Festbericht

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Als im Jahr 1868 der Bundesstadt zum ersten Male die Ehre zu Theil wurde, die Mitglieder des S.A.C. in ihren Mauern zu begrüßen, durfte sich wohl Jeder der Hoffnung hingeben, es werde aus dieser Versammlung der bewährtesten Kräfte des Clubs, welche die gemeinsame Liebe zu unseren herrlichen Alpen zusammengeführt, ein mächtiger Impuls zu weiterer schöner Entwickelung erwachsen. Die XIX. Jahresversammlung im Laufe dieses Sommers bewies, daß diese Erwartung in reichem Maße sich erfüllt hat. Trotz Landesausstellung, Truppenzusammenzug und fast gleichzeitiger Abhaltung zweier großer Clubfeste in Chamonix und Passau stieg die Zahl der Festtheilnehmer auf 228, unter welchen 144 Mitglieder anderer Sectionen.

Der 25. August, ein Samstag, vereinigte laut Programm die von nah und fern herbeigeeilten Clubisten im bekannten und beliebten Kornhauskeller., Ein reges Leben entspann sich sogleich; denn wie viele Freunde, welche sich an früheren Festen oder im Gebirge gefunden, reichten sich hier die Hand im Gefühle eines frohen Wiedersehens! Wie viele Erinnerungen an gemeinschaftlich ausgeführte Besteigungen wurden hier wach gerufen und wie mancher Plan für die Zukunft wurde da besprochen! Durch reichliche Decoration und Beleuchtung war der bei Tag etwas düstere Raum zu einem die Gemüthlichkeit fördernden und zum Empfang unserer lieben Gäste höchst geeigneten Locale umgewandelt worden. An Musik sowohl als an scherzhaften Intermezzi fehlte es nicht; ja sogar unser getreuer Bär wußte mit einem poetischen Bergmännlein die Anwesenden angenehm zu unterhalten. Gegen Mitternacht fingen die Reihen an sich zu lichten, und ein Jeder zog sich frohen Gemilthes in sein Quartier zurück.

Der Sonntag Morgen von 8 bis 10 Uhr wurde zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Berns verwendet, deren Besuch Seitens der respectiven Behörden in höchst zuvorkommender Weise erleichtert worden war. Rasch verging die Zeit, und als es 10 Uhr, die zur Generalversammlung bestimmte Stunde, geschlagen, öffneten sich die Pforten des Großrathssaales, um eine fern von Partei und Politik stehende Versammlung zu empfangen. Als alleinige Zierde war das jedem Clubisten theure Wappen des S.A.C. angebracht worden. ( Der Bericht der Verhandlungen ist im Protocoll der Generalversammlung zu lesen. ) Um 1 Uhr, nach Schluß der Sitzung, begaben sich die Gäste in 's Casino, wo ein geschmackvoll deco-rirter Saal sie zum Banket einlud. Die Namen sämmtlicher Sectionen prangten in frischen Blumen und Kränzen. Allgemeine Bewunderung aber erregte der, durch Herrn Ingenieur Gösset ( Mitglied der Section Bern ) zur Zierde der Tafel gespendete prachtvolle Blumenflor. Die Tische, förmlich mit flachen Bouquets übersät, welche aus zahllosen, verschiedenartigen Blumen künstlerisch gebildet waren, boten einen reizenden Anblick. Auch die von den verschiedenen Zünften bereitwilligst zur Verfügung gestellten Becher trugen nicht wenig dazu bei, die Tafel zu zieren.

Der erste Toast wurde in schwungvoller Sprache von Herrn Festpräsidenten Lindt gehalten. Nach Be- grttßung der aus allen Theilen unseres Landes herbeigeeilten Gäste verdankt der Redner das seitens der Tit. Behörden dem 8. A. C. erwiesene Wohlwollen. In begeisterten Worten bringt derselbe ein mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Hoch dem theuren Vaterlande.

Als Vertreter der Gemeinde Bern toastirt Herr Amédée v. Muralt auf die Bestrebungen und Errungenschaften des S.A.C.

Herr Carrard, Cassier des Central-Comités, bringt sein Hoch der Section Bern; Herr Hoffmann-Burkhardt dem Central-Comité und Hr. Fritz Hoffmann-Merian dem freundlichen Geber der vorerwähnten Blumen-spende, Herrn Ingenieur Gösset.

Herr Pfarrer Sturzenegger von Ebnat ergriff das Wort, um eine von ihm gedichtete, ergreifende Elegie zur Erinnerung an die in den Bergen Gefallenen und Begrabenen vorzutragen. Noch bleibt des aus der gewandten Peder des Herrn Pfarrer Straßer geflossenen Festgrußes zu erwähnen, welcher in Abwesenheit des Verfassers von einem Mitgliede der Section Bern aus dem den Anwesenden vertheilten „ fröhlichen Murmelthier " vorgelesen wurde.

Vom Alpenclub Oesterreich sowohl als vom Deutsch-Oesterr. Alpenverein langten telegraphische Grüße an. Nach einem erfrischenden Spaziergang durch den herrlichen Bremgartenwald trafen die Clubisten Abends 8 Uhr zur geselligen Vereinigung auf dem Schänzli ein. Die angenehme Witterung, welche in einem so trüben Sommer diesen Abend ausnahmsweise begünstigte, trug nicht wenig dazu bei, die zahlreich vertretenen Familien und Freunde des S.A.C. zur Betheiligung einzuladen.

Unter der gefälligen Mitwirkung der Liedertafel, des Stadtorchesters und eines von Mitgliedern der Section improvisirten Bärenquartetts wurde bei ben- 1 galischer und venetianischer Beleuchtung dieser schöne Tag geschlossen.

Am 27. August, Morgens 5 Uhr, vereinigten sich circa 130 Clubisten beim Bahnhofe, um programmgemäß den Ausflug nach Rafrüti zu unternehmen. Die Direction der Jura-Bern-Luzern-Bahn hatte in höchst verdankenswerther Weise der Section Bern auf ihr Gesuch um Preisermäßigung die vollständig unentgeltliche Fahrt nach Langnau bewilligt und zu diesem Zwecke einige hübsch decorirte Waggons zur Verfügung gestellt. Mit dem an der Locomotive angebrachten Wappen des S.A.C. brauste nun der Zug dem freundlichen Emmenthal entgegen. In Langnau wartete ein kräftiges Frühstück auf den Zuspruch der Theilnehmer und, Dank der vorzüglichen Organisation, konnte nach einem 1k stündigen Aufenthalt der Abmarsch unternommen werden. An den characteristischen Bernerhäusern dieser Gegend vorbei, bewegte sich nun die Colonne um 71/a Uhr dem unteren Fritten-bachgraben zu, welchem entlang abwechselnd durch Bauernhöfe, Wald und Weiden der Weg zum Rämisgrat führt. An diesem Punkte angelangt, kündeten vom Signal der Rafrüti einige Böllerschüsse den Ankommenden die Nachbarschaft des Zieles an. Die Fernsicht auf das Hochgebirge war durch Gewölk verhüllt und unsere lieben Gäste mußten sich daher an Hand des in der Festkarte enthaltenen, von Herrn alt - Regierungsstatthalter Studer gezeichneten Panoramas ein Bild der ausgedehnten Aussicht entwerfen, welche bei klarem Wetter ihre Blicke erfreut hätte. Bemerkenswerth ist, daß dieses wohl ausgeführte Panorama im Jahre 1826 gezeichnet wurde und » Herr G. Studer, Ehrenpräsident der Section Bern, noch rüstig in Begleitung des einige Jahre älteren Herrn Professor Ulrich aus Zürich an der Excursion Theil nahm. Wenn auch die Fernsicht zu wünschen übrig ließ, war doch für Manchen der Besuch des Emmenthales mit seinen originellen Hügeln und Gräben von besonderem Interesse. Durch den Vortrag des Herrn Professor Bachmann an der Generalversammlung hatte 41 man Tags zuvor Gelegenheit erhalten, die Natur dieser Formation näher kennen zu lernen.

Einige Schritte vom Signal entfernt, genoß man im Schatten eines Tannenwäldchens ein fröhliches und unvergeßliches Festleben. Sowohl Speise als Trank stand in Fülle zur Verfügung und bald entwickelte sich, geweckt durch den Gesang einiger Bernerlieder, die fröhlichste. Stimmung. Mit großer Befriedigung wurde die Rede des Herrn Regierungsraths von Steiger aufgenommen, welcher in fesselndem Vortrag auf das zähe Volk der Emmenthaler toastirte. Der Stoff za seinen humoristischen Schilderungen war den Werken von Jeremias Gotthelf und im Besondern der klassischen Schilderung „ Uli der Knecht " entnommen.

Nachdem noch Herr Hoffmann-Burkhardt den greisen Herren alt-Regierungsstatthalter Studer und Professor Ulrich ein Hoch gebracht, wurde der Rückmarsch über den Grat hinunter angetreten und für Manche allzuschnell das Thal nach 11/a stündigem Marsche wieder betreten.

Im Gasthof zum Löwen war, wie beim Frühstück, Dank der trefflichen Fürsorge des Wirthschaftscomités, Alles bereit, um unsere lieben Gäste zum letzten offiziellen Acte der Jahresversammlung zu empfangen.

Herr Dr. Dübi, Präsident der Section Bern, eröffnete den Reigen der Toaste, indem er des Vaterlandes und seiner Berge gedachte und ein mit freudigem Wiederhall begrüßtes Hoch auf dasselbe ausbrachte.

Weitere Toaste wurden gehalten von Herrn Prof. Ulrich, W. Cart, Secretär des Centralcomités, G. Studer, alt - Regierungsstatthalter, Pfarrer Seewer, Pfarrer Straßer, Pfarrer Zimmermann, Rathschreiber Berger und Pfarrer Sturzenegger.

Die vom gemischten Chor Langnau in ausgezeichneter Weise vorgetragenen Lieder bildeten die angenehmste Abwechslung zu den instrumentalen Auf- führungen der vorhergehenden Tage und trugen wesentlich zur Erhöhung der Feststimmung bei. Auch die benachbarte Section Burgdorf hatte die freundliche Aufmerksamkeit, einen prächtigen Pokal, gefüllt mit köstlichem Ehrenwein, von Mund zu Mund circuliren zu lassen, wofür ihr sämmtliche Anwesenden, und speciell die Section Bern, zu Dank verpflichtet sind.

Allzufrühe schlug die Stunde der Trennung und da der Fahrtenplan kein Erbarmen kennt, mußten sich die Freunde und Mitglieder des S.A.C. in das Unvermeidliche fügen. In dem Gefühle, drei glückliche, in jeder Beziehung gelungene Festtage zusammen verlebt zu haben, reichte man sich die Hand zum Abschied, und während sich unsere lieben Clubgenossen nach allen Richtungen hin entfernten, erklang als letzter Gruß: „ auf Wiedersehen in Altorf. "

Der Festsecretär: A. Groß.

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