Jägigrat

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Aus dem Tagebuch des J. O. Kameraden Hans Ueli Jucker f * )

Es mag gegen %5 Uhr gehen, als wir vom Laquinhorn wieder in der Weissmieshütte anlangen. Der Hüttenwart begrüsst meinen immerhin 56jährigen Papa mit den Worten: « So, junge Maa, wie :isch es gsi? » Mein Bruder Markus und ich haben schon während des Abstieges sehnsüchtig nach dem Jägigrat hinübergeblinzelt, und in der Hütte reift unser Entschluss, ihn übermorgen zu traversieren. Proviant ist genügend vorhanden. Der Hüttenwart meint wohlwollend: « Jo, das chennt ihr scho mache. » So hauen denn Emil, Papa und Beno ab, während Markus und ich noch den Führer studieren, um uns die einzelnen Leckerbissen, « selle », « dalle verticale » etc., einzuprägen.

Mit dem Wecken klappt es nicht. Denn um 3 Uhr sieht das Wetter sehr massig aus, und erst um 5 Uhr tut es auf, wobei man uns endlich weckt.

Start um 6 Uhr. Wir steigen zunächst bis zum Bach nördlich der Hütte hinunter und halten dann auf das Schneecouloir zu, das von der Einsattelung östlich des vordersten Jägihorns herunterführt. In mittlerer Blockkletterei erreichen wir, nachdem wir eine Prachtskobra an die Luft gesetzt haben, die Schneezunge. Die letzten Felspartien untendran sind nicht mehr ganz kinderleicht. Sodann stapfen wir wohlgemut, ohne Seil, das Couloir hinauf, das etwa 35 Grad Neigung haben wird. Der Schnee ist noch relativ hart, so dass die Tritte guten Halt haben. Wir sind recht froh, als wir oben sind, denn gegen den Schluss hat man rund 200 Meter Rutschbahn unter sich, auf der es kaum ein Halten gäbe. Wir wenden uns nun östlich und halten zum Grat hinauf. Die fünf kleinen Höcker im Grat, die man von unten sieht, bieten noch keine Kletterei.

Erst kurz nach ihnen beginnt der Genuss, und zwar mit einem senkrechten Wändlein. Nicht schwer, aber ganz anregend für den Anfang. Von dort geht es ständig hinauf in mittelschwerer Kletterei. ( Beginn der Kletterei ca. 9 Uhr. ) Es geht etwas langsam, da Markus nicht sehr trainiert ist. Endlich stehen wir auf dem ersten grossen Grataufschwung, von wo bereits die viel besprochene Stelle « à cheval » sichtbar ist, jedoch vorher noch ein zweiter Aufschwung. Der Abstieg vollzieht sich abseilenderweise. Schon eine der ersten Abseilungen bietet das Maximum: nämlich eine phantastische Exponiertheit. Man schwebt an einer glatten Wand von etwa 500 Meter Höhe und sieht ständig den Triftgletscher unter sich. Die Abseillänge ist klein, ca. 8 Meter, und dann tritt man auf einem kleinen Bändchen wieder in den Grat hinein. Immerhin ein prickelndes Gefühl! Es folgen noch zwei weitere weniger luftige Abseilungen, und dann geht es von neuem aufwärts. Wir erreichen nach ziemlich interessanter Kletterei den höchsten Punkt ( 3441 ), und zwar gerade recht, um das Mittagessen einzunehmen. Die Aussicht ist prächtig, und besonders der Tiefblick auf beiden Seiten, der übrigens fast während der ganzen Tour vorhanden ist, hat einen grossen Reiz. So sitzen wir denn etwa von 12—1 Uhr hier oben und lassen uns von der Sonne durchwärmen. Der Abstieg ist für den Letztern etwas heikel; er führt nämlich über eine hohe, griffarme Platte, die etwas ausgesetzt ist.

Nicht lange geht es, bis wir endlich an der « seile » angelangt sind. Zunächst gibt es keine Schwierigkeit, höchstens etwas exponiertes Gehen in der Südflanke über plattigen Fels. Erst ganz kurz vor dem höchsten Punkt fehlen aber alle Griffe. Ein herrliches Reitergrätchen führt von dort ziemlich steil hinauf. Es ist ein richtiger « Krampf », sich hier hinaufzureiben. Links und rechts fällt die Wand steil ab, aber man ist wenigstens von hinten gut gesichert. Markus keucht ziemlich, als er oben ist.

Der Weiterweg scheint zunächst fast unmöglich, denn am Ostrand der « seile » sieht man sich an einer 60 Meter hohen senkrechten Wand. Hier ist die linke Kante zu benützen, die ziemlich viele gute Griffe und Tritte aufweist. In der Mitte ist sogar ein prächtiger Platz zum Sichern vorhanden, indem sich dort eine breite Platte etwas abgespalten hat. Das letzte Stück der 60 Meter wird durch Abseilen bewältigt. Nun befinden wir uns Auge in Auge mit der « dalle verticale », die mit einer kleinen, steilen und fast grifflosen Rippe beginnt. Ich ziehe mich zunächst nach rechts hinauf, und rund 5 Meter höher beginnt die Platte selbst. Es ist — besonders in Schuhen — eine recht knifflige Angelegenheit. Nun, ich arbeite mich auf Händen und Knien langsam über das rauhe Felsdach empor, bis meine linke Hand einen ausgezeichneten Griff an einer abgespaltenen Platte findet. Das 21-Meter-Seil reicht dann gerade noch bis zu einer prächtigen Sicherungsnische. Ich ziehe nun die Rucksäcke hoch, und hinterher, mit einigen Schnaufpausen, wird Markus hinaufgesichert. Diese Stelle ist, obwohl nicht sonderlich exponiert, wohl die schwierigste im Grat. Es folgt ein Gehen auf fast ebenem Grat, in dem es allerdings ein nettes 3-Meter-Wändchen hat. Dieses Stück liegt etwa um %4 Uhr hinter uns, aber wir beschliessen, noch zum « Rot-hörnli»1 ) aufzusteigen, was nur mehr bescheidene Klettertechnik erfordert. Dort wird eine Büchse Reineclauden verzehrt, und dann schreiten wir zum Abstieg. Gerne hätten wir das letzte Stück bis zum Einschlag in die Fletsch-hornroute noch mitgenommen, denn es winken dort noch zwei Höcker, die wenig begangen und sehr nett sein sollen. Aber die Zeit reicht nicht mehr aus.

Über die geröllbedeckte Südflanke der Jägihörner erreichen wir den Fletschhornaufstiegsweg, und ungefähr um 6 Uhr kehren wir zur Hütte zurück. Der Hüttenwart lächelt auf den Stockzähnen, aber wir haben nicht lange Zeit, das zu studieren. In kaum anderthalb Stunden rasen wir nach Saas-Grund hinunter, und endlich, nach vergeblichem Versuch, uns telephonisch anzukündigen, erreichen wir um %9 Uhr unser Chalet in Saas-Fee, wo man sich bereits etwas um uns gesorgt hatte.

) Inner Rothorn.

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