Leutschachhütte

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Von Hans Müller

( Basel, S.A.C. Basel ).

Unter den zackigen Felsen der Krönten-Südwand steht die kleine Klubhütte. Auf freier Warte thront sie über dem Tal. Der Blick ist frei auf die Berge ringsumher. Der schön geformte Bristenstock und die trotzigen Wände der Windgällen schauen gerade zum Fenster herein. Ganz in der Nähe die beiden blauen Augen des Ober- und Niedersees. Welch eine schöne Welt!

Nicht freundlich hat uns zwar das Hüttchen empfangen, als wir zum erstenmal zu ihm hinaufgestiegen sind. Die Windsbraut rüttelte und schüttelte am Gebälk, und der Regen goss wie aus Schleusen über das Hüttendach. Die sonst blumigen Alptriften lagen noch unter dem vorsommerlichen Schnee begraben. Warum waren wir denn in diese sturmumbrausten, winterlichen Höhen hinaufgestiegenWeil die Romantik des Hüttenlebens uns lockte. Wir wollten wieder einmal allein sein, fern vom Alltag, von den Menschen und vom'Krieg!

Mit Ehrfurcht sind wir über die Schwelle der Hütte getreten, haben den Schnee vor der Türe weggescharrt und die verschlossenen Läden geöffnet. Alles war uns wohl vertraut, der heimelige Essraum, die kleine, schmucke Küche mit dem blitzblanken Geschirr, die Schlafstätte mit den warmen Holzschuhen und die braunen Esskörbe. Schon einmal, wenn auch in anderer Umgebung, sind wir in diesen Räumen herumgestiefelt Es war drunten im Tal, in einer grossen Stadt — in der denkwürdigen Landesausstellung in Zürich. So ist diese Musterhütte des S.A.C. nun zur Leutschachhütte geworden.

Mochte der Wettergott toben und grollen, wie er wollte, mochten die Lawinen über die Steilhänge brausen, wir fühlten uns geborgen. Im Herd knisterte das Feuer, die Erbsensuppe kochte. Alles schmeckte uns hier oben besser, mundete herrlicher als irgendwo unten im Tal. Selbst das Abwaschen des Geschirrs, welche Arbeit wir sonst lieber unseren Frauen überlassen, nahmen wir willig in Kauf. Warum auch nichtUnd wie im Alltag, so ist auch in der Klubhütte der Feierabend, der stille Ausklang eines angestrengten Tages, das Schönste. Die Pfeife oder der Stumpen wird angezündet. Über dem Tisch brennt die Petrollampe. So sitzen wir in den klapprigen Holzschuhen vereint zusammen. Die Gedanken wandern zurück in das Reich vergangener Erlebnisse; von früheren Bergfahrten ist die Rede, von steilen Aufstiegen und sonnigen Gipfelrasten. Wir blättern im Hüttenbuch und suchen nach bekannten Namen, nach Freunden, die vielleicht, wie wir, hier oben weilten.

Wir lebten so ganz diesen einzigartigen Dämmerstunden am Herdfeuer der Leutschachhütte.

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