Oberer Grindelwaldgletscher

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VON WILHELM JOST ( BERN )

BEMERKUNGEN ZUR KONTROLLE DES OBEREN GRINDELWALDGLETSCHERS VOM B. OKTOBER 1957 Mit 2 Bildern ( 142/143 ) Der obere Grindelwaldgletscher gehört nicht zu den trägen Gletschern unserer Alpen. Von 1895 bis 1903 hat seine Länge unregelmässig um einen Gesamtbetrag von 57 m zugenommen Dann folgte eine Periode des Gletscherrückganges, die bis zum Jahre 1911 dauerte. Und wieder folgte ein Vorstoss, der zwölf Jahre dauerte und sehr stark war. Bis zum Jahre 1915 ragte der grosse Felskopf, über den man heute hinaufsteigen muss, um zum Gletscher zu gelangen, in der Mitte des Eisstromes noch über die Gletscheroberfläche hinaus, war aber im Jahre 1918 vom Gletschereis völlig zugedeckt. Im Sommer 1920 erreichte der Gletscher seine maximale Geschwindigkeit; vom Sommer 1919 bis zum Sommer 1920 rückte die Gletscherfront um 55 Meter vor, zerbrach die Betonbrücke, die auf dem Milchbachweg über die Schwarze Lütschine führte, in Stücke und bedeckte eine Fläche von ungefähr einer Hektare neu mit Eis. Der Gletscher stiess in den flachen Waldboden vor, und man war gezwungen, das Holz zu schneiden, um es zu retten.

In den folgenden Jahren sank die jährliche Vorstossgeschwindigkeit auf 1,5 m, und seit 1924 geht die Gletscherfront dauernd zurück, besonders stark Ende der zwanziger und anfangs der dreissiger Jahre. Der grosse Felskopf in der Gletschermitte trat wieder hervor und teilte die Gletscherzunge mehr und mehr in zwei Arme. Der grössere Arm folgte dem flachen Talboden der Metten-bergseite, also der Südwestseite des Gletschers, und speiste den grossen Bach der Schwarzen Lütschine. Der kleinere Arm folgte den Felsstufen des Wetterhornes und war um 1950 grösstenteils weggeschmolzen. 1952 baute man über den apern Felskopf hinauf eine Treppe, oben eine Schutzhütte und erstellte im Gletscher die bekannte Eisgrotte. Aus diesen Verhältnissen wird klar, dass der linksseitige Gletscherarm die eigentliche Gletscherzunge darstellt. Aber auch diese schmolz stark. Anfangs der fünfziger Jahre waren die von ihr zurückgelassenen, stark mit Moräne bedeckten Todeismassen und die Gletscherreste an den Hängen der Halsegg geschmolzen, und die Gletscherzunge trat aus einer engen Schlucht in südwestlicher Richtung hervor. Diese Schlucht trennt also den Felskopf vom Bergmassiv. In den letzten Jahren war es nicht mehr möglich, durch diese Schlucht bis an das Gletscherende zu gelangen. Aber die sehr instruktiven Photographien, die von Hans Boss von dem abgeschnittenen Felskopf aus aufgenommen wurden, zeigen die Verhältnisse deutlich. Die nach Nordwest gerichtete Achse des oberen Grindelwaldgletschers ist unvermittelt nach Südwest geschwenkt worden. Der durch die enge Schlucht abgetrennte Felskopf AlantikaAuf unseren Wanderungen in den Alantika-Bergen ergötzten wir uns immer wieder an all den « versteinerten Riesentieren », an urweltlichen Echsen, die sich sonnten, an Ungeheuern, die das Land bewachten.

Diese eigenartigen Linienornamente, an einem großen Sechseckschild, bilden noch heute ein ungelöstes Rätsel. Niemand weiß, wie sie entstanden sind. Im Texte ist eingehend davon die Rede.

1401141 - Photos René Cardi, Bern Das Zungenende des Obern GrindelwaldgletschersIm obern Teil der beiden Bilder ist die Trennungsfläche der beiden Eisschichten der Gletscher erkennbar:Okt. 1956 Die Gletscherzunge liegt in der engen Schlucht. QuerrisseOkt. 1957 Die lange hängende Zunge des letzten Jahres ist verschwunden.

in ihr weisen darauf hin, daß sie unten nicht mehr gut geDas jetzige kurze Stück weist oben auch einen Querriß auf.

stützt ist; sie hängt.Im Grunde der engen Schlucht ist der Gletscherbach sichtbar.

wirkt also für den Gletscher als Barriere. Der Gletscher wird durch sie nicht nur umgeleitet, sondern auch in seiner Bewegung gebremst. Erreicht er aber einen solchen Hochstand, dass er die Barriere überschreiten kann - das war in den zwanziger Jahren der Fall -, so wird eine obere Schicht des Gletschers nicht mehr gebremst. Der Gletscher wird also in zwei übereinanderliegende Schichten geteilt, die sich mit verschiedenen Geschwindigkeiten bewegen. Es muss sich also im Gletscher eine Gleitfläche ausbilden. Diese Gleitfläche, welche die zwei Gletscherschichten trennt, ist gegenwärtig am obern Grindelwaldgletscher deutlich zu erkennen und im photographischen Bilde festgehalten. Sie ist dunkel, da in ihr feines Grundmoränematerial mitgeführt wird.

Die Photographien zeigen noch mehr. Man erkennt deutlich, dass die enge Schlucht durch den Bach, der den Fels erodiert hat, gebildet worden ist. Dieser Runse folgt der Gletscher und erweitert das Tal.

Unwillkürlich wird man dazugeführt, die beiden Grindelwaldgletscher miteinander zu vergleichen. Sie sind ja Brüder; sie laufen in gleicher Richtung quer zu der gleichen geologischen Struktur des Untergrundes. Ihr mittlerer Abstand beträgt ungefähr 3,5 km; sie erleben also bei angenähert gleicher Höhenlage das gleiche Wetter, also sehr ähnliche Frostverwitterung. Aber der Abfluss des unteren Gletschers hat unabgelenkt die lange, tiefe Schlucht bis zum Talkessel südlich des Dorfes Grindelwald geschafft. Die Schwarze Lütschine des oberen Gletschers vermochte aber die letzte Felssperre nicht zu durchbrechen. Die Schwarze Lütschine ist ja auch kleiner als der Bach des unteren Gletschers, und es ist auch denkbar, dass spezielle geologische Verhältnisse am oberen Gletscher eine Rolle spielen. Wesentlich erscheint mir aber die Tatsache, dass der untere Grindelwaldgletscher im unteren und oberen Eismeer Gletscherbecken besitzt, die gewaltige Reserven an Eis darstellen. In geologisch früheren Zeiten ist dieses Eis geschmolzen, und der Wasserabfluss hat die Schlucht erzeugt. Wie gross die Energie bloss eines Wasserschwalles ist, hat uns der Ausbruch der unteren Lütschine vom 2. Juli 1951 deutlich gezeigt.

Solche Überlegungen weisen auch auf die Aareschlucht bei Meiringen hin, die den Kirchet durchsägt hat. Sie wurde wesentlich erzeugt durch das Schmelzwasser des in früher Zeit im Talkessel von Innertkirchen angesammelten Gletschereises.

So ist die diesjährige Kontrolle der Grindelwaldgletscher für die Gebrüder Hans und Viktor Boss und mich ein bedeutendes Erlebnis geworden. Die weitere Entwicklung des oberen Gletschers in den nächsten Jahren wird interessante Probleme stellen und für ihre Lösung wichtige Dokumente geben.

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