Marschzeitberechnung

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Mit 1 Diagramm.Von Albert Cemperle.

Wer wandert, zu Fuss oder mit Ski in Voralpen und Hochgebirge zieht, muss mit der Zeit rechnen. Er muss wissen, wieviel Zeit er für die Bewältigung seiner Fahrt und für jede einzelne Teilstrecke derselben benötigt. Nur so ist es ihm möglich, die zur Verfügung stehende Zeit richtig einzuteilen, den Aufbruch zur Tur so anzusetzen, dass er lawinen- oder steinschlaggefährdete Partien vor Anbruch der Gefahrenzeit hinter sich bringt, dem ermüdenden Schneewaten nach Möglichkeit entgeht, der Orientierung in der Dunkelheit Schwierigkeiten bietendes Gelände noch am Tage beschreitet usw.

Reisehandbücher, Clubführer und Distanzkarten geben für viele Routen allgemein orientierende « Normalzeiten ». Der ernste Bergsteiger darf sich mit solchen Angaben nicht begnügen; er muss imstande sein, den Zeitbedarf selbst zu berechnen.

Die Berechnung des Zeitaufwandes für den Marsch in der Ebene stützt sich auf die Kenntnis der Zeit, die man zur Zurücklegung eines Kilometers benötigt. Legt man den Kilometer in 12 Minuten zurück, so erfordert die Abwanderung von 2,6 Kilometern 2,6 x 12 = 31,2 Minuten. Also, Marschzeit in der Ebene = Weglänge in Kilometern X Minuten pro Kilometer. Die Zahl der Minuten, die wir zur Zurücklegung eines Kilometers benötigen, wollen wir Marschzeitwert nennen. Wer 1,6 Kilometer in 20 Minuten zurücklegt, für den ergibt sich als Marschzeitwert: 20: 1,6 = 12,5. Wer 2,5 Kilometer in 30 Minuten hinter sich bringt, der hat als Marschzeitwert 30: 2,5 = 12.

Den Marschzeitwert zu bestimmen, dazu bietet jeder Gang, jede Wanderung, jede Bergfahrt Gelegenheit. Wer sich die Mühe nimmt, diesen Wert öfters zu bestimmen, der wird erstaunt sein, wie wenig sich derselbe, gleiche Verhältnisse vorausgesetzt, ändert, und wird dann auch begreifen, dass ein aus mehreren Bestimmungen gebildeter Mittelwert ein sehr brauchbares Element zu Berechnung von Marschzeiten bildet, und erfahren, wie wenig errechnete Zeiten von der wirklichen Marschzeit abweichen. Anderseits wird er mit Interesse sehen, wie körperliche Leistungsfähigkeit, Last, Art und Zustand des Weges und Witterungsverhältnisse die Marschleistung beeinflussen, den Marschzeitwert ändern. Wer seinen Marschzeitwert für verschiedene Verhältnisse ermittelt hat, ist in der Lage, bei zukünftigen Berechnungen den den gerade herrschenden Verhältnissen entsprechenden Wert in seine Rechnung einzusetzen, was ihm zuverlässige Resultate verbürgt.

Wie sich der Marschzeitwert für den Marsch auf ebener Strecke bestimmen lässt, so könnten Marschzeitwerte für bestimmte Steigungen und Gefälle ermittelt und dann entsprechend verwendet werden. Dieses Verfahren wäre aber der Bestimmung der Steigung bzw. des Gefälles wegen unpraktisch.

Die Berechnung der Marschzeit für An- und Abstieg setzt die Ermittlung der Weglänge und der in Betracht kommenden Höhendifferenz voraus.

Die Weglänge ermittelt man mit Zirkel und Maßstab, die Höhendifferenz aus den Höhenangaben der Karte. Nach dem bisher üblichen Verfahren zur Berechnung der Marschzeit bestimmt man nun den Zeitaufwand für die Weglänge, dann die Marschzeit für die Überwindung der Höhendifferenz unter der Annahme, dass man in der Stunde im Anstieg 300 bis 350 Meter, im Abstieg 600 bis 1000 Meter bewältige.

Beispiel: Weglänge 2,5 km. Höhendifferenz 400 m. Marschzeitwert 11. Höhendifferenz pro Stunde 350 m. Anstiegszeit?

Marschzeit entsprechend Weglänge = 2,5 X 1127,5 Minuten Marschzeit für die Überwindung der Höhendifferenz:

350 m = 60 Minuten, 100 m = 60: 3,5 = 17,1 Minuten, 400 m = 4 x 17,1 Minuten =68,4 » Anstiegszeit 95,9 Minuten Diese Art der Rechnung hat nun den grossen Nachteil, dass in ihr zwei Marschzeitwerte stecken, derjenige für die Ebene ( 11 ) und derjenige für den Anstieg ( 17,1 ), die lediglich auf einer Annahme beruhen. Stimmt das Resultat einer nach diesem Verfahren vorgenommenen Zeitberechnung mit der wirklich aufgewendeten Zeit nicht überein, so weiss man nicht, ob dieser oder jener oder ob beide Marschzeitwerte falsch sind. Eine Berücksichtigung der gerade waltenden Verhältnisse durch Einsetzung von den Verhältnissen entsprechenden Werten, wie bei der Berechnung der Marschzeit in der Ebene, ist somit nicht möglich. Man sieht, dieses allgemein übliche Marschzeit-berechnungsverfahren taugt nicht viel.

Der westschweizerische Alpinist Combe kam auf folgendes Verfahren zur Berechnung von Anstiegszeiten: Er ermittelte die Weglänge in Kilometern und die Höhendifferenz in Hektometern, also Hunderten von Metern. Dann addierte er die beiden Zahlen und multiplizierte ihre Summe mit 12,5, einem Faktor, der sich ihm als Mittelwert auf zahlreichen Türen ergeben hatte, also: Marschzeit = Weglänge in km + Höhendifferenz in hm X 12,5.

Beispiel: Weglänge 2,5 km, Höhendifferenz 4,0 km. Marschzeit?

Marschzeit2,5 + 4,0 ) X 12,5 = 6,5 x 12,5 = 81,25 Minuten.

Combe fand dann später, dass die Richtigkeit seiner Formel durch die Gesetze der Mechanik bestätigt werde. Er stellte fest, dass ein Mann, bepackt 80 kg wiegend, in der Sekunde 1,4 m zurücklege ( eine mittlere Leistung, der 5 km pro Stunde entsprechen ), dass er also eine sekundliche Leistung von 80 x 1,4 = 112 Meterkilogramm vollbringe. Er stellte weiter fest, dass derselbe Mann, eine Turmtreppe hinansteigend, in der Sekunde 14 cm Höhendifferenz überwinde und damit eine Arbeit von 80 x 0,14 = 11,2 Meterkilogramm pro Sekunde leiste, also gerade ein Zehntel der Arbeitsleistung auf ebener Strecke. Mit dieser Feststellung ist die Zulässigkeit der Addition von Weglänge in Kilometern und Höhendifferenz in Hektometern Q/w km ) und die Multiplikation ihrer Summe mit demselben Marschzeitwert begründet und ihre Richtigkeit bestätigt.

Combe entwickelte sein Verfahren nicht weiter. Seine Formel hat nun bei aller Einfachheit den grossen Vorteil, dass sie die Berücksichtigung der gerade waltenden Verhältnisse durch Einsetzung eines entsprechenden Marschzeitwertes erlaubt. Dadurch ermöglicht sie aber nicht nur die Berechnung von Anstiegszeiten, sondern auch, und dies in gleich einfacher Weise, die Berechnung des Zeitaufwandes für den Abstieg. Der Erfolg, der mit der Formel von Combe zu erzielen ist, hängt einzig und allein von der Wahl des Marschzeitwertes ab, und diese ist Sache der Erfahrung. Man muss nun gar nicht etwa glauben, es sei schwierig und es brauche lange Zeit, sich die Erfahrung zur richtigen Wahl des Marschzeitwertes anzueignen.

Die Berechnung des Marschzeitwertes aus Weglänge, Höhendifferenz und wirklicher Marschzeit erfolgt mit Hilfe der Umformung der Combe-schen Formel:

Marschzeit Marschzeitwert = Weglänge in km -f- Höhendifferenz in hm Beispiel: Wirkliche Marschzeit 84 Minuten. Weglänge 2,2 km. Höhendifferenz 3,0 hm.

8484 Marschzeitwert16,1 Der Marschzeitwert des einzelnen Gängers schwankt, soweit gleiche Verhältnisse vorliegen, nur unbedeutend. Ich fand aus zahlreichen Aufzeichnungen auf Bergwegen für mich bei einem Mittel von 12,5 eine mittlere Schwankung von 0,2. Dieser Betrag ergibt, auf 12,5 angewendet, Marschzeitwerte von 12,3 und 12,7, was auf die Stunde ein Mehr oder Weniger von nur 2 Minuten ausmacht. Wer solche Berechnungen noch nie angestellt hat, der weiss gar nicht, wie gleichmässig der gute Wanderer geht und der Bergsteiger steigt, wie gut sorgfältig vorgenommene Zeitberechnungen mit Hilfe dieses anpassungsfähigen Verfahrens stimmen, wie wertvoll diese Art der Berechnung und ihre Verwertung beim Orientieren ist.

Der wirkliche Marschzeitwert, der Erfahrungswert, dient nicht nur künftigen Berechnungen, er dient auch der Beurteilung der Leistung bei bekannten Verhältnissen oder der Verhältnisse bei gut schätzbarer Leistung. Dieses Verfahren bildet also auch ein wertvolles Kontrollmittel.

Nachstehend folgen im Laufe der Zeit gewonnene Marschzeitmittel-werte für Einzelgänger. Sie dienen der allgemeinen Orientierung und geben dem noch Unerfahrenen einige Anhaltspunkte.

Marschzeitwerte.

In der Hbene Anstieg Abstieg Auf Strassen und Wegen 1112,58,5 In pfadlosem, aber gut gangbarem Gelände .12,5137 bis 4 Über Firn und Gletscher bei einfachen Ver-hältnissen14,5 1610 Gleichfalls, etwas zeitraubender2116 Gleichfalls, zeitraubend oder schwierig 25, 30, 35 und noch mehr MARSCHZEITBERECHNUNG.

In der Ebene Anstieg Abstieg Über Karrenfelder15, 20, 25 und noch mehr Leichte Kletterei

Mittelschwere Kletterei

Schwierige Kletterei

Auf Ski 9 Berge bis 3000 m ( totale Anstiegszeit ).... Berge über 3000 m ( totale Anstiegszeit )...

13 10 27 22,5 11 bis 15 1 bis 3 18

25±5

19 14 Ganze Turenzeit bei einfachen Verhältnissen.

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a a 1 Wer ein und dieselbe Arbeit immer und immer wieder auszuführen hat, der sinnt darauf, sie einfacher und bequemer zu machen. So ging es auch dem Verfasser vor Jahren in Beruf und Dienst mit der Marschzeitberechnung. Das Resultat ist ein interessantes Hilfsmittel, das die Berechnung der Marschzeit und des Marschzeitwertes wesentlich vereinfacht und so gute Dienste leistet.

Anleitung zur Berechnung der Marschzeit.

Bestimme auf der Karte den einzuschlagenden Weg. Zerlege denselben in Teilstrecken. Wähle Anfangs- und Endpunkte derselben dort, wo die Neigungsverhältnisse oder die Beschaffenheit des Weges, also die das Vorwärtskommen bedingenden Verhältnisse ändern ( Weg, Graswuchs, Schutt-, Block-, Karrenfelder, Moränen, Gletscher, Firn usw. ), oder an Stellen, die man zu bestimmter Zeit erreicht oder passiert haben muss ( Steinschlag-strecken, Lawinengebiet. Einbruch der Nacht, Abfahrt von Verkehrsmitteln usw. ).

Bestimme die Höhendifferenzen der sich folgenden Streckenpunkte in Hektometern ( z.B. 4,7 ) und miss die Länge der Teilstrecken in Kilometern ( z.B. 3,2 ). Addiere die ermittelten Zahlen ( 4,7 + 3,2 = 7,9 ) und multipli-ziere ihre Summe mit dem in Betracht kommenden Marschzeitwert ( 7,9 x 12,5 = 99 Minuten ). Das ergibt die voraussichtliche Marschzeit. Mit Hilfe des Diagramms x ) erhält man die Marschzeit wie folgt:

Gehe in der Kopfleiste des Diagramms auf jene Zahl, die sich durch Addition von Höhendifferenz und Streckenlänge ergab ( 7,97 ) und von dort senkrecht nach unten auf die Horizontale des gewählten Marschzeitwertes ( 12,5 ). Beurteile die Lage des so erhaltenen Punktes zu den Minutenkurven und lies die Marschzeit ab ( 99 ).

Notiere unterwegs die Tageszeit auf jedem Streckenpunkt. Berechne die wirkliche Marschzeit für jede- Strecke und bestimme den wirklichen Marschzeitwert durch Rechnung oder wie folgt: Gehe in der Kopfleiste des Diagramms zur Zahl von HöhendifferenzStreckenlänge und von dort senkrecht nach unten in die Minutenlinien auf den Betrag der wirklichen Marschzeit ( 99 Minuten ). Sieh, wo der so erhaltene Punkt in bezug auf die horizontalen Marschzeitwertlinien liegt und lies den Marschzeitwert ab ( 12,5 ). Der so ermittelte Wert gilt nun für weitere Berechnungen, für die gleiche Verhältnisse vorliegen.

Notiert man sich die Erfahrungswerte, so verfügt man recht bald über die Grundlage zuverlässiger Marschzeitberechnung.

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