Himalaya-Chronik 1972

Remarque : Cet article est disponible dans une langue uniquement. Auparavant, les bulletins annuels n'étaient pas traduits.

G. O. Dyhrenjurth. Ringgenberg i BE i

Mit Nachträgen aus früheren Jah ren Das Unglück der « Bevölkerungs-Explosio-nen » verschont auch den Himalaya nicht. 1971 waren dort bereits mehr als vierzig Expeditionen jährlich tätig, wobei « Trekking»-Exkursionen nicht mitgerechnet sind, die offiziell unter 20000 Fuss6096 Meter ) zu bleiben haben. Angesichts dieser Fülle droht der « Numerus clausus ». Der Chronist muss eine gewisse Auswahl treffen, sich auf einigermassen wesentliche Unternehmen beschränken und beliebte Wiederholungen streichen, auch wenn manche Wanderer darob enttäuscht sein sollten.

Für Trekking gibt es bereits zahlreiche Reisebüros - « vom Nanga Parbat bis Mount Everest ». Auch bei relativ guter Organisation, die durchaus nicht selbstverständlich ist, darf eine Gefahr nicht unterschätzt werden: die Bergkrankheit bei ungenügender Höhen-Akklimatisation. Nicht jeder verträgt 5000 Meter Meereshöhe und darüber. Immer häufiger werden bedenkliche Fälle von Lungenödem gemeldet. Ein rascher Abtransport im Hubschrauber ( z.B. nach Kathmandu ins Spital ) ist oft nicht nur ein Problem, sondern auch eine kostspielige Sache.

Wer eine richtige alpinistische Expedition in den Himalaya, Karakorum oder Hindukusch plant, möge sich zunächst in der reichhaltigen diesbezüglichen Bergsteiger-Literatur selbst genau orientieren. Die leider immer zahlreicher werdenden « freundlichen Anfragen » an den Experten können fehlende Kenntnisse des Interessenten nicht ersetzen. Für briefliche oder telephonische Gefälligkeits-Auskünfte und Ratschläge kann sich der sehr beschäftigte Chronist nicht mehr zur Verfügung stellen.

Dazu kommt, dass den berühmtesten « Bergen der Welt » die Vermassung und Überfüllung droht, wie man z.B. am Mont Blanc, Matterhorn und Mount Everest mit Schaudern sehen kann. Das « Goldene Zeitalter » ist auch im Himalaya bereits vorüber. Die geistvolle Arbeit von Dennis Gray: « The Himalayan Ethic - Time for a Rethink? » ( AJ 1971 p. 156-161 und HJ 1971 p.95 bis 99 ) verdient wirklich, sorgfältig durchdacht zu werden.

Die Jahrgänge 1970 und 1971 meiner Hima-laya-Chronik sind etwas zu ergänzen und zu berichtigen:

Wer sich für geologische Fragen interessiert, sei hingewiesen auf: Gerhard Fuchs, « Geologie des Himalaya und ihre Probleme », mit Karten und Profilen ( AVJahrbuch 1971, S. 197-210 ).

Der im Quartalheft 4« Die Alpen » 1972 ( « Siebentausender und Achttausender » ) auf Seite 230 erwähnte Künla Khari ( Nr. 4 ) steht nicht in Bhutan, sondern auf tibetischem Boden. Nr. 26 auf Seite 231, Sharphu, wurde 1964 von drei japanischen Seilschaften bestiegen, gehört also nicht in die Liste der unbetretenen Siebentausender. Dasselbe gilt für Nr. 50 Chamar ( nicht Chamal ), der SAC Central-Comité Luzern 1974-1976 Leitender Ausschuss Dr. Otto Meyer, Pilatus Centralpräsident Ernst Geissbühler, Pilatus /. Vizepräsident Gruppe « Alpinismus » Alois Lustenberger, Pilatus Sommer tourenwesen Max Meyer, Titlis Wintertourenwesen Dr. Rolf Hasler, Pilatus 2. Vizepräsident Conradin Steiner, Pilatus /. Sekretär Robert Lumpert, Mythen Kassier Ludwig Kayser, Titlis Juniorenorganisation Christian Hauser, Zindelspitz Rettungswesen Werner Schärli, Pilatus Bergführer Manaslu ( 8156 mSüdfront, vom Basislager ( 4300 m ) aus, mit Pfeiler und Thulagi-Gletscher Photo Tiroler Himalaya-Expedition 1972; Archiv G.O. Dyhrenfurth 1953 von einer neuseeländischen Expedition erstmals bestiegen wurde.

Die Bemerkungen auf Seite 236/237 fussen noch auf der historischen Monjm-Erklärung. Die Erforschung der höheren Atmosphäre hat jedoch neuerdings ergeben, « dass im Winterhalbjahr der JetStream der unerbittlichste Gegner aller Besteigungen höchster Berge ist. Zwischen seinem Eintreffen und dem Zurückweichen des Sommer-Monsuns bestehen gesetzmässige Zusammenhänge. Der « Strahlstrom » stabilisiert sich dann sehr bald und ist von da ab in Höchstlagen nicht mehr zu überwinden. Vielfach treten die grössten Sturmstärken bei wolkenlosem Wetter auf » ( H. Heuberger ). Siehe auch R. Reiter, H. Flohn, Gerhard Wagner u.a. Der November gilt zwar in Indien als « König der Monate », aber das herbstliche Schönwetter beschränkt sich meistens auf die untere Atmosphäre. Bei Siebentausendern kann es für den Alpinisten bereits kritisch werden, und bei Achttausendern ist kaum noch mit einem bergsteigerischen Erfolg zu rechnen. Das hat sich schon oft bewahrheitet-- auch 1972.

Am Kangbachen Peak ( 7902 m ), auf der nepalischen Seite des Kangchendzönga-Massivs, hatte sich die starke Jugoslawische Expedition 1965 Mitte Oktober bis etwa 7500 Meter hinaufge-kämpft und bei Schlechtwetter mit ernsten Frostschäden aufgeben müssen. Ihre vierte Himalaya-Expedition 1972 sollte die langersehnte Entscheidung bringen, aber bereits die erste Hürde war nicht zu nehmen: die Bewilligung der nepalischen Regierung. Als Ersatz wurde dem Slowenischen Bergsteiger-Verband Ende Juni der Makalu ( 8481 in ) angeboten. Das klang sehr nobel, aber die gute Vormonsun-Zeit war bereits vorüber, und der stolze Makalu war schon dreimal bestiegen worden: 1955 von den Franzosen über die Nordflanke, 1970 von den Japanern über den langen SE-Grat und 1971 von den Franzosen über den grandiosen Westpfeiler. Trotzdem wollten die Jugoslawen die nepalische Genehmigung verwerten und eine neue Route auf den fünfthöchsten Berg der Erde versuchen. Es war eine starke Mannschaft: Leitung Ales Kunaver, neun Bergsteiger- ein Arzt, ein Geograph, ein Botaniker, ein Ornithologe, ein Reporter, dann von Kathmandu aus der nepalische Verbindungsoffizier - und zwölf Sherpa und von Tumlingtar an die Lokalträger.

Am 6. September 1972 stand das Basislager an der gleichen Stelle, wo 1971 die Franzosen kampiert hatten. Nach zwei Erkundungen wurde beschlossen, den zentralen Teil der Südwand in Angriff zu nehmen. Camp 1 ( 5850 m ) wurde am r r. September von einer Lawine teilweise verschüttet, so dass man auf einen geschützteren Platz ( etwa 5960 m ) übersiedeln musste. Camp 2 ( 6300 m ) erstand am Fuss einer Firnrippe, lawinensicher, aber dem Wind stark ausgesetzt. Die folgende steile Wandpartie erforderte zahlreiche fixe Seile. Während dieser langwierigen Arbeit setzte eine böse Schlechtwetterperiode ein; die Hochlager mussten geräumt werden, und sogar im Basislager fiel ein Meter Neuschnee. Als die erste Gruppe Ende September erneut antrat, mussten die verschütteten Camps erst wieder hergerichtet werden. Am 3. Oktober erstand Lager 3 ( 7300 m ), am 12.Oktober 4 ( 7600 m ), alles mit Seilgeländer. An der darauffolgenden Schlüsselstelle in der grossen Steilstufe erlitt M. Alanfreda ernsthafte Frostschäden. Am 22. Oktober errichteten Janko Azman und Matija Malezic das Sturmlager ( etwa 7900 m ) und drangen bis etwa 8000 Meter vor, nahe dem obersten Abschnitt des Westpfeilers ( französische Route 1971 ), jedoch ohne ihn zu erreichen. Der Sieg schien greifbar, aber der 25. Oktober brachte eine neue ernste Wetterverschlechterung. Azman musste aufgeben. Malezic war in bester Form, konnte jedoch einen Alleingang nicht riskieren, und im Verlaufdes 26. und 27. Oktober erfolgte der Rückzug.

Literatur: AJ 1971, p.34-42; « Makalu 1970 », japanisches Werk, nur wenig englischer Text, reich illustriert. R. Paragot/ Y. Seigneur: Makalu pilier ouest ( Anhand 1972 ). La Montagne, dec. 1971. p. 174-196; 1/73 p.31.Paolo Segula: « Die Jugoslawische Makalu-Expedition 1972 »; und Korrespondenz.

Auch am Mount Everest ging es 1972 gar nicht wunschgemäss zu: Die « Erste Europäische Mount-Everest-Expedition 1972 », welche die SW-Wand bezwingen wollte, endete mit einem Fehlschlag. Der Organisator und Leiter, Dr. Karl Maria Herrligkoffer ( München ), war nur drei Wochen bei der drei Monate dauernden Expedition. Gleich nach seiner Ankunft im Basislager musste er nach Deutschland zurückkehren, um mehr Kleidung und Ausrüstung für die Sherpa zu beschaffen. Später musste er aus gesundheitlichen Gründen evakuiert werden, offenbar, weil er die Höhe des Basislagers ( 5350 m ü.M. ) nicht vertrug. Die Bergsteiger waren: Michel Anderl ( stellvertretender Leiter ), Felix Kuen ( bergsteigerischer Leiter ), Adolf Huber, Adolf Weissensteiner, Werner Haim, Horst Schneider, Adolf Sager, Sepp Maag, Peter Perner ( Österreicher ), Leo Breitenberger ( Italiener ), Don Whillans, Doug Scott, Hamish Maclnnis ( Briten ), Peter Bednar ( in Deutschland naturalisierter Tscheche ), Hans Berger ( Schweizer ), Misha Saleki ( Iran ).

Das Wetter war meist ausgezeichnet, aber es gab anfangs im Khumbu-Eisfall Verzögerungen, eine Folge der ungenügenden Sherpa-Ausrü-stung. Die Einzelheiten in den verschiedenen Berichten variieren, aber es scheint, dass gewisse Österreicher sozusagen ständig an der Spitze blieben, weil sie fürchteten, die Briten würden diese Position nicht mehr hergeben, wenn sie einmal vorn wären. Ferner beschuldigten die Österreicher ihre englischen Kameraden der Faulheit und Sauerstoff Vergeudung, während diese das Gefühl hatten, es gäbe keine allgemeine Planung und man hielte sie von allem Wirken fern, zu dem sie befähigt seien. Stimmung und Arbeitsmoral waren jedenfalls katastrophal. Endlich konnte Camp 6 ( 8200 m ) an der gleichen Stelle errichtet werden wie bei der I.H.E. 1971. Am 20. Mai 1972 machten F. Kuen und A. Huber einen Vorstoss - nicht mit letztem Einsatz. Dass dabei in der SW-Flanke des Everest ein Höhenrekord aufgestellt wurde, ist nicht bewiesen. Don Whillans und Dougal Haston kamen 1971 bis etwa hundert Höhenmeter über Lager 6. Im übrigen scheint es mir belanglos, welche Seilschaft - die Briten oder die Tiroler - ein paar Meter höher gekommen ist als die andere. Es handelt sich um etwa 8300 Meter. Die Österreicher gaben wegen der Kälte auf und traten den Rückzug an. Die drei Briten waren « in disgust » ( Widerwille, Abscheu ) schon fünf Tage früher abmarschiert.

Quellen: AAJ 1973 p.478/479.ÖAZ Folge 1389 S.65-76. M. HerrligkoiTer: « Mount Everest - Thron der Götter... », 232 S., illustriert. Stuttgart 1972.

Im Herbst 1972 ging eine starke britische Expedition unter der Leitung von Chris Bonington die Everest-Südwestfront an, unterstützt von Lt. Col. James O. M. Roberts. Mitte September war man im Basislager ( 5350 m ), und zunächst ging es flott aufwärts, wobei sich die Methode bewährte, die vorzuschiebenden Hochlager mit Ausrüstung und Proviant auszustatten, bevor man sie besetzte. Mitte Oktober waren die fixen Seile bis Camp 5 ( 8050 m ) hinauf installiert, als das Schlechtwetter einsetzte und sich zu Schneesturm mit grimmiger Kälte steigerte. Beim Lastentransport nach Camp 4 ( 7500 m ) erlitt Kelvin Kent ernste Frostschäden. Ende Oktober wurde dieses Lager von Steinschlag getroffen, der die Biwak-Kästen sehr beschädigte und zum Rückzug nach Camp 2 zwang. Es folgten schwere Schneelalle, durch die viel Zeit verlorenging. Bei einem verzweifelten Angriff der Spitzen-Seilschaft Dougal Hastoni Hamish Mclnnes zeigte sich am « Gelben Band », dass schwierige Kletterei bei derartig extremen Verhältnissen und über 8000 Meter über Meer völlig unmöglich war. Etwas unterhalb der Stelle, die Whillans und Haston 1971 erreicht hatten, mussten sie aufgeben. Am Schluss des ganzen Unternehmens gab es einen Unglücksfall: Der Australier Tony Tighe wurde dicht unter Lager 1 von einem stürzenden Sérac verschüttet. Gegen die objektiven Gefahren des berüchtigten Khumbu-Eisfalles ist auch der beste Gletscherkenner mehr oder weniger machtlos.

{hielten: Berichte von Bònington, Brasher, Ken Wilson, « Mountain » 25,Jan. 1973; AAJ 1973,p.479*480.

Die zweite Besteigung des schönen Pumori ( 7145 m ) gelang im Herbst 1972 einer sehr starken französischen Mannschaft — Bergführer aus Savoyen. Ihre Route folgte dem Zentralsporn der Südflanke - eine noch unbegangene, sehr schwierige Direttissima: steile Firngrate im Stile des berühmten Jannu und eine 80 Meter hohe Felsnase, die nur in artifizieller Kletterei ( A 2 ) zu bewältigen war.

Oberhalb des Basislagers waren drei Camps zu erstellen, davon zwei auf dem Sporn selbst, recht unbequem wegen Platzmangels; überdies gingen zwei heftige Unwetter mit einem Meter Neuschnee in der Höhe des Basislagers ( 5200 m ) nieder, während die Spitzengruppe bereits 6900 Meter erreicht hatte. Es sah also bedenklich aus, bis es am 31. Oktober aufklarte. Am 3. November betraten die Führer Y. Pollet- Villard ( Expeditionsleiter ), J. Coudray, Y. Masino und G. Payot den Gipfel, am 4. November M. Gicquel, P. Blanc, R. Renaud und der Sherpa Ang Temba. Wieder einmal war den Franzosen ein Sieg der gesamten Mannschaft gelungen.

Quellen: « La Montagne » 511972, p. 386.

Am Manaslu ( 8156 m ) hatte eine südkoreanische Expedition 1971 wegen eines tödlichen Spal-tenunfalles aufgegeben ( siehe « Himalaya-Chro-nik 1971 » ). Ein neuer Versuch im folgenden Jahre - wieder von Osten, aus dem Buri-Gandaki-Tal, und wieder unter der Leitung von Kim Ho Sup - endete in einer Katastrophe: In der Nacht vom i o. zum 1 i. April 1972 wurde das voll besetzte Lager 3 ( etwa 6500 m ) Opfer einer grossen Lawine. Den weissen Tod starben vier Koreaner, darunter der Leiter, ein Japaner und zehn Sherpa. Nur Kim The Sup, ein Bruder des Leiters, und zwei Sherpa überlebten. Diese drei wurden von der Lawine etwa 760 Meter hinuntergefegt, aber nicht verschüttet. Als sie dort lagen, rauschte eine andere Lawine herab und trug sie noch etwa 300 Meter weiter hinab, doch konnten sie sich aus den Schneemassen hinauswinden. Sieben Teilnehmer waren nicht in dem Unglückslager gewesen. Man hatte vorher eine Höhe von 6950 Meter erreicht und nun fünfzehn Mann verloren. Es war das bisher grösste Bergsteiger-Unglück in Nepal, und das auf der « Normalroute », die 1956 von den Japanern ( Expedition Yuko Maki ) eröffnet worden war.

Fast zur gleichen Zeit, im Frühjahr 1972, spielte sich auch an der Südfront und Westseite des Manaslu ein Drama ab. Die neun Teilnehmer der « Tiroler Himalaya-Expedition » waren: Wolfgang Nairz als Leiter, Reinhold Messner ( Vill-nös, Südtirol ), Horst Fankhauser, Hans Hof er, Hansjörg Hochfilzer, Franz Jäger, Josl Knoll, Andi Schlick und der Arzt Dr. Oswald Olz- Am 29. März wurde das Basislager ( 4300 m ) am Thulagi-Gletscher aufgestellt, in den folgenden zehn Tagen das « Pfeiler-Lager » ( 4700 m ) und Camp 1 ( 5300 m ). Der 600 Meter hohe Felspfeiler, der den Einstieg in die Südwand bildet, ist äusserst schwierig, und man musste ihn mit fixen Seilen und Strickleitern versehen, um den Sherpa einen Lastentransport zu ermöglichen. Inzwischen erkundete die Spitzengruppe einen Weg durch das anschliessende Eislabyrinth, doch verzögerte sich der Vormarsch durch anhaltendes Schlechtwetter. Am 15. April konnte Camp 2 ( 5850 m ) im « Schmet-terlingstal » errichtet werden. Während der Lasten-Nachschub in vollem Gange blieb, wurde Camp 3 ( 6600 m ) am 20. April erstellt. Zwischenhinein wurden zwecks Akklimatisation drei Nebengipfel ersterstiegen: Am 3.April « machten » Hofer, Hochfilzer und Knoll den « Führcr-gipfcl » ( 5850 m ), am 21. April Messner den « Hervis Peak » ( 6900 m ), am 24. April Fankhauser und Nairz die « Stubaier Spitze » ( 6650 m ).

Ausserordentlich schwierig war die Eisrampe zwischen Lager 3 und dem Rande des Gipfelfirn-Plateaus ( 7400 m ), wo Lager 4 erstand. Dort starteten am Morgen des 25. April Franz Jäger und Reinhold Messner gipfelwärts, während Fankhauser und Schlick als Hilfsmannschaft Camp 4 bezogen. Das Wetter war scheinbar tadellos, der Weg über das 2 % Kilometer lange, 800 Meter breite, allmählich ansteigende Hochfirn-Plateau ganz unschwierig — aber weit. Um zehn Uhr hatte Jäger das Gefühl, den schnelleren Messner zu sehr aufzuhalten. Er schlug deshalb vor, allein ins Camp 4 zurückzukehren, da er es keinesfalls auf ein Biwak ankommen lassen wolle. Messner war einverstanden, setzte den Anstieg im Eiltempo, ohne Sauerstoffgerät fort und erreichte den Gipfel ( 8156 m ) um 14.00 Uhr. Eine hervorragende Leistung!

Da sich das Wetter rasch verschlechterte, trat er nach wenigen Minuten den Abstieg an. Tatsächlich steckte er bald in einem furchtbaren Schneesturm, aus dem er sich nur nach Stunden des verzweifelten Suchens ins Camp 4 retten konnte. Es wurde schon dunkel und... Franz Jäger war nicht daEin Rätsel, das sich niemals aufklären wird. Dieser erfahrene Bergführer von St. Johann ( Tirol ) hatte doch für seinen Rückweg noch schönes Wetter und eine leichte Route! Verschollen... vielleicht in einer verdeckten Spalte des Hochfirns? Fankhauser und Schlick verliessen sofort das Zelt, um nach Jäger zu suchen. Umsonst! Das Unglück wurde nur noch grosser. Auch Schlick starb den weissen Tod; trotz aller Rufe und Lichtzeichen fand er das Lager nicht mehr. Nur Fankhauser und Messner überlebten diese schreckliche Nacht, wenn auch mit Frostschäden.

Am 26. April, nach nochmaligem vergeblichem Suchen, kämpften sich Messner und Fankhauser durch metertiefen Neuschnee hinunter nach Lager 3 und zusammen mit Josl Knoll weiter nach dem Camp 2, wo der Expeditionsarzt Dr. Ölz die Erfrierungen mit arteriellen Infusionen behandelte. Das Schlechtwetter hielt an, die Lawinengefahr zwischen den Lagern 3 und 4 verschärfte sich noch, an eine weitere Suche nach den beiden Toten war nicht zu denken. Man musste die Expedition abbrechen und zwei Kameraden im Eis des Manaslu zurücklassen. Force majeure.

Quellen: Mündliche Berichte von W. Nairz, J. Knoll und O. Ölz; Korrespondenzen; Offizieller Bericht der Tiroler Himalaya-Expedition; Mountain 28, July 1973, p. 12. AAJ 973, p. P-484/485; R.M.essner: « Sturm am Manaslu », 157 s. illustriert ( Wien 1973 ).

In der Annapurna-Gruppe ging eine Mannschaft des japanischen Doryu A. C. unter Uzo Tada zu dem wiederholt bestiegenen Modi Peak ( 7219 m ), der auch « Annapurna South » oder gelegentlich « Ganesh » genannt wird, was zu mancherlei Verwechslungen führt. Über den Ostgrat und die Nordflanke erreichten Uzo Tada, Y. Yamamoto und K. Yoshida den Central Peak ( 7150 m ) am I. Oktober 1972. Für den Hauptgipfel, der bereits 1964 - ebenfalls von Japanern - ersterstiegen wurde, war es zu spät geworden.

Quelle: Zusammenstellung Ichiro Yoshizawa, Vizepräsident JAG.

Aus der Dhaulagiri-Gruppe ist zu melden, dass Tukche Peak ( 6920 m ) im Mai 1964 von Schweizern erstmals erstiegen und im Oktober 1972 von Japanern und Sherpa wiederholt wurde. Der geheimnisvolle Dhaula IV ( 7661 m ) wurde 1972 von zwei japanischen Expeditionen angegriffen:

Im Vormonsun kam man auf der österreichischen Route von 1969 nur bis 6200 Meter, wo Takajiro Matsui an Bergkrankheit ( Lungenödem ) starb. Im Herbst, unter der Leitung von Akinori Ohtsu, versuchte man es vom Kaphe Khola aus, kam aber nur bis 6400 Meter, wo die 500 Meterhohe Eiswand zwischen Junction Peak und Gama Peak zum Rückzug zwang. Als Trostpreis dienten: Gama Peak ( 7150 m ), bestiegen von Takeshi Fujika, Tetsuji Sato und zwei Sherpa, sowie Dhaulagiri VI ( 7268 m ), bestiegen von Fujika, Sato und Yoichiro Anma - schöne Gipfel, aber keine Erstersteigungen.

Auch Putha Hiunchuli ( 7246 m ), der Westpfeiler des Dhaulagiri-Kammes, wurde 1954 von Jimmy Roberts ersterstiegen. Im April 1972 gelang nun einer japanischen Mannschaft unter Hiroyasu Takahashi die erste Bezwingung des Südspornes mit modernen Methoden - tausend Meter fixe Seile. Im Oktober wurde diese Kletter-Route vom Nagoya Ymca A. C. wiederholt.

Quellen: Verzeichnis I. Yoshizawa. HJ XXX 1970, p. 141 146; Sangaku 1971, Panoramen, p. 109/108. Huna-laya-C'hronik 1971^.239/240.

Gurja Himal ( 7193 rn ), erstmals 1969 von den Japanern erstiegen, wurde einer französischen Gruppe aus Lyon unter Leitung von Dr. Buttin zugeteilt. Von Pokhara gelangten sie über Dor-pathan und den « Italian Col » an den Fuss des Churen Himal. Am 21. und 22. Oktober 1972 glückte ihnen die Besteigung, zum Teil auf neuer Route über den Nordgrat, zum Teil durch die leichtere Südflanke, eine Wiederholung des japanischen Weges.

Quellen: AAJ 1973, S. 483 / 484. La Montagne 5/1972^. 385.

Im Patrasi Himal bestieg eine Mannschaft des Tokyo Yamatabi Club einen Gipfel von 6580 Meter. Ob es sich um den kotierten Kangde Hiunchuli ( 6627 m ) handelt, ist zur Zeit noch nicht festzustellen.

In NW-Nepal, nahe dem indischen Garbyang, steht der stolze Nampa ( 6754 m ), an dem die kleine Manchester-Expedition 1970 500 Meter unter der Spitze aufgeben musste. Im Frühjahr 1972 trat dort eine fünfköpfige japanische Mannschaft unter der Leitung von S. Matsushima an. Von Camp 4 ( 5900 m ) auf dem Westgrat machten S. Takahashi und F. Kitnura den Schlussangriff, mussten unterwegs biwakieren und erreichten am 5. Mai mittags den Gipfel. Beim Abstieg auf steilem Blankeis glitt Takahashi plötzlich aus, stürzte in die Nordwand und verschwand für immer.

Für den Herbst hatte eine Gruppe der Nagoya-Universität ebenfalls den Nampa als Ziel gewählt. Man kam aber nur bis 6150 Meter. Der Tod von Ang Temba in Camp 2 und anhaltendes Schlechtwetter zwangen im November zum Rückzug.

( hielte: Bericht von Ichiro Yoshizawa.

Neun Kilometer südlich des Nampa steht Jelhi-bohurani, der 6940 Meter hoch sein soll und noch fast unbekannt ist. Eine Mannschaft der Nagoya-Universität unter Tasuo Ohsumi machte eine Kundfahrt und erreichte am 27.Oktober 1972 eine Höhe von etwa 6150 Meter. Der Tod des Sherpa Ang Temba ( Brustfellentzündung ?) und viertätiges Sturmwetter verhinderten weitere Versuche.

Quelle: Bericht Ichiro Yoshizawa ( J. A. C. ) GARHWAL Das Hochgebirge ist seit vielen Jahren für Ausländer praktisch verschlossen, hat also nur noch ein gewisses akademisches Interesse. Ich erwähne deshalb einige Erstersteigungen indischer Alpinisten nur ganz kurz. 1971: Rajramba ( 6537 m ), Kagbhusund ( 5855 m ), Jogin II ( 6345 m ), Sumera Parbat ( 6330 m ), Srikanta ( 6133 m ). 1972: Bhagi-rathilV ( 5486 m ).

Quelle: Nach AJ 1973, p. 240. KULU-LAHUL - HIMACHAL PRADESH Eine japanische Mannschaft unter S. Asanome machte am 18. Mai 1972 die dritte Besteigung des schwierigen Indrasan ( 6221 m ), und zwar auf neuer Route durch die Südwand. Dagegen wird der viel besuchte, leichte Deo Tibba ( 6001 m ) nicht mehr besprochen. Erwähnt seien noch einige zweite Besteigungen: 1971 Papsura ( 6451 m ) durch Mitglieder der Indian Air Force, 1972 Lion ( 6126 m ) und Central ( 6285 m ) durch indische Alpinisten.

Die Britische Kulu-Expcdition 1972 - Tony Sm\ihe,John Millar una Sirdar Wangyal ( Sherpa ) -bestieg erstmals P. 6028 Meter, Bara Bangahal, und ging dann den Mulkila ( 6517 m ) an, den höchsten Berg in Lahul, der 1945 erstmals erstiegen wurde. Wegen schlechter Schnee- und Wetterverhältnisse gaben sie auf dem Südgrat bei etwa 6400 Meter auf.

Quelle: AJ 1973, p. 179-182, 240.

Eine japanische Gruppe unter S. Ibayashi, die sich in Manali versammelte, bestiegim September 1972 Shiga I ( 5800 m ) und II ( 5840 m ) sowie Phabrang ( 6172 m ). Eine andere Mannschaft unter T. Ohtake war im Thirot Nulla und Nainghar Nulla tätig: Phabrang South ( 6140 m ).

Quelle: Zusammenstellung I. Yoshizawa. KASHMIR Der letzte Absatz des Kashmir-Abschnittes in der « Himalaya-Chronik igyi » ( Quartalheft 4 « Die Alpen » 1972, S. 241 ) ist zu berichtigen und zu ergänzen:

Im Nun-Kun-Massiv gelang die zweite Besteigung des Nun ( 7135 m ) im Juli 1971 einer indischen Expedition unter K. P. Venogupal. Auch Kun ( 7086 m ) wurde wieder besucht.

Quelle: AAJ 1972,p. 193.

KARAKORUN Aus dem Jahr 1972 sind keine wichtigen Expeditionen bekannt geworden - eine Folge der schweren politischen Krisen in West-Pakistan. Also: bitte keine ungeduldigen Fragen an den Chronisten!

HINDU KUSCH Seit 1967 habe ich mich aus der Hindukusch-Chronik ganz zurückgezogen, um niemandem Konkurrenz zu machen und auch die Arbeiten der vielen Hindukusch-Kenner nicht zu wiederholen. Diesmal möchte ich eine kleine Ausnahme machen und meinen polnischen Bergkameraden zur ersten Winterbesteigung eines grossen Siebentausenders von Herzen gratulieren. Am 13. Februar 1973 standen Andzej Zawada, der Expeditionsleiter, und Tadeusz Piotrowski auf dem Gipfel des Noshaq ( 7492 m ), auf dem höchsten Berg von Afghanistan. Der Angriff vom Lager 5 ( 6700 m ) dauerte 18 Stunden, zeitweise bei einer Temperatur bis minus 450 C. Eine grossartige Leistung!

Quellen: Korrespondenz Zawada « Mountain » 28, p. 12/13. 226

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