Mit Sommerski auf den Gulmen

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Von Wolfgang Schwab

( Sektion Uto, Zürich ).

Die südliche Kette des Alpsteins beginnt ihren Aufschwung beim Kamor und Hohenkasten, nimmt in ihrer Mitte bei den acht Kreuzbergen wilde, dolomitenartige Formen an und endet schliesslich mit einem zahmen Gipfel, dem Gulmen.

Als langer, breitgewölbter Bergrücken, an den sich dichter Bergwald schmiegt, schirmt der Gulmen das frohmütige Toggenburger Dörfchen Wild- haus. Keine Modepfade führen zu ihm, er ist auch kein Kletterberg. Im Winter ist eine glattgescheuerte Skipiste seinem Wesen ebenso fremd wie breitangelegte Rennstrecken.

Uns ist der Gulmen Ziel einer beschaulichen, besinnlichen Skiwanderung. An einem Frühlingsmorgen — anfangs April — steigen wir von Wildhaus aus auf gemächlichem Pfad durch den Bannwald empor. Schlüsselblumen grüssen, da und dort vereinzelte, violette Orchideen. Erquickend strömt der herbe Duft der Bäume auf uns ein. Die Schneestreifen am Wege werden länger und breiter, und auf einmal stehen wir mitten auf einem glitzernden, weissen Teppich. Sachte legen nun unsere kurzen Ski ihre Spur in den Märchenwald. Einsame Fährten kreuzen unseren Anstieg und künden uns, dass Schneehase und Reh hier vorbeigezogen. Um uns ist die weihevolle Stille unberührten Bergwalds.

Aus dem Reich der grossen, dunklen Tannen geraten wir auf freien Plan, wo noch halb im Schnee versteckt die Hütten der Gulmenalp träumen. Nahe bei uns ertönt das besorgte Gurren eines Schneehuhns.

Hier beginnt der Bergrücken, der uns in massiger Steigung zum höchsten Punkte führen soll. Er trägt ein weiss und grün gesprenkeltes Gewand; wir sind jetzt unmittelbar im Bereich der Legföhren, die hier in einer Vielzahl und Vielfalt vereinigt sind, wie wir sie sonst nirgends im Säntisgebiet beobachten. Diesen zwerghaften Kindern der Natur ist besondere Schönheit eigen; viele sind schon mit zierlichen Zäpfchen geschmückt.

Mit einem Male bleibt die Kampfregion unter uns zurück, der Gratrücken wird kahl und fällt in schroffen Wänden ab. Noch thronen flaumige Gwächten, die Kinder des Windes, hart über dem Abgrund. Am Vorgipfel lassen wir die Ski zurück und steigen über aperen Grat in wenigen Minuten zum Gipfel ( 2004 m ). Es ist Mittag.

Ein Rundblick: in der Fortsetzung unseres Gipfels die prallen Mauern des Gatterifirstes mit scharfen Gräten darüber, dahinter in gegensätzlicher Formung der weisse Dreikant des Mutschen. Im Norden der Wildhauser Schafberg und der Altmann, seine gewaltigen Felsflanken noch weiss überzuckert. Hinter den Churfirsten lugt der Weissmeilen hervor. Besonders schön erscheint das funkelnde Geschmeide der Vorarlberger Gipfel und ihr Kleinod, die Zimba.

Ein Meer von Licht umwogt uns; dem Kult der Tiefe längst entglitten, lauschen wir der unendlich zarten Musik der Sphären.

Zur Abfahrt! In engen Spiralen, mitunter in kurzem Schuss — und wie uns dünkt, viel zu rasch — durchmessen unsere Bretter das Legföhren-paradies, um nach flüssiger Fahrt bei der Gulmenalp zu stoppen. Dort hocken wir auf aperen Felsblöcken an die Sonne. Sie, die Lebensspenderin, lässt Baum und Berg in tiefen Farben leuchten und zaubert warmes Licht über weisse Gefilde.

Weiter! Kreuz und quer durchflitzen wir das obere, steile Stück des Bergwaldes, steigen kurz an und fahren dann in langem Schuss gegen die Teselalp ab, das Teseltal auswärts. Bald stehen wir ob der schmalen und steilen, von hohen Felswänden flankierten Flürenschlucht.

MIT SOMMERSKI AUF DEN GULMEN.

Ein Gelände, wie es der Gulmen durchwegs darstellt, erfordert ausschliesslich Sommerski. Wo dem langen Ski Grenzen gesteckt sind, feiert der kurze Triumphe. So gleiten wir schnurstracks und entzückt in den Schlund. Ein enger Bogen reiht sich an den anderen; im unteren Teil, wo die Schlucht flacher wird, können wir einige Schussfahrten einstreuen.

Schlucht und Schnee enden am offenen Wiesengelë nde über Wildhaus. Da schultern wir unsere kleinen Bretter. Rings spriessen Schneeglöckchen und Krokusblüten. Wir schauen und fühlen das Neuerwachen der Natur.

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