die Sockelmauer ist eine 61 Centimeter breite flache Wasserschale aus Cement erstellt; vom tiefsten Punkt des Innenraumes ( Südwest-Ecke ) führt ein gedeckter Ablaufkanal Schmelz- und Sickerwasser hinaus an den Band der Terrasse. Eine große Fansterluke an der Südfront und zwei kleinere Öffnungen auf den Ost- und Westseiten der Sockelmauer gestatten im Sommer Lüftung und Trocknung des bis jetzt nur für Holzvorräte benutzten Baumes.

So weit J. Weinmann. Nachfolgendes soll nur dazu beitragen, das Vorgesagte und bereits in der Alpina Berichtete einigermaßen zu ergänzen.

Die Hüttenkommission, bestehend aus den Herren Obmann C. Lüacher, Statthalter B. Kummer, Felix Burckhardt^ Ch. De la Harpe und J. Wein- mann, präsidiert durch Obmann C. Lüscher und später durch Statthalter R. Kummer, begann natürlicherweise damit, die Pläne anderer bestehender Clubhütten zu konsultieren, wie Saleinaz, Orny, Festi, Oberaletseb, Chanrion und Panossière, die von den verschiedenen Sektionen — Eigentümer dieser Ritten — in sehr verdankenswerter Weise zur Disposition gestellt worden. Nach diesen Plänen legt« J. Wdnmann ein Projekt der innen Baumeinteilung der Hütte vor, die im Detail diskutiert und angenommen wurde.

Die Hütte wurde erstellt zu unserer großen Zufriedenheit im Winter 1899—1900, zu sehr vorteilhaften Bedingungen durch das hiesige Bar- geschäft Preiswerk & CSe.

Aber nicht die Platzfrage, nicht die Erstellung eines richtigen Planes, nicht der Bau der Hütte boten große Schwierigkeiten, die größte derselben erwuchs durch die Verhandlungen mit der Gemeinde Banda und mit dem Unternehmer der Maurerarbeiten und des Transportes von Banda zum Hohlicht, der z.B. seine exorbitanten Forderungen fr das Hinauftragen der Hütte erst dann auf ein annehmbares Maß reduzierte, als er Wind bekam von bedeutend mäßigeren anderweitigen Angeboten. Ist es denn nicht möglich in miserili Lande, daß die Bestrebungen des S.A.C. allgemein an^ erkannt werden und die Ausbeutungsversuche in gewissen Gegenden aufhören !? Wie lange geht es noch, bis es in diesen Köpfen dämmert?

Am 16. Mai 1900 ging die Hütte von Basel ab und langte am 26. Mai in Banda an. Die Eisenbahngesellschaft Visp-Zermatt gewährte in zuvorkommender Weise einen Rabatt von 50 % auf ihrem tarifmäßigen Die neue Clubhütte am Weisshorn.

Frachtansatz, was auch hier dankend erwähnt sei. Am 30. Mai begann der Transport und am 13. Juni war alles an Ort und Stelle. In 3 Wochen war die Hütte aufgerichtet und zur Einweihung bereit, die wie bereits anfangs bemerkt, am 9. Juli 1900 stattfand.

Wir anerkennen trotz dem Gesagten gerne, daß die Arbeit, die Herr Daniel Brantschen auszuführen hatte, zu unserer vollen Befriedigung gemacht wurde.

Die einzige Quelle in der Nähe befindet sich unmittelbar bei der alten Hütte, zu der ein Weg — jetzt in rot bezeichnet — angelegt ist.

Als Ofen haben wir ein einfaches System gewählt: einen vierlöche-rigen sogenannten Bauernofen der Gießerei Tiquet fils in Baignes ( Haute-Saône ). Dieser Ofen hat sich in mehreren andern Hütten gut bewährt, wo er andere komplizierte Systeme mit Vorteil ersetzt hat.

Der Abort wurde in einiger Entfernung der Hütte, an die Felswand gelehnt, aus Rundholz erstellt.

Zur Vorsicht wurde noch auf der Terrasse oberhalb der Hütte ein 3 Meter hohes Lawinen-Dreieck erstellt von cirka 120 Kubikmetern.

Diese letzterwähnten Arbeiten wurden ebenfalls durch Baumeister Daniel Brantschen ausgeführt.

Zur Beleuchtung der finanziellen Frage mögen folgende Zahlen dienen:

Ferd. Wortmann.

1. Einnahmen.

Freiwillige Beiträge von Mit- gliedern der Sektion Basel. Subvention des Centralkomitees Fr. 4719. 25 „ 3000.. Subvention von Herrn de Werra-Brunner in Randa

1000. Fr. 8719. 25 2. Ausgaben. .'Erstellung der Hütte in Basel Fr. Transport bis Randa..

Fundamente

3409. 75 246. 25 1182. Transport zur Baustelle und Montierung Inventar und Diverses... „ Abort„ Schutzmauer„ 1652. 40 1036. 10 200. 780. 8506. 50 Wie schon gesagt, enthält die Hütte 22 Schlafplätze — die Kosten ohne Inventar betragen rund Fr. 6500., d.h. Fr. 295. per Schlafplatz, per 1 Kubikmeter Inhalt Fr. 65..

Stolz auf ihrem Sockel thronend, beherrscht unsere Hütte das Hoh-lichtthal und überragt den Hohlichtgletscher um cirka 600 Meter. Sie dient nicht nur als Ausgangspunkt für die Besteigung des Weißhorns, sondern auch für die des Schallihorns, der Mominghörner, des Rothorns und des Mettelhorns, sowie für die zwischen diesen Hochgipfeln liegenden Gletscherpässe.

Es wird uns freuen, wenn die neue Clubhütte künftighin recht fleißig von Touristen besucht wird. Wir hoffen, daß sie nicht den Hochtouristen allein Gastfreundschaft bieten wird, sondern auch bescheideneren Bergsteigern, welche sie als Ziel ihres Ausfluges erwählen; immerhin aber in der Voraussetzung, daß diese, seien sie Mitglieder des S.A.C. oder nicht, Taktgefühl genug besitzen, um sich daran zu erinnern, daß die Clubhütten in allererster Linie dafür da sind, um die Besteigungen zu erleichtern. Gönnen wir daher den Alpinisten die Ruhe, die sie nötig haben für die bevorstehenden Strapazen! Übrigens macht man von Randa aus diesen Ausflug zur Hütte in bequemster Weise, wenn man morgens möglichst früh aufbricht, damit man die Pracht da oben mit Muße bewundern kann, um dann abends den Hotel-Komfort wieder zu genießen.

Möge nun die als zierlich und leicht gebautes Stadtkind in unwirtliche Höhe versetzte Hütte den Stürmen und Lawinen trotzen und recht lange Zeugnis geben von der freudigen Mitwirkung der Sektion Basel an den Bestrebungen unseres lieben S.A.C.

Ferd. Wortmann ( Sektion Basel ).

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