Djebl Resas (die tunisischen Mythen)

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^_ om Burghügel des alten Karthago aus hatte ich nach Süden zu im goldenen Abendrot schwimmend scharf geschnittene Berggipfel gesehen, die letzten Ausläufer des Atlas nach Osten: Zaghouan ( 1340 m ), Djebl Resas, bou Kournine.Der Resas mit seiner trapezförmigen Gestalt, den wohlgeformten Felsabstürzen und Gräten ( er tritt rechts von dem doppelgipfligen bou Kournine hervor ) weckte in mir die Lust, wieder einmal hinauf in freie Höhe zu steigen. Gesellschaft fand sich bald hierzu.

So erwarteten wir denn am nächsten Morgen früh auf dem Balkon des trefflichen Hotels Gigino an der Place de la Bourse in Tunis das bestellte Gefährt. Da sahen wir es vor uns durch das große Thor aus-und einströmend, das farbenprächtige Getriebe der alten Barbaresken Stadt, wo in einziger Art arabisches Leben und Treiben, moderne französische Civilisation unvermischt wie Öl und Wasser nebeneinander herlaufen: Es sind prächtige Gestalten, diese reichen Mauren mit weißem und farbigem in malerische Falten geworfenem Burnus, scharf geschnittenen Physiognomien, den turbanumwundenen Fez auf dem stolz erhobenen Haupte. Besonders auch die Alten mit eisgrauen Barten schreiten gemessen und würdevoll einher. Der gewöhnliche Araber begnügt sich mit bescheidnerer Gewandung. Laut ertönt das Ausrufen der Kleinhändler, die mit Brot, allerhand arabischem Gebäck, Orangen, Gemüse u. s. w. handeln. Wasserträger mit den hölzernen Wassertonnen, Kohlensackträger kommen daher- schwarze Zeitungsjungen und kleine dunkelfarbige Schuhputzer bieten sich an; Sudan-neger, Beduinen, französische Zuaven machen das Bild noch bunter. Schwarz verhüllten Antlitzes schreitet in weißen Gewändern, den Kopf von der spitzen Kapuze gekrönt, die Araberin durch die Menge; unverhüllt und feurigen Auges, schönheitsbewußt, in prächtigem Kostüm kommt die reiche Jüdin daher. Es giebt darunter viele Schönheiten ersten Ranges, aber sie entstellen sich oft durch eine absichtlich durch Mastkur vor der Ehe bewirkte Beleibtheit. Da schwankt es auch heran, „ das Schiff der Wüste ", mit Kohlen beladen.

Unser Gefährt mit dem arabischen Kutscher und Deby, dem Mohreu, ist da, wir steigen ein: zwei europäische Kaufleute, ein hannoverscher Baron und meine Wenigkeit. Die Herren sind mit Jagdflinten bewaffnet, sie haben es auf die Adler der Resaswände abgesehen. Der Neger und Dragoman Deby ist ein kurzes, dickes Männchen in Paletot und Fez, von Deutschen wohlempfohlen; in seinem Führerbüchlein steht:

„ Mohammed, liebes Mohrenkind, Bist schwarz zwar wie die SundDoch Herzchen weiß wie Schnee mau find't Ott unter schwarzer Rind

Windschnell durcheilen wir von drei flotten Berberpferden gezogen die weite Ebene mit ihren Oliven, Kaktus, Weinanpflanzungen. Überall wird fleißig geackert und prangt frisches Grün1 ) mitten im Dezember; die etwas kühle Temperatur wird, sowie die Sonne kommt, sehr angenehm. Den Fluß Miliane überschreiten wir auf einer Eisenbrücke und biegen dann in einen Feldweg ein; es beginnt Sandboden, mit Zwergsträuchern, viel silberfarbigen Disteln und einzelnen Oleandern bestanden. Hie und da ein kugliger Johannisbrotbaum. Sehr häufig ist eine Scillaart mit langen und schmalen Blättern, die bis zur Resasspitze vorkommt. Rechts undAuf den Bergen fand ich um Weihnachten einen ziemlich ansehnlichen Blumenflor; Anfang Februar wurde mir vom bou Kournine ein Strauß Cyclamen gebracht.

Djebl Resa. ( die tunisischen Mythen ).

links tauchen niedrige stroh- und reisiggedeckte Beduinenhiitten und Beduinenherden auf; Schwärme von Kiebitzen fliegen vorüber.

Vor uns liegt der Resas, von dem ich eine flüchtige Zeichnung mache ( Fig. 2 ); er ist nach Form und Abstürzen, besonders von Nordosten I ) her gesehen, ein wenig unseren Mythen ähnlich und, weil unvermittelt aus der Ebene ansteigend, immerhin imponierend.

Zaghouan.

Dj. Resas.

Nach einer Photographie von Prof. A. Baltzer ( Sektion Bern ).

Beim verödeten Haus des Bergwerksdirektors steigen wir ab und wenden uns rechts, die Fonderie unter uns lassend. Ein Stück bergmännischer italienischer Industrie, gar nicht unbedeutend, ist hier leider seinem Erlöschen nahe. Es wurde Bergbau auf Zinkerze ( Carbonat und Silikat ) betrieben 2 ), eine Schienenbahn mit Drahtseil brachte die Erze von den mehrere 100 m höher gelegenen Stollen des „ Bleiberges " zur Fonderie; jetzt steht alles still, dem Verfall preisgegeben, ein Beispiel des zurückgedrängten italienischen Interesses in Tunis. Wichtig für Resasbesteiger sind die Wege und Zickzackpfade, die die Gesellschaft gemacht hat. Wir steigen längs dem Schienenstrang hinauf, dann dem Weg folgend an verlassenen Steinhütten von Bergknappen und mehreren A. Baiteer.

Einfahrtsstollen vorüber. Das Gestein ist Kalk, die Gangart Baryt, Kalkspat, Blende, Bleiglanz etc.

Der Gipfel lag jetzt bedeutend nördlich von unser Neger, der uns allein gehen lassen wollte, führte uns, von mir aufgefordert, direkt aufwärts zum Grat ( 1 der Fig. 2 ) ein Couloir hinauf.

Süd.

Nord.

Fig. 2. Djebl Resas von der Vorder(West)seite.

Seine Unkenntnis und Unfähigkeit zum Bergsteigen zeigte sich bald, auch unser Wiener ergab sich rasch; er hatte ja noch nie Besteigungen gemacht und konnte nur auf allen vieren vorwärts kommen; als ihm nun vollends ein paar vom Vorgänger unvorsichtig gelöste Steine um den Kopf flogen, war es mit seiner Fassung aus. Der Herr Baron hatte sich schon früher durch Schuld des Führers von uns verloren und führte auf eigene Gefahr eine kleine Odysee auf, die übrigens für die Adler unschädlich verlief. Nur der Westfale erwies sich leistungsfähig und thatendurstig. Ich faßte daher meinen Entschluß, schickte Deby mit dem Wiener und den Gewehren zurück, steckte meine Feldflasche und ein Stück Brot in die Tasche und machte mich mit dem Westfalen auf den Weg. Gleich hier sei bemerkt, daß wir den auf der West- oder Vorderseite des Berges angelegten bis nahe unter den Gipfel des Beiges führenden Felsenpfad nicht kannten, daß der als Tunisführer wohl gute, als Bergführer aber gänzlich unbrauchbare Neger Deby uns denselben nicht zeigte, sondern uns, wie schon bemerkt, auf einen weit südlich von der Spitze gelegenen Gratpunkt führte, und daß wir demnach ganz unnötiger- und verkehrterweise dazu kamen, auf die Südseite des Berges hinüber zu steigen und mit langer Umgehung, in zum Teil schwieriger Weise, die Spitze von Süden und Osten zu machen, was bisher wahrscheinlich noch kein Tourist versucht hat.

So passierten wir denn ( bei 1 Fig. 2 ) eine kleine, hoch über der Drahtseilbahn gelegene Gratlücke, durch die eine Pfadspur auf die Südseite führte.Letztere präsentierte sich als eine Art steiles Karrenfeld: nackte, gefurchte Kalkfelsen, mit Zwergsträuchern und spärlichem Pflanzenwuchs bestanden. Beim Grat sahen wir ein mannshohes Exemplar einer Palmeiiart, weiterhin war die ganz niedrige Zwergpalme recht häufig. Die Hauptspitze zeigte auch auf dieser Seite felsige Absätze, eine solche nach Osten herablaufende Seitenrippe mußte, da wir für eine Umgehung unten herum keine Zeit hatten, nebst dem vorliegenden Couloir überklettert werden. Der gegen den Gipfel führende oberste Grat war wild gezackt.

Zunächst ging es durch Karrenfelsen mit Stachelgebüsch. In der Nähe der erwähnten Rippe wurden wir wider unsern Willen doch zum Süd-Nord verlaufenden Kammgrat hinaufgetrieben, den wir im erwähnten kleinen Couloir ( ungefähr bei 2 der Fig. 2 ) erreichten. Hier entschädigte uns eine prachtvolle Aussicht gegen Nord, West und Süd. Vor uns nach Nord-West die ungeheure Ebene von Tunis in bräunlichen und silbergrauen Tönen mit Grün untermischt — Wolkenschatten 2 ) fliegen darüber; jenseits derselben in 20 Kilometer Entfernung der See von Tunis ( el Bahira ), Tunis selbst mit seinen weißen Häusermassen, die beiden Salzseen, dann Golf und Meer wie eine Wolkenwand. Das war schön! Aber drohend erhob sich nun der Felsenturm des Gipfels nach Norden vor uns, der zu seinem Fuß führende Grat ist gezackt, hinter uns steht ein kleinerer Turm ( 3 in Fig. 2 ). Nur durch Umgehung rechts von der Ostseite her war der Turm zu machen; nun ging es an ein Felsenklettern, hie und da ein paar Schritte auf schmaler Felsenkante, aber gute Griffe und gutes Gestein. Mein Begleiter freilich, der nicht meine 20jährige Kletter-praxis hatte, erschrickt ein paarmal und will zurück, allein als guter Turner, ermuntert durch mein Beispiel, kommt er doch vorwärts; die Rippe ist überwunden, der Fels wird leichter, wir steuern gerade hinauf in den Nebel und, siehe da, plötzlich erhebt sich ein Steinmann mit Eisenstange und Halbmond, das ist gewiß das Werk der wackern Bergleute ( siehe die Titelvignette ). Da ist bequemer Platz auf dem rundlichen Kopf; da wächst etwas Gras, ein hübscher weißer Kreuzblüter, auch niedriger Busch, orangenfarbige, weiße und schwarze Flechten überkleiden die Kalkblöcke; ja sogar das Vieh geht hier hinauf, wie deutliche Spuren beweisen, da kommen wir also auch bequemer hinunter; denn den niederträchtigen Aufstieg machen wir nicht zum zweitenmal. Vergessen ist die Mühe, errungen ist die Spitze und was für eine, welch unvergleichlicher Fernblick! Hängt auch eine Nebelkappe über uns, die uns zeitweilig sogar einhüllt, so entstehen dadurch doch Lichteffekte besonderer Art. Der Norden ist nun, weil wir die höchste Spitze haben, freier, da sehen wir über eine stattliche gezackte Felscoulisse hinweg jenseits der rebenbedeckten Ebene von Mornak den stattlichen, doppelt gehörnten bou Kournine, der schön geschnitten, aber weniger felsig, in die Ebene vorspringt. Hinter ihm der blaue Golf von Tunis. Gerade rechts dieses Berges auf dem andern Ufer des Golfs, blendend weiß von der Sonne beleuchtet, liegt auf dem Ktistenfels das Araberdorf Sidi-bou-Said; darüber wieder tiefblau das Meer mit der blauen Luft verschwimmend. Ergreifend wirkt die ungeheure Weite, wo der Blick ins Leere sich verliert! Aussichten gegen den Bodensee von Höhen bei St. Gallen oder Niederuzwyl geben eine schwache Vorstellung von diesem Bilde; aber welche Farben hier, alles tief gesättigte, doch weiche Töne, wie dem Pinsel eines Poussin entsprossen und durch Wolken und Nebel in ein eigentümliches Halbdunkel getaucht. Nun der Blick nach Süden afrikawärts: — eine schier bescheidene, deutsche Mittelgebirgslandschaft, nicht ohne großen Linienzug, mit niedrigem Busch bedeckt statt der deutschen Eiche. Es ist ein Hochthal, zu dem sich wulstige Querrücken hinabziehen; auf der andern Seite erhebt sich, immer in sanften Formen, Kette an Kette. Durch das Thal schlängelt sich das Silberband eines Flüßchens. Weit im Südwesten ragt die Mauer des stattlichen Zaghouan empor ( vergl. Fig. 1 ). Aber einsam ist es hier: keine Hütte, kein Haus, kein Rauch trotz der sanften Formen; wohl sind einige bebaute Strecken sichtbar, aber die niedrigen Beduinen-hütten entgehen wohl unsern Blicken. Ja, wäre das in der Schweiz! Wie freundlich würden da die Wohnungen heraufschauen; wir sind aber in Afrika an der Grenze der Civilisation.

Den Abstieg nehmen wir auf der Nordostseite; da öfters Nebel eintritt, fixiere ich die Richtung mit der Bussole, auch kommt mir die Zeichnung für die Orientierung zu gute. Da, an der Wand des Gipfels, tauchen plötzlich zwei Adler des Resas auf: sehr respektable, hagere, lang und schmal beschwingte Gesellen, die in den unzugänglichen Felsen nisten. Ein junges Exemplar ist neulich aus dem Nest gefallen und wird vom Bergwerksdirektor ausgestopft aufbewahrt; leider hatte ich keine Gelegenheit, es zu sehen. Sie zu schießen, wird nicht leicht sein; mehr Eindruck haben mir immerhin unsere in der Natur gesehenen Steinadler gemacht.

Nun herunter, zuerst ein Stück nordöstlich, dann bald auf die Westseite des Berges herüber. Wir kommen auf einen bequemen in der Höhe nach Süden sich hinziehenden Felsenweg, benutzen ihn aber nicht, weil wir direkt nach Westen absteigen wollen, ein Fehler, der uns eine halbe Stunde kostete; denn Abstürze trieben uns zurück. Wir verfolgen nun jenen Weg, der uns auf der Vorderseite des Berges zwischen imposanten Felstürmen hindurch, unter den höchsten Abstürzen, in mannigfachem Zickzack wieder ganz nach Süden führt und zwar zu unserm wachsenden Erstaunen an die Stelle, zu der wir ursprünglich bei der Seilbahn hinaufgelangt waren. Unsern Zorn auf Deby, dessen Unkenntnis uns dazu gebracht hatte, die ganze Spitze zu umkreisen, wird man begreiflich finden; die volle Schale desselben ergoß sich denn auch reichlich über das „ liebe Mohrenkind ". Gleichwohl, wir beide hatten unser Ziel erreicht, ja sogar Djebl Resas ( die tunisischen Mythen).36 ' .) Adler — gesehen, und einen schönen Tag verlebt. Nachdem wir uns nach so viel Huriger und Durst an unsern Vorräten gestärkt und den Gefährten ( auch der Baron hatte sich wieder eingefunden ) unsere Erlebnisse berichtet, fuhren wir spät alle in fröhlichster Stimmung zurück, und mehr als ein Beduine und auch der arabische Mautbeamte, der am Thor in den Wagen hineinleuchtete, mögen sich über unsere deutschen Volks- und Studentenlieder baß verwundert haben.

In Summa: Die Tour ist bei richtiger Führung sehr empfehlenswert und in einem Tage bei etwas frühem Aufbruch bequem zu machen. Sollten die ziemlich zahlreichen Schweizer in Tunis es nicht fertig bringen, eine Sektion des S.A.C. zu gründen, um zunächst für Erhaltung, Markierung und Vervollkommnung des Resasweges, dann für Erschließung anderer prächtiger Berge bei Tunis, endlich für Heranziehung einiger Bergführer zu Nutz und Frommen der Touristenwelt zu sorgen?

Nachschrift.

Es giebt, wie oben bemerkt, bei Tunis ein Dreigestirn von Bergen, bestehend aus Resas, bou Kournine und Zaghouan. Sie treten, weil fast unmittelbar aus der Ebene sich erhebend, viel stattlicher hervor, als ihre Höhe es vermuten läßt. Die oben angeregte Sektion des S.A.C. müßte unfehlbar den Namen Zaghouan führen; denn dieser ist mit 1294,9neueste Vermessung ) die bedeutendste Erhebung in der Nähe von Tunis. Da indessen, wie ich seither hörte, eine Sektion des französischen Alpenclubs in Tunis besteht, so ziehe ich meinen Vorschlag-wieder zurück. Die französische Sektion „ Karthago " machte im Dezember einen Ausflug auf den bou Kournine.

Es ist vielleicht den Lesern des Jahrbuchs erwünscht, wenn ich mit flüchtigen Strichen noch die Bergwelt von Tunis skizziere und die beiden andern Gipfel des obigen Dreigestirns mit ein paar Worten erwähne.

Die Karten über die Tunisie sind, mit Ausnahme der neuen General-stabsknrvenblätter in 1: 50,000, sehr unvollkommen, von diesen aber sind nur wenige bis jetzt erschienen. Ein genaues topographisches Bild läßt sich also nicht gewinnen, und steht man noch auf dem Standpunkt, wie bei uns vor Erscheinen der Dufourkarte.

Beginnen wir von der nördlichen Mittelmeerküste, so tritt uns eine Reihe von Bergzügen entgegen, die im allgemeinen von Südwest nach Nordost streichen und die wir zusammenfassend als nördliche Bergzone bezeichnen wollen. Sie ist südlich durch das breite Thal des Medjerda-tlusses, dessen Gefilde durch außerordentliche Fruchtbarkeit sich auszeichnen, begrenzt. Französische Kolonisten bauen hier hauptsächlich Wein1 ) undDie Gesamtziffer der neu angepflanzten europäischen Rebenkulturen der Tunisie betrug schon anno 1887 2000 Hektaren, wovon 1300 einjährig waren.

Cerealien. Die bedeutendsten Bergzüge dieser Zone sind: die Khroumir-berge, mit ihren prächtigen vielversprechenden Korkeichenwäldern,die Nefzas- und Mogodsberge. Dieser Gesamtzug endigt im Cap Blanc bei dem vielgenannten projektierten französischen Kriegshafen der Zukunft — Bizerta. Höchste Punkte Djebl 2 ) Bir ( 1034 m ) und Dj. Gorrha ( 1202 m ).

Südlich des Medjerdaflusses folgt nun eine sehr breite mittlere Zone von vielen Ketten und Rücken, die näher der algerischen Grenze verschieden gerichtet sind, weiter östlich aber auch im allgemeinen von Südwest nach Nordost ziehen. Bedeutendere Erhebungen liegen in der Gegend des Städtchens Tebessa ( schon algerisch ), z.B. der Dj. Doukkan ( 1675 m ); dann ( tunisisch ) der Dj. Hallouck ( 1445 m ). Ein Hauptzug, wenn er auch nicht die höchsten Erhebungen hat, streicht über Dj. Houbib und Dj. Mehrarni ( 1305 m ), Hamada el Kessera gegen den Djoukar hin. Von da ab ist er alsdann, wie ich auf Grund eigener Beobachtungen sagen kann, entschieden der Hauptzug und läuft, wesentlich von Jurakalken gebildet, über den Zaghouan und Resas nach dem bou Kournine. Diese geologisch gut definierte Kette streicht, stark unterbrochen, Südwest-Nordost, krümmt sich dann aber bogenförmig nach Nord und Nordwest um die Ebene von Tunis herum, die sie wie ein felsiger Ring einschließt, dessen einzelne Stücke eben die obengenannten Berge bilden. Der Resas ist ein sehr charakteristisches Stück dieses Ringes.

Ein Nebenzug beginnt in der Gegend des Zaghouan und verläuft, von jüngeren Formationen gebildet, in die Halbinsel des Cap Bon, in welchem er sein Ende findet.

Nicht diesen Nebenzug, sondern den bou Kournine betrachte ich als das Ende des großen Atlasgebirges.

Die reiche, fruchtbare, als solche schon im Altertum bekannte Region der Ostküste von Hammamet bis Gabes herunter mit ihren Sebkas ( Salzseen ) heißt Sahel. 8 ) Über die südliche Bergzone bei Gafsa, Feriana etc. ist wenig bekannt. Hieran schließt sich dann nach Süden an die Region der Chotts und dann die Sahara, eine ganz andere Welt.

Ein Punkt sei noch erwähnt: der allgemeine Eindruck, den man hat, wenn man auf einem der erwähnten Gipfel bei Tunis steht, besonders vom Zaghouan aus. Die reine Luft gestattet Weitblicke bis zu 150 und 180 Kilometer. Dreierlei Elemente bedingen die Landschaft: das Berg- land, sodann weite Ebenen, wo sich die Flußthäler dem Meer zuwenden und im Sahel, mit zahlreichen bei Abendbeleuchtung erglänzenden Salzseen; endlich das Meer in ruhiger Majestät, oft horizontlos mit der Luft verschwimmend. Jene Bergzüge nun erscheinen wie unzählige Wellen, sind es doch auch wirklich Falten der Erdrinde; diese sind aber viel lockerer wie unsere Jurafalten, d.h. sie haben zwischen sich breitere Thäler, resp. oft prairienartig entwickelte Ebenen; sie setzen sich auch nicht lange Zeit fort. Eine Welle taucht unter, eine andere taucht auf, oft nicht in der gleichen Richtung, sondern etwas verschoben. Man vermißt deutliche, weithin zu verfolgende, beherrschende Ketten, darum wird hier die topographische Gliederung einen schweren Stand haben, und nur die Geologie kann das Zusammengehörige, den Konnex dieser Kettenglieder bestimmen. Sie lehrt uns z.B., daß Djoukar, Zaghouan, bon Kournine, wiewohl stark unterbrochen, geologisch zusammengehören. Viel ist hier noch zu entziffern.

Wer ohne besondere Schwierigkeit eine herrliche Aussicht genießen will, der ersteige den bou Kournine, der eine überaus günstige, die ganze Umgebung von Tunis mit ihren Seen, Ebenen und den alten Stätten von Karthago beherrschende Lage hat. Nach Nordost und Ost treten der Golf von Tunis, die Insel Cimbra ( das tunisische Capri ), Cap Bon und die Berge der Abder Rahmankette hervor. Vor der letzteren breitet sich die weite Ebene von Soliman aus. Nach Südosten müssen die Formen des Resas und Zaghouan, die wie Klippen der Ebene entsteigen, jeden Bergsteiger begeistern.J ) Das größte bergsteigerische Objekt in der Nähe von Tunis ist die Zaghouankette, die ich zu geologischen Zwecken während zehn Tagen bereist habe. Sie liegt weiter ab von Tunis, ist viel mühsamer, schwieriger und weitläufiger und wird von gewöhnlichen Touristen nicht besucht. Dieselben werden sich mit dem pittoresk gelegenen echt arabischen Flecken Zaghouan am Fuß des Gebirgs begnügen, welcher auch wegen des römischen Wassertempels und anderer römischer Reste einen Besuch verdient. Ich bestieg den höchsten Gipfel des Zaghouan am 6. Januar mit Herrn Geometer Menage bei schwierigen Schneeverhältnissen, die Temperatur daselbst betrug -r- ll/2° R.,2 ) Wind und Nebel verhinderten uns, die zweifellos großartige Rundsicht voll zu genießen.

Dr. A. Baltzer ( Sektion Bern ).

: ' ) Wer den bou Kournine besteigen will ( kleine Tagestour, fährt von Tunis mit der Eisenbahn in einer halben Stunde nach dem Badeorte Hammam Lif und erreicht von dort in 2l/i Stunden den Gipfel ( Generalstabskarte in 1: 50,000, Blatt la Goulette, mitnehmen ). Ein Fußpfad führt hinauf. Französische Schenke in Hammam Lif bei Père Comparât.

* ) Mittlere Minimalwerte der kältesten Monate Januar und Februar in Tunisien von 1885-1888: für die Bergregion + 1,3 und + 3,4° C, für die Stadt Tunis 4,3 und 5,4 » C.

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