Major-Route

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VON M. ONNERAT ( GHM « LES AIGLONS » ), MOUTIER

Mit 4 Bildern ( 57-60 ) Bei angenehm warmem Sonnenschein verlassen wir den Gipfel der Aiguille du Midi in der Absicht, noch am Abend die neue Hütte Lucia et Piero Ghiglione auf 3690 Meter Höhe, in der Nähe des Col du Trident, zu erreichen.

Vom Haut Glacier du Géant und dem Cirque Maudit zugänglich, wurde sie auf dem gleichen Grat wie das Bivouac de la Fourche errichtet, über dem oberen Plateau des Glacier de la Brenva. Dieser wunderbare Standort ist auch ein aussergewöhnlicher Aussichtspunkt, denn die Südwand des Mont Blanc beeindruckt mit ihren grandiosen Couloirs und Felsvorsprüngen; weiter hinten zeichnet sich der Grat der Noire de Peuterey vom klaren Himmel ab. Neben diesem beherrscht die Aiguille Blanche mit ihrer von den letzten Sonnenstrahlen vergoldeten Gipfelhaube den Gletscher, während der Pilier d' Angle wie ein Bollwerk aus dem Eis heraussticht. Das Verdienst, diese eindrückliche Wand bezwungen zu haben, gebührt vor allem englischen Seilschaften und ganz besonders dem berühmten Kletterer Graham Brown. Die erste Besteigung, diejenige des Eperon de la Brenva ( 1865 ), ist eine aussergewöhnliche Leistung der damaligen Zeit. Dann wurden von Nord nach Süd 1927 die Sentinelles Rouges, 1928 der Eperon Major und 1933 die Poire erobert.

Der Eperon Major ist unser morgiges Ziel. Wir versuchen die Route in seiner 1300 Meter hohen Wand auszukundschaften. Von hier aus erscheint alles senkrecht und abweisend; aber morgen werden wir unsere Aussichten besser abwägen können. Die Sonne ist verschwunden, der Tag geht zur Neige, und wir sind alle von dem Wunsch beseelt, die drei berühmten Routen der Brenva machen zu können.

24 Uhr: Tagwache! Die Nachtruhe war kurz, aber wir haben ein fernes Ziel zu erreichen und einen langen Weg vor uns. Noch schlaftrunken macht sich jeder bereit. Die Steigeisen schnallen wir schon in der Hütte an, und um 1 Uhr überschreiten wir die Schwelle.

Im flackernden Licht der Stirnlampen steigen wir auf den Glacier de la Brenva ab. Eine eigenartige Umwelt: Unter einem wunderbaren, von vielen tausend glänzenden Sternen übersäten Himmel erscheinen die Bergwände gespenstisch. Das gute Wetter ist beständig und schenkt uns volles Vertrauen, aber momentan besteht noch eine Unbekannte: Wie werden die Bedingungen sein? Wir haben eine Periode schlechten Wetters hinter uns; wird der Neuschnee auf der untern Schicht haften?

Das Plateau, welches auf den Col Moore führt, ist rasch überschritten. Jean Braun, der mit André eine Seilschaft bildet, übernimmt die Führung, während Michel Zuckschwerdt und ich den Schluss machen. Es folgt eine sehr lange Hangtraverse, die uns durch sehr steile, von Abflussrinnen und vereisten Felsrippen durchzogene Couloirs zum eigentlichen Ausgangspunkt der Major-Route führt. Hier gibt es auch eine Art Kamine, die mit grossen Blöcken durchsetzt sind, dann eine anregende, exponierte Passage unter einem überhängenden grossen Block. Im Morgengrauen nehmen wir die bodenlose Tiefe unter uns deutlich wahr, und während die ersten Sonnenstrahlen die höchsten Gipfel bestreichen, schweift der Blick über die Felsnadeln, Zacken und Spitzen. In der Sonne, geschützt vor stürzenden Seracs, erlauben wir uns eine kurze Rast. Wir nützen diese aus, um einen Tee zu brauen und etwas Stärkendes zu essen. In der Ferne sehen wir mehrere Seilschaften in der Wand der Eperon-Route in flüssigem Tempo ansteigen. Alles läuft wirklich wunderbar.

Wir schultern die Säcke und brechen wieder auf. Entgegen unsern Befürchtungen verspricht der Schneezustand gute Festigkeit. Wir steigen also auf einem zusammenhängenden Firnband an den Fuss der Felsen empor. Es ist der mittlere Felsvorsprung, eine schroff aufstrebende, aber mit Rissen und Leisten durchsetzte 75 Meter hohe granitene Wand. Wir umgehen sie rechts, dann queren wir die Wand und steigen links aus. Der Höhenmesser zeigt 4120 Meter an. Unter uns, hinter uns stürzt die Wand, durchfurcht von scharf ausgeprägten Couloirs, die miteinander einen grandiosen Halbkreis vom Col Moore zum Granitklotz des Pilier d' Angle bilden, in die bodenlose Tiefe ab. Unser Tempo ist flüssig. Meistens klettern wir gleichzeitig. So greifen wir den zweiten und dritten Firngrat an. Michel an der Spitze fühlt sich in Form, während ich etwas unter der Bergkrankheit leide. Direkt über uns erhebt sich ein Felsriegel von unübersehbarem Ausmass.

Man sieht weder woher er kommt, noch wohin er führt. Es ist der letzte Aufschwung, der sich vor uns aufrichtet, ein eigenartiger Aufbau von Gipfelkämmen, welche sich zwischen den untern und oberen Steilhängen der Wand einschieben.

Es ist das letzte Felshindernis, das wir nach links überwinden, um eine kleine Nische zu erreichen. Michel setzt die Besteigung durch ein Couloir und einen mit Schnee, ja sogar mit Eis gepanzerten Kamin unermüdlich fort; dann steigt er längs eines kleinen Schneegrates an, erreicht eine letzte Felsplatte und findet bald eine Stelle für einen bequemen Stand. Ich schliesse zu ihm auf. Die imposante Mauer von Seracs ist rasch bezwungen. Jean und André sind schon verschwunden. Wir benützen ihre hinterlassenen Stufen, um die Schneehänge, welche ganz nahe beim Mont-Blanc-Gipfel ausmünden, zu erreichen. Dort erlauben wir uns eine wohlverdiente Rast. Unsere beiden Kameraden arbeiten sich schon mit langsamen, aber regelmässigen Schritten dem Col entgegen. Michel und mich erfasst grösste Überraschung und unendliche Freude, denn wir bewundern das Panorama, das sich uns jetzt bietet. Alles ist von vollkommener Gestalt und in blendendem Weiss. Doch, brechen wir jetzt diese Betrachtung ab! Es gilt unsere Kameraden und mit ihnen den Gipfel zu erreichen. Schweigend brechen wir wieder auf, etwas mühsam, denn die Müdigkeit macht sich bemerkbar. Dreissig Schritte Michel - dreissig Schritte ich; auf meinen Pickel gestützt, schnappe ich keuchend nach Luft, denn meine Lungen scheinen in einen Schraubstock eingespannt zu sein. Die Seilschaft unserer Kameraden langt soeben auf dem Col Major an. Wir kommen nur langsam voran, erreichen aber dennoch den Schrund in unmittelbarer Nähe des Col. Endlich sind wir angekommen; ich stehe still, lasse mich schwerfällig in den Schnee fallen, und die Hände umklammern den zwischen den Beinen eingesteckten Pickel. Jean und André raten uns aber, sofort weiterzugehen. Immer langsam, aber jetzt aufgeschlossen, machen wir uns auf den Weg über den Schneegrat, der zum mächtigen und majestätischen Gipfel des Mont Blanc führt.

Freude und Müdigkeit überwältigen uns zugleich. Wir drücken uns die Hände - einfacher und spontaner Ausdruck der Zuneigung und Bergkameradschaft nach gemeinsam überstandener An-strengung.Übersetzung: Jakob Meier )

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