Franz Xaver Triner als Graphiker

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Die Familie Triner stammt aus dem Arther-Viertel, und deren Familienname ist auch heute noch ein spezifisch schwyzerischer. In den 1770er Jahren zog Vater Karl Meinrad Triner, ein Maler und Kirchendekorateur, mit seiner Familie nach Uri. Hier muss er allem nach reichlich Beschäftigung gefunden haben, denn er verlebte hier gegen 30 Jahre und starb in Bürglen am 27. Juli 1805 im Alter von 70 Jahren. Von Karl Meinrad Triner stammen Altargemälde in der Kapuzinerkirche zu Arth, in den Pfarrkirchen von Andermatt, Erstfeld und Unterschächen sowie die Kreuzwegbilder in der Pfarrkirche Wassen. Von seiner künstlerischen Auffassung zeugen unter anderm auch das in Curtis « Geschichte der Schweiz im 19. Jahrhundert » reproduzierte « Bürgermahl in St. Gallen am Nachmittag des Schwörfestes, 30. August 1798 » und das in der Sakristei der Pfarrkirche befindliche Ölgemälde eines Pfarrherrn von Altdorf. Dem gleichen Meister werden zugeschrieben das Hochaltarbild in der alten Tellskapelle, auf eine Kupferplatte gemalt zum Schutze gegen die Feuchtigkeit der Wand, sowie die jetzt in den Korridoren des Schlosses Apri in Seedorf untergebrachten zwei auf Holz gemalten grossen Bilder « Die Schlacht am Morgarten » und « Die Schlacht bei Sempach ». Aus der Ehe von Karl Martin Triner mit Katharina Degen entstammt Franz Xaver, geboren am 24. Oktober 1766 in Arth, der vom Vater einzig die künstlerische Ader erbte und eine für damalige Verhältnisse gute Bildung genoss. Ein anderer Sohn, Karl Alois, geboren 1765, der nachmalige Landschreiber in Schwyz, betätigte sich eine Zeitlang mit und neben Franz Xaver im Berufe seines Vaters. Im Alter von 20 Jahren malte Karl Alois in Öl und in grössern Dimensionen eine Ansicht des Fleckens Altdorf, welches die zuverlässigste Darstellung Altdorfs vor dem Brand von 1799 ist. Vater Meinrad nahm seinen begabten Sohn Franz Xaver frühzeitig zu seinen fachlichen Arbeiten als Kirchenmaler nach, wusste dessen angeborenes Talent immer mehr zu wecken und zur Entfaltung anzuspornen. Franz Xaver war seinem Vater so ein schätzens- werter, kundiger Gehilfe und hatte in wenig Jahren seinen Lehrmeister weit überflügelt. Mit ihrer Heimatgemeinde Arth unterhielt die Familie immer noch Beziehungen, und einer der Briefe von Vater Triner an Dr. Zay in Arth vom 11. März 1792 gibt wertvolle Aufschlüsse über die künstlerische Entwicklung und moralische Gesinnung des heranreifenden Künstlers. Karl Meinrad schrieb mit berechtigtem Vaterstolz:

« Mein Sohn hat sich schon einige Jahr auf Prospekt nach der Natur zu zeichnen und zu gravieren verlegt. Viele Handrisse von ihm seind von frömden Reisenden in die vornehmsten Städte Europas gebracht worden. Vorteilhafte Anträge erhielt er schon vielfältig von Zürich, Bern, Neuchâtel und andern Orten, wie auch von dem Hrn. Grafen von Boville, dem dänischen Grafen von Moltke und einem gewissen Herrn von Berlin, für welche alle er gearbeitet und welche ihn mit ihrem Besuche beehrten. Obmann Werdmüller in Zürich hat schon zum drittenmal seine Lebensgeschichte verlangt, um sie in das Künstlerlexikon einzutragen. Vorigen Herbst hat er hier an der Kapelle ( Jagdmatt-Kapelle in Erstfeld ) ein 32 Schuh breites und 18 Schuh hohes Gemähl in Fresco ganz inventiert und allein gemalt. Die Bauern haben ihm nebst der akkordierten Bezahlung vier neue Dublonen an einer öffentlichen Kirchgemeinde für ein Trinkgeld zu geben erkennt. Obige vorteilhafte Anträg hat er aus erheblichen Ursachen stetes ausgeschlagen, besonders ist er kein Freund von der grossen und aufgeklärten Welt. Er äusserte oft den Wunsch, lieber als ein ehrlicher christlicher Schulmeister zu leben, als in einer grossen Stadt mit grösserem Glück ein Freigeist zu werden etc. Und wirklich ist sein Wunsch vor acht Tagen erfüllt worden. Der Schulmeister zu Bürglen verstarb vor drei Wochen ganz unerwartet. Zwei Landsleüt von hier und ein Schulmeister aus dem Kanton Schwyz trugen sich um diesen Dienst an, wurden aber abgewiesen und der Xaveri wurde einhellig mit angenehmen Bedingnussen zum Organist und Schulmeister gewählt. » Zuerst wohnte die Familie Triner oberhalb Altdorf in der Nachbarschaft des alten aristokratischen Sitzes von Landammann Lauener; davon rührt es her, dass einige Originale und sogar Kupferstiche signiert sind mit « F. X. Triner à Altorf ».

Der ideal und ernst veranlagte Sohn gab das unstete Wanderleben als Kirchenmaler gerne auf und zog nach seiner Wahl als Schulmeister im Jahre 1792 nach Bürglen, wo er nun festen Wohnsitz fasste. Im alten, verträumten Turme der frühern Meier des Fraumünsters von Zürich schlug Franz Xaver Triner sein als Künstlerheim ausgeschmücktes Atelier auf.

Da in damaliger Zeit die Schule mit Spätherbst begann und zu Ostern ihr Ende nahm bei täglich 3 bis 4 Stunden, so blieb unserm Künstler, nach Besorgung der weitern Geschäfte als Gemeindeschreiber und Organist, immerhin noch viel freie Zeit, um seiner Kunst zu leben.

Am 26. August 1794 führte Triner eine Tochter aus Bürglen, Maria Josefa Arnold, zum Traualtar. Aus ihrer Ehe entsprossen 14 Kinder. Veranlagung und Talent gingen auf den Erstgebornen, Heinrich, über, welcher am 21. April 1873 als Kalligraphie- und Zeichenlehrer in Muri starb.

Von dem Ehepaar Triner-Arnold befinden sich zwei Schattenbilder oder Silhouetten im Historischen Museum zu Altdorf.

Den Lehrerberuf hatte Triner sich einst als Lebensideal erträumt und ersehnt. In der Folgezeit aber bekam er auch die Schattenseiten und Anfechtungen zu verspüren.

Als Zeichner und Maler kann Franz Xaver Triner füglich auch unter die Pioniere zur Erschliessung der Schönheiten und der Pracht unserer Gebirgswelt eingereiht werden. Künstler von Gottes Gnaden, erwarb er sich mit seinen Schöpfungen, besonders in Landschaftszeichnungen, europäischen Ruf. Mit Vorliebe schilderte Triner seine zweite Heimat, das Urnerland. Über allen seinen Zeichnungen liegt ein Hauch von Poesie. Langweilige Partien und öde Gegenden in seinen Landschaften wusste er in typischer Art und Weise mit Gruppen von Menschen und Tieren zu beleben und durch Bäume und Gesträucher seitlich auszustaffieren. Der Pinsel und der Stift des Malers und Zeichners ist oft ein grösserer und hinreissenderer Lobsänger der herrlichen Alpenwelt als der beredteste Mund oder das feinste Panorama. Unser Künstler zeichnete, malte und radierte eine Menge von Ansichten aus dem Kanton Uri und seiner Umgebung, dann aber auch viele Genrebilder. Im Auftrag der Regierung von Schwyz verfertigte er zwei grosse Ansichten des « Berges Spitzenbüel ( Rossberg ) und des Lowerzersees nach dem Goldauer Bergsturz ». Von der Regierung wurden die Stiche dieser zwei Bilder zugunsten der unglücklichen Bevölkerung im Bergsturzgebiete verkauft.

Die im September 1924 anlässlich der Jahresversammlung des Historischen Vereins der V Orte in Altdorf zum Andenken an den 100. Todestag — er starb in Bürglen am 6. März 1824 — Franz Xaver Triners veranstaltete Ausstellung hat einen tiefen Einblick gestattet in das künstlerische Schaffen dieses Naturkindes. Der Verfasser dieser Skizze hat bei diesem Anlasse ein Verzeichnis der ausgestellten Werke Triners aufgenommen und sich dann entschlossen, über die Schöpfungen der Künstler aus der Familie Triner einen Katalog anzulegen. Im 30. historischen Neujahrsblatt für das Jahr 1924, herausgegeben vom Verein für Geschichte und Altertümer von Uri, ist der erste Teil des seither ergänzten Verzeichnisses erschienen und umfasst die bisher bekannten Arbeiten des Vaters Karl Meinrad Triner und seiner Söhne Franz Xaver und Karl Alois, spätem Landschreibers in Schwyz, auseinandergehalten nach Originalen und Stichen oder Reproduktionen der erstem. Im nächsten Jahrgang dieses Neujahrblattes soll der Katalog noch weitergeführt werden durch einen Nachtrag der inzwischen wieder aufgedeckten Arbeiten der vorgenannten Künstler und das Verzeichnis der Schöpfungen von Heinrich Triner.

Den Gebirgs- und Alpenfreund freilich interessieren vorab jene Arbeiten Triners, worin er die Gebirgswelt so trefflich zur Darstellung zu bringen wusste. Die Ortschaften des Urserntales und den Oberalpsee wie auch die Gotthardseen, nebst den schnee- und eisbedeckten Bergen dieser Gegend, hat Triner in verschiedenen Fassungen verewigt. Im Gasthaus zu den Dreikönigen in Andermatt befinden sich nicht weniger als acht seltene Originalbilder Triners ( Grösse 42 x 30 ) mit Darstellungen aus Urseren, darunter eine « Vue des Monts Magis, Gurneren et Crispait vers le Grison » in Sepia ausgeführt. Ein Bild von Göschenen in meiner Sammlung zeigt uns die alte Zollbrücke mit Tor und die Kapelle mit einigen Holzhäusern und lässt uns in der Tiefe des Tales die wuchtigen Gebirge und Firnen sehen, welche die Göscheneralp einkreisen. Jeder bemerkenswerte Punkt des Reusstales ist von Triner zu Papier gebracht worden: Wattingen, Wassen mit der überhöhten Kirche, Gurtnellen, Meitschlingen, Amsteg und Erstfeld. Eine besondere Anziehungskraft muss das Erstfeldertal auf ihn ausgeübt haben mit seinem Schlossberggletscher, den er in verschiedenen Ansichten wiedergibt. Aus dem Schächentale sind zu vermerken die Zeichnungen der Vorfrutt am Klausen mit dem Klaridengletscher, Käsgaden und Milchkeller bei Äsch ( Unterschächen ), das Brunnital mit dem Ruchen samt Gletscherband, zwei Unterschächen, Spiringen, der Mittenstein ( erratischer Block ) im Riedertal und selbstverständlich eine grössere Zahl verschiedener Ansichten von Bürglen mit Tellskapelle, Kirche und Meierturm. Aber auch die Orte der Ebene von Erstfeld bis zum Vierwaldstättersee und um denselben haben seine Aufmerksamkeit erweckt, und so sind von seiner Hand im Bilde festgehalten worden: Schattdorf, der Landsgemeindeplatz zu Bötzlingen, Rynacht, das Bockitobel, einige Attinghausen, Seedorf, Bolzbach, dann Altdorf, Flüelen, Teilsplatte, Rütli und Seelisberg mit Beroldingen und Maria Sonnenberg. Es würde zu weit führen, auf die Ausführung und Technik der einzelnen Kunstwerke näher einzugehen. Es existieren ferner Bilder und Ansichten von Brunnen, Seewen, Lowerz mit See und Insel Schwanau, Steinen und der Stauffacher-kapelle, der Ruine Küssnacht, von Menzingen, Neuheim, Schloss Greplang, Lenzburg, Herisau, Bisisthai ( Muotatal ), Stans und über das mittlere Seebecken des Waldstättersees.

Jean Hofmeister in Zürich ätzte viele Zeichnungen Triners in Kupfer, die von Hand koloriert in den Handel kamen und heute sehr gut bezahlt werden. Franz Hegi stach nach Triners Zeichnung « Die Kapelle zu Bürglen » in Aquatinta für das Neujahrsblatt von 1821 der Musikgesellschaft in Zürich, und J. H. Meyer radierte das Kupfer « Die Schneelawine im Schächental » für das Neujahrsblatt der Hilfsgesellschaft in Zürich von 1810. Triner lieferte auch das Original zu dem von F. N. König bearbeiteten und von Hegi geätzten Blatte « Das Gadmental und der Sustenpass » in den Alpenrosen, Jahrgang 1814, Seite 241. Die ungemein exakt ausgeführte Zeichnung befindet sich nebst den zwei grossen Prachtzeichnungen in Sepia von « Altdorf » und « Flüelen » in der Handzeichnungen- und Kupferstichsammlung der Eidgenössischen technischen Hochschule mit über 100 Stücken von Franz Xaver und Heinrich Triner. Auch die Reproduktionen der Trinerschen Bilder fanden als Kupfer-und Stahlstiche ihren Eingang in vielgelesene Reisebücher und dienten zur Illustrierung vieler Werke, ebenso die hauptsächlich in den Lithographien von Hurter in Schaffhausen, Hasler in Basel und Egli in Luzern hergestellten Steindruckbilder.

Franz Xaver Triner hat nicht nur seine Kunst auf seinen Sohn Heinrich vererbt, er hat auch besonders in Uri auf verschiedene junge strebsame Leute bestimmend eingewirkt. Inwieweit das auf den nachmaligen Künstler Jost Muheim, welchem das Verdienst zugemessen werden muss, die Hochgebirge seiner Heimat zu einer Zeit in grössern Ölgemälden zur Darstellung gebracht zu haben, in welcher die Gebirgsmalerei in der Schweiz noch im Entstehen begriffen war, zutreffen mag, muss ich dahingestellt lassen. Der grösste Schüler Triners wurde Heinrich Max Imhof von Bürglen, der berühmte Bildhauer, der 1869 in Rom gestorben ist. Aber auch Karl Franz Lusser, der bedeutende Naturforscher und nachmalige Landammann ( 1790 bis 1859 ), stand in seinem Banne. Er bildete sich stark an Triner durch zahlreiche Kopien; in Lussers Nachlass sind uns viele Arbeiten Triners erhalten geblieben.

Mit der Zeit meldeten sich auch bei Triner die Boten des Todes. An einem chronischen Leiden kränkelte er lange, ertrug aber alles mit grösster Geduld. Franz Xaver Triner starb am 6. März 1824 zu Bürglen im Kreise seiner Familie, und mit ihm schied ein gottbegnadeter Künstler. Seine Werke, welche ihm zu Lebzeiten nur kärglichen Lohn eingetragen haben mögen, sind in allen geschichtsfreundlichen und künstlerischen Kreisen geschätzt und gewinnen immer mehr an Beachtung und Wert. Triners Name darf auch mit und neben andern als der eines Pioniers der Alpenforschung geehrt und hochgehalten werden.Friedrich Gisler.

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