Ebnefluh-Nordwand

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Erste Begehung.

Mit 2 Bildern,Von Paul Aschenbrenner.

Bei der Einfahrt ins Lauterbrunnental sahen wir zum erstenmal die eisigen Gipfel mit ihren wuchtigen Wänden, und der langgehegte Wunsch, alte und neue Wege zu begehen, schien sich endlich zu erfüllen. Drei Wochen später, und wir konnten auf schöne Erfolge zurückblicken, wie: Grosshorn-, Lauterbrunner Breithorn-, Mittaghorn- und Mönch-Nordwänd.

Schon damals, als wir den ersten Stützpunkt, die Oberhornalp, verliessen, um zur Biglenalp am Fuss des Mönchs aufzusteigen, fassten wir den Entschluss, der Ebnefluh-Nordwand einen neuen Durchstieg abzuringen.

Mit gewaltigem Auftrieb strebten wir am 3. August 1937 der Rottalhütte zu. Der Aufstieg zur Hütte ist von seltener landschaftlichen Schönheit. Stets hatte ich die bereits durchstiegenen Flanken vor meinen Augen, und Erinnerungen von Kampf und Sieg zogen mir durch den Kopf, und ich ging lange Strecken des Weges, ohne den drückenden Rucksack zu spüren. Das herrliche Wetter stimmte uns alle zuversichtlich.

W. Mariner und ich waren uns über die Ausführung des direkten Durchstieges durch die 1250 m hohe Nordflanke bald einig, indem wir das erste Felsbollwerk rechts, das zweite links umgehen wollten. Dem Hängegletscher, welcher unter dem Gipfel abbricht, trachteten wir westlich auszuweichen, um direkt zum Gipfel zu kommen.

Am 4. August, 230 Uhr früh, verabschiedeten wir uns von zwei Freunden, die ebenfalls bald nach uns die Hütte verliessen, um die Gletscherhorn-Nord-wand anzupacken. Den aperen Rottalferner überschreitend erreichten wir über Die Alpen — 1938 — Les Alpes.17 steile Firnhänge den obersten Eisschrund, ca. 3200 m. Das Wetter machte uns heute kein Bedenken, und als erster überstieg ich den Schrund in der Falllinie des Gipfels. Die 50 bis 55 Grad geneigte Eiswand war bis hoch hinauf mit oft nur zentimeterstarken Neuschneestreifen bedeckt, und diese liessen gerade noch ein stufenloses Gehen zu, wobei wir aber auf die Hakensicherung besonderen Wert legten. Wir erkannten bald, dass diese Schneeauflage nur so lange zu benützen war, als sie von der Sonne nicht beschienen wurde. Um nun der Sonne vorzukommen, strebten wir im höchsten Tempo die Wand hinauf. So wie der Vorausgehende auf seine Schritte achtete, so achtete der Zweite auf das Seil; denn der leichteste Ruck hätte den Gefährten aus seinem Gleichgewicht bringen können. Nur das Bewusstsein, dass ich mich auf meinen Begleiter unbedingt verlassen konnte, liess mich seelenruhig zu ihm aufblicken, wenn es auch manches Mal den Anschein hatte, als müsse einer von den zwölf Zacken bei dieser Beanspruchung ausbrechen. Ohne besonderen Aufenthalt wechselten wir in der Führung ab, und so kam es, dass wir dieser himmelragenden Eismauer, für deren Bezwingung wir das Doppelte der gebrauchten Stunden angenommen hatten, um 1030 Uhr vormittags entstiegen.

Freudestrahlend standen wir auf dem firngekrönten Gipfel, und mit glücklichem Schimmer in den Augen blickten wir in die weite Bergwelt rund um uns.

Um mit den Kameraden vom Grosshorn zusammenzukommen, entschlossen wir uns, die Überschreitung des Gletscherhorns anzuschliessen. Im Gletscherjoch gönnten wir uns eine ausgiebige Rast.

Die Begehung des Westgrates erwies sich als ein mühevoller Gang über Schneewächten und Felstürme. Erst um 6 Uhr abends erreichten wir die Spitze des Gletscherhorns. Plötzlich einfallender Nebel und eisiger Nordwind brachten uns mit einem Schlag in eine bedenkliche Lage. Beim Abstieg trafen wir mit den Freunden zusammen. Das war wohl ein glücklicher Zufall. Gemeinsam stapften wir dem Lauitor zu, um das Jungfraujoch noch zu erreichen. Noch dachte keiner daran, dass uns das schützende Obdach heute nicht mehr aufnähme.

Erst als wir im Dunkel der Nacht vor einem gähnenden Abgrund standen, erkannten wir, dass ein Freilager nicht mehr zu vermeiden war. In einer Schneehöhle verbrachten wir leidlich die stürmische Nacht. Der neue Tag brachte wieder strahlende Sonne, und über harten Firn wanderten wir zum Jungfraujoch hinüber. Noch nie hat uns ein Frühstück so gut geschmeckt wie das im gemütlichen Berghaus.

Auf dem leichtesten Weg stiegen wir dann zum Jungfraugipfel auf. Beim Abstieg zur Rottalhütte hatten wir immer wieder Gelegenheit, unseren neuen Durchstieg zu betrachten und uns zu freuen über diesen schönsten Eisgang unserer Bergtage im Berner Oberland.

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