Neue Bergfahrten in den Schweizer Alpen, 1947

Remarque : Cet article est disponible dans une langue uniquement. Auparavant, les bulletins annuels n'étaient pas traduits.

( SchlussZusammengestellt von Max Oechslin

36. Salbitschyntttrme.

Es werden eine ganze Reihe von Begehungen von Rippen und Kanten, West-, Südwest-, Süd- und Südostwänden, im besondern der Türme III und IV und der Flammen gemeldet, selbstverständlich als Erstbegehungen. Alle Fahrten sind Klettertouren, die an die Bergsteiger grösste Anforderungen stellen.

Wir treten aber auf sie in der Rubrik « Neutouren » nicht mehr ein, denn die uns zugestellten Aufnahmen mit eingezeichneten Routen und die Routenbeschreibungen zeigen mit aller Deutlichkeit, dass es sich nur noch um Klettervarianten in der ein und selben Flanke des Turmes oder um ein « Abtasten neuer Rippen » am ein und selben Felszahn handelt. Für den einzelnen Kletterer mögen diese Dinge « pikante Fahrten » sein, die ganzes Können und ganzen Einsatz fordern. Er führe aber solche Kletterfahrten für sich durch und nicht für die « Meldung an die breite Öffentlichkeit ». Denn wir Bergsteiger wollen gerade das vermeiden: Wände und Türme und Flammen zum Klettergerüst und deren Bezwingung zur Sensation zu stempeln!

a ) Salbitsüdwand, Turm III, 25. Mai 1947. René Gebus, Karl Stucki und Heinrich Dändliker.

« Von der Salbithütte über die Südgratscharte bis P. 2710. Dann längs der Kurzroute bis zum tiefsten Punkt und direkt westlich absteigen bis zum auffallenden Felszahn am westlichsten Punkt der Südwestwand. Rechts vom Zahn einen steilen Kamin ( im Frühsommer mit Eis und Schnee aufgefüllt ) 30 m tief zum Plattengürtel oberhalb des Nollens abseilen. Jetzt horizontal zur Mitte der Südwand des Turmes III queren. Von hier zuerst über einen eingeklemmten Felsblock zur Rinne, welche sich fast senkrecht bis zur Scharte zwischen Turm III und IV hinaufzieht. Weiter erfolgt die Kletterei meistens etwas rechts der Rinne, nur wenig wird man die Rinne selber benützen können. Die Kletterei ist äusserst schwer und sehr exponiert; 10—15 Mauerhaken und 60 m Seil sind unerlässlich. » Nach brieflicher Mitteilung Hch. Dändliker, Basel.

b ) Abstieg vom Turm IV, 14. September 1947, René Gebus und Heinrich Dändliker.

Vom Turm IV über die übliche Route hinunter bis auf den überdachten Felsblock, dann über das südliche Couloir über eingeklemmte Felsblöcke bis zum Überhang. Von hier 30 m überhängend abseilen und wieder über die Sekundärrippe zur Kurzroute zurück.

c ) Aufstieg zum Turm V, 14. September 1947, René Gebus und Heinrich Dändliker.

Um an die Südwand zum Turm V zu gelangen, überschreitet man die Sekundärrippe, welche sich in der Kurzroute parallel zum Westgrat bis zur Gipfelscharte hinaufzieht. Dann längs der Rinne bis ins Couloir, welches sich bis zum Turm V ( östliche Seite ) hinaufzieht. Längs des Couloirs in anstrengender Kletterei ( meistens Stemmarbeit ) bis auf den First des Westgrates, dann vom First einige Meter der üblichen Route nach auf den Turm V.

Nach brieflicher Mitteilung Heinrich Dändliker, Basel.

Die Alpen - 1948 - Les Alpes11 Siehe auch « Die Alpen », Varia 1947, Seite 163 ( Südwandbegehung Turm IV durch Seilschaft Karl Graf, Willy Wehrli, Fritz Blattner und Hans Trab, Aarau ) und Seite 199.

37. Schaflägerstöcke ( Gaulistöcke ) ( P. 2873 NL ). Erste Begehung der nördlichen Mittelrippe der Nordostflanke, 13. Juli 1947, durch Hans Sollberger und Walter Reiss, Ernst Reiss und Margrit Fuhrer.

Der Grat erhebt sich hinter dem Spreitlauital in den sogenannten Tiereggen. Der nördlichste führt zum P. 2855 der Schaflägerstöcke ( NL ), der mittlere, erstmals begangene, zum P. 2873, der südliche endet am unkotierten Gipfel des Grates P. 2873–Mattenlimmi P. 2701. Der mittlere Grat weist brüchiges Gestein auf und bietet äusserst exponierte Kletterei. Guttannen bis Gipfel P. 2873: 8 Stunden. Nach brieflicher Mitteilung Ernst Reiss, Unterbach.

38. Schallijoch ( 3750 m ). Neuer Weg von Zinal über L' Ar Pitetta und Weisshorngletscher, 28. Juli 1947, André Theytaz, Zinal, und Ed. Wyss-Dunant. « De Zinal gagner le chalet des Leisses dans le Val d' Arpitetta, puis les dernières moraines herbeuses au bas de l' arête Young pour bivouaquer ( P. 2741, de la C. N. ). Remonter, puis longer le glacier du Weisshorn sur son prolongement S au bas de la paroi W du Schallihorn. Au bout de cette baie glacière à 400 m. du point 3235 prendre une vire de pierrailles, Einstieg' facile. La longer de droite à gauche jusqu' au delà de son deuxième tiers, où s' ouvre une cheminée qui permet d' arriver à une autre vire de même structure et de même inclinaison située au-dessus. La suivre vers la gauche jusqu' au miroir de glace inférieur que l'on suit à sa base, puis, remontant la façade des rochers au-dessus, gagner sur sa droite un relief rocheux. Celui-ci permet d' accéder à la nervure de glace W du Schallihorn. Cette arête forme le tiers supérieur de la grimpée. Remonter cette arête sur son tranchant ou, selon les conditions, la longer du côté rocheux.

La crête faîtière du Schallihorn est atteinte peu au-dessus du premier épaulement rocheux qui domine le Schallihorn.

Du bivouac au pied de la paroi: 1 y2 h. Jusqu'à l' arête faîtière: 3 h. Jusqu'au sommet du Schallihorn: 2 h. » Nach Dr. E. Wyss-Dunant, 42. Jahresbericht des A.A.C.B., 1946/1947.

39. Schcienzalin. Erste Begehung der Nord-Ostroute, am 6. September 1947, durch R. Schmid, F. Sigrist und R. Waser, alle A.A.C.Z.

Ca. 90 m hohe Felsnadel am Fuss der Scheienfluh-Westwand, Rätikon.

« Einstieg am Fusse des senkrechten Aufschwunges der Nordkante. Ein Pendelquergang bringt einem ca. 5 m in die Ostwand hinaus. Schräg links auf-wärtskletternd erreicht man ein schmales Bändchen. Von dort ermöglicht ein feiner Riss die Überwindung des wulstartigen Überhanges. Man gelangt in eine Verschneidung, die steil gegen die Nordkante hinaufführt und die in glatten Platten endet. Vom oberen Ende dieser Verschneidung quert man nach links zu einem kleinen Stand. Von dort einige Meter links aufwärts, dann über eine glatte Platte unter einem kleinen Überhang empor und von hier an in der Fallirne hinauf bis in die Normalroute, die ca. 9 Meter unter dem Gipfel ( beim Einstieg in die Gipfelplatte ) erreicht wird.

Kletterhöhe 60 m. Zeit: Einstieg-Gipfel 5 y2 Stunden. Ungefähr 20 Mauerhaken. Exponierte, durchwegs schwere, teilweise sehr schwere Kletterei in gutem Fels. Der Einstieg in die Verschneidung kann nur mit moderner Felstechnik bewältigt werden. » Nach brieflicher Mitteilung Dr. F. Sigrist, Zürich.

40. Sulzfluh ( Rätikon ) ( 2742 m ), Westgipfel. Erster direkter Durchstieg der Südwestwand, am 4. Juli 1947, durch Karl Neumann und Willi Stanek. Die Sulzfluh Süd- und Südwestwand wurde auf verschiedenen Routen schon früher bezwungen: 1892 durch Stokar und Michel, 1921 durch Gretschmann und Leopoldseder, 1923 durch Schatzmann und Jenny, wobei aber « die Direkte » durch die Südwestwand immer wieder umgangen werden musste. Der direkte Durchstieg wurde nun von Neumann und Stanek durchgeführt. Die Eintragung im Lindauer Hüttenbuch lautet wie folgt:

« 4. Juli 1947. Sulzfluh Westgipfel. Südwestwand, 1. Begehung durch Karl Neumann und Willi Stanek.

Allgemeine Übersicht: Wenn man von der Garschinafurka die Südwestwand betrachtet, so bemerkt man links vom Gipfel einen lotrechten gelben Pfeiler, der ungefähr in Wandmitte einen kleinen Absatz aufweist. Über eine Schutt-und Plattenrinne gewinnt man die rechte Seite des Pfeilers, wo gut gestufter Fels zum Eingang des erwähnten Absatzes hochleiten. Im weiteren Verlauf wird die linksseitige Wand des Pfeilers zum Durchstieg benützt und der Grat wenige Meter westlich des Gipfels erreicht.

Wegbeschreibung: Durch die eingangs erwähnte Schlucht und Plattenrinne hoch bis zum Fusspunkt des Pfeilers. Eine gute Seillänge nach rechts schwach ansteigend auf einen Absatz ( Steinmann ). Von diesem über gut gestuften Fels einige Seillängen nach links hoch in Richtung auf eine kleine markante Scharte in dem vorhin erwähnten Pfeilerabsatz. An die Wand des Pfeilers und durch eine senkrechte, mit Blöcken versperrte Verschneidung hoch zu Stand ( Haken ), Querung nach links ( Haken ) und überaus schwierig mit Seilzug zu einem nach unten abbrechenden Riss, der äusserst schwierig ( Haken ) zu kanzel-artigem Stand hochleitet.

Wenige Meter nach links und über eine abdrängende Wandstelle ( Haken ) einige Meter empor; dann Querung nach links um eine Rippe in besser gangbaren Fels und 3 Meter hoch zu Stand in einer seichten Wandeinbuchtung ( Haken ). Vom Stand schwach links in eine überhängende Verschneidung ( aus der Verschneidung wurden bis auf drei alle Haken entfernt ). In dieser Verschneidung äusserst schwierig mit Haken zwei schwache Seillängen hoch zu kleinem Rasenplatz unter mächtigem, dachartigem Überhang. 2 Meter Querung nach rechts an die Kante und neben dieser durch seichten Riss hoch zu kleinem Stand. In einer Schleife von links nach rechts über stark abdrängenden Fels hoch in eine mächtige grottenartige Höhle. In der Höhle hoch bis unter ihren dachartigen Abschluss ( Haken ), Querung nach rechts an die überhängende Kante ( Haken ), um diese herum auf besser gangbaren Fels und hoch zu Band ( Steinmann ). Das Band nach rechts verfolgend um eine Kante zu einem markanten rissartigen Kamin. Durch diesen hoch ( Haken ) und über den überhängenden Rissabschluss auf Schuttabsatz, in dessen Hintergrund ein überhängender gelber Riss eingeschnitten ist ( Steinmann ). Da der Riss im unteren Teil ungangbar ist, steigt man links wenige Meter hoch zu einem Absatz ( Steinmann ) und über einen herausgekeilten Riss schräg rechts hoch zu gutem Stand mit grösserem Sicherungsblock. Nach rechts in den nun gangbaren Riss und in ihm anstrengend eine Seillänge hoch zum Grat, der wenige Meter westlich des Gipfels erreicht wird ( Steinmann ).

Wandhöhe 450 m, äusserst schwierig; normale Kletterzeit 8 bis 10 Stunden. » Nach brieflicher Mitteilung Walter Flaig, Bludenz.

41. Sulzfluh ( Rätikon ) ( 2742 und 2820 m ). Erster Durchstieg der Gipfelwand der Süd flanke, am 17. August 1947, durch Ruedi Waser und Dr. F. Sigrist, A.A.C.Z.

Der Einstieg erfolgte etwas östlich der Route 60 f des Rätikon-Klubführers. Über leichte Felsen und Schuttbänder schräg rechts ansteigend unter die ca. 100 m hohe Südwand des Hauptgipfels. Ca. 30 m östlich der Gipfelfallinie durchzieht ein 50 m hoher Kamin die Wand, den man über mittelschwere Felsen erreicht. Im unteren, senkrechten Teil in mühsamer Stemmarbeit empor, dann über die rechte Kante des Kamins bis zum Südostgrat der Sulzfluh, den man ca. eine Seillänge vom Gipfel entfernt betritt. Über den Grat zum Gipfel. Einstieg bis Gipfel 2 % Stunden, hievon 1 % Stunden für die Gipfelwand.

Nach brieflicher Mitteilung F. Sigrist, Zürich.

Siehe Skizze « Clubführer des S.A.C. Bündner Alpen », V I I. Band, Rätikon, Seite 264, 1. Auflage.

42. Tschingelhörner. Erste Ost-West-Traversierung. Siehe Nr. 69 der Neu-fahrtenmeldung 1945, « Die Alpen » 1946, und Nr. 68, « Die Alpen » 1947. Ing. top. Eugen Hauser, Wabern-Bern, teilt uns mit, dass Teilstücke dieser Überschreitung seit 1913 bekannt waren und die ganze Überschreitung am 17. September 1919 durch ihn mit H. Neumeyer ebenfalls durchgeführt wurde, als zweite Begehung. Die Traversierung Brühwiler-Schiesser ist somit die dritte bekanntgewordene Traversierung Ost-West der Tschingelhörner und wäre selbstverständlich nicht als « Neue Fahrt » gemeldet worden, wären die früheren Begehungen bekannt gewesen.

43. Kleine Windgälle. Wilder Mann. « Erstbesteigung des Wilden Manns », eines 25 m hohen Felszahns in der Ostsüdostseite der Kleinen Windgälle, am 28. Juni 1947, durch Ruedi Waser und Fritz Sigrist.

« Einige Felshaken, 60 m Seil, heisst es im uns zugekommenen Bericht, den wir hier ,gwunderhalber'erwähnen, aber nicht als Neutour. Denn an solchen Türmen möge man Kletterübungen machen, sie aber bitte nicht als Bergtour bezeichnen, als Gipfelerstbesteigung!

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