Edward Whymper: Guide à Zermatt et au Cervin

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Es scheint nach allem, was ich im Jahrbuch bei verschiedenen Gelegenheiten über die englischen Originale der oben genannten Werke Whympers und zuletzt noch in Band XLVII, pag. 336, über die erste französische Ausgabe seines Führers für Chamonix und die Mont Blanc-Kette gesagt habe, „ die überflüssigste Wortverschwen-dung " zu sein, wenn ich der Jullienschen Publikation der „ Escalades " und des „ Guide à Zermatt " mehr als eine aufrichtige Empfehlung an die Französisch und Deutsch verstehenden Leser mit auf den Weg geben wollte, den sie sicherlich auch ohne meine Hülfe machen werden. Dennoch muß ich ein paar kritische Bemerkungen anbringen, die man einem langjährigen Freunde Whympers und genauen Kenner seiner Bücher nicht übelnehmen wird. In einer Vorrede des Herausgebers wird die neue französische Ausgabe der „ Scrambles ", im Gegensatz zu der von Adolphe Joanne 1873 und 1875 bei Hachette & Cie. veranstalteten Luxusausgabe, als komplette und Volksausgabe bezeichnet, welche von Whymper selbst, der darin seine „ résurrection française " sah, ausdrücklich gebilligt worden sei. Im Einverständnis mit Whymper seien die Kapitel II: Ascension du Mont Pelvoux, III: Le Mont-Cenis et son tunnel, de Vallouise à La Bérarde, XVI: La Vallée d' Aoste der ersten Ausgabe weg- gelassen worden. Ebenso seien, um die Erzählung zu erleichtern, einige Kürzungen am englischen Text, besonders was geologische Erörterungen betrifft, vorgenommen worden. Man kann dies alles billigen, mit Ausnahme des Wegfalls der Erzählung von der ersten Besteigung der Grandes Jorasses; dann fragt man sich aber, worin die „ beträchtliche Vermehrung " dieser französischen Ausgabe bestehe. Denn diese gegenüber der längst vergriffenen Joanneschen Ausgabe hervorzuheben, hatte doch keinen geschäftlichen Zweck. Aber vielleicht sind das Verlegergeheimnisse, und ich will darauf weiter kein Gewicht legen. Dem englischen Text gegenüber, wie ihn Whymper zuletzt in Nelsons'1 Schilling-Ausgabe ( siehe meine Besprechung in diesem Jahrbuch, Band XLIV, pag. 413 ) 1900 festgelegt hat, kann jedenfalls von einer „ beträchtlichen Vermehrung ", durch Whymper selbst, nicht gesprochen werden; denn es steht kein einziges Faktum oder Datum aus der Besteigungsgeschichte des Matterhorns mehr im französischen als im englischen Text. Neu hinzugekommen ist eine von A. Brun verfaßte nekrologische Skizze, welcher auch ein Porträt Whympers aus seinen letzten Jahren beigegeben ist. Nicht einverstanden bin ich darin mit dem Satze: „ Vielleicht könnte man sagen, daß Whymper nicht ganz gerecht gegen Taugwalder war, indem er nach der Matterhornkatastrophe in den festländischen Zeitschriften nicht kräftig seine Verteidigung übernahm. " Ich habe unmittelbar nach Whympers Tode und später wiederholt, namentlich in meinem langen und dokumentierten Artikel über Whymper in Jahrbuch XLVII, gezeigt, daß und warum Whymper sich nicht mehr für Taugwalder einsetzen konnte, ohne sich selbst, der viel perfider angegriffen und verleumdet worden war, zu schaden. Sein Schweigen war das der Verachtung, nicht, wie Herr Brun in dem, dem obigen nachfolgenden und scheinbar entgegengesetzten Satze annimmt, das der Opportunität. Es ist schade, daß durch diese paar, zum mindesten überflüssigen Zeilen der gute Eindruck des Brunschen Nekrologs etwas verwischt wird. In der Übersetzung, die sich sonst sehr gut liest, sind mir ein paar Versehen aufgefallen. Auf pag. 27 ist die Rede von einer „ Dent du Lion ", während es im englischen Text richtig Tête du Lion heißt. Auch ist „ nous surplombons " schwerlich eine adäquate Wiedergabe von „ we overlooked ". Ebenso gibt der Satz auf pag. 45: „ Je me laissai glisser au bas de la cheminée, en me tenant après ma corde que j'avais solidement amarrée à un rocher ", wenn überhaupt eine, jedenfalls keine technisch richtige Vorstellung von der bekannten Art, wie Whymper als Alleingänger mit einer von ihm erfundenen und abgebildeten Vorrichtung ( Seil und Haken ) den Rückzug durch den „ Kamin " hinunter bewerkstelligte. Und gerade hier wäre eine genaue Wiedergabe des Sinnes unerläßlich gewesen. Ich kann es auch nicht als einen Vorzug empfinden, daß in diesem Kapitel, und in andern auch, die Erweiterungen, Beziehungen auf seine spätern Besuche solcher Stellen etc., welche Whymper in den spätern Auflagen der Scrambles bis 1900 angebracht hat, in die Übersetzung nicht aufgenommen worden sind. Umgekehrt hätte pag. 129 die veraltete Bezeichnung „ Mont Peuteret ", die Whymper in seinem Chamonixführer aufgegeben hat, ohne Schaden an der Pietät, beseitigt werden dürfen. Aber schließlich sind das alles Kleinigkeiten und schaden der Verdienstlichkeit des Jullienschen Unternehmens, das uns sympathisch ist, nicht wesentlich.

Der Guide à Zermatt et au Cervin gibt sich als die erste französische Übersetzung der 14. englischen Ausgabe des Guide to Zermatt and the Matterhorn. Und es scheint, nach dem Avant-Propos von Alexandre Jullien zu den „ Escalades ", daß Whymper noch „ die ersten Korrekturen seines Guide à Zermatt et au Cervin lesen konnte ". Dann begreife ich aber nicht, warum auf dem Titelblatt nicht die 15. englische Ausgabe, die seit Anfang 1912 in meinen Händen ist ( siehe Jahrbuch XLVII, pag. 335/336ihre Vorrede ist, wie die der 14., von Mai 1911 datiert -angegeben wurde. Ein Unterschied bestand ja zwischen diesen jährlichen Neuauflagen eines stereotypierten Buches nicht. Höchstens, daß in dem vorgesetzten römisch paginierten Teil die eine oder andere der „ notes " zugesetzt oder weggelassen wurde. Dabei scheint es mir nun eine Verschlimmbesserung zu sein, wenn Whympers Notiz: „ cattle crossing the Théodule Pass ", wiedergegeben wird mit: vArmaillis traversant le col de Théodule ". Ein armailli ist doch keine Kuh, sondern ein Küher, und Whymper erzählt ausdrücklich, daß die Treiber einer am 15. und 16. September über diesen Gletscherpaß geführten Viehherde keine Greyerzer Sennen, sondern zwei Maquignaz aus Valtournanche gewesen sind. Aber auch das sind natürlich Kleinigkeiten und schaden der Verdienstlichkeit auch dieses Buches, welches uns in französischem Gewande alle Vorzüge Whymperschen Stils, " Whymperscher Kunst und Whymperscher Sachkenntnis von neuem nahebringt, nicht. Und, da hier die vielen Nachträge des Autors zu seinen „ Scrambles " nicht unterdrückt wurden, doppelt zu begrüßen. Auch im äußern Habitus und in der zeichnerischen Ausstattung unterscheidet sich die französische Ausgabe zu ihrem Vorteil kaum von der fast klassisch gewordenen englischen, der sie also an Wert wie im Preis gleichkommt.

Redaktion.

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