Engadiner Segeltag

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spievel nel sulagl da l' aunz mezdi! L'ascensiun da quistas partidas dumandarò bain buna chamma al turist, perché co nun chatta el ne funiculera, ne lift, chi'l condüa sü sainza fadias. Fortünedamaing! L'ora ais d'insolita clarited e'ns invida da continuer nos viedi. Zieva cuorta cuntrapendenza mettains il pè sul vadret, nomno « Bündnerfirn » per traverser quel quasi planiv vi fin al pè dal Vorab, inua essans già ziev'un'ura d'viedi. Il vadret ans pera telmaing innozaint, las sfessas aviertas, cha podains rischer da lascher nossa corda in reserva nel sach. L'ascensiun fin tar il punct il pü of continuains per la costa d'nord, laschand il vadret ed a las 11 essans al lo da destin, eir co recompensos per nossas fadias d'una stupenda vista très ed intuorn. Zieva cuorta posa ans preparains per il retuorn e tramettains per l' ultima vouta an saliid sur munts e vais fin in Engiadina. Mieu amih as resolva da turner sur Flem ed eau am separ cun l'intenziun da descender per la ruta dais uschedits « Zwölfihörner », la quela ais alquaunt pü cuorta, evitand uschè per una seguonda vouta la cuntrapendenza. Appaina lascho il vadret cumainza un'interessanta rampcheda chi dumanda, stoviand passer per un truoch cun nosch spelm, precauziun, ma bainbod bandun darcho la spelma. Da la val sü am salüda, situeda immez sia praderia, la vschinaunchina dad Elm. Uossa chat la sendina, chi'm condüa in poch pü d'un'ura darcho tar la chamanna, da la quela pigi quista vouta definitivmaing cumgiô, zieva cuorta posa sul baunchin davaunt porta. Duos uras pü tard am rechat darcho a la staziun ed intaunt cha'1 tren as metta in movimaint dum ün ultim sguard inavous vers il Vorab e sü vers il Pass da Panix, inua am rechattaiva avaunt ün an, ed uossa, in viedi vers la pianura, rest per bun lönch culs impissamaints cussü in muntagna!

Engadiner Seqeltaq.

3 3 3 Von H Belart

Mit 2 Bildern ( 103 und 104).Zürich, Sektion Uto ).

Es war an einem jener herrlichen Engadiner Vorherbsttage, wo nach einem stillen Morgennebel im Talboden die ganze Landschaft in besonderer Farbenpracht leuchtet und wo dann mit zunehmendem Tage die Luft mit Bewegung erfüllt wird und die weissen Wolken sich in Reihen über den Bergen aufstellen. An einem solchen Tage ereignete sich für mich die Erfüllung meines so oft geträumten Wunsches, einmal ganz unbehindert von der Schwere und wie mit Siebenmeilenstiefeln von Berg zu Berg durch den Raum wandern zu können, nicht mehr gebunden an einen steinigen Pfad oder einen schmalen Grat, aber doch mit der beschaulichen Naturverbundenheit des Bergsteigers.

Ich war gerade beim Schafberg gewesen und hatte mir die flatternde Schweizerfahne oben bei der Hütte betrachtet, als er sich auf einmal wieder I3NGADINER SEGELTAG.

einstellte, dieser alte Wunsch. Und ich war ihm gefolgt, gegen das Unterengadin zu und dann im Bogen zurück an die Hänge der Crasta Mora, die sich steil gegen ihre schvarze Felskrone hinaufziehen. Weit unter mir der Talboden des Val Bever mit seinem lichten Lärchenwald, dem hellen Bergbach und dem Doppelstrbh des Geleises, das aus dem Albulatunnel kommt. Ja richtig, vor zwei Tagen noch hatte ich von dort unten her recht ungläubig hinaufgeschaut und mich gefragt, ob es mir wohl gelingen werde, da hinaufzukommen Und nun war ich tatsächlich schon oben. Es war kein Traum; mein Rücken tat mir wirklich etwas weh, weil der Fallschirm schief sass und drückte, und meine Beine waren wirklich fast eingeschlafen, weil es doch recht eng war in der Kabine meines Segelflugzeuges.

Aber fangen wir von vorne an, bei dem Augenblick, wo es einen Ruck gab und ich auf dem grossen Samadener Flugplatz am Stahlkabel der Auto-winde steil wie ein Drachen in den starken Malojawind hineinstieg. Oben, wo 's nicht mehr höher gehen will, befreie ich mich vom Seil und steuere meinen schönen, schlanke n Vogel gegen den Hang oberhalb Punt Murail zu. Ich weiss, dass dort der Malojawind genügend stark aufsteigt, um ein Segelflugzeug mit in die Höhe zu nehmen — andere haben es mir schon vorgemacht —, aber ich weiss noch nicht, ob ich auch bis dorthin um die Ecke kommen werde, bevor ich zu tief bin und schleunigst wieder umkehren muss. So beisse ich die Zähne etwas aufeinander und liebäugle abwechslungsweise mit den Tannenwipfeln und dem Instrument vor mir, das mir Steigen und Sinken anzeigt; leider im Augenblick immer noch Sinken. Aber dann geht es doch: der Zeiger kriecht zurück auf Null, dann Steigen, und auf einmal sind die Tannenwipfel nicht mehr so wichtig, sondern nur noch der Zeiger. Unten liegt die Talstation Punt Murail; ich kann wohl wenden am Hang — und siehe da, es hat dem Zeiger nichts geschadet. Jetzt bin ich also im Aufwind- feld von Muottas Murail und steige, steige. Und schön geräuschlos geht das zu; ich höre nur ein leichtes Brummen in meiner Kabine, gleichmässig und vertrauenerweckend, etwa so wie in der Bergstation einer Drahtseilbahn. Manchmal allerdings rütteln auch ein paar Böen kräftig an den langen Flügeln.

Es dauert gar nicht lange, und schon bin ich an der Kante, von der aus man Muottas Murail selber sieht; sie wird im regelmässigen Pendelflug überwunden. Nahe an den immer spärlicher werdenden Baumwipfeln geht es vorbei, nahe am braunen Hang und an den grauen Felsblöcken. Noch ein paar immer ungeduldigere Kehren, und ich bin oben und sause freudetrunken an der Station vorüber.

Auch hier oben starten sie, von der Steilhalde unterhalb des Hotels hinausgeschleudert mit einem Gummiseil-Katapult. Er sieht nach viel Wagemut aus, dieser Start in die Tiefe; aber doch nur für den, der das Segelflieger-gefühl noch nicht kennt, jenes Befreitsein vom An-der-Erde-kleben, jenes Vorauseilen des Geistes in den Raum. Man kann diese Wandlung von der Erdgebundenheit zum Fl jggefühl eigentlich immer wieder erleben. Wie bedenklich erscheint einem doch manchmal gerade ein Unterfangen wie dieses, wenn man mit dem an die Bergbahn angehängten, so zerbrechlich anmutenden Flugzeug die steile Strecke hinauffährt, vorbei an den vielen Felsen und Blöcken. Aber wie rasch zerrinnen dann diese Bedenken, wenn man erst einmal fest angegurtet im Flugzeug sitzt und eigentlich schon draussen ist, bevor man nur den Auslösegriff zum Start gezogen hat.

Von Muottas an beginnt eine neue Phase; jetzt kommen die Entdeckungen. Wie ein Raubvogel schwebt man den Hängen nach, auf steter Suche nach der Beute, dem Aufwind. Und dabei erstehen vor einem in ständigem Wechsel zauberhafte, noch nie gesehene Perspektiven. Denn jetzt blickt man nicht mehr den Hängen entlang, von unten her oder von oben, sondern man sieht die Berge ganz nahe unter sich oder von der Seite — man schaut gleichsam in sie hinein. Und diese Verbindung zwischen Flieger und Berg wird noch viel enger gestaltet durch die vom Berg beeinflussten Luftströmungen. Es geht auch an anderen Orten aufwärts, am Schafberg, vor der steilen Flanke der zwei Schwestern bei den Lawinenverbauungen, gegen den Piz Languard zu. Bei guten Verhältnissen sind die Steiggebiete dort unschwer zu finden, und so bin ich unversehens beim Schafberg so hoch, dass ich meinen Wandergelüsten rasch nachgebe und unbekümmert ins Tal hinaus fliege, dorthin, wo der Aufwind spärlicher und das Sinken häufiger ist.

Vor der Crasta Mora ist die Luft ganz ruhig, aber ich steige nicht viel. So ziehe ich denn weiter, an Samaden und vor dem Piz Padella vorbei; aber wie ich dort überall nur an Höhe verliere, kehre ich, wie später noch so oft, reumütig an den Hang von Muottas Murail zurück, wo es sicher hinaufgeht, solange der Malojawind weht. Bald bin ich wieder so hoch, dass ich an einen Ausflug nach St. Moritz denken kann.

Ich habe diese Gegend auch schon im Motorflugzeug besucht, aber wie anders war das gegen heute! Diesmal habe ich keinen lärmenden und übelriechenden Motor vor mir, dem überdies in solcher Höhe schon spürbar der Atem kürzer wird. Und diesmal muss ich nicht über die Gegend hinwegeilen, immer in respektvollem, weitem Abstand von allem, was Boden heisst. Ruhig streife ich mit meinem Flugzeug durch den Raum, das, weit mehr Vogel als Maschine, gerade hier oben in dieser wundervollen Berglandschaft ungezählte Motoren von der Natur bereitgestellt findet: die Aufwinde an den Hängen und mehr noch die grossen Kamine, die « Thermik », die von den erwärmten Berghalden hinaufreichen bis zu den darüberstehenden Wolken und in denen der Segelflieger sich aufschraubt wie ein kreisender Raubvogel. Eine ganz neue, unerhört fesselnde Art des Berge-Ersteigens tut sich da auf — wohl etwas vom Höchsten an naturverbundener Freizügigkeit, was einem Menschen zuteil werden kann.

Der Wind hat noch lange nicht ausgeblasen, wie ich zum letztenmal von meiner Höhe heruntersinke, während meine erfahreneren Kameraden noch über der Diavolezza, beim Julier und Kesch kreisen. Von den neuen Eindrücken ganz erfüllt, breche ich für diesmal ab. Noch einen Blick auf den Samadener Kirchturm ganz nahe unter mir, dann einen grossen Bogen über die Champagna, diesen idealen Fliegerhafen in den Bergen, und ich kurve zur Landung herein. Ein paar Züge am Bremsklappenhebel, das Gras kommt schnell näher, es holpert, und mit einem kleinen Ruck nach vorn steht mein Die Alpen - 1943 - Les Alpes.19 ENGADINER SEGELTAG.

Flugzeug still und legt sich sanft auf den Flügel. Dann ist alles ganz still. Ich staune wohl noch eine ganze Weile vor mich hin, bis ich das Kabinen-dach löse, mich losgurte und mit steifen Gliedern aus meinem engen Sitz klettere. Dann schaue ich noch zurück: hinter mir ragt die Crasta Mora steil in den blauen Himmel, und über ihren schwarzen Zinnen kreist gerade ein grosser Vogel mit schlanken, spitzen Flügeln.

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