Ein vielerwogenes Werk

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Von Hans Raschle.

Den Nurkünstlern und den ästhetisierenden Kunstkritikern war unsere alpine Kunstausstellung zu währschaft. Manchen Bergsteigern enthielt sie zu viel naturfremde « Moderne ». Die Jury hatte es wahrlich nicht leicht, den berüchtigten goldenen Mittelweg zu finden, um schliesslich dennoch von beiden Strassenbördern her mit missbilligenden Zurufen und guten Ratschlägen bombardiert zu werden!

Das hier wiedergegebene Bild des Basler Malers Albert Neuenschwander ist ein Dokument dafür, dass die Jury ihre Pflicht zugleich der anspruchsvollen Kunst und dem schlichten Bergsteiger gegenüber ernst nahm. Ein-lässlich wurde gegeneinander ausgewogen, ob diese « Rettungskolonne » wegen des starken Gestaltungswillens, der sie schuf, in der Ausstellung gezeigt oder ob sie wegen ihrer ungewohnt-eigenwilligen Formgebung abgelehnt werden solle.

Sowohl die Jasager als die Neinsager konnten sich in guten Treuen auf achtbare « ausstellungspolitische » Gründe berufen, und da die Ausstellung aus dem Geiste kameradschaftlicher Verständigung geboren war, einigte man sich, das Schaffen dieses Künstlers durch ein anderes Werk ( Mondnacht ) zur Geltung zu bringen.

Die « Rettungskolonne », vom Künstler im Gedenken an den Gletschertod eines Onkels aus echtem Empfinden heraus gemalt, ist aber ein Versuch der eigenartigen Lösung eines alpinen Themas, so dass er — man mag sich zur Lösung stellen wie man will — alle, die es mit der alpinen Kunst ernst meinen, zum Nachdenken über deren Grundlagen anzuregen vermag.

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