Mundartliches aus Safien

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Von Manfred Szadrowsky.

A Gattig hat a Gattig, aber das hat käi Gattig!

Am dru isch d'Poppa z'wäk cho, um drei Uhr ist das kleine Kind erwacht und aus dem Bett genommen worden; es ist nicht immer angenehm, wenn ds Poppi früe z'wäk chunt, wenn es auch es guets Toschi ist, ein gutes Kindlein, braver als ds bööscha Buobi, das böse Büblein, oder überhaupt unguoti Pltitta mit Kapriizi, Trotz. Es ist stöffs, launenhaft, reizbar; die Poppi sind staf fi. Spuderä, schgäiferä, geifern, das tun sie alle, später auch schriia, läärma, umma-käiza. Manche sind chööggi, heikel, wählerisch im Essen. Grätsch ist der Kleinste in der Familie; er ist ergrätschet, er macht sich körperlich nicht recht, auch ein Tierlein. En Grätsch, en Grotz, ein schlechtes Bäumlein im Wald, heisst auch en Strontä, es Strontli, und en strontä Buob ist ein kleiner.

Beim Knabenspiel Wäschamli schniidä können drei, vier, fünf Spieler beteiligt sein. Auf der Wiese wird ein quadratisches Stück Boden bestimmt und auf die Spieler gleichmässig verteilt; die Teile sind durch kleine Gräben getrennt. Jeder Knabe muss das Messer in sein Beetchen werfen. Dann schneidet man ein quadratisches Stück Rasen, Wäschamli, heraus, je nach der Grosse des eingedrungenen Klingenstückes. Trifft einer nicht in sein Beetchen oder sticht das Messer nicht in die Erde, so darf er nichts wegschneiden. So geht das Spiel weiter, bis einer sein Beetchen ganz ausgeschnitten hat: der ist der Gewinner. Die andern spielen weiter. Wer zuletzt sein Beetchen noch nicht ausgeschnitten hat, muss als Wäschamli-Trääger herhalten. Er muss auf allen Vieren die auf seinen Rücken gelegten Rasen-stücklein zehn bis fünfzehn Meter weit ( wie zuerst bestimmt wird ) wegtragen. Fällt ihm eines vom Rücken, bevor er das Ziel erreicht hat, so dürfen ihm die andern Spieler die übrig gebliebenen Stücke nachwerfen, bis er am Ziel angelangt ist. Dann ist das Spiel zu Ende.

Beim Knabenspiel Huschumä oder Schwii-triibä muss jeder der Spieler mit einem etwa meterlangen Stock versehen sein. Aus irgend etwas, z.B. Holz, Stein, wird ein rundes Klötzchen als Schwii hergestellt. Auf eine Ebene macht man im Kreise Löcher, und zwar jedes drei Meter vom Haupt-loch entfernt: dieses heisst d'Suppa oder dr Huschum. Sind es fünf Spieler, dann macht man vier Löcher und eine Suppe. Beginnt das Spiel, müssen alle Spieler mit dem Stock in der Suppe sein. Nun rufen alle zusammen dreimal Huschum ins Loch, indem sie im Kreise um die Suppe herum gehen. Wenn sie das dreimal gesagt haben, muss jeder Spieler mit seinem Stock ein Loch besetzen. Der langsamste, der kein Loch bekommt, muss nun Schwii-Hirt sein. Er muss das Klötzchen in die Hand nehmen und vom ZU, das drei Meter ausserhalb des Löcherkreises liegt, auf die Suppe triibä, d.h. werfen. Trifft er das Schwein in die Suppe, so beginnt man das Spiel von neuem. Andernfalls darf er mit dem Stock dreimal auf das Klötzchen schlagen, um es in die Suppe zu schlagen. Wenn er es dann noch nicht drin hat, so dürfen die andern Spieler auch auf das Schwein schlagen, um es von der Suppe zu entfernen. Während die andern sich damit bemühen, versucht der Schweinehirt, in ein Loch zu kommen, das gerade nicht besetzt ist. Gelingt es ihm, einem andern zuvorzukommen, so muss nun dieser als Hirt eintreten, und das Spiel beginnt aufs neue. Indem der Hirt das Schwein auf die Suppe wirft, dürfen die andern es wegschlagen, aber nur wenn es in der Luft ist; sobald es auf der Erde ist, gilt es nicht mehr. Muss ein Spieler dreimal nacheinander als Schweinehirt beginnen, so nennt man ihn Schwiin-Ätti.

Ein Spiel, ähnlich dem Hornussen, hirnuusa, heisst giisla; man braucht dabei den Giis-Hoogga und ruft dabei gris! reess!

Will man de Bära-Tanz machä, dann steckt man ein Messer oder ein Hölzlein in den Boden, geht dann um und um, sächsmaal, und zwar in gebückter Stellung, den einen Arm nach unten, den andern unter der andern Achsel hindurch ans Ohr: Mα chund stürm dabii! es wird einem schwindlig.

In einem Abzählspruch heisst es: Weles wemmer vo däne danna tua? welches wollen wir von denen wegtun?

Auf einem Brett kann man mit Bohnen zaafla, d.h. das Nünimool spilla. Für das Jassen fehlt es nicht an Vorbildern: Schi tuend streng jassa, d'Schuel-Mäistera, zum Beispiel in dru, zu dreien. Assig ist eine Reihe von Karten um das Ass herum, g'männlet eine Karte von zehn aufwärts, u(n)g'männlet eine von zehn abwärts. War hat möga? wer hat die höchste Karte ausgespielt?

Im Winter luegt ma gara ima Buech, im Winter schaut man gern in ein Buch. Da ist ja eine alte Bibel: d' Ecki sind mit lisa b'schlagä, dazu eiserne Verschlußspangen, Schlänka. Der eine und andere besitzt es ganz es hunds-oolts Büechli, ein uraltes Büchlein. Dr Zitig liest man auch, darin unter anderm Zitigs-Romaana, Zeitungsromane.

In dem Pult da ist nicht die beste Ordnung: Doo stoosst ma halt ie vorzue iiha. Der Grossvater, dr Eeni, konnte noch mit Gänsekielen umgehen: Zum scha Mola und uusdrücka brauchte man das Federmesser. Dr Eeni-Sun, der Enkel, oder d' Eeni-Tochter, die Enkelin, muss diese Bleistifte in der Schule aufbrauchen: / mues ietz dischi verwäärcha. Eine Aufgabe war zu schwer: Säb ist z'schwäärs g'si! Von den zwei Briefen da hat keiner Bedeutung: Vo däna Brief a häd käitwädera Bedüütig.

Nu grad tööna! bittet eine alte Frau eine andere, die d'Zitteri spilla kann, die Zither spielen. Die Alte klagt über den Verlust des Gedächtnisses: / ha käi mee Gidanka. Es blibt mer näwa gar nüt mee, grad fallt 's fort. I han en Vergäss g'macht, beim Aufzählen von Namen. Ihr Mann hingegen ist guet bi Gidankä g'si; är häd 37 d'Joor-Zaal g'ha, er war im Jahr 1837 geboren. Das war Eina! Manches Neue gefällt der alten Frau nicht: Zu ünscherer ZU war 's nid eso! Aber die Heutigen wollen es sicher auch recht machen: Wellä-wend schi 's rächt machä, « wollen-wollen sie 's recht machen ». Wachsä tuon i nüt mee, mee unna abschlaa. Sie hat e ganz e ziars Woonigli, e ziarsHüsli. Säb ischt ma froo! Säb ischt! Früher stellte man zwei Vornamen zusammen: Früer händsch zwäi Name zäma taa, z.B. Maria-Baabi, Maria-Baabisch Huus. Jetz tüendsch immer nöüw, jetzt verwenden sie immer neue Namen. Die alte Frau denkt aber noch nicht ans Sterben, noch frü e Will nit! noch lange nicht.

Dr Harr Götti, Här Götti sagten die Safier früher dem Pfarrer, d'Bäsi Gotta der Frau Pfarrer. Der Schwiegervater heisst Schweer, die Schwiegermutter Schwiger, die Schwiegertochter Schnura, die Schwägerin G'schwiia, der Vater Bäppa, der Stiefvater Stöuf-, Stäif-, Stiif-Vatter.

Wenn die Erbfolge ausgerechnet wird, wie es sich uuszwäigt, so nennt man einen solchen Zweig en Stella.

Ds Huus-Zäicha, das Hauszeichen, bleibt dem Haus, gleichviel, wem es gehört und wer darin wohnt. Ds Alp-Zäicha, das Alpzeichen, wird dem Galtvieh aufgebrannt, damit man weiss, zu welcher Alp es gehört ( Kühe verlaufen sich nicht so leicht ).

Auf die Kalenderzeichen nimmt man bei verschiedenen Verrichtungen Rücksicht, und zwar auf die wagrechten, nicht die senkrechten. I was für mene Zäicha ma brenna tuet, darauf kommt es an, wenn man einen Hang von Alpenrosen säubern will. Auch beim Mist-ii(n)wärffa macht es etwas aus: im abgäända Zit gäid er lieber in de Boden ina. Ferner gibt es bim uuf-gäända Zit mee Iisch-Blaatera oder Lotza, bim abgäända Zit tuet 's nid überwarf fa, dann bildet sich das Eis mehr über dem Wasser; bim abgäända Zit läuft das Wasser dem Boden nach, bim uufgäända Zit treibt es das Wasser hinauf. Es mag en Graba vil g'händer il ( n ) dicka bim abgäända Zit. Die Schafe scheren mues ma ima gueta Zäicha. Im Schkorpion darf ma nit häua, nit Bloochta strauffa, nit Härdöpfel stecka. Dr Maana isch schwarza, leerer Mond, Neumond.

D'G'Seilschaft bilden d'Gsella, die jungen Männer, die Ledigen, die zum Beispiel z'Hängert gehn. Dära Jungfer isch es z'strengs vorcho, als nämlich ein G'sell elf Wochen lang täglich kam. Spuusa und Spüüslig sind Braut und Bräutigam. Sie liebt ihn und gägagliich er au schu.

Ein alter Junggeselle, en aalt-ledigä, wird immer sich durch eine Sonderart auszeichnen, e bitz uusstächa. Der eine oder andere ist en Strigel, ein Geizhals, en Tschierki, ein Schlamper, e verdammta Schküdi, ein elender Kerl, en Gääja, ein Jähzorniger, en Sprütziga, ein Kurzangebundener, en G'stiifta, ein Heikler, Empfindlicher, en Stoffa, ein Launischer, en Kalfakter, ein Spassvogel. Tuend ich nid z'starch iifnjdinga mit em! lasst euch nicht zu sehr mit ihm ein, auch nicht in Streit. Ar häd wacker Wiiber-Volch, er hat viele Weiber zur Auswahl zum Heiraten. Ar häd immer dära Schküüssa, er hat immer solche Ausreden, Vorwände. Ar tuet sa g'schliichä, als wäär er e rucha Mα, er tut dergleichen ( deschgliicha, de g'schliichä, sa g'schliichä ). Der dort ist es tappochts, ridelochts Mannli, ein tappiges, schlottriges Männlein, der dort en Tüssel, ein kräftiger junger Bursche, der dort en Müelicha, ein Gemütlicher: am liebsten will er müelich ufern 0fe sitza, behaglich auf dem Ofen sitzen, und doch mag er no g'hand eina uuslüpfa, und doch kann er noch leicht einen übertreffen.

Etwa im November ist der Marooni-Ball: da braten die Mädchen Kastanien. Am Häiligoobet häntsch früeher es Rus g'chocht, asiä häntsch au Nittla dazuo kchä. In der Silvesternacht gänd d'Mäitla de Buoba z'häilsa, z.B. en Die Alpen — 1940 — Les Alpes.12 Bira-Ziäbel bringt jede mit. Am Neujahrstag sagen die Kinder beim Häilsa: I wünsch e glückhajtigs nüüw Joor! Am Nachmittag schmaust man dann wieder gemeinschaftlich die Überreste von der Neujahrsnacht fertig, d'Bruschga: daraus erwächst der Bruschga-, Gruschscha-, Grusta-Ball. Die Verwandten kommen auch sonst noch zu Häilseta zusammen, um das Birnen-brot auf zuschmausen: Chömed er go häilsa? Letztesmal waren wir halbämee Lüüt, d.h. doppelt so viele. Schöner war es noch, solange die Mutter lebte, bis d'MueUer g'läbt hat.

Emool ist en Soofieri ( eine Safierin ) uf Glas bi da Büälä uus und oop und häd ins Dumläschg über g'see, und duo hätsch g'mäint: 0, wiä isch doch dia Wält so grooss! Am Telephon fragt eine alte Frau: War will da schwätza?

Ässed er schi g'flüggleti oder ung'flüggleti? esst ihr sie ( die Kirschen, es waren aber Maikäfer ) geflügelt oder ungeflügelt?

Ein Safier pflegte zu sagen, wenn die Sonne zum Vorschein komme, mües ma schi zäicha, dann müsse man sich zeigen, sich vor das Haus setzen.

Über die Schamser sagt man in Safien: Der beseht Schamser häd emaal ima läära Stall e Gäis g'stola. Die Safier selber müssen sich als Safier-Schotta-büüch necken lassen.

Dää Rock maina tati legga tätist nid a! diesen Rock würdest du, glaub ich, nicht anlegen. Es ziimets Chläid ist ein gestreiftes, e ziimeti Schürza, es ziimets Hemp, das isch ziimets, das ist gestreift. Es luegt besser, es sieht besser aus. Beim Heuen tragen Frauen etwa en Gugga-Huet, Guggu-Huet, dessen Ränder das Gesicht an den Seiten einschliessen. Die Haarnadeln heissen Hoor-Spälla. Die Mode mit den Bubiköpfen ist e wüesti Kameedi! En Schlipf er, Pulswärmer, zum ii(n)schlipfä, lassen sich auch Männer gefallen, wenn 's choolds ist; er gibt wärmer als's Tätzli, die Hemdmanschette. Schlöuff-Stifel sind eine Art Gamaschen aus Wollstoff, wie en Eerbel, wie ein Ärmel; Nöstel-Stifel schliesst man vorn hinauf mit Lederriemen, Chnopf-Stifel mit Knöpfen an der Seite hinauf, Häffli-Stifel mit kleinen Haken. Uf d'Pääch-Schua häd ma früeher e Rüüchi uufbüetzt, eine besonders zubereitete Sohle.

Ein Michel Zisli, genannt der Brunna-Michel, soll immer gesagt haben: Muoscht rächt in Egi hä! Du musst recht Widerstand leisten und standhalten.

Das tun die Safier heute noch.

Corrigendum.

Die Reproduktion des Bildes 36 « Cresta 1662 m, Hinten Piz Beverin » im Märzheft ist seitenverkehrt ausgefallen. Es handelt sich um das Dörflein Cresta ob Ausser-Ferrera und nicht etwa um Cresta im Avers.

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