Neue Bergfahrten in den Schweizer Alpen

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Mit Nachfragen.

Zusammengestellt von Ernst Jenny und W. von Bergen.

C. Berner Alpen.

1. Nördliche Kette.

Kleines Wellhorn, 2688 m. Über den Nordostgrat. H. Abplanalp und H. Inäbnit, 19. Juli 1931. A. A. G. B. Jahresbericht 1931, S. 24.

Vom Rosenlaui zum grossen Schneefeld am Fusse des Kleinen Wellhorns ( sogenannter Neigerpletschen ). Links davon über Rasen und Schutthalden an die Felsen. 1 Stunde von Rosenlaui. Hier Kletterschuhe und Seil anlegen. Zuerst ca. 20 m gerade aufwärts über schlecht geschichtete Platten auf ein breites, abfallendes Rasenband, dann rechts haltend auf ein ausgedehntes Rasenplätzchen direkt über den Neigerpletschen. Weiter nach rechts in die schwarzen, gutgestuften Felsen. In diesen scharf nach links abbiegend leicht empor, zuerst ziemlich leicht parallel zum Wandabbruch, weiter oben Plattenschüsse nach rechts umgehend, dann wieder nach links fast horizontal auf den Nordostgrat. Nun ca. 1 Stunde über die Gratkante. Etwas untenher ihrer Mitte wird sie ungangbar. Man quert 30—40 m horizontal nach rechts in die Flanke, dann, gerade aufwärts kletternd, nähert man sich wieder der Gratkante, die man beim Einmünden der gewöhnlichen Route in einer kleinen Lücke überschreitet. Weiter auf der alten Route in 20 Minuten zum Gipfel. Mittelschwere Kletterei. 4—5 Stunden von Rosenlaui. NB. Diese Route ist in der obern Hälfte jedenfalls identisch mit derjenigen der Partie C. E. Freeman und H. C. Bowen mit Heinrich und Simon Zurflüh vom 7. August 1893. J.S.A.C.. XXIX, S. 268, und H. Dübis Hochgebirgsführer durch die Berner Alpen, Band III, S. 122/123.

Gross Wellhorn, 3192 m. Über die Nordostflanke. Edward de Trafford und Alfred Streich. 1. August 1930.

Von Rosenlaui über den Rosenlauigletscher hinan zum Bergschrund am Fusse des Gross Wellhorns. Durch den Schrund hinab, dann über eine etwa 15 m hohe Felswand hinauf. Überwindung eines schwierigen Felsüberhanges, dann auf leichterem Fels zum Gipfel. Von Rosenlaui zur Spitze in 6 Stunden. Mitteilung von E. de Trafford.

Scheidegg-Wetterhorn, 3414 m. Durch die Nordwestwand. N. S. Finzi mit F. J. Biner und J. Knubel. 10. September 1929. A.J. 1929, S. 404 bis 406 ( Skizze ) und A.J. 1930, S. 9—11 ( Skizze ). Variante: Miss M. Fitz Gibbon mit Jos. Georges le skieur, 14. August 1934. A.J. 1934, S. 202/203.

Von der Grossen Scheidegg über den Schlafhubelrücken an den Fuss der Wand. Von hier führt ein Kamin zu einer Reihe von Felsbänken, voneinander getrennt durch Felsstufen, in die Kamine eingeschnitten sind. Der Weg führt zuerst nach links, Nordosten, und dann längere Zeit nach rechts, Südwesten. Man folgt einer Terrasse zurück nach links, von wo ein schwieriges Kamin zu einer horizontalen Plattform führt ( ca. 3140 m ), gerade unter dem gewaltigen Turm nahe der Mitte der Flanke. Eine andere Terrasse oder Bank führt nun nach links leicht abwärts, bis sie den Teil der Wand erreicht, der mehr nach Norden schaut. Von hier führt ein Kamin, das zwei breite, rötliche Aushöhlungen besitzt, zu einer kleinen Plattform. Dann ist ein langes schwieriges Kamin zu erklettern. Es folgt nun zunächst schräg rechts aufwärts eine Querung nach Südwesten zu einer breiten Plattform. Ein Mauerhaken wurde am Beginn der ca. 40 m langen Traversierstelle befestigt, und ein Karabinerhaken als hilfreich befunden. Von der Plattform weg wurde die Wand zu des Gipfels Nordwestgrat, dem man zur Spitze folgte, erklettert. 10 Stunden von der Grossen Scheidegg, Rasten inbegriffen.

Die 1. Partie erstieg noch das Wetterhorn.

Kletterschuhe sind notwendig. Die Felsen müssen absolut trocken und schneefrei sein, und beständiges " Wetter bleibt Voraussetzung.

Wetterhorn, 3703 m. Der Schwarzwaldfirn direkt von Norden erreicht. G. Michel, O. Brügger und E. Thöni. 13. Juni 1928. A.J. 1929, S. 210/211. Mit Wegzeichnung.

Hotel Schwarzwaldalp bis Einstieg 8/4 Stunden. Von da über die verwickelten, gebrochenen aber unschwierigen Felsen der Wand bis halbwegs Gletscher. Nun in Kletterschuhen über sehr feste glatte Platten an den Rand eines vom Schwarzwaldfirn herabstürzenden Eisfalles ( Mitte ). Diese Partie ist in der Beschaffenheit ähnlich dem Aufstieg vom Ochsental ( Engelhörner ) zum Gemsensattel, aber schwerer. Noch sind über die Felsen am Rande des Eisfalles zwei hohe, senkrechte Stufen zu überwinden, beide sehr schwierig und ermüdend. Dann leichter Abstieg auf den Schwarzwaldfirn, der ein Chaos von Schründen aufweist. Auf der Anstiegsroute der Herren Graber und Leuthold von 1920 zum Wetterhorn wandte sich die Partie der Dossenhütte zu, weil das Wetterhorn ohne Beiwacht nicht zu erreichen war.

Gross Fieseherhorn, 4059 m. Über die Nordwand direkt zum Gipfel. Willi Weizenbach und Heinz Tillmann. 5. September 1930. « Die Alpen » 1933, S. 95—101. Mit Wegzeichnung.

Hinter Fieseherhorn, 4020 m. Über die Westflanke. Führer Christian Rubi mit Fräulein Ida Schaub. 5. Juli 1933.

Vom Ewigschneefeld auf der Fieschersattelroute an den Westfuss des Hinter Fiescherhorns. Skidepot. Von hier über den Bergschrund auf die Felsen und über die Hauptrippe der Westflanke in mässig steilem Anstieg direkt zum Gipfel. Ungefähr zwei Stunden vom Skidepot. Besonders im Vorsommer von Jungfraujoch aus mit Ski lohnendster Weg aufs Hinter Fieseherhorn. Mitgeteilt von Chr. Rubi.

Eiger, 3974 m. Über die Nordwand. Hans Lauper, Alfred Zürcher mit den Führern Alexander Graven und Joseph Knubel. 20. August 1933. « Die Alpen » 1933, S. 161—167. Mit Wegbild. « Alpine Journal » XLV, 53—61.

Jungfrau, 4166 m. Unmittelbare Durchsteigung der Ostwand. Führer Adolf Rubi mit einem englischen Bergsteiger. August 1933.

Vom Jungfraufirn wurde der untere Wandteil in kurzer Zeit bezwungen, während die oberste Wandstufe vor dem Gipfel sehr schwer war. NB. Die Jungfrauostwand wurde erstmals durchstiegen von D. von Bethmann-Hollweg mit Oskar und Othmar Supersaxo am 27. August 1913. Im untern Teil sind beide Routen wohl identisch. Im obern Teil benutzte die Partie von 1913 sodann ein von links nach rechts schräg ansteigendes Band und erreichte, von dessen Ende direkt ansteigend, den Sattel im Ostgrat zwischen P. 4060 und dem Gipfel.

Gletscherhorn, 3982 m. Über die Nordwestwand. Willi Weizenbach, Erich Schulze und Alfred Drexel. 9. und 10. September 1932. « Die Alpen » 1933, S. 46—50. Mit Wegbild.

Mittaghorn, 3897 m. Über die Nordwand. Kurt Dahlem und Ernst Feuz.

4. Juli 1934. « Die Alpen » 1934, S. 412—414. Mit Wegbild. Grosshorn, 3765 m. Über die Nordwand. Erich Schulze, Willi Weizenbach, Alfred Drexel und Hermann Rudy. 25. und 26. Juli 1932. « Die Alpen » 1933, S. 101—106. Mit Wegzeichnung.

Eine noch direktere Route über die Nordwand begingen Walter von Allmen und Ernst Feuz, 7./8. Juli 1934. « Die Alpen » 1934, S. 415—418. Mit Wegzeichnung. Lauterbrunner Breithorn, 3779 m. Über die Nordwand in der direkten Gipfel- fallinie. Willi Weizenbach und Erich Schulze. 13. September 1932. « Die Alpen » 1933, S. 50—55. Mit Wegbild. Kanzel ( Lauterbrunner Wetterhorn ), ca. 3000 m. Über den Nordgrat. M. Baer und H. Flückiger. 17. Juni 1934. A.A.C.B. Jahresbericht 1934, S. 24.

Man folgt vom Oberhornsee dem Weg zum Petersgrat bis Kote 2400, von wo man durch eine Schneekehle den Nordgrat der Kanzel betritt, den man bis zum Fusse des Abbruches verfolgt. Von hier traversiert man nach rechts und gewinnt durch eine Lücke den üblichen Aufstieg.

Es ist nicht empfehlenswert, den Grat in der ganzen Länge zu verfolgen, da das unterste sehr schwierige Stück leicht vermieden werden kann, indem man auf der Wetterlückenseite ca. 200 m höher zum Grate aufsteigt. Gspaltenhorn, 3442 m.

I. Über die Nordwand. Willi Weizenbach und Erich Schulze. 7. September 1932. « Die Alpen » 1933, S. 41—46. Mit Wegbild.

II. Berichtigung. Durch die Depeschenagentur wurde in den Tageszeitungen bekanntgegeben, dass das letzte Problem am Gspaltenhorn, nämlich der berüchtigte Ostgrat, durch Bergführer Hans Kohler und Otto Brügger, beide aus Meiringen, gelöst worden sei. Diese Meldung beruht jedoch auf einem Irrtum.

Der Grat liegt zwischen dem Sattel des Tschingelspitz und dem Gspaltenhorn und besteht aus zwei gleich langen Gratteilen vom Sattel aufwärts und vom Gipfel abwärts, die durch zwei kühne Zacken jäh unterbrochen sind. Von diesen zwei Zacken abgesehen, bietet die Begehung keine Schwierigkeit. Die Route Kohler-Brügger zieht sich von der Aufstiegslinie zum Tschingelspitz nach links durch die Südwand des Ostgrates aufwärts zwischen die zwei mächtigen Türme.Von diesem Punkte weiter westwärts durch die Südwand in ein steiles Couloir, welches über den oberen der Zacken des Ostgrates ausmündet. Sie erkletterten nun dieses Couloir unter grosser Steinschlaggefahr, verfolgten somit den gleichen Weg bis zum Gipfel, den G. Hasler mit Johann ( Lenihans ) und Fritz von Allmen am 28. September 1902 gebahnt hatten. Der Ostgrat wurde also nur im obersten Teile begangen. Mitteilung von Ernst Feuz, Murren.

Wilde Frau, 3259 m. Über den Nordgrat. Xaver Kalt und Begleiter. 5. September 1933. « Die Alpen » 1935, S. 337—339.

Morgcnhorn, 3629 m. Direkter Aufstieg durch die Südwand zum Gipfel. W. Gerber und A. Müller, 8. September 1933. Jahresbericht des A.A.C.B., S. 24.

« Vom Kanderfirn am westlichen Rand der Firnzunge, die sich in der Fallirne vom Gipfel an den Fuss der eigentlichen Südwand zieht, hinauf. Da wo sich diese verbreitert, nach links aufwärts queren ( nach Nordwesten, um dem Steinschlag aus der Wand auszuweichen ) bis an den Fuss der ausgeprägten Südwandrippe ( 1 1/2 Stunden ). Diese wird direkt erklettert ( 30 Minuten ) und bis zum Gipfel verfolgt ( 2 1/2 Stunden ). Ein senkrechter Aufschwung in ihrem obersten Teil wird links ( westlich ) durch eine Rinne umgangen. Im mittleren Teile Steinschlag! » NB. Die vorbeschriebene Route verläuft auf 200—300 m Entfernung ( westwärts ) ziemlich parallel der Abstiegsroute, die A. Aegerter mit Führer Johann Ogi-MüUer am 1. September 1895 eingeschlagen hat. S.A.G.. J. XXXVIII, S. 375. Sie ist, weil leichter und sicherer, der letztern vorzuziehen. Weisse Frau, 3660 m. Neuer Abstieg durch die Südwand. A. Müller und H. Schneider. 9./10. August 1933. Jahresbericht A.A.C.B. 1933, S. 24. « Vom Gipfel über die Gwächte in die Felsen der Südwand und in der Fallirne auf einer ausgeprägten Rippe hinunter. Einige ungangbare Stellen zwingen zu Abweichungen. Einmal musste ca. 25 m abgeseilt und darauf auf einem Band ca. 20 m nach rechts ( Westen ) traversiert werden. Von hier immer gerade hinunter. Felsen gut, Wand aber sehr steil. Über die letzten 50 m oberhalb des sich längs der ganzen Südwand hinziehenden Hängegletschers musste zweimal abgeseilt werden ( Steinschlag ). Man quert diesen Gletscher nach links ( Osten ) und steigt an seinem östlichen Rand, wiederum in den Felsen, auf ein mit Schnee und Schutt bedecktes, ausgeprägtes Band ab, dem man horizontal nach Osten bis auf die breite Gletscherzunge folgt, über die man den Kanderfirn erreicht. Die Route ist nicht zu empfehlen! » NB. Man halte sich an den Weg der Erstersteiger der Südwand: Benecke, Roade und Cohen mit Abr. Müller und J. Ogi-Müller, am 13. August 1892. S.A.C.J.ahrbuch XXVIII, S. 314. Öschinenhorn, 3490 m. Über den Südwestgrat. Walter Stösser und Fritz Kast. 20. und 21. August 1932.

Zugang zum Öschinenjoch über den Öschinengletscher. Wegen Verschlechterung des Wetters wurde nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, am Joch biwakiert, sondern schon in den Felsen des Fründenhorns. Der Grat zieht in einer ganzen Anzahl von Steilaufschwüngen hinauf zum Gipfel. Der erste Aufschwung wird wenig rechts der Kante erklettert. Weiter direkt über den Grat bis zum höchsten, unmöglich scheinenden Abbruch. Dieser wird durch den Riss links überwunden. Ein äusserst schwerer Quergang über fast grifflosen, senkrechten Fels bringt in eine Nische unter dem überhängend abbrechenden Riss. Durch den engen Riss überaus schwer empor zu einem Stand auf einem grossen Block unter abschliessendem Überhang. Nach rechts über gestuften Fels, wieder nach links zur Kante und wiederum leichter weiter über den Grat. Auch die folgenden Aufschwünge werden alle direkt erklettert, jedoch ohne die Schwierigkeiten des grossen Aufschwungs. Am Gipfel an um 5 Uhr nachmittags. Mitteilung von Walter Stösser. Fründenhorn, 3367 m. Nordostgrat im Aufstieg. J. Berger und Adams Carter mit den Führern Oskar und Kilian Ogi. 12. Juli 1931. « Die Alpen » 1933, S. 295—297. Gross Doldenhorn, 3650 m.

I. Über den direkten Südgrat. Walter Stösser und Fritz Kast. 16. bis 18. August 1932. « Die Alpen » 1933, S. 290/291.

IL Über die Nordwand. Samuel Plietz und Max Bachmann. 8. Juli 1934. « Die Alpen » 1934, S. 409—411.

Doldenstock, 3205 m ( Nordwestpfeiler des Kleinen Doldenhorns ). Westgrat im Auf- und Abstieg. W. Baumgartner, W. Scheuner und \V. Diehl, am 23. Juni 1935.

Vom Bibergpass wird der stark verwitterte Grat verfolgt unter Überkletterung oder Umgehung der einzelnen Türme. Der von weitem so abschreckend aussehende letzte Steilaufschwung des Grates lässt sich in Kletterschuhen ohne besondere Schwierigkeiten begehen. Im Abstieg wurde über eine senkrechte Stufe etwa in der Mitte des Grates abgeseilt. 2—3 Stunden vom Bibergpass. Mitteilung von W. Diehl.

NB. Die Partie Stesser-Seybold beging am 24. Juli den ganzen Grat vom Bibergpass über Doldenstock und Klein Doldenhorn zum Gross Doldenhorn. Diese Tur ist aber nicht, wie gemeldet wurde, neu; denn die einzelnen Teilstrecken sind schon früher begangen worden.

Rinderhorn, 3457 m. Aufstieg über den westlichen der beiden Hängegletscher an der Nordostflanke des Rinderhorns. W. Lang, A. Müller und W. Diehl. 30. Juni 1935. Mitteilung von W. Diehl.

Vom Hotel Schwarenbach auf dem üblichen Balmhornwege, bis dieser von der Moräne auf den Schwarzgletscher übergeht. Von hier südwärts über steile Schnee- oder Geröllhänge zum Abbruch des Hängegletschers empor. Unter diesem ostwärts hinüberqueren zu einer deutlich ausgeprägten Felsrippe ( Eisschlaggefahr !). Von derselben aus direkt über die hier etwa 30 m hohe Eiswand hinauf. Ihre untere, überhängende Hälfte wurde durch einen vollständig geschlossenen Eiskamin erklettert; dann über die stark zerklüftete Aussenwand des Eisabbruchs ( gefährlich !). Nach Überwindung des Abbruchs über den teilweise steilen Gletscher bis zum Bergschrund am Fusse des steilen Schlusshanges. Am östlichen Rande über den Schrund und in mehrstündiger Hackerei, immer dem Ostrande des Eishanges folgend, zum Fusse der Gipfelfelsen. Zuletzt quert man über sehr brüchige Felsbänder etwa 40 m zum obersten Teil des Ostgrates hinüber und erreicht über diesen in 5 Minuten den Gipfel. Zeit der 1. Partie Schwarenbach-Gipfel 10 Stunden ( könnte bei bessern Schneeverhältnissen erheblich gekürzt werden ).

2. Grimselgebiet.

Stampf dorn, 2553 m. Über den Westgrat. E. Liechti und R. Urfer, anfangs Juli 1933. A.A.C.B. Jahresbericht 1930, S. 58.

Von der Handegg in den Sattel zwischen Stampfhorn und Ritzlihorn ( 2 1/2 Stunden ), der die geologische Grenze zwischen dem Granit des Ärlengrätli und dem kristallinischen Schiefer des Stampfhorns bildet. Vom Sattel in anregender Kletterei dem Grat entlang ( auf der Nordseite sehr exponiert ). Ein Turm etwa in der Mitte des Grates wird sehr ausgesetzt, aber an guten Griffen über die Nordflanke erstiegen. Sattel—Gipfel 2 Stunden.

Ärlengrätli—P. 3158 im Ritzlihorn-Südgrat. H. Brauchli und E. Liechti.

24. August 1930. A.A.C.B. Jahresbericht 1930, S. 58.

Das Ärlengrätli zieht als etwa 2 km lange und mehr als 700 m ansteigende Mauer vom Stampfhorn zum Vorgipfel P. 3158 des Ritzlihorns. Es ist deutlich in drei Teile gegliedert. Der 1. Abschnitt reicht vom tiefsten Punkt zwischen Ritzlihorn P. 3158 und dem Stampfhorn bis etwa in die Mitte des Grates, wo seine bis dahin glatte Südflanke sich leicht zu gliedern beginnt. Der 2. Abschnitt schwingt sich bedeutend steiler zu einem mächtigen Bollwerk auf. Der 3. Abschnitt reicht von diesem Bollwerk bis zum Ritzlihorn-Hauptgrat. Der Südabsturz, im Beginn des Grates nur etwa 70 m hoch, misst hier gut 300 m und ist annähernd senkrecht. Die Nordflanke erhebt sich stets etwa 200 m über den Wissbachgletscher. Von diesem zieht sich ein tiefeingeschnittenes Firncouloir gegen P. 3158 hinauf, das unter starker Steinschlaggefahr vielleicht begangen werden könnte.

Von Handegg durch das Ärlen- und Rindertal in die tiefste Gratsenke östlich von P. 2479. ( Die Steilstufe unterhalb P. 2106 wird westlich des Baches über einen Schuttkegel und einige Felsbänder erstiegen. ) Den P. 2479, einen breiten plattigen Felskopf, erreicht man ohne Schwierigkeiten durch eine Kehle und über den Grat. Von da in abwechslungsreicher Kletterei dem Grat entlang oder einige Meter tiefer durch die Nordflanke zur Grenze zwischen 1. und 2. Gratabschnitt. Hier ein nach Norden überhängender Turm, deshalb 100 m Quergang auf horizontalem Band durch die Südflanke in eine breite Kehle. Über Platten ansteigend in einen überdachten Spalt, der zum Grat zurückführt. Nun wieder auf dem Grat oder in der Nordflanke zum grossen Bollwerk. Der direkte Anstieg vielleicht möglich, sonst aber horizontaler Quergang in der Nordflanke und durch steinschlagbestrichene Risse und über schuttbedeckte Absätze wieder auf den Grat. Ein letzter zweigipfliger Turm wird über den Grat und die plattige Nordflanke erstiegen; dann zum Hauptgrat. Infolge der vorgerückten Zeit stieg die Partie unter Verzicht auf den Hauptgipfel des Ritzlihorns direkt ins Gauli ab. Die sehr interessante und abwechslungsreiche Kletterei am Ärlengrätli selbst erforderte 12 Stunden.

Klein Diamantstock, 2800 m—Älplistock, 2895 m. Gratübergang. E. Liechti und H. Vögeli, anfangs September 1930. A.A.C.B.ern, Jahresbericht 1930, S. 60.

Von der Handegg über Grubengletscher und Westgrat auf den Klein Diamantstock ( 3 Stunden ). Über platte Gendarmen dem Grat entlang bis zu einer Stelle, wo ein steiles Gletscherchen bis nahe an die Kante hinaufzieht und der Südabfall steiler wird. Die Nordflanke ist zum Teil überhängend. Von hier rittlings die scharfe Kante hinab gegen eine Scharte. Eine Steilstufe zwingt zum Abseilen auf ein Band in der Südwand. Es führt wieder zum Grat zurück. Diesem entlang zur Scharte. Ohne grosse Schwierigkeiten hinauf zum Älplistock. Die Gratzähne können umgangen werden. Abstieg über den Nordostgrat bis P. 2483, dann über das « Schafälpli » zum « Säumerstein » und in die Handegg ( 3 1/2 Stunden ).

Gross Diamantstock, 3151 m. Aufstieg über den Südgrat und Übergang zum Hühnertälihorn, 3181 m. R. Wyss und H. Abplanalp. 20. Juli 1932. A.A.C.B. Jahresbericht 1932, S. 17.

Von der Gaulihütte auf dem Wege der Erstersteiger, C. und P. Montandon mit Frau ( S.A.C.J.ahrbuch XXIX, S. 128—130 ), auf den Südgrat etwas nördlich der obern Bächlilücke. Während diese 1. Partie die Grathindernisse teils in der Ost-, teils in der Westflanke umging, folgte die Partie Wyss-Abplanalp der Gratkante über Türmchen und Scharten. Hütte—Diamantstock ca. 6 Stunden. Der Verbindungsgrat Diamantstock—Hühnertälihorn erfordert 7—8 Stunden und bietet schöne, mittelschwere Kletterei über zahlreiche Grattürme, die teilweise umgangen werden können.

NB. Neu am Übergang ist das Stück vom Grossen Diamantstock bis zum Beginn des Hühnertälihorn-Südgrates, der bereits am 24. September 1888 erstiegen wurde. S.A.C.J.ahrbuch XXIV, S. 417—419.

Lauteraar-Bothorn, 3485 m ( Südgipfel ). Über den Ostgrat. O. Hug und A. Simmen. 11. Oktober 1931. A.A.C.B. Jahresbericht 1931, S. 25.

Ab DoUfusshütte 5.50 Uhr. Anstieg durch das Hartschneecouloir südöstlich des Abschwungs bis an die Felsen des untersten Teiles des Ostgrats. Es wurde nach Süden umgangen. Wo das Gletscherchen südöstlich des Lauteraar-Rot-horns fast den Ostgrat berührt ( mittleres Drittel des Grates ), wurde der Grat betreten. ( Im Sattel 910 Uhr. ) Der erste Gratkopf steigt sofort steil an. Man hält sich hier vorwiegend auf der Nordflanke, doch in nächster Nähe des Grates, zum Teil direkt auf demselben. Von der Höhe des Kopfes verläuft der Grat ziemlich flach und ist leicht zu begehen. Folgt ein 2. Grataufschwung mit grossblockigen, mittelschweren Felsen, darauf wieder ein längeres, flach-liegendes leichtes Gratstück. Die 3. fast vertikale Steilstufe kann nicht direkt überklettert werden. Man quert ca. 15 m nach links in die Südflanke und klettert durch eine sehr steile, plattige, etwas griffarme Rinne, parallel zum Grat, vertikal empor und gelangt so wieder auf den Grat. Der nun folgende senkrechte, grifflose Gratturm wird auf der Nordseite umgangen. Ein etwa 30 cm breiter, schräg aufwärts führender Spalt, direkt am Fusse der leicht überhängenden Wand sich hinziehend, dient als Aufstiegsweg. Mühsame Kletterei. Der Spalt mündet direkt auf den Grat westlich des umgangenen Turmes. Nun noch etwa 20 m über leichten Fels, und der Verbindungspunkt von Ost- und Südgrat ist erreicht. Nachdem noch ein Grattürmchen erklettert ist, gelangt man auf den Hauptgipfel mit Signal. Ca. 7 1/2 Stunden von der Hütte. Abstieg durchs Westcouloir.

Vorder Galmihorn, 3524 m. Über den Südwestgrat. K. Bürge, W. Diehl und Collet. 20. Juli 1932. A.A.C.B. Jahresbericht 1932, S. 17.

Von der Oberaarhütte in 1 Stunde zur Bieligerlücke. Nun zuerst ohne Schwierigkeiten bis zu einem Gratkopf in der Mitte des Grates. Eine glatte, steile Platte in der darauf folgenden Lücke wurde leicht durch Seilwurf überwunden. Der anschliessende, sehr scharfe und steile Reitgrat wird entweder mühsam direkt erklettert oder besser in der glatten Südflanke umgangen. Von den zwei grossen, schon von unten sichtbaren Gendarmen vor dem letzten Grataufschwung wird der erste leicht südlich, der zweite durch Abstieg in der Westflanke und Wiederanstieg durch das Couloir umgangen. Zuletzt über einige steilaufgestellte Granitplatten direkt auf den felsigen Westgipfel des Vorder Galmihorns ( Signal ). Lücke-Signal 5 Stunden bei schlechten Schneeverhältnissen.

3. Südliche Kette. Klein Wannehorn, 3717 m.

I. Ersteigung durch die Westwand. E. J. Roelfsema, 4. August 1927.

Von der Senfspitze auf dem üblichen Wege nach dem Wannehorngletscher und über diesen bis gerade unterhalb des Klein Wannehorngipfels. Nun aufwärts über Schnee, einen kleinen Bergschrund leicht überschreitend in die Wand und über steile Felsen gerade zum Gipfel. Mitgeteilt von E. J. Roelfsema.

NB. Es lassen sich Zweifel erheben über die Neuheit dieser Route, sie scheint identisch zu sein mit derjenigen der Erstersteiger im Abstieg vom 23. August 1866, obschon in deren sehr mangelhaftem Bericht die Felsen der West- wand nicht erwähnt sind. Der Firnbelag wird damals bedeutend höher gereicht haben.

II. Aufstieg durch die Südostwand. W. Baumgartner und W. Diehl. 15. Juli 1935. Mitteilung von W. Diehl, A.A.C.B.

Die eigentliche Südostwand wird östlich vom Distelgrat, westlich von einem kleinen Hängegletscherchen begrenzt. Ihre östliche Hälfte fällt in steilen, teilweise überhängenden Wänden ab. Die Aufstiegsroute führt durch die etwas weniger steile westliche Hälfte der Wand empor.

Vom Biwak « In den Disteln » am Westrande des Fieschergletschers über die östliche Randmoräne des am Fusse der Wand sich ausbreitenden namenlosen Gletscherchens hinauf. Einstieg unmittelbar in den untersten Randfelsen einer engen Schneekehle, die sich von einem auffälligen Felszahn zwischen Hängegletscher und eigentlicher Südostwand ( P. 3292 m n. K. ) herabzieht. Mittels eines schmalen Risses über eine glatte steile Platte hinauf ( Haken !). Ein wesentlich leichterer Einstieg wäre jedenfalls höher oben im Couloir möglich, unmittelbar unter dem Abbruch des Hängegletschers, doch nur unter grösster Eis- und Steinschlaggefahr. Weiter gerade hinauf über wieder leichter zu bezwingende Felsen bis zum Westrand der 1. Terrasse ( etwa auf der Höhe des untern Plateaus des erwähnten Hängegletschers ). Die plattige Steilstufe zwischen 1. und 2. Terrasse ( auf der Höhe des vorgenannten Felszahns P. 3293 n. K. ) wird westlich durch einen steilen Felsrücken begrenzt. Durch diesen zieht sich, von unten sichtbar, eine tiefe Rinne empor. In derselben hinauf; ihre steilste Stufe wird durch eine sehr schwierige Verschneidung an ihrem linken Rande erklettert.

Weiter über die vorerst noch steilen, doch leichter werdenden Felsen der Rinne, bis man über leichteres Gelände schräg rechts aufwärts zur 2. Terrasse queren kann. Diese wird von dem Schneefeld, welches sich unterhalb der Gipfelfelsen vom Distelgrat her quer durch die Wand zieht, durch eine steile, plattige Wandstufe getrennt. Schräg rechts zieht sich ein steiler Felsrücken empor, der östliche und westliche Wandhälfte trennt. Zunächst in der östlichen von zwei ausgewaschenen Wasserrinnen, die in der Gipfelfallinie absinken, empor, bis man auf horizontal verlaufendem Band mühelos nach rechts zum erwähnten Felsrücken queren kann und über leichte Felsen auf denselben. Von hier an in ganz leichtem Gelände in weitem Bogen links ausholend zu dem den Gipfelaufbau von der eigentlichen Wand trennenden Schneefeld empor und über dieses auf den Distelgrat, wo er in den letzten brüchigen Blockgrat übergeht. Auf diesem ohne Schwierigkeiten zum Gipfel.

Sehr interessante Tur. Erhebliche Schwierigkeiten nur bis zur Höhe der 2. Terrasse.

Dreieckhornrücken, P. 3265 n. K., über Klein Dreieckhorn, P. 3648 ( 3641 n. K. ) bis Gross Dreieckhorn, 3822 m ( 3811 m n. K. ). Erste Längsüberschreitung. Miss Miriam E. O'Brien mit Adolf Rubi. 29. August 1930. A.J. 1932, S. 52—57. Kon kordiahütte ab 320 Uhr, auf dem Aletschgletscher abwärts, dann am Südfuss des ersten Dreiecks vorbei gegen das Olmenhorn ansteigend auf den Gletscher am Nordfusse dieses Berges. Leicht über den zum Gletscher absinkenden Ostsporn auf die gut ausgeprägte Graterhebung P. 3265 n. K. im Nordwesten vom Sattel 3215, der tiefsten Senke zwischen Olmenhorn und Dreieckhornrücken. Auf dem Grat dieses Rückens begannen nun die Schwierigkeiten, die bald Zweifel hervorriefen, ob die Überschreitung ohne Freilager durchgeführt werden könnte.

Die Gratschneide zeigte sich ausserordentlich vielgestaltig. Viel loses und bröckliges Gestein, doch auch enorme Blöcke von festem Granit, worin das Charakteristische des Granits — viele Kamine und Scharten, abwechselnd mit schmalen Reitgräten, dann geneigte Platten, deren geringe Rauhigkeit den einzigen Halt bot, wieder aufstehende Platten mit scharfen Schneiden gerade mit Raum für die Fingerspitzen zum Herumhangeln. Keine Stelle war von so ausnehmender Schwierigkeit, dass man Kletterschuhe hätte benutzen und die Rucksäcke aufhissen müssen; aber es war eine andauernd harte Kletterei.

Einzelne Hindernisse könnten auf der Mittelaletschgletscherflanke umgangen werden; aber es ist besser, es nicht zu tun wegen des losen und verrotteten Gesteins. Um Zeit zu gewinnen, wurde gelegentlich abgeseilt. Ankunft auf Klein Dreieckhorn P. 3648 ( 3641 n. K. ) 1316 Uhr.

Das Gratstück zwischen Klein und Gross Dreieckhorn bot keine besondern Schwierigkeiten mehr; das Gestein war nicht immer solid; einige wenige Grattürme unmittelbar nach dem Klein Dreieckhorn verlangten zwar noch tüchtige Kletterei, und es zog sich der Grat bis zum Gross Dreieckhorn noch « ungebühr-licherweise », wie sich Miss O'Brien ausdrückt, in die Länge. Ankunft daselbst 1815 Uhr.

Beim Abstieg auf dem üblichen Weg zum Aletschgletscher ( R. 203 a des neuen Berneralpenführers, Band III ) wurde die Partie von der Nacht überrascht und betrat die Konkordiahütte um 2245 Uhr.

Auf einem der Grattürme in der ersten Hälfte des Grates wurde eine Flasche mit unleserlicher Karte und auf dem Klein Dreieckhorn eine solche mit den Namen der Partie Gallet von 1897 gefunden. Die bisher bekannten Besteiger hatten den Rücken vom Grossen Aletschgletscher zum Mittelaletschgletscher überschritten und nur kurze Stücke des Grates begangen. Fusshörner, VIII. Gipfel, ca. 3310 m. Erste Besteigung. H. Brunner und Paul Ruggii. 18. Juli 1933. Mitteilung von P. Ruggii.

Man verfolgt nach Oskar Hug den Weg 15 ( Neuer Berneralpenführer, Bd. III, S. 170 ) bis zu den beiden Schneeflecken. Dann nach rechts bis an den Grat, der vom 8. Fusshorn herabkommt. Kurz vor der Höhe der Nordlücke nach rechts Erkletterung einer fast senkrechten Stufe. Nun weiter nach rechts quer durch zwei kleine Seitencouloirs bis unmittelbar unter den Doppelgipfel, dessen östlicher Turm nun leicht erklettert wird.

Gross Fusshorn, 3628 m. Nordgrat. M. Pallis und R. C. Nicholson mit Führer A. Michaud. 5. Juli 1930. « Neuer Berneralpenführer », Bd. III, S. 164.

Fusshörner. Überschreitung sämtlicher 13 Gipfel von Nord nach Süd. Andreas Seiler mit Führer Josef Imseng. 29. August 1933. Mitteilung von J. Imseng.

— « Die Alpen » 1935, S. 253—257.

Sparrhorn, 3026 m—Höhstock, 3175 m—Beigrat, 3343 m—Unterbächhorn, 3517 m. Überschreitung des ganzen Grates von Beialp aus. Andreas Seiler mit Josef Imseng. 15. Oktober 1932.

NB. Die Gratwanderung vom Sparrhorn bis Beigrat ist bereits mehrmals ausgeführt worden. Neu ist nur der Ostgrat des Unterbächhorns, 3517 m. Siehe auch « Neuer Berneralpenführer », Bd. III, S. 120—123 und A.J. 1934, S. 220/221. Nesthorn, 3820 m ( 3823 n. K. ).

I. Erster Aufstieg über die Ostwand zum Südostgrat. H. Booth mit Felix Julen. 1. August 1932. A.J. 1934, S. 390—393. E. Ryan mit F. und J. Lochmatter. A.J. 1933, S. 357.

Aus Booths Bericht: Oberaletschhütte ab 1 Uhr. Der Oberaletschgletscher wurde gequert und der namenlose Gletscherarm erstiegen zum Fusse der Nesthorn-Ostwand. Da der Schnee nicht gefroren war, bereiteten die Spalten einige Schwierigkeiten. Am Bergschrund bei beginnender Dämmerung. Er wurde rechts überschritten und über weichen Schnee nach links angestiegen, leicht über zwei weitere Bergschründe weg zum Fuss einer tief eingeschnittenen Kehle, dem Südast einer vom Gipfel herunterkommenden Runse. Die Felsen waren zum grössem Teil leicht und gut; doch gab es einzelne lose Stellen und schwierige Platten zu queren. Im allgemeinen hielt die Partie nach rechts, querte einige Schneeflecken und beabsichtigte, den Südhang der Felsrippe zu erreichen, die direkt zum Gipfel führt. Des weichen Schnees wegen, der auf einer Eisunterlage ruhte, kam sie nicht rasch vorwärts. Als sich an der von der Sonne beschienenen Wand Steinschlaggefahr einstellte, entschied sie sich, zum Südostgrat anzusteigen. Auf einer schwach ausgeprägten Rippe in ca. 3500 m Höhe wurde Rast gemacht. Darnach querte die Partie eine Schneesenke zur Rechten und erkletterte eben die Felsen am Nordhang dieser Senke für 10 Minuten, als ein grosser Block von der Schneide im untern Teil des Südostgrates herunterstürzte, in zahlreiche Trümmerstücke zersprang und diese über die eben verlassene Schneesenke verstreute. Kurz darauf wurde der Südostgrat oberhalb P. 3533 erreicht, seiner Schwierigkeiten wegen aber am obern Ende eines grossen Schneefleckens verlassen. Die Partie querte wieder in die Wand hinaus und erstieg sie auf Route 135 a des neuen Berneralpenführers bis nahe dem Gipfel, der in seinem letzten Stück über den schmalen Grat erreicht wurde ( um 1030 Uhr ).

Der Zugang von der Oberaletschseite zum Südostgrat ist, wenn die Hänge, die zu P. 3533 führen, mit gutem Schnee bedeckt sind, dem Gratübergang vom Unterbächhorn her mit seinen losen und ermüdenden Felsen vorzuziehen, wenn man der oben beschriebenen Route folgt. Die Steinschlaggefahr ist gering, solange die Felsen nicht von der Sonne beschienen sind.

II. Aufstieg über die Nordwand. A. Drexel, E. Schulze und W. Weizenbach, 25. Juli 1933. Mitgeteilt von W. Weizenbach.

Von der Oberaletschhütte überschreitet man den Oberaletschgletscher an seiner Gabelung und verfolgt den Beichfirn in westlicher Richtung bis zum Fusse der Wand. Von hier steigt man über einen mächtigen Lawinenkegel zum Bergschrund empor. Der Abbruch des Hängefirns wird an seiner niedersten Stelle zur Rechten bewältigt. Hierauf wendet man sich unter Überwindung kleinerer Seraks schräg nach links empor gegen den letzten Schrund am Fusse der geschlossenen Eiswand.

Man ersteigt die Eishalde an ihrer linken Seite in der Nähe einer vorspringenden Felsrippe. Hier spitzt das Eis am weitesten in die sperrende Felszone empor und endet schliesslich unter senkrechten, ungangbaren Platten. Dicht unter dem Plattengürtel wendet man sich in einer längeren, heiklen Querung über steilen, zum Teil schneebedeckten Granitfels nach rechts, bis geneigtes Gelände den Aufstieg zur firnigen Gipfelwand ermöglicht. Die Überwindung der Felszone war nur dadurch möglich, dass die auf dem rauhen Granit aufgefrorene dünne Firnschicht so viel Haftfestigkeit auf der Unterlage besass, dass wir sie mit Steigeisen begehen konnten. Bei aperem Fels kann diese Zone ausserordentliche Schwierigkeiten bieten. Vom Ende der Felszone führt der Aufstieg in gerader Linie durch die firnige Gipfelwand empor zum höchsten Punkt.

Der Abstieg erfolgte über den Westgrat. Zeit für den Aufstieg von der Hütte zum Gipfel, Rasten eingeschlossen, 12 1/4 Stunden.

Lonzahorn, P. 3544 m. Ersteigung durch die Südwand. Josef Zurseng und Rudolf Schärer. 6. September 1934. A.A.C.B. Jahresbericht 1934, S. 25. Der Einstieg in die ca. 400 m hohe Wand erfolgt von dem Gletscherchen aus zwischen P. 2991 und der Wand, genau in der Fallirne von P. 3544. Dort zieht sich ein Riss die Wand hinauf; man verfolgt ihn bis an sein Ende, um nach rechts in eine Rinne zu gelangen. Ungefähr in der Mitte der Wand ist ein grosser roter Abbruch, der schon von der Oberaletschhütte aus sichtbar ist. Man verfolgt die Rinne, bis man links oben den Abbruch sieht. Hier über plattige Stufen nach links aufwärts und durch ein System von Platten und Rissen immer nach links aufwärts unter dem roten Abbruch durch in die weniger geneigte obere Wandhälfte ( Steinmann ). Von hier direkt hinauf in eine schmale Gratscharte und über den luftigen Grat zu P. 3544.

Kletterzeit 4 Stunden. Kletterschuhe notwendig. Schwierigste Stelle beim Einstieg. Der Fels ist durchwegs fest, in der untern Wandhälfte steil und plattig, weiter oben griffig.

Bielscliborn, 3953 m.

I. Über die Nordwestwand. Walter Stösser und Fritz Kast. 7. August 1932.

II. Über den Südostgrat. Die nämlichen. 11.13. August 1932. « Die Alpen » 1933, S. 201—212. Mit Wegbild.

Tieregghorn, 3086 m ( 3067 n. K.)—Alpelhorn, 2985 m n. K. Ostgrat Tieregghorn Gratübergang zum Alpelhorn. W. Gerber, W. Pfister und M. Bachmann. 7. August 1932. A.A.C.B. Jahresbericht 1932, S. 18.

Von den Biwakhöhlen der Martischüpfe bei P. 1933 m im Baltschiedertal auf Route 69 des neuen Berneralpenführers Bd. III, S. 63, bis Tiereggen P. 2417 im Tieregghorn-Ostgrat ( Skizze S. 64 ). Von hier direkt westlich über Geröll, bis sich der Ostgrat in breitem Rücken steil aufschwingt. Durch ein schwach ausgeprägtes Couloir oder ca. 50 m südwärts über steile, grasdurchsetzte Platten erreicht man den schärfer werdenden eigentlichen Grat ( 45 Minuten von Tiereggen, ca. 3 Stunden von der Martischüpfe ). Zw'ei kleine und ein etwa 30 m hoher Gratturm werden ohne besondere Schwierigkeiten überklettert. Es folgt ein fast horizontales Stück bis zu einer ausgeprägten Scharte von ca. 15 m Tiefe ( 30 Minuten ). Der senkrechte Aufschwung jenseits der Scharte wird ( im untern Teile einige Meter rechts der Karte ) in schwieriger Kletterei überwunden; dann wird über einige Verschneidungen nach links zurückgequert, bis man den Grat etwa 40 m oberhalb der Scharte wieder erreicht. ( Leichter scheint die Umgehung des Aufschwungs durch ein Couloir auf der Nordseite. ) 50 Minuten. Hierauf über den Grat, einige leichtere Grattürme überschreitend, zum Gipfel ( 120 Stunden ). Fels gut. Übergang zum Alpelhorn: Beim Abstieg über den sehr steilen, stark verwitterten Südgrat des Tieregghorns hält man sich möglichst an die Gratschneide, da die Flanke sehr brüchig ist. Einem fast senkrechten Absturz weicht man in einem Kamin auf der Westseite aus, quert dann nach ca. 30 m zurück auf den Grat und folgt ihm bis in die tiefste Scharte. Der Nordgrat des Alpelhorns schwingt sich von hier wandartig empor. Man steigt vom Sattel links ( östlich ) ein, quert dann nach rechts und steigt direkt hinauf zum Gipfel ( ca. 30 Minuten ). Nicht schwierig, aber Fels schlecht.

Dubihorn, 2991 m ( 2983 m n. K. ). Neuer Weg über Ostflanke und Südgrat.

W. Gerber, H. Pfister und M. Bachmann. 6. August 1932. A.A.C.B.

Jahresbericht 1932, S. 18.

Vom Baltschiedertal den Risigraben hinauf bis ca. 2300 m Höhe; dann in den von rechts kommenden Graben, der vom ersteren durch eine Rippe getrennt ist, hinüberqueren. Diesem folgen bis in eine ausgedehnte Geröllmulde und von da auf den Hauptgrat bei P. 2896 n. K. ( siehe Skizze S. 64 im neuen Hochgebirgsführer für die Berner Alpen, Bd. III ). 3 1/2 Stunden von der Tal-sohle.Von hier dem anfangs fast horizontalen Grate folgen ( nach Norden ) und über einige Grattürme zum Gipfel ( 1 Stunde ). Mittelschwer, Fels zum Teil brüchig.

Krutighorn, 3019 m ( 3008 m n. K. ). Über den Südgrat. W. Gerber, H. Pfister, M. Bachmann. 28. Juli 1932. A.A.C.B. Jahresbericht 1932, S. 17/18.

Vom Baltschiedertal durch den Risigraben auf den Wiwannipass 2851 m, n. K. ( 4 Stunden ). Hieher auch von Ausserberg über Wiwannihorn in 6 Stunden. Vom Wiwannipass über den scharfen Grat, zwei Vorgipfel überschreitend zum Hauptgipfel. Ein steiler Aufschwung im ersten Drittel wird in der Westflanke umgangen. Pass—Gipfel 1 Stunde. Die Bemerkung im neuen Berneralpenführer, Bd. III, S. 63, der Berg sei durchwegs schwierig und kompliziert, trifft auf den vorbeschriebenen Weg nicht zu. Leichte bis mittelschwere Kletterei.

Baltschiederjoch, 3214 m, n. K. Direkter Abstieg nach Blatten. R. Chapallaz mit Ph. Allamand. Juli 1924. Mitteilung von R. Chapallaz.

Vom Joch bis nahe P. 3156 südlich von Galen. Nun über den sehr steilen Hang östlich der rechten Seitenmoräne des Birchgletschers, der Weide und durch den Wald hinunter nach Brunnenmatten und Blatten. Keine Zeiten angegeben.

4. Alpen der Simme und Saane.

Mittagfluh, 1879 m ( ob Boltigen, Simmental ). Über die Westwand. A. Fleuti und A. Gassmann. 1. April 1930. A.A.C.B. Jahresbericht 1930, S. 58.

Von Boltigen auf die obere Nüschletenalp. Von hier einige Minuten durch das übliche Nordwestcouloir hinauf. Dann scharf links an den Fuss der senkrechten Wand. Schwierig eine sehr steile Rinne empor bis an ihr oberes Ende. Querung einer stark geneigten, grifflosen und äusserst exponierten Platte nach links. Sehr heikel, schwierigste Stelle. Mit Klimmzug über eine senkrechte Stufe zu einem Tännchen. Über einen fast grifflosen Überhang hinauf auf ein leichtes Geröllband, das an einen steilen Riss führt. Schwierig einige Meter gerade empor, dann heikler Quergang über steile, grasbesetzte Felsen nach rechts zu einer kleinen Tanne. Etwas nach links zurück, dann durch einen Riss und über einen Überhang auf eine kleine Schulter. Weiter halbrechts sehr steil über eine gutgriffige Wand zum Grat und mit abnehmenden Schwierigkeiten zum Gipfel. Zeit ca. 2 Stunden.

Sehr schwierige und äusserst exponierte Kletterei. Bedeutend schwieriger als der Trümmelzahn.

Trois Pucelles, 2090 m ( Gastlosenkette ). Aufstieg zur Scharte zwischen drittem und zweitem Gipfel von der Freiburgerseite her. F. Pipoz, R. und G. Morel und O. Dupasquier. 7. Juli 1934. « Die Alpen » 1934, S. 354—357.

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