Neue Bergfahrten in den Schweizer Alpen

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Neue Bergfahrten in den Schweizer Alpen

Zusammengestellt von Max Oechslin

In den « Alpen » 1935 haben Ernst Jenny und W. von Bergen den letzten zusammenfassenden Bericht über Neubesteigungen in den Schweizer Alpen gegeben. In der Folge beschrieben dann einzelne Autoren besondere Erstbesteigungen oder einzelne Gruppen von Gebirgen und deren erste Bezwingung und neue Routen, von denen wir hier lediglich diejenigen zitieren, die in unsern « Alpen » erschienen sind:

1936:

Amstad Alfred: La première ascension de la crête est du Schneestock. Derselbe: La première ascension de la crête sud du Salbitschyn. Attinger Ernst: Neue Kletterwege im Tessin. Campanile Galarescio ( Nordwestgrat ), Poncione di Valleggia ( Ostgrat ) und Poncione Cavagnolo ( Nordwand ). Gerecht Otto: Vorderspj'tee-Westwand. Lauper Hans: Neue Bergfahrten in den Berner Alpen. Plietz Samuel: Nordwand des Tiefenstockes. Ramel J.: L' Eperon ( Nordflanke ). Zurbrügg Fritz: Dündenhorn ( Nordwand ).

1937:

Amstad Alfred: Krönte ( Südturm ).

Attinger Ernst: Verbindungsgrat Pizzo del Prevat-Pizzo Campolungo, Cima di Cognone, Pizzo di Castello, Punta del Rosso.

Hefti Heinrich: Vorder Spitzalpelistock über die Süd- und Ostwand.

Kurz Marcel: Ascensions nouvelles dans les Alpes Valaisannes. Mont Velan ( Nordflanke ), Grand Combin, Combin de Chessette, Combin de Corbassière, Petit Combin, La Cengle, Mitre de l' Evêque, La Luette, Bec de Rosses ( West-nordwestgrat ), Pierreavoi, Grand Cornier ( Nordostflanke ), Pointe de Bricolla ( Südwestgrat ), Dent d' Hérens ( Nordflanke ) und Tête de Sion.

Derselbe: Neue Bergfahrten in den Walliser Alpen. Wandfluhhorn ( Südwand ), Dent Blanche, Pointe de Zinal ( Westwand ), Obergabelhorn ( Nordostwand ), Zinalrothorn ( Ostwand und Kanzelgrat ), Schallihorn ( Südostrippe ), Inner Barrhorn ( Ostgrat ), Matterhorn ( Nordwand ), Klein Matterhorn ( Nordwestgrat ), Castor ( Südwestgrat ), Lyskamm ( Westflanke ), Signalkuppe ( Nordostflanke von Macugnaga ), Nordend ( Nordwestbollwerk ), Strahlhorn ( Ostflanke ), Egginerhorn ( Ostgrat ), Alphubel ( Nordwand ), Lenzspitze ( Nordnordostwand ), Nadelhorn ( Südwestflanke ), Klein Dürrenhorn ( Westflanke ), Balfrin ( Südwestsporn ), Gross Bigerhorn, Weissmies ( Westflanke ).

Ritter Hans: Pizzo della Pecora ( Südwand ).

Tharin Félix: Neue Abstiege am Höhlenstock.

Tessiner Alpen: Neue Bergfahrten ( Pizzo di San Giacomo, Pizzo di Fojoi ).

1938:

Aschenbrenner Paul: Ebnefluh-Nordviand.

Berger Jakob: Fründenhorn-Südwand, Blümlisalphorn-WestUanke.

Gailland Louis Alexis: Nesthorn ( Ostwand ).

NEUE BERGFAHRTEN IN DEN SCHWEIZER ALPEN Gréloz Robert: Quatre nouvelles ascensions dans la partie suisse du massif du Mont Blanc. Aiguille de l' Amène ( Nordflanke ), Tour Noir ( Ostflanke ), Pointe Kurz ( Ostflanke ), Grande Luis ( Nordflanke ).

Zurbrügg Reinhold: Gross Wellhorn ( Südgrat im Aufstieg ).

Urner Alpen: Neue Bergfahrten: Siedelnstock ( Gross Bielenhorn ), Gletschhorn ( Nordrippe des Ostgrates ), Winterstock-Westgipfel ( Südwand ), desgleichen Gipfelnadel, Hinterer Feldschyn ( Ostkante ), Ruchstock ( Nordgrat ), Grosser Sättelistock ( Nordkante ), Tellistock ( Südwand ), Gadmerflühe ( Südwand ), Schmalstock ( Südflanke ), Schächentaler Windgälle ( Südwestwand im Aufstieg ).

1939:

Attinger Ernst: Neue Kletterfahrten im Tessin. Pizzo di Castello mit Pizzo della Rossa ( Ostgrat ), Pizzo del Prevat ( Ostnordostwand)j Pizzo del Piatto di Rodi.

Derselbe: Scherenspitz.

Dittert René: Mont Maudit ( Südostflanke ).

Dupasquier C: Vanil de la Gobettaz ( Gastlosen, Nordflanke ).

Gréloz Robert: Deux nouvelles ascensions dans le massif de Trélatête. Aiguille des Glaciers ( Ostflanke ) und Aiguille de Trélatête ( Südflanke ).

Hunziker S.: Zwei neue Bergfahrten im Wallis. Vorder Geisshorn-Mittelaletsch-joch und Rimpfischhorn ( Südwand ).

Ramel J.: Le Gendarme de l' Eglise ( Tour Sallière ).

Schafflützel Paul: Freiheit-Hundstein. ( Siehe auch: Neue Kletterfahrten im Alpstein, im selben Jahrgang. ) Wenzel Eugen: Zwei Bündner Bergfahrten. Piz Piatta ( Nordgrat ) und Tinzenhorn ( Westwand ).

1940:

Wenzel Eugen: Cima di Piazzi ( Nordflanke ).

Weiss Jürg: Wege am Salbitschyn und Blauberg.

Wiesinger Klaus: Unbekanntes vom Galenstock.

1941:

Chappot René: Dammazwillinge ( erste Überschreitung ).

Gerecht Otto: Falkenturm-Trawersierung.

Gréloz Robert: Le versant nord-est du Pain de Sucre.

Honegger Rudolf: Piz Roseg ( Nordwestflanke-Durchstieg ).

Kleine Karl: Alpine Erschliessungsgeschichte der Kreuzberge.

Lambert Raymond: Deuxième ascension du Crocodile par l' arête est.

Roch André: Aiguille du Plan und der Grat Peigne-Pèlerin-Deux Aigles.

Weckert Werner: Die Westwand des Grossen Schreckhorns ( erste Besteigung ).

1942:

Gonio Mario: Une voie nouvelle dans la face nord des Aiguilles Dorées.

Gerecht Otto: Höhlenstock-Westgrat.

Kleine Karl: Alpine Erschliessungsgeschichte der Kreuzberge. Nachtrag.

Roelfsema E. J.: Erste führerlose Besteigung des Zermatter Breithorns über den Younggrat.

Der « Varia»-Teil unserer « Alpen » hat sodann durch den Lauf der Jahre unter der Rubrik « Alpine Chronik » mit kurzen Notizen auf die besondern Begebenheiten auf dem Gebiet des Alpinismus hingewiesen, so dass der gwundrige Bergsteiger im « Inhaltsverzeichnis » für unsere « Alpen » ( 1925-1942 ), das unser Kamerad und Kollege Albert Roussy mit einem Verzeichnis der in unserer Zeitschrift erwähnten Berge versehen hat, alles Wissenswerte finden wird, so er sich besonders für einen Berg interessiert, dem er allenfalls eine « Erstbesteigung » oder eine « Routenvariante » aufzwingen möchte!

Ab und zu hört man den Ausspruch, dass im Gebiet unserer Schweizer Alpen die Bezwingung der Gipfel durchgeführt sei und keine wertvollen und besondern Leistungen mehr für den zünftigen Alpinisten offenstehen. Weshalb es « an der Zeit » sei, dass der S.A.C. sich voll und ganz den « Ausseralpinen Expeditionen » widme, ehe diese Gebirgsfeider uns abgegraben und die Siege für Erstbesteigungen durch « fremde Kämpfer » uns weggenommen seien! Als ob es nicht noch Hunderte, ja Tausende von Gipfeln gäbe, die hüben und drüben auf ihre Bezwinger warten!

Und dann: öffnet sich uns Bergsteigern nicht mehr und mehr das Bergsteigen im Winter, in welchem noch grösste Aufgaben zur Lösung für die Jungen offenstehen, derweil wir altern Bergsteiger uns dem Sechstengrad einer Beschaulichkeit hingeben, Erinnerungen an frohe und ernste, sonnige und stürmische Bergfahrten halten und uns freuen, wenn wir von neuen Siegen hören?

Übrigens: ich komme bei aller Überlegung und bei aller Beachtung und Anerkennung der ersten Bezwingung der Berggipfel, besonderer Nadeln und Türme, dachscharfer Grate und vereister Steilwände nicht darüber hinweg, dass jede Bergfahrt, die einer unternimmt, für ihn gleich einer Erstbesteigung wird, so er zum erstenmal den Fuss auf den erwählten Gipfel setzt und dabei dieses sonderbare Siegesgefühl empfindet, das einen still und bescheiden die Gipfelrast halten lässt, als erfasse einen dabei diese Allgewalt der Berge, die uns Menschlein immer wieder zur Ehrfurcht und Bescheidenheit ermahnt vor dieser Grosse und Erhabenheit, vor dieser Schönheit und ausgeglichenen Wildheit der Hochgebirgswelt.

So gebe ich im nachfolgenden die Erstbesteigungen und Neurouten wieder, wie sie mir zur Kenntnis gebracht wurden, als seien es lediglich kameradschaftliche Briefe, die zugestellt wurden, um dem Leser zu sagen: da kannst auch du Aufstieg zur Gipfelhöhe halten, so du dich stark und ausgebildet genug fühlst, um als Bergsteiger grosse Fahrt zu halten.

Und rechnet sich der Bergsteiger nicht zu diesen « Zünftigen », dann möge er es mit mir halten: auch ein blosser Bergwanderer zu sein ist eine Tugend und erschliesst einem diese Hochwelt unseres Alpengebietes. Kein Berg ist da, wenn nicht daneben ein Tal sich zur Tiefe gegraben hat. Und je tiefer das Tal, um so höher der Berg, der mit seinem Fuss beginnt und mit so unzählig vielen schönen Dingen von unten bis oben erfüllt ist, dass man nie fertig wird mit Schauen und Horchen, wenn man Bergfahrt hält und Aufstieg bis zur Gipfelhöhe.

Wir ordnen die Routenberichte der Neutouren alphabetisch, um ein rasches Auffinden eines Berges zu ermöglichen, denn diese Berichte sind doch zu diesem Zwecke in erster Linie niedergeschrieben: um den besonders interessierten Alpinisten zu dienen, denen, die alpine Geschichte betreiben, und denen, die nach unbegangenen oder besondern Wegen suchen! Ich halte mich dabei an die mir zugekommenen Berichte.

1. Alpelhorn ( 2985 m ). Der Südgrat scheint infolge erheblicher Verwitterung und Felsabbrüchen schwieriger geworden zu sein, als im Berner Führer, Bd. III, Route 72 ( S. 66 ), gesagt wird, wie Conrad Bech und August Wen- zinger anlässlich dessen Begehung am 9. September 1941 konstatieren mussten. Sie benötigten statt der angegebenen 1% Stunden deren vier.

Mitteilung Conrad Bech.

2. Alpgnofcrstock-Westgipfel ( ca. 2760 m ). Erste Besteigung über die Nordwand, Abstieg über Westgrat, im Juli 1938 durch Alfred und Otto Amstad mit Guido Masetto.

Schlechtes Gestein macht diese Kletterfahrt zu einer gefährlichen Besteigung. BrieflicheBriefliche Mitteilung Alfred Amstad.

3. Nördliches Baltschiederhorn ( 3509 m ). Über den Südgrat. Juli 1936. Conrad Bech, Max Besson und August Wenzinger.

" Von der Gredetschlücke schwingt sich der Grat zuerst senkrecht auf. Dieses Stück wird in seiner östlichen Plattenflanke überwunden. Die nachfolgenden Türme werden teilweise westlich umgangen. Der nächste Aufschwung ist wieder steil und sehr hoch. Seine Spitze bildet ein markanter überhängender Block, der mit sehr heikler Kletterei rechts umgangen werden muss. Es folgt ein längeres, schwach ansteigendes Gratstück, bei dessen Überkletterung ein einziger Gendarm ernste Schwierigkeiten bietet. Gredetscherlücke bis Gipfel ca. 2 y2 Stunden. Schöne Kletterei!

Nach brieflicher Mitteilung Conrad Bech.

4. Bargein ( 2670 m ), Südwand. 30. Mai 1937. Alfred und Otto Amstad und Hans Flachsmann.

Siehe « Die Alpen » 1939, Seite 84.

5. Blauberg-Ostnadel ( 2940 m ). Südwand. Sommer 1942. Hans Iten und Nikiaus Meyer.

Der Einstieg erfolgt oberhalb des hintern Lipfigsteinfirns durch ein Kamin, ca. 8 m, dann über Rasenbänder und Felsen, die zum Teil exponierte Kletterei verlangen. Die ca. 400 m hohe Wand erfordert ca. 3 y2 Stunden.

Siehe « Die Alpen » 1944.

6. Grand Combin ( 4317 m ). Südwestgrat bis Arête de Bouissine. Erste vollständige Überschreitung von Valsorey aus über den Col de Sonadon zum Südwestgrat und zum Gipfel des Grand Combin und über Combin de Graffeneire-Combin de Zessetta-Tour de Boussine-Arête de Boussine. 1941. Dr. Karl Heitz und R. und M. Tissières.

« Die Arête de Boussine wurde letztes Jahr erstmals vollständig, ebenfalls im Abstieg, von R. Tissières mit einer Militärpatrouille begangen. Man erreicht den SE-Grat von Valsorey über den Col de Sonadon in 3 % Stunden und folgt ihm bis zum Gipfel in ebenfalls 3% Stunden ( siehe Führer durch die Walliser Alpen, Bd. I ). Die grösste Schwierigkeit bietet der Abstieg vom Combin de Zessetta nach der Tour de Boussine, eine steile Kletterei in ganz brüchigem Fels ( 2 Stunden ). Vom Combin de Graffeneire bis Chanrion 7 Stunden, total 14y2 bis 15 Stunden. Da die Verhältnisse ausgezeichnet waren, sind die Zeiten knapp gerechnet. Trotz des überall schlechten Gesteins ist die Tour wegen der scharfen Schneegrate und dem schönen Tiefblick sehr empfehlenswert. Sie bietet keine besonderen Schwierigkeiten. Der Weg im Abstieg ist aber teilweise schwer zu finden. » Nach Neutourenbericht Dr. Karl Heitz, Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1941.

7. Dom ( 4550 m ). Ostwand. Hans Tischhauser, Margrith Deferr und Bergführer Josef Imseng. 13./14. August 1942.

Direkter Durchstieg über den nördlichen Feegletscher, nördlich Punkt 3148, Biwak bei 3600 m, über die nördliche Gratrippe der Ostwand ( h des Wortes Mischabel der Siegfriedkarte 1: 50 000 ) direkt zum Gipfelgrat. Zeit: Biwak bis Gipfel 10 Stunden, wobei auf die letzten 500 Meter 7 Stunden entfielen. Biwakplatz am 13. August um 1900 Uhr erreicht, am 14. August um 04 00 Uhr verlassen. Anfangs steile Felsen. Im Couloir zwischen den Felsrippen ( Route 514 des « Guide des Alpes Valaisannes, Ilio » und der Aufstiegsrippe-Nordrippe ) starker Steinschlag. Ca. 4000 m um 07 00 Uhr, Gipfel 4550 m um 14 00 Uhr.

Nach brieflicher Mitteilung Jos. Imseng.

8. Ebnefluh ( 3964 m ). Erste Winterbesteigung über die Südostflanke. 18. März 1941. Dr. E. Hopf, Hügli, Selve und Christ. Rubi.

« Auf der normalen Skiroute gegen das Gletscherjoch wendet man sich in der Mulde unterhalb des Gletscherbruchs weiter nach Westen bis zum Bergschrund. Über diesen und eine steile, zirka 200 m hohe Schneewand zu einer teilweise felsigen, teilweise firnigen Rippe, die direkt zum Südgipfel führt. Bergschrund—Gipfel vier Stunden. Mittelschwer. Im unteren Teil Schneebrettgefahr. » Nach Neutourenbericht Dr. E. Hopf, Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1941.

9. Eggenhorn ( 3095 m ). Westflanke. Im Abstieg. Juli 1937. Max Adam und Conrad Bech.

Vom Gipfel zurück über die an seinem Nordfuss gelegene Scharte und den kleinen Vorgipfel, dann direkt durch ein Couloir und seine Randrippen steil hinunter, bis es unbegehbar wird. Hier quert man nach links und gelangt direkt in eine breite Schutterrasse, die sich unter den jähen westlichen Plattenhängen des Eggenhorns bis an den Fuss des Praghorns hinzieht. Nahe an ihrem südlichen Ende verlässt man sie über eine kleine, senkrechte Felsstufe und gelangt leicht auf die Geröllfelder und Rasenplätze unterhalb des Ijolligletschers. Vom Gipfel bis hier ca. 1% Stunden. ( Diese Route kann auch als eine der ganz seltenen seitlichen « Rückzugslinien » sehr gute Dienste leisten. ) Im Weiterweg quert man die obgenannten Rasenplätze bis nahe der gegenüberliegenden Talseite, wo der weitere Abstieg über Schneehänge ohne weiteres gegeben ist. ( Wichtig auch für die Überschreitung der sehr reizvollen Ijollilücke. ) Nach brieflicher Mitteilung Conrad Bech.

10. Egginer ( 3377 m ). Variante am Westgrat. 22. Juli 1941. Walter Scheuner mit sieben Kameraden. A.A.C.B.ern.

« Die Partie erreichte den grossen Grataufschwung auf dem üblichen Weg. Am Fusse des grossen ersten Aufschwunges zirka zwei Seillängen in die Südflanke. Über brüchigen Fels und einen äusserst schwierigen Riss links hinauf wieder auf den Grat. Über den Grat auf ein Band in die Nordflanke. Dieses Band wurde bis an sein Ende verfolgt. Durch einen Riss rechts hinauf wieder auf den Grat. Über den Grat zum Gipfel. Zeit zirka 7 Stunden vom Einstieg an ( starke Vereisung ). Bei guten Verhältnissen dürfte die Zeit stark unterboten werden. Nicht empfehlenswert. » Nach Neutourenbericht W. Scheuner, Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1941.

11. Piz d' Ela ( auch Piz d' Aela, 3340 m ). Variante durch die Nordostwand. 28. September 1941. B. Falett und F. Juvelta.

Nach dem Bündner Führer, Bd. VI, Albula, 1934, bestehen über ein halbes Dutzend bereits begangene Wege. Die Variante Falett-Juvelta nimmt den NEUE BERGFAHRTEN IN DEN SCHWEIZER ALPEN Einstieg am Westende des unteren Geröllbandes, über dem die Mittelrippe mit der betreffenden Route aufsteigt, und steigt gerade aufwärts über steile, glatte Wandstufen im ersten Drittel, dann über vereiste Felsen und Geröll bis zum Rande des obern Gletscherplateaus. Hier ist der Übergang je nach den Eisverhältnissen schwer. Dann über den Gletscher zum Hauptgipfel ( dürfte teilweise mit Routen 121 d 1 und 121 e 2 zusammenfallen ). Die von W. Priestley und Watson erstmals begangene Route aus dem Gletscherkessel des Traunter-Ela und am Ostrand des Hängegletschers wird von F. Juvelta als zu allen Jahreszeiten sehr gefährlich bezeichnet ( Eis- und Steinschlag ), während die « Felsroute » im Spätsommer sicherer ist.

Nach brieflichen Mitteilungen F. Juvelta.

12. Vordere Freiheitstürme ( 2095 m ). Nordwand. 18. September 1938. Leo Hentz und Theo Heeb.

Von Meglisalp zum Bötzelsattel, dann rechts abschwenkend über Rasen und Geröll zum Fuss der Steilwand. Der Einstieg liegt in der Fallinie unter dem Hauptgipfel und führt durch einen engen Kamin ca. 10 m hoch zu einem abschüssigen Felsband, von Geröll belegt. Längs diesem Band nach links bis zu einem sperrenden Felskopf, ca. 8 m steil und schwierig aufwärts, dann leichter, Hakensicherung, schwierigstes Wandstück. Dann durch ein Band rechts und gerade aufwärts, bei zurückneigendem, griffigem Fels. Unter dem Grat erfordert ein glattes, ca. 5 m hohes Wandstück, fast senkrecht aufsteigend, noch scharfe Kletterarbeit bis zum Grat, dann über dessen scharfe Kante rittlings zum Gipfel. Rückkehr über den Westgrat zur Abseilstelle der Scharte zwischen Vordere und Hintere Freiheitstürme. Schwierige, steinschlaggefährdete Kletterei. 3 Stunden. Wandhöhe ca. 220 m.

Nach brieflicher Mitteilung Leo Hentz.

13. Hintere Freiheitstürme ( 2111 m ). Nordwand. 22. September 1938. Leo Hentz und Theo Heeb.

Von der Meglisalp Aufstieg gegen Bötzelsattel, etwas unterhalb desselben über das Geröll und zwischen zwei Felsblöcken eine Runse hinauf zum Fuss der Wand und durch dieselbe, leicht rechtshaltend, über griffigen Felsen zu einem Rasenband, schräg links aufwärts. Die zweite Felsstufe erfordert bei einem überhängenden Felskopf Schulterstand und Hakensicherung. Nach der ersten Wandhälfte erreicht man eine Felshöhle. Hier bildet eine glatte, abstehende Platte einen Spalt, ca. 15 m lang, nach oben stark verengt, und führt nach äusserst schwerem und exponiertem Klettern zu einer Nische, wo der Weg durch einen Kamin und über griffigen Felsen erst leicht nach rechts- und im obersten Wandstück leicht linkshaltend zum Grat und direkt auf den Gipfel führt. 5 Stunden schwere bis sehr schwere Kletterei, zum Teil steinschlaggefährdet. Wandhöhe ca. 260 m.Nach brieflicher Mitteilung Leo Hentz.

14. Fründenhorn-Westgrat mit Variante durch die Westflanke. 19. September 1943. Armin Holzer und Theo Zahn.

Von der Fründenhütte über den Fründengletscher in der Fallinie direkt zur Felswand links, oberhalb des östlichen Gletscherarmes. Ziemlich schwierig zu überschreitende Randkluft. Durch steile Felsen, dann Traversieren der Felsflanke auf einem mit Geröll und Schutt belegten Band und über Felsen, teils verfirnt, direkt zum ersten Steilaufschwung des Westgrates.

Diese Variante bildet eine « Mittellinie » zwischen Nordgratroute und Route über den Fründengletscher zum Westgrat. Auf dem Bild Seite 393 « Die Alpen », Varia, 1942, ergibt sich dieselbe, wenn man von der Fründenhütte direkt aufwärts in die breiten Felsen steigt und zum oben erwähnten Steilaufschwung des Westgrates. Ogi Fritz jun. und Ogi Kilian mit Heinr. Stocker und Frau Stocker benützten für die Ersteigung des Fründenhorns im Juli 1937 eine Variante des Nordgrates, indem sie das Eiscouloir in der ersten Wandstufe nach rechts umgingen und durch die Felsen direkt aufstiegen bis zum Gipfelfirn, wo sie den Nordgrat wieder benützten.

Nach brieflicher Mitteilung Armin Holzer und Varia in « Die Alpen » 1943.

15. Fründenjoch ( 2983 m ), direkter Aufstieg von Seiden. August 1943. Jörg Wyss und Stucki.

« Von Seiden gingen wir dem Talweg entlang nach Heimritz, bis zur Stelle wo der Mutthornhüttenweg über die Kander führt. Wir blieben auf der rechten Bachseite und folgten dem vorerst ebenen Talboden bis zum Beginn der markanten Randmoräne. Mühsam gewannen wir den steilen Schutthang der etwa 100 m hohen Moräne und stiegen gleichmässig in allgemeiner Richtung Fründenjoch über die Schafweiden und Felsterrassen auf. Dabei wurden zwei ausgeprägte Bachtobel überschritten und gegen das dritte grosse Tobel, das sich direkt vom Hängegletscher unterhalb des Joches herabzieht, durch steile, felsdurchsetzte Grasplanken stark Höhe gewonnen. Damit gelangten wir, ohne zu klettern, zwangsläufig zu der einzigen Stelle, wo das dritte, markante Tobel überschritten werden kann. ( Dieser Bachübergang ist der Schlüsselpunkt zu der üblichen Direktroute, die allerdings von hier aus nicht einladend aussieht, tatsächlich aber nur mittelschwere Kletterei bietet und schliesslich auf den Ostrand des Hängegletschers führt. ) Wir blieben indessen auf der westlichen Bachseite und stiegen in die nun sofort steiler werdenden, grasdurchzogenen Felsstufen ein. Nach einer viertelstündigen, etwas heiklen Kletterei gelangten wir auf eine grosse Schutterrasse am Fusse zweier riesiger symmetrischer Felstürme die vom Mutthornhüttenweg durchaus markant in der Fallirne des Fründen-joches stehen. Zwischen diesen Türmen kletterten wir über eine ausgewaschene Stufe schwierig höher. Nach zwei Seillängen lehnte sich die Stufe zurück, und über steile Felsschrofen gewannen wir eine weite Felsterrasse unterhalb des Hängegletschers. Mit den Kletterschuhen überwanden wir die steilen Gletscherschliffe unterhalb des Eises und traversierten im Laufschritt unterhalb der haushohen senkrechten Eismauern des Hängegletschers. An der rechten Ecke des Abbruches stiegen wir zwischen den Randfelsen und dem Eis höher und kletterten schwierig im Eis in eine grosse Spalte hinein. In dreistündiger, zum Teil schwerster Eiskletterei, arbeiteten wir uns durch ein wundervolles Eislabyrinth im Abbruch empor und erreichten das Firnplateau genau unterhalb der Fründenlücke. Wir brauchten auf diesem Weg 8 Stunden von Seiden her. Die Route ist sehr schön, doch hat es keinen grossen praktischen Wert, den Einstieg in den Eisabbruch zu riskieren. Sicherer ist der Weg von den Gletscherschliffen weg nach links, wo sich über eine steile, aber begehbare Rippe das Firnfeld des Hängegletschers erreichen lässt. » Jörg Wyss im Jahresbericht des A.A.C.B.ern 1943.

16. Fünffinjjerstock II ( 3002 m ). Südgrat. 23. Oktober 1938. Alfred Amstad, Hans Flachsmann und Guido Masetto.

Direkte Route über den Südgrat, ohne Benützung der Südwand ( siehe Route 703, Urner Führer, II. Band, Seite 254 ). Kurze, aber sehr steile Grat-kletterpartie.Nach brieflicher Mitteilung Alfred Amstad.

NEUE BERGFAHRTEN IN DEN SCHWEIZER ALPEN 17. Gredetscherhörnli ( 3662 m ) über den Südostgrat. Juli 1936. Conrad Bech, Max Besson und August Wenzinger.

Aus der Einsattelung zwischen dem nördlichen Baltschiederhorn und dem Gredetscherhörnli schwingt sich der Grat in einer sehr steilen, 40 m hohen Platte auf. Diese Platte wird in ausgesetzter, aber nicht bösartiger Kletterei überwunden. Es folgt nun kein eigentlicher Grat, sondern ein System von eigenartigen, glatten Felsbuckeln, die teilweise in ihrer rechten Flanke umgangen werden müssen. Der Gipfel des Gredetscherhörnli wird durch einen « Briefkasten » und ein luftiges, steiles Band direkt erreicht. Einsattelung bis Gipfel ca. 2 Stunden. Sehr reizvolle Tour mit schönsten Tiefblicken.

Nach brieflicher Mitteilung Conrad Bech.

18. Gredetschhörnli ( 3662 m ). Südgrat. 16. November 1938. Führer Jos. Imseng und Dr. Andreas Seiler.

Von der Baltschiederklause zur Gredetschlücke.Von da über den Südgrat zum Gipfel. Guter, zum Teil exponierter Klettergrat. 5 Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung ohne nähere Angaben Jos. Imseng.

19. Ilohjägiburg. Nordwestwand, erster direkter Durchstieg. 15. August 1943. Edwin Krähenbühl und Hans Wyttenbach.

« Vom Tenn durch eine Geröllrinne in Richtung der auffälligen Felshöhlen unterhalb der Tennlücke ansteigen bis zu steilen Plattenschüssen. Rechts abbiegen nach einem deutlich sichtbaren Kamin. Schwierig 20 m in ihm empor, dann über seinen rechten Begrenzungsfelsen auf ein abschüssiges Band hinauf, das ca. 15 m in der Fallirne der Wand weiterführt. Schwach rechts haltend auf eine terrassenähnliche Stufe hinauf ( 1% Stunden vom Tenn ). In westlicher Richtung horizontal weiter bis zum Felsbollwerk, das vertikal verläuft. 30 m unterhalb einer ausgeprägten schwarzen Rinne dieses Bollwerks äusserst schwieriger Quergang nach rechts. Vermittels Schulterstand auf ein Band. 8 m schräg abwärts, um einen Felswulst herum in schwach ausgeprägtes, weites Couloir. Einige Meter senkrecht hinauf. Neuerdings rechts haltend über einen Überhang hinauf zum obern Rand des Bollwerkes ( 2 y2 Stunden für Quergang ). In Richtung des Hohjägiburggipfels über mittelschwere plattige Felsen weiter bis ca. 60 m unterhalb des breiten Querbandes, das die ganze Flanke durchzieht. ( Auf ihm verläuft Route 9 des Engelhornführers. ) Querung einer Rinne nach rechts und durch steiles Couloir schwierig zum Band hinauf ( 2 Stunden vom Bollwerk ). 20 m auf Route 9 gegen Tennlücke zu. Mittelschwer zu der rötlichen Gipfelwand empor ( 1 Stunde vom Band ). Von hier führen zwei parallele Verschneidungen zum Gipfelgrat hinauf. Durch die linke ( nördliche ) 30 m aufwärts, dann kurzer Quergang nach rechts und zurück in Verschneidung. Der Gipfelgrat wird wenige Meter rechts vom Signal erreicht ( iy2 Stunden ). 8*4 Stunden vom Tenn. Äusserst schwierige, lange Kletterfahrt. » Edwin Krähenbühl im Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1943.

20. Höhlenstock ( 2908 m ). Westgrat. 26. Juli 1941. Otto Gerecht, Otto Künzel und Felix Tarin.

Siehe « Die Alpen » 1942, Seiten 313—316.

21. Ijollihorn-Rämihorn-Eggenhorn ( 3200, 3150 und 3095 m ). Überschreitung. Juli 1937. Max Adam und Conrad Bech.

Vom Ijollihorn über leichten Klettergrat zum Rämihorn, ca. 1 Stunde, von da über stellenweise schwierigen, aber kletterisch genussreichen Grat zum Eggenhorn, dessen Gipfel mit heikler Kletterei direkt erreicht werden kann. Eine kleine Umgehung des Gipfelaufbaues im Westen ist weniger exponiert, 2-3 Stunden.Nach brieflicher Mitteilung Conrad Bech.

22. Kaiserstock ( 2517 m ). Südwestgrat. 9. Juni 1940. Dolf Beyeler, Karl Dubs und Otto Gerecht.

Es handelt sich um eine Variante der Route H. Bossard und A. Staub, welche den untersten Gratabbruch auf der Südseite umgingen und erst im obern Teil wieder auf den Grat gelangten. Die direkte Übersteigung des Grates erfordert Hakensicherung und ist zum Teil sehr schwierig. Zeiterfordernis für die untere, neue Strecke 5 Stunden, für die obere, bereits begangene Strecke y2 Stunde.Nach brieflicher Mitteilung Otto Gerecht.

23. Kirchlispitzen ( 2555 m ). Hauptgipfel-Südwand. Variante. 14. Juni 1936. H. Janett, F. Juvelta und H. Sprüngli.

Die « normale Route » ( Nr. 49g des Klubführers der Bündner Alpen VII, Rätikon, Seite 203, 1936 ) führt östlich auf den Mittelpfeiler und über diesen zum Gipfel. Die Variante wurde durch heftigen Steinschlag in der bekannten Route verursacht, indem Juvelta und seine Kameraden schon beim Einstieg nach rechts ( Osten ) gedrängt wurden und in die Wand einstiegen, wo die Geröllhalde am weitesten in diese hinaufgreift. Dann in luftiger Kletterei gerade empor, schwierig. Zum Teil überhängende Schlusswand zwingt, mit einem Quergang den Weg nach links zu nehmen in einen Kamin, der diese Wand spaltet. Durch dieses mit leichter Kletterei direkt zum Gipfel. Eine Variante, mehr östlich, die F. Juvelta mit E. Strimer am 16. September 1935 durchführte, ist schwieriger.Nach brieflicher Mitteilung F. Juvelta.

( Fortsetzung folgt )

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