Durch den Katzengraben auf das Wildhorn

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Durch den Katzengraben auf das Wildhorn wir ihn im Eilschritt. Immer wieder lösten sich oben kleine Rutsche, doch einer erreichte uns.

Froh atmeten wir auf, als der sichere Firnsattel erreicht war. Das letzte Abstiegsstück erledigten wir in Ruhe und Beschaulichkeit. Es war ein schöner Tag.

Anmerkung: Am 6. August 1937 durchstiegen Führer Fritz Ogi jun., Kandersteg, und Hans Peter Buess, Basel, die Westwand des Blümlisalphorns direkt vom obern Ende des Gletschers. Diese Route liegt also zwischen der Dr. J. Bergers vom 3. Juni 1937 und derjenigen Walter Stoessers vom 24. Juli 1935.

lurch den Katyengraben auf das Wildhorn.

lit 2 Bildern.

Von Hans Schlosser.

Du fragst mich, mein Lieber, nach dem Katzengraben, dem interessantesten, kurzweiligsten Aufstieg auf das Wildhorn. Du fragst, ob er gefährlich sei. Ja, das hängt nun weniger von ihm ab als von dir. Bist du ein Eigerwändler, dann geh nicht hin, du würdest auch nicht einen Mauerhaken brauchen. Doch bist du Alpinist, vielleicht schon mehr denn 40j ährig und da und dort schon etwas rumgekraxelt, komm ruhig mit, ich will dir den Weg zeigen.

Wir fangen bei der Geltenhütte an. Den Aufstieg dort hinauf, den findest du allein und wirst ihn wohl gebührend geniessen. Von der Talstation, von Lauenen bei Gstaad, hinweg begleitet dich Naturschönheit in immer neuer Form hinauf in jenen weiten Kessel, an dessen Bodenrand die Hütte steht. Am Morgen geht man beizeiten los, und sogleich heisst es auch schon steigen, steil und steiler, die Grashangtritte aufwärts, bis eine kleine Terrasse zu kurzer Rast und Umschau einladet. Aus der Morgendämmerung des Nordens grüssen dich: Die Gastlosen, Dent de Ruth, Savignyfluh, die kleinen giftigen Pucelles, Vanil Noir usw. Und südwärts von dir liegt das felsenumwuchtete Rottal. Langsam scheinbar pfeilt vom Geltengletscher her weisser Gischt über die wilde Wand hinunter, der eisgepanzerte Arpelistock erhascht schon den ersten Sonnenstrahl.

Wir halten etwas rechts und steigen über die Geröllhalde weiter. Ein Gruss noch unserm Ziel, dem Wildhorngipfel, der dem Auge nun für längere Zeit entschwinden wird. Geröll, Geröll und hartgeschwemmte, abschüssige Erde I Diese 100 Meter sind die mühsamsten unserer Reise. Doch wenn du Zeit und Musse hast, schau nicht nur vor dich hin, nein, blick nach rechts, nach oben und geniesse die wunderbaren Felskonturen. Aufgetürmt, Schicht auf Schicht, zerschlissen, zerhackt und wieder zerfallen sehen sie dich an, die Wände, ein Wirrnis ohnegleichen.

Wenn du mit der Nase anstossest, dann ist es Zeit, sich zu entscheiden, Se id ihr mehrere, geht 's links hinüber auf den Grat. Da wir nur zwei sind, gehen wir direkt gradaus, durch das Couloir hinauf. Es ist dies wesent- DURCH DEN KATZENGRABEN AUF DAS WILDHORN. 10 1 lieh kürzer, doch liegt das Gestein so lose, dass Gefährdung der Nachsteigenden nicht verhindert werden kann. Das beste wird wohl sein, das erstemal links auf den Grat, das zweitemal durchs Couloir rechts davon, jedoch das drittemal, da lasse dir die wilde Romantik des grossen direkten, schon mehr kaminartigen Couloirs noch weiter rechts ja nicht entgehen. Es ist zudem fast rein von Geschiebe, aber reich an Griffen und Grifflein. Bald öffnet sich auch dieser Trichter, Geröll liegt wieder da. Dem auszuweichen steigen wir nun doch noch links hinauf, auf den zackigen Grat, wo der Blick sich weitet und ein kühles Lüftlein dich erfrischt. Wir langen bald auf einer Schieferhalde an, die sich in Wellen quer nach rechts hinüber zieht bis auf den Geltengletscher, und quer stellt sich uns in den Weg ein Reigen hoher, glatter Wände. Und nun heisst 's aufgepasst, zumindest für den Neuling, um den Einstieg in den gesuchten Katzengraben nicht zu verfehlen. Geh immer rechts, folge ganz der Schichtung des Gesteins. Du zauderst, weil es abwärts geht? Lass gut sein, es kann nicht immer aufwärts gehen. Folge dem Stein, folg ihm, bis nur noch zwei mächtige orange und gelb gezeichnete Kulissen dich vom Gletscher zu trennen scheinen. Der Stein ist anders hier, und breit und wuchtig türmen sich die Felsen auf. Ein Rest Schnee liegt sicher stets im Graben, an dem du alsdann stehst. Blick rückwärts — aufwärts, und das Loch zum Hades tut sich vor dir auf!

Den Einstieg nehmen wir je nach Jahreszeit nicht durch die Rinne, sondern über die genügend Griffe bietende Felswand rechts davon. Und nun, mein Freund, bin ich so frei und ziehe meine Kletterschuhe an. Nicht dass es unumgänglich nötig wäre, jedoch es geht sich so viel leichter und später oben auf dem Grat, einem wirklichen Grat, auch sicherer. Und jetzt hinauf, sei es durch die etwas ausgeschliffene Rinne oder die etwas exponierte Wand, hinein in den Hexenkessel, der dich verschlingt. Denn ringsum bist du nun eingeschlossen von grauen und glatten, braunen und zerschlissenen Mauern. Ja selbst die roten Blutflecken fehlen nicht, von Gigantenhand dorthin gekleckst. Doch weiter jetzt, rechts aufwärts, wo ein Zacken den Weg versperrt. Scheinbar nur, denn in der Nähe wird er ganz klein und drückt sich still zur Seite. Zehn Schritte noch, und vor dir steht die Welt!...

Es grüsst der Wildhorngipfel, es grüssen Gletscher, Dürrenseeli, Wildstrubel, und hinten ernst und unnahbar die Eigerpyramide, Mönch und Jung- frau. Drehst du dich um, winkt dir das Oldenhorn, und wo du stehst, nennt man 's die Silberritze. Noch 100 Meter weiter, dann lächelt dir das Wallis zu mit Mont Blanc, Grandes Jorasses und Grand Combin. Hab etwas acht auf das Gestein, auf dem du gehst, es ist ganz mit Fossilien durchsetzt. Unten beim See, da liegt ein grosser Block, der deutlich einen Muschel-abdruck trägt.

Nun winkt Genuss für jeden klaren Kopf. Zahn auf Zahn türmt sich der Grat vor dir, rechts und links fällt 's ab, so steil du 's haben willst. Doch mit den Kletterschuhen bewaffnet turnst du hinauf und hinüber, ohne, mit wenigen Ausnahmen, auch nur die Hände zu gebrauchen. Der höchste Punkt ist bald erreicht. Wieder etwas hinunter, aber immer auf dem Grat, dann zeigt sich das erste ernstliche Hindernis. Ernstlich für den, welcher der Sache

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