Dr. Franz Fankhauser: Das Patois von Val d'Illiez

Remarque : Cet article est disponible dans une langue uniquement. Auparavant, les bulletins annuels n'étaient pas traduits.

Ich hätte auf diese sprachgeschichtliche Dissertation, welche der philosophischen Fakultät der Universität Bern zur Erlangung der Doktorwürde vorgelegt und von dieser am 6. Juli 1909 angenommen wurde, hier nicht einzugehen, wenn der Verfasser nicht dem linguistischen Teil eine. Reihe von Paragraphen über die Topographie, das Klima, die Verkehrsverhältnisse, das Kostüm, die Chaletarchitektur, einen Abriß der Geschichte des Val d' Illiez und einige spezielle Bemerkungen über die Gemeinde Val d' Illiez vorangestellt hätte, welche allgemeineres Interesse bieten. Zugleich bieten sie dem Verfasser Gelegenheit, seine These, daß das Patois der Gemeinden Val d' Ill iez und Champéry eine sowohl gegen die untere Gemeinde Troistorrents und das Rhonetal als auch gegen das oberhalb liegende savoyische Gebiet scharf abgegrenzte Sonderentwicklung zeige, auf historische Gewordenheiten zurückzuführen. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil die natürlichen und Bodenverhältnisse eine solche Scheidung nicht erklären, namentlich nicht gegen unten hin. Dies tun aber die geschichtlichen Vorgänge, wonach das erst in verhältnismäßig später Zeit als besiedelt erscheinende Tal nach der dunkeln Nantuatischen und Römerzeit im XI. Jahrhundert der Abtei von St. Maurice gehörte, von dieser an die Grafen von Savoyen überging, während es kirchlich von Sitten abhing bis 1331, wo die Kollatur an die Abtei Abondance überging und bis 1608 dort verblieb. Schon 1476 gewannen die Walliser mit dem ganzen Chablais auch das Val d' Illiez dem Herzog von Savoyen ab, und definitiv kam es in ihren Besitz 1536. Unter diesem nicht eben sanften Joche blieben die Leute von Val d' Iüiez bis zur französischen Revolution. Während sie nun 1790 unter der Führung des „ gros Bellet " ( siehe die im Anhange erzählten Anekdoten über diesen „ starken Mann " des Unterwallis ) sich der ungebührlichen Zumutungen des Gouverneur Schiner in Monthey mit Erfolg erwehrten, zeigten sie sich, nach einer vorübergehenden Erhebung des Jahres 1791, den französischen Neuerungen im Jahre 1798/99 und noch 1801 eher abhold, was ihnen übel bekam, und in dem kurzen, aber blutigen Bürgerkrieg des Jahres 1844 standen bei dem Gefechte an der Trientbrücke die „ Montagnards " von Val d' Iüiez mit denen von Salvan und Troistorrents auf der Seite der „ Vieille Suisse ". Wiederholt war das Tal der Schauplatz kriegerischer Durchzüge, so 1260, als Peter von Savoyen über Morgins und Troistorrents ins Wallis einfiel, 1476, als die Walliser über den Col de la Golèze bis nach Samoëns vordrangen, 1536, als die nämlichen über Morgins ihre Grenze bis an die Dranse vorschoben. Zum Schlusse habe ich zwei kritische Bemerkungen anzubringen. Der Col du Sageroux verdient nach meinen Erfahrungen das Epithet „ nicht ungefährlich " nicht. Bei der Schilderung der Chaletbauten in Val d' Iüiez und Champéry hätte auf den Zusammenhang des Stils und speziell der Fassadendekoration mit den Holzhäusern im waadtländischen Pays d' Enhaut hingewiesen werden können, deren Ursache allerdings nicht klar ist. Leider ist es auch Dr. Fankhauser nicht gelungen, Neues über den Abbé Jean-Maurice Clément ( 1736—1810 ) und speziell über dessen Erstbesteigung der Dent du Midi 1784 bei-zubringen.Redaktion.

Feedback