Neue Bergfahrten in den Schweizer Alpen

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Zusammengestellt von Max Oedislin

( Schluss ) Kreuzberge. Siehe auch « Die Alpen » 1939 ( 374 ), 1941 ( 292-302 und 336-346 ), 1942 ( 78-80 ) und 1943 ( 141—148 und 188—191 ).

24. Kreuzberg I. Begehung des Ostgrates. 29. August 1937. Paul Hell und Paul Schafflützel ( « Die Alpen », 1939, Seite 374; « Sport » 1939, Nr. 83 ). Zweite Begehung durch A. Duttweiler und S. Pulver am 18. September 1938. 10 Stunden.

25. Ostsüdostflanke. 31. Juli 1938. A. Duttweiler und S. Pulver. Direkter Durchstieg, 5 Stunden, mit schwieriger Kletterei ( « Die Alpen », 1939, 374 ).

26. Kreuzberg III. Südwand. 9. August 1942. Arnold Duttweiler und Sämi Pulver. Über die westliche Bippe der Wand.

« Von der Unteralp her erreicht man über steile Rasenhänge ein Couloir, das sich zur Scharte zwischen dem 3. und 4 hinaufzieht. Etwa eine Seillänge unter dem deutlich sichtbaren Steilabsturz in denselben traversiert man ca. zwei Seillängen nach rechts zu einem grasbewachsenen Sattel. Von hier iy2 Seillängen steil und schwierig empor zu einem Block. Ca. 10 m Quergang nach links ( westlich ) zu einem kleinen Rasen. Ein paar Meter Quergang links schräg hoch und über die vollständig glatt scheinende Platte auf den Grat, der nunmehr in seiner ganzen Länge erklettert wird. Das Gipfelmassiv wird zuletzt durch den gut sichtbaren Riss erklettert. Ca. 3 Stunden. » 27. Kreuzberg IV. Südwand. 6. Juli 1941. Sämi Pulver mit Arnold Duttweiler.

Von der Unteralp aus gelangt man über steile Rasenhänge zu einem gut sichtbaren Couloir, das sich bis in die Mitte der Südwand hinaufzieht und sich oben teilt. Hier wendet man sich links. Die sehr steilen, felsdurchsetzten Rasenhänge dürften bei nasser Witterung äusserst schwierig, ja sogar unmöglich sein.

Dauer der Kletterei ca. 2 Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung Sämi Pulver.

28. Kreuzberg V. Südwand. 13. Juli 1941. Sämi Pulver mit Arnold Duttweiler.

Der Einstieg befindet sich wenig westlich der Fallirne zum Gipfel. Durch ein Couloir zu einer markanten, ca. 3 Meter hohen Höhle. Ein Felsenfenster ermöglicht den Ausweg. Kurze Traverse nach rechts zu einem Kamin, das eventuell auch von unten direkt erklettert werden kann. Den nun folgenden Überhang umgeht man rechts. Ein Abstieg von ca. 30 Meter ermöglicht den Wiedereinstieg in den Kamin. Auf der rechten Seite desselben kommt man nach ca. 50 Meter zu der Stelle, wo sich der Kamin nach rechts hinaufzieht und verengt. Diese leicht überhängende Stelle muss durch den Kamin erklettert werden. Eine glatte Platte verbietet den Weiterweg. Ein hochgeschlagener Haken ermöglicht einen Quergang nach links. Das nachfolgende Stück ist weniger steil, oben durch eine Höhle abgeschlossen. Im Riss nach oben, bis ein Ausweichen nach rechts möglich wird. Durch ein rasendurchsetztes Couloir gelangt man auf einen kleinen Sattel. Hier treffen wir die gebräuchliche Südwandroute, die erst hier ansetzt. In gerader Linie hinauf zum Gipfel. Bei vorheriger nasser Witterung ist von der Tour abzuraten.

Dauer der Kletterei ca. 2 Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung Sämi Pulver.

29. Kreuzberg VII. Südwand. 26. Juli 1942. Arnold Duttweiler und Sämi Pulver.

« Vom Fusse der Wand zieht sich ein gut sichtbarer Riss fast geradlinig zum Gipfel empor. Der Einstieg ist durch einen schwach ausgeprägten Kamin gekennzeichnet. Der Kamin ist leicht bemoost. Nach einer Seillänge weist ein rasendurchsetzter Riss den Weiterweg. Danach verfolgt man einen breiten Riss, der zu einem Rasenband hinaufzieht. Letzteres endet kurz unterhalb eines kleinen Sattels. Von diesem ca. 8 m gerade hinauf, dann in horizontalem Quergang ( eine halbe Seillänge ) nach links und hinauf zu einem brüchigen Turm ( unterhalb davon Nische und kleines Tännchen ). Nachfolgend wird ein Riss links schräghoch verfolgt, bis ein Haken einen Quergang über die glatte Platte ermöglicht, in einen weiteren Riss, der sich nach einem kleinen Geröllplatz in einen wuchtigen Stemmkamin verbreitert. Dann über leichte Felsen geradlinig zum Gipfel empor. Der Kamin kann auch links umgangen werden. Einstieg bis Gipfel: 5 Stunden. » Nach brieflicher Mitteilung Sämi Pulver.

NEUE BERGFAHRTEN IN DEN SCHWEIZER ALPEN 30. Kreuzberg VIII. Westwand. 9. August 1942. Arnold Duttweiler und Sämi Pulver.

Diese Kletterfahrt soll eine der schönsten Touren im Kreuzberg sein, besonders im Gebiet des VIII. Kreuzberges.

« Eine grosse Wandpartie hält die eigentliche Aufstiegsroute versteckt und hielt deshalb bis jetzt die Versuche, sie von unten zu besteigen, fern. Unten zeigt die Wandpartie gelbe Färbung. Die Abschlusslinie dieser gelben Färbung weist wie ein Risschen nach rechts hinauf. Hier ist der Einstieg. Die schwierigste Stelle ist der Übergang über die Platte in das Couloir, das oben durch eine gewaltige Nische abgeschlossen wird. Links davon klettert man durch einen Riss auf den Grat, welcher bis zum Gipfel hinauf verfolgt wird. 1 Stunde. » Nach brieflicher Mitteilung Sämi Pulver.

31. Dubihora-Krutiggrat-Krutighorn ( Wiwannihorn ) ( 2991-2978, 2920, 2999 bis 3019 m ). Überschreitung. 6. September 1941. Conrad Bech und August Wenzinger.

Der Krutiggrat besteht aus drei grösseren Graterhebungen; er wurde teils auf seinem Kamm, teils unmittelbar in der Flanke verfolgt, und zwar die erste Graterhebung ( vom Dubihorn aus ) rechtshaltend, die zweite rechts aufsteigend, links absteigend, die dritte auf dem Kamm bis zum Nordfuss des Krutighorns. Dieses selbst wird zuerst in schlechtem Gestein in einem Couloir auf halber Höhe über seinen Nordgrat erstiegen. Dubihorn-Krutighorn 4 Stunden ( inklusive Rasten ). Die Kletterei ist anregend. Die Tour wurde über das Wiwannihorn fortgesetzt mit Abstieg ins Baltschiedertal. Der im Klubführer angegebene Jägergrat ( Route 65 des Berner Führers, Bd. III ) ist im Abstieg schwer zu finden.Nach brieflicher Mitteilung Conrad Bech.

Lauchernstock ( 2642 m ).

32. Ostkante. 8. August 1937. Alfred Amstad, Hans Flachsmann und Paul Müller.

Siehe « Die Alpen » 1938, Seite 275.

33. Ostgrat im Abstieg. 28. September 1941. Hans Fehlmann und Hugo Nünlist.

Dem Grat entlang bis zum Abbruch. 30 Meter abseilen bis nördlich unterhalb der Scharte. In einem seitlichen Riss hinab, dann auf dem Grat bis zur waagrechten obersten Schulter. Hier setzt nach unten eine brüchige Schleierkante an, die nach einer Länge von 50 Meter zur untern grossen Schulter abbricht. Sie bietet vier Abseilmöglichkeiten, die alle merkwürdige Erschwerungen erkennen lassen. Die obigen wählten die umständlichste, die aber doch die gegebenste sein dürfte. Die Seilführung ging dem Grat entlang zu einem Sporn, dann über die Nordflanke mit anschliessendem Quergang zum Grat zurück und über diesen hinab zu einem eingeklemmten Block. Nochmals abseilen oder auf der Südseite hinabklettern zur untern Schulter. Weitere drei Seilstufen führen zum Schlittkuchenfirn. Für den Abstieg waren keine Haken erforderlich. 4 Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung Hugo Nünlist.

34. Kleine Lauteraarhörner. Gesamtüberschreitung Südost-Nord. 12./13. August 1940. Otto Gerecht und Ferd. Wörndle.

Überschreitung vom Sattel nordwestlich der Lauteraarhörner bis zum Kleinen Lauteraarhorn, von Südost nach Nordwest. Sehr lange, zum Teil schwere bis sehr schwere Gratkletterei. Ca. 14 Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung Otto Gerecht.

35. Piz Savinér ( 3141 m ). Variante. Sommer 1937. F. Lüschermit vier Kameraden. Aufstieg von der Fuorcla da Jenatsch statt über den Kamm ( Route 41c Klubführer Bündner Alpen VI, Seite 121 ) von Süden her durch eine breite, wenig steile Rinne direkt zum Gipfel. Diese ist für den Abstieg leicht zu finden und empfehlenswert, Richtung Savinér und Jenatschhütte.

Nach brieflicher Mitteilung F. Lüscher.

36. Gross Lohner ( 3055 m ). Überschreitung von Nord nach Süd. 12. September 1936. Führer Fritz Scheidegger und Alfred Zryd mit Frl. de Miribel. Einstieg bei der Bonderkrinde um 06 30 Uhr. Vorerst leichte Gratwanderung.

Erster Grataufschwung mit exponierter Kletterei, dann sehr schwere Kletterarbeit durch eine kaminartige Ritze mit äusserst exponiertem Aufstieg zum Doppelturm, der durch eine ca. 60 m tiefe Scharte geteilt ist, welche durch 40 m abseilen überwunden werden musste. Der Aufstieg zum zweiten Turm ist exponiert, aber gutgriffig, bei festem Gestein. Es folgt mittelschwere, luftige Gratkletterei zu einer kürzeren, aber äusserst schweren Abseilstelle: es muss auf ein kleines Gesims ( schwierig ) abgeklettert werden, von dem aus 25 m tief auf eine messerscharfe Scharte abgeseilt wird. Schlechtes Gestein! ( Es soll dies die technisch schwerste Stelle der ganzen Tour sein. ) Der weitere Aufstieg erfolgte in der östlichen Wand des Gratturmes durch eine ausgeprägte Ritze ohne besondere Schwierigkeit. Dann leichte Gratwanderung zum Nünihorn. 12 30 Uhr. Abmarsch 13 05 Uhr: Nordgrat des Hauptgipfels, der grosse Anforderungen an technisches Können und Ausdauer stellt. Die Platte im zweiten Gratturm und schlechtes Gestein erfordern Vorsicht. Der Hauptgipfel des Gross Lohners wurde um 17 00 Uhr erreicht. Der Abstieg erfolgte über den Westgrat, den Alfred Zryd bereits im Jahre 1928 von Ost nach West begangen hatte. Nach brieflicher Mitteilung Bergführer Fr. Scheidegger und « Geschäftsblatt » ( Volksblatt des Berner Oberlandes ), Nr. 111, vom 21. September 1936.

37. Mittelhorn ( 3708 m ). Nordflanke. 18. Juli 1943 durch Ernst Reiss und Ferdel Zobrist. Wetterhorngruppe.

Durchstieg in der direkten Fallirne über den Schwarzwaldfirn und die ( stark vereisten ) Gipfelwandfelsen. Zeit für die rund 500 m hohe Flanke: 6 Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung Ernst Reiss.

38. Grosser Mythen ( 1902 m ). Nördliche Westwand.

Direkter Durchstieg der Wand bis zum Gipfel, sogenanntes Weisses Wändli und Roter Kopf. 27. August 1933. Walter Buholzer und Karl Schürpf.

Auf der üblichen Route durch das Weisse Wändli auf die Mythenmatt, die am südlichsten Ende betreten wird. Von da nordwärts zu den untersten Tannen der Matt und ostwärts zum Fuss der roten Gipfelwand. Kurz nach dem Einstieg in die Wand erreicht man die Mittelrinne des Roten Kopfes und verfolgt diese bis zu einer Platte von 6 bis 8 m, die, griffarm und ausgesetzt, ziemlich Schwierigkeiten bereitet. Nun nach rechts, südlich, über Platten zu einer mit losen Steinen gefüllten Rinne ( 25-30 m ), durch diese Rinne empor zu einem Vorsprung, den man von rechts nach links überquert, und weiter über Rasen zum Gipfel.Nach brieflicher Mitteilung Sektion Mythen S.A.C.

39. Grosser Mythen ( 1902 m ). Südwestaufstieg, mit direktem Aufstieg über Adlerspitze, Geißstock ( ohne Umweg über das Gelbe Wändli ) und Roter Kopf. 10. Juni 1934. Walter Buholzer und Karl Schürpf.

Der Aufstieg über den Südwestgrat führt über die luftige Kante der Adlerspitze, quert dann an den Fuss des Geißstockes hinüber und führt dessen NEUE BERGFAHRTEN IN DEN SCHWEIZER ALPEN fast senkrechte Wand auf die bewaldete Terrasse hinauf. Von hier erreicht man das Nollencouloir und an dessen oberem Ende den Südwestgrat des Roten Kopfes, welchen man bis zum Gipfel verfolgt.

Das schwierige Teilstück von der Adlerspitze zum Geißstock wird wie folgt überwunden:

Vom nördlichen Sattel der Adlerspitze verfolgt man ein sich ca. 30 m schräg nach links hinaufziehendes Grätchen ( Tannen ) und gelangt auf einen Rasenplatz, den südlichsten Teil des Ruchbandes. Zwischen einem Felskopf und der Wand weiter links aufwärts zu einem fast gerade hinaufführenden Rasenband. Einstieg ausgesetzt. Nach ca. 30-40 m trifft man eine gute Sicherungsmöglichkeit an einem Ahorn. In einem Riss steigt man weiter hinauf, direkt unter eine zweite, grosse Ahornstaude, überklettert ( recht heikel ) von rechts nach links ein ca. 3 m hohes Köpfchen und erreicht, entlang der Wand, den Fuss des grossen Kamins, welcher ca. 40 m senkrecht ansteigt. Durch Stemmarbeit schafft man sich ca. 25 m in demselben hoch, verlässt dann den Kamin und steigt noch ca. 5 m über dessen linke Kante zu den untersten Tannen hinauf. Durch ein markantes Felstor betritt man dann den Geißstock. Adler-spitze—Geißstock ca. 2—2% Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung Sektion Mythen S.A.C.

40. Kleiner Mythen ( 1815 m ). Direkte Besteigung des Felszahns « Paul ». Pfingsten 1935. Dölf Beyeler und Otto Gerecht.

Bisher wurde der « Paul » nur vermittels eines besondern Seilmanövers vom « Peter » aus, einem benachbarten Felszahn, erreicht. Der direkte Aufstieg durch die Nordwand erforderte 1 Stunde.

Nach brieflicher Mitteilung Otto Gerecht.

41. Ochsenkopf ( 2182 m ). Südwand. 5. Juli 1936. Alfred und Otto Amstad. Der Einstieg erfolgte rechts der drei gelblichen Felspfeiler in die Wand, die in ihrer ersten Hälfte gerade aufsteigt und luftige Kletterei bietet. In der obern Wandhälfte führt ein Riss von rechts unten nach links oben, der für den Durchstieg zu benützen ist. Schwierig ist der Austritt aus der Wand in die zurückweichende Gipfelpartie.Nach brieflicher Mitteilung Alfred Amstad.

42. Ortstock ( 2720 m ). Ostgrat. Variante. 21. September 1941. Otto Gerecht und Emil Meier.

Überschreitung beider Gipfel über den Ostgrat, ohne Umgehung des grossen Grataufschwungs in die Nordwand. Mittelschwere, schöne Kletterei.

Nach brieflicher Mitteilung Otto Gerecht.

43. Piz Palü ( 3889, 3912-Hauptgipfel, 3825 m ). Nordwand des Westgipfels.

Der erste Durchstieg der rund 800 m hohen Eiswand des Westgipfels gelang im Sommer 1941 zwei Partien, und zwar zuerst der Partie Spinas-Schwen-dener und sodann derjenigen Honegger-Hürlimann. Der Aufstieg erfolgte vom Persgletscher aus, zwischen nördlicher Flankenrippe des Palü-Westgipfels und des Fortezzagrates der Bellavista, direkt durch die steile, völlig vereiste Nordwand. Es scheint, dass im ersten Drittel der Wand die Wege zwei Varianten folgten. Leider hat die zweite Partie durch die Tagespresse viel « Aufsehen » über « ihre Erstbesteigung » veröffentlichen lassen, so dass dann das C. C. Pontresina des S.A.C. die vorgängig erfolgte Bezwingung der Wand durch die Partie Spinas-Schwendener als die Erstbesteigung bezeichnen musste, ohne dass die grosse alpine Leistung der zweiten Partie verkleinert wird. Aber gerade diese alpine Leistung zeigt, dass wir Bergsteiger uns nicht den Zeitungsreportern ausliefern dürfen, denn das gehört nicht zum Alpinismus!

Nach Zeitungsberichten, brieflichen Mitteilungen und Akten.

Pilatus ( 2122 m ).

44. Variante durch den Krachen. 6. Oktober 1940. Martin Mai und Hugo Nünlist.

Der Führer durch die zentralschweizerischen Voralpen vermerkt einen Ost- und einen verzweigten Westanstieg. Beiden ist der Einstieg in den Krachen gemeinsam. Wo sie sich trennen, wurde auf zwei Seillängen am Ostanstieg festgehalten, dann längs einer tiefen Rinne nach rechts auf guten Felsbändern bis zu einem abschüssigen und glatten Balkon angestiegen. 4 Meter senkrecht auf die westliche Schneide, jenseits leicht hinab und auf soliden Felsen gerade hinauf. Oben auf der Ostroute zur Rosegg. 1% Stunden vom Einstieg. Diese Mittelroute ist empfehlenswert und steinschlagsicher.

45. Durch die Schlusswand des Esels von Norden. 20. Oktober 1940. Martin Mai und Hugo Nünlist.

Auf der Westroute und deren östlicher Gabel bis unter die Scharte des Ostgrates, dann durch eine Verschneidung an die Gipfelwand. 4 Meter senkrecht auf ein Band. Ihm entlang, bis es östlich nach einer Seillänge über dem Krachen ausläuft. Hakensicherung. Dort setzt ein 15 Meter hoher und sehr steiler Riss an, der in eine grasbewachsene Rinne übergeht. Diese führt schräg westlich hinauf zu einem Sporn. Eine Seillänge einen Plattenschuss hinauf, dann leicht über Blockstufen zur letzten Wegkehre. 1 % Stunden vom Einstieg in die Gipfelwand.

Nach brieflichen Mitteilungen Hugo Nünlist.

46. Plattenburg ( 2748 m ). Nordostwand. 9. August 1938. Otto Amstad, E. Bächtold und Paul Müller.

Die reichgegliederte Wand lässt bei leichter bis schwerer Kletterei verschiedene Varianten zu.Nach brieflicher Mitteilung A. Amstad.

Ruchfensterstock ( Ruchenfensterstock, 2950 m ).

47. Überschreitung vom Gwasmet-Pucher-Ruchfensterstock-hücke. 30. Juni 1935. 2 Seilpartien Buholzer und Wolf, Guggisberg und Schürpf.

« Vom Gipfel des Ruchfensterstockes steigt man vorerst in nordöstlicher Richtung über eine Platte ab und erreicht wenig tiefer einen kleinen, fast senkrechten Kamin, welcher nördlich des Ostgrates parallel zu diesem verläuft. Dieser Kamin geht nach der ersten Seillänge in einen leicht schräg verlaufenden Riss über und führt dann durch die leicht überhängende untere Partie auf eine stark nach Norden geneigte Platte, ca. 20 m unterhalb dem Ruchenfenster. Ein Haken und zwei Seile von 30—40 m Länge sind zu diesem Abstieg erforderlich. Das Gestein ist teilweise brüchig. Vom Ruchenfenster verfolgt man ein stark geneigtes, plattiges Band am Nordfusse des Ruchenfensterturmes, durchsteigt dann ein kurzes, vereistes Couloir und erreicht den Ostfuss des Turmes. Es folgt die Überschreitung eines östlich anschliessenden kleinen Gratturmes, und dann steigt man durch eine feuchte Rinne in die grosse Südflanke unterhalb des imposanten Westgrates des Grossen Rüchen.

Die erste Begehung erforderte 4 Stunden für das Teilstück vom Gipfel des Ruchfensterstockes bis zur Ruchensüdwand, einschliesslich eines misslungenen ersten Abstiegversuchs durch ein Couloir unmittelbar östlich des Ruchfensterturms. »Briefliche Mitteilung Sektion Mythen S.A.C.

NEUE BERGFAHRTEN IN DEN SCHWEIZER ALPEN 48. Überschreitung in Ost-West-Richtung. 30. August 1936. Durch dieselben beiden Seilpartien.

Vom Einstieg in die Ruchensüdwand auf der im Vorjahr im Abstieg benützten Route zum Gipfel und Abstieg auf der üblichen Route durch Abseilen zum « Obern Band ». 8 Stunden 45 Minuten. Trotz schönem Wetter war es sehr kalt auf den schattigen Partien der Nordseite. Die Tour sollte im Frühsommer ausgeführt werden.

( Der in der Ostwand am 30. Juni 1935 geschlagene Mauerhaken wurde anlässlich dieser zweiten Fahrt wieder entfernt. ) Briefliche Mitteilung der Sektion Mythen S.A.C.

49. Sackhorn ( 3212 in ). Nordgrat. 25. September 1942. P. Althaus und Arthur Krähenbühl.

« Nach Austritt des Mutthornpfades aus dem Wäldchen hinter Heimritz über den mittleren von drei Schuttkegeln in SE-Richtung, bis man gut auf den breiten Grasrücken E davon gelangen kann. Bis zu den Felsen über diesen hinauf, E an ihnen durch den nach oben auslaufenden Graben zu einem grossen Schutt-und Schneehang am Fusse der Sackhom-N-Wand. Diesen ansteigend nach E querend, Richtung einen ausgeprägten Felsturm im N-Grat des Sackhorns. Im E-Teil der Sackhorn-N-Wand durch ein Couloir hinauf in die Scharte S des genannten Felsturmes ( Steinschlaggefahr !). Von da weg immer auf dem Grat bleibend in leichter Blockkletterei ( Granit ) zu einer kurzen Steilstufe, Querung in die N-Wand hinaus und oberhalb des Absatzes wieder den Grat verfolgen. In hübscher Kletterei zum Vorgipfel und über einen kurzen Schneegrat zum Gipfel. 5 Stunden von Heimritz. Mittelschwer. ( Der Grat zeigt eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Hockenhorn-NW-Grat. ) » A. K. im Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1942.

Grosser Sättelistock ( 2644 m ).

50. Südwand. Direkter Durchstieg. Juli 1937, Alfred Amstad mit Frank Strauss; 4. August 1940, Alfred und Otto Amstad, weiter westlich, sogenannte « Bänderroute ».

Siehe « Die Alpen » 1939, Seite 322.

51. Traversierung Süd-Nord. 15. August 1941. Hans Fehlmann und Hugo Nünlist.

Aufstieg über die Südwand auf Route Amstad. Abstieg über den Nordgrat. Vom Unteren Planggenjoch bis Sättelilücke, einschliesslich 30 Minuten Rast auf dem Gipfel, 7 Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung Hugo Nünlist.

52. Abstieg über den Nordgrat. 15. August 1941. Hans Fehlmann und Hugo Nünlist.

Vom Steinmann in westlicher Richtung der Gipfelwand entlang absteigend. Erste Abseilstelle etwa 25 Meter, zur Hälfte überhängend. Man erreicht ein Schuttband, das zum Nordgrat hinüberleitet. Eine Seillänge auf dessen Westseite wegen brüchigen Gesteins heikel, dann wieder leicht über kleine Graterhebungen zu einem Abbruch. 30 Meter abseilen auf die Westseite einer Scharte. Wenige Schritte nördlich zu einem vorgelagerten Sporn. Wiederum 30 Meter abseilen, zuerst senkrecht, dann überhängend. Anschliessend Quergang östlich zu einem Sicherungsblock. Freies Abwärtsklettern oder nochmals abseilen bis oberhalb der Sättelilücke.

Nach brieflicher Mitteilung Hugo Nünlist.

53. Südwand im Abstieg. 21. September 1941. Hans Fehlmann und Hugo Nünlist.

Vorerst zweimal 30 Meter abseilen über die Gipfelwand ausserhalb des tiefen Risses, der auf den Vorgipfel mündet und zuerst von Amstad durchklettert worden ist. Hernach Abstieg am obern Rand des grossen Plattenschusses, der sich an eine senkrechte Wand lehnt, bis zu einem sehr steilen Riss. In gutem Fels anstemmend hinunter und über ein System von seichten Rinnen und schwach ausgeprägten Rippen auf das Schuttfeld am Fusse der Wand. 2% Stunden.Nach brieflicher Mitteilung Hugo Nünlist.

Schcieggstoek ( 2569 m ).

54. Südwand. 16. Oktober 1937. Alfred und Otto Amstad und Hans Flachsmann.

Die Südwand lässt verschiedene Routen zu mit schwerer bis sehr schwerer Kletterei.

Siehe « Die Alpen » 1939, Seite 323.

55. Nordwand. 7. September 1941. Hans Fehlmann, Hugo Nünlist und Josef Roos. Direkter Durchstieg durch die Nordflanke.

Ob der Sättelitiefe zuerst über den griffarmen Plattenschuss. Dann missliches Klettern in einer nassen Rinne. Ausstieg in gras- und schnee-durchsetzte Flanke. Brüchiges Gestein. Der Nordostgrat wurde erst bei der Gipfelscharte erreicht. 1% Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung Hugo Nünlist.

56. Schersax ( Kiental ). Überschreitung. 5. Oktober 1941. Durch Dr. W. Baumgartner, W. Diehl, E. Krähenbühl und Dr. E. Wiesmann. Wiederholt am 26. Juli 1942 durch Fankhauser und Strub.

Die Schersax ist ein zerrissener, schmaler Felsgrat, der sich von Nordosten zum Salzhorn aufschwingt. Verschiedene steile Gratstücke und Scharten bieten eine äusserst anregende Kletterei, zumal die Möglichkeit besteht, stets auf der luftigen Kante gehen zu können. Die oberste Gratstrecke enthält keine Schwierigkeiten. Benötigte Zeit 5% Stunden.

Briefliche Mitteilung A. Krähenbühl und « Der Bund », Bern, 30. Juli 1942.

57. Grosses Schreckhorn ( 4080 m ). Westwand. Erste direkte und vollständige Durchsteigung. 25. September 1941. Dr. Ernst Hopf und Hans Schlunegger.

« Von der Schwarzegghütte auf der üblichen Route zum Nässifirn. Einstieg in die Wand am rechten Rand der von weither sichtbaren grossen Rinne. Die ersten 400 m der Wand mittelschwer in den Felsen, entlang dieser Rinne bis dort, wo die Route Hug nach dem Nordgrat abzweigt. Auf Bändern und steilen Stufen weiter bis ans Ende der grossen Rinne ( sog. Gurgel, Höhe 3900 m ). Hier beginnt die eigentliche Schlüsselstelle in Form einer 40 m hohen, senkrechten bis überhängenden Plattenwand, deren Überwindung 4 Stunden schwerer Arbeit benötigte. Die ersten 20 m durch einen anfänglich senkrechten, dann überhängenden Kamin. Unter dem Überhang Einschlagen eines Sicherungshakens und sehr schwerer, 10 m langer Quergang nach links bis auf eine abgespaltene Platte. Anbringen eines Standhakens, und äusserst schwierig gerade aufwärts bis auf ein abschüssiges Band. Dem Band entlang nach links, bis es sich wieder in glatten Platten verliert. Hier beginnt ein System von senkrechten, nur zum Teil überhängenden, aber gut praktikablen Rissen und Kaminen, die nicht allzu schwierig sind und direkt zum nördlichen „ Tübeli " und über dieses leicht zum Gipfel, 4080 m, führen. » Schwarzegghütte ab 05 00 Uhr, Gipfel 17 00 Uhr.

Nach Neutourenbericht Dr. E. Hopf, Jahresbericht des A.A.C.B.ern, 1941.

NEUE BERGFAHRTEN IN DEN SCHWEIZER ALPEN Spitzmann ( 2581 m ).

58. Nordwand. 5. September 1937. Alfred und Otto Amstad. Schwierigste Kletterei dieses Gipfels.

59. Südwand. 7. November 1937. Otto und Alfred Amstad und Hans Flachsmann.

Siehe « Die Alpen » 1939, Seite 324.

60. Nordwand. 24. August 1941. Hans Fehlmann und Hugo Nünlist.

Variante mit Einstieg etwas östlich der Route Amstads. « Zuerst über den Plattenschuss in griffarmem, aber gutem Fels. Dann in südwestlicher Richtung in brüchiger und grasdurchsetzter Flanke schräg ansteigend zu einer Wandstufe. Statt diese an ihrem nördlichen unteren Ansatz zu erklettern, stiegen die obigen ihr entlang hinauf, überwanden sie erst hoch oben unmittelbar unter dem Gipfel und erreichten dessen Nordgrat, sofern überhaupt von einem solchen gesprochen werden kann, etwa 15 Meter unterhalb des Steinmanns. 2 x/2 Stunden vom Einstieg. » Nach brieflicher Mitteilung Hugo Nünlist.

61. Stucklistock ( 3309 m ). Variante durch Kamin der Südwand. 22. September 1943. Arthur Baumgartner und Emil Meier.

Von der Voralphütte direkt zur Südflanke ansteigen, dann unter den Steilabstürzen westlich bis unter das gut erkenntliche Couloir, das aufwärts in einen Kamin übergeht und das man nach Überschreiten des Bergschrundes und eines kleinen Eishanges erreicht. Zwei senkrechte Felsabstürze können in der Steilwand des Westgrates ( Südflanke ) umklettert werden. In 2/3 Höhe des Couloirs befindet sich ein ca. 15 m hoher Stemmkamin. Dann folgt leichtere Felskletterei bis zur Westgratfelsscharte unter dem Gipfel. Über den Westgrat zum Gipfel. Einstieg bis Gipfel 3 Stunden. Diese Variante erfasst die in der Skizze des Klubführers der Urner Alpen, Seite 201, II. Band, 4. Auflage, 1939, ca. 1 cm links von Route 577 eingezeichnete RippeCouloir ).

Nach Mitteilung Emil Meier, Wetzikon.

62. Piz Surganda ( 3203 m ). Variante. Sommer 1937. F. Lüscher mit vier Kameraden.

Aufstieg zum Scheitel des Gletscherplateaus auf Route 54 a ( Bündner Führer VI, Seiten 147/148 ), zwischen Piz Traunterovas und Piz Surganda, von hier direkt zur markanten, grobblockigen Nordrippe des Piz Surganda und in leichter Kletterei über diese zum Gipfel.

Nach brieflicher Mitteilung F. Lüscher.

63. Piz Suvretta ( 3148 m ). Variante. Sommer 1937. F. Lüscher mit vier Kameraden.

Von Osten her, unterhalb der Fuorcla Traunterovas über den Felsen durch den mit Schutt und Schnee bedeckten terrassierten Hang, nördlich bis unter den südöstlichen Fuss des Gipfelstockes. Hier durch ein auffälliges Kamin mit leichter Kletterei direkt auf das Gipfelplateau. Variante zwischen Süd-und Südostgratroute.Nach brieflicher Mitteilung F. Lüscher.

64. Trotzigplankstock ( 2940 m ). Ostwand. Erste Begehung. 26. Juli 1942. Otto Gerecht und Walter Gut.

Die Route führt vom Wichelplankfirn in mittelschwerer Kletterei in einem grossen umgekehrten 2S ) auf den Südgrat ( Route 756 des Urner Führers, Seite 268,1939 ) und in 5 Minuten zum Gipfel. Wandhöhe ca. 300 Meter, benötigte Zeit 2 Stunden. Guter Fels.Nach brieflicher Mitteilung Otto Gerecht.

65. Wichclplankstock ( 2979 m ). Ostwand. Erste Begehung. 6. September 1942. Otto Gerecht und Ferd. Wörndle.

Vom Wichelplankfirn direkt in der Fallinie des Südgipfels des Wichelplankstockes durch die ca. 300 Meter hohe, fast senkrechte Wand. Guter Fels mit kleinen, festen Griffen. Luftige Kletterei. Granit. Kletterzeit 3 y2 Stunden. Es soll sich um eine Kletterfahrt handeln, die sich neben diejenigen im Bergeil stellen dürfe INach brieflicher Mitteilung Otto Gerecht.

66. Wichclschyen ( I 2740, II 2750, III 2800 und IV 2840 m ). Überschreitung von Süd nach Nordost. 28. September 1941. Otto Gerecht, Emil Meier und Ferd. Wörndle. Zum Teil schwierig und exponiert.

Nach brieflicher Mitteilung Otto Gerecht.

67. Wichelturm ( ca. 2700 m. ) Südostgrat. 10. September 1939. Otto Gerecht und Ferd. Wörndle.

Von der Leutschachhütte aus; schöne, aber schwere Granitfelskletterei.

Nach brieflicher Mitteilung Otto Gerecht.

68. Wideralpstock ( 1994 m ). Von Norden. 25. Juni 1941. Sämi Pulver mit Arnold Duttweiler.

Von der Wideralphütte nach Süden ansteigend gelangt man über einen steilen Geröllhang zur eigentlichen Wand. Durch diese zieht sich ein Riss, der sich oben in einen Kamin verbreitert, senkrecht hinauf zu einem Felsenfenster. Nach ca. 20 Meter leichter Kletterei nach links hinauf kommt man zur eigentlichen Schlüsselstelle. Bei diesem technisch wohl schwersten Stück ist Hakensicherung notwendig. Weiter oben gelangt man wieder in den Riss durch Umgehung eines Überhanges. Von hier an wird der Riss nicht mehr verlassen. Er weist einige Überhänge auf. Vom Felsenfenster wendet man scharf nach links und gelangt über die Nordwestrippe auf den Gipfel.

Dauer der Kletterei ca. 4—5 Stunden.

Nach brieflicher Mitteilung Sämi Pulver.

69. Grosse Windgälle ( 3192 m ). Südwand. Variante. 21. Juni 1931. Walter Rickenbach und Werner Weckert, erster Durchstieg in 13stündiger Kletterei; 13. September 1942 steinschlagsichere Variante. Otto Gerecht und Seppel Wechsler.

Vom Fuss der Südwand direkt durch die steile Plattenwand zum Südgrat und über diesen zum Westgipfel. Kletterzeit Furkeli bis Gipfel: 7 y2 Stunden. Steinschlag nur im untersten Teil, sonst sicher. Sehr schwierige Kletterfahrt.

Nach brieflicher Mitteilung Otto Gerecht.

Damit wir die Chronik der Erstbesteigungen und Neutouren in unsern « Alpen » periodisch weiterführen können, bitte ich unsere Leser und die Bergsteiger, mir Ergänzungen und Neutouren laufend mitzuteilen. Aus obiger Liste ist ersichtlich, wie sehr die .K7e#erfahrten im Vordergrund stehen, wie viele « Erstbesteigungen im Winter » aber zur Erfüllung noch offen bleiben. Dabei mögen aber die Wagemutigen daran denken, dass winterliche Bergfahrten im weit grösseren Ausmass technisches und körperliches Können verlangen und vor allem auch fordern, wie die sommerlichen Fahrten im Hochgebirge: Ehrfurcht vor dem Berg!

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