Pik Korshenevskaja (7105 m)

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( 7105 m

Ruth Sh'itimann-Ht'ss, Zürich Bilder g6 bis 100 Wir stehen auf der sehr treffend benannten Staubwiese am Fusse des Pik Korshenevskaja, und der Sand wirbelt uns um die geduckten Köpfe. Dicht über uns rotiert der Propeller des Helikopters, der uns mit unserem Gepäck hier abgesetzt hat und sich eilends wieder entfernt. Schon drüben im Lager Fortambek lockte uns die schöne Fels- und Eispyramide des Siebentausenders, dessen Spitze just vom Essplatz aus zu sehen war und die sich im abendlichen Sonnenlicht oft rotgolden verfärbte. Ein faszinierender Anblick für Bergsteiger, und sicher ein lohnendes Ziel!

Nun bauen wir für kurze Tage die orangen Leichtzelte zwischen Geröll und Sand auf, kochen uns ein kleines, bescheidenes Nachtmahl und begeben uns bald zur Ruhe.

Der nächste Morgen findet uns bereits um 7.00 Uhr eifrig mit Packen beschäftigt. Wir tragen heute Material ins Lager I, und wie immer wer- den die Rucksäcke schwer und schwerer. Ach, wenn es nur den sich selbst tragenden Rucksack gäbestimmen wir Leidgeprüften ins weitverbreitete Bergsteigergejammer ein. Etwas später queren wir zum Bergfuss und kraxeln in der steilen Schutthalde über loses Gestein mühsam höher. Unglaublich, dass auf so lockerem Schutt ein richtiger Berg stehen kann! Was man anfasst, bleibt in den Händen. Bald sind unsere Spässe verstummt, schweissbedeckt die erhitzten Köpfe, und Tropfen kullern lautlos über die Backen. Das durchnässte Hemd fühlt sich wie ein Fieberum-schlag feucht und kalt an. Nach zwei Stunden Aufstieg lockt eine vorspringende Felsnase zum Ausruhen, und schon thronen wir hoch oben über der Sandwiese, auf der einige russische Berglager stehen. Da haben die Gruppen aus Novosibirsk, der Ukraine und eine Mannschaft aus Leningrad die Zelte aufgeschlagen. Dort verdienen die alpinen Neulinge ihre ersten Sporen im Küchendienst ab, um dann später das Abzeichen der alpinen Grundstufe zu erwerben. Andere sind Anwärter der Kategorie 2 oder 3. Daneben sind « Meister des Sports » und « verdiente Meister des Sports » anwesend. Die sowjetische alpine Creme bilden die « Schneeleoparden », die diesen Rang der Besteigung aller 4 sowjetischen Siebentausender verdanken. Ein ausserordentliches Kunststück, da der vierte Berg im Grenzgebiet zu China steht und aus politischen Gründen gesperrt ist. Wer es, ungeachtet aller Hindernisse, sogar zum « doppelten Schneeleoparden » bringt, dürfte damit wohl die Perle unter den Perlen erreicht haben und zu Ruhm und Ehren auf dieser Ebene gelangt sein!

Inzwischen ist unsere Rast auf dem Sporn beendet, wir sind eine weitere Stunde über einen gut gangbaren Weg angestiegen und keuchen, quasi zum Finale, den letzten Steilhang über grosse Blöcke zum Lagerplatz hinauf. 5220 Meter zeigt der Höhenmesser! Wasser finden wir unweit in einem Gletscherteich. Platz ist für 4-5 Zelte vorhanden.

Hatte sich im Aufstieg das Gespräch nur noch knapp in Gang gehalten, so fliessen jetzt im Ab- stieg muntere Spässe, und bald erreichen wir den Ort des morgendlichen Aufbruchs, 4200 Meter, wo wir im Zelt der Sibirier herzliche Aufnahme finden. Zwei Tage später keuchen wir wieder aufwärts, diesmal mit Zelt und Kocher und unserer gesamten noch verbliebenen Habe. Trotz viel Gewicht fällt uns der Anstieg leichter, eine Folge der bereits besseren Akklimatisation. Wenige Meter nach L I gibt es eine schmale Passage zwischen Fels- und Eisabbrüchen zu überwinden. Schräg fallen die ersten Sonnenstrahlen in die blauen Eiswülste und verleihen diesen eine unwirkliche Brillanz und Schönheit. Der nachfolgende Gletscher wird links von einer Moräne abgegrenzt, die sich ebenfalls gut als Lagerplatz eignen würde ( etwa 5400 m ). Im unschwierigen, aber spaltenreichen Gelände ziehen wir unsere Spur, die sich weiter oben steil zum Begrenzungsfels aufschwingt. Unter einem grossen Felsüberhang bietet sich ein idealer Lagerplatz auf 5940 Meter an, wo eine neunköpfige Bergsteigergruppe aus Ungarn sich bereits eingerichtet hat. Es bleibt aber noch genug Platz für unsere drei Zelte. Selten habe ich einen so geschützten Lagerplatz gesehen wie diesen unter dem 3-4-Meter-Dach, das uns alle schützend unter seine Fittiche nimmt.

Es liegt sehr viel Schnee im nachfolgenden Steilhang, den wir nach rechts traversieren müssen! Aus diesem Grund führt der nächste Abschnitt eher hoch, direkt unter den Felsen durch die stark geneigte Flanke, die sich kurz vor dem Sattel noch steiler aufrichtet. Ausser Marianne, die über starke Kopfschmerzen klagte und deshalb abgestiegen ist, fühlen sich alle wohl. Das ist gut so, denn wenige Meter oberhalb des Sattels eröffnet sich die eigentliche Schlüsselstelle des Berges. Es gilt, einen nach aussen drängenden Felskamin zu überwinden, natürlich auch jetzt mit schwerem Rucksack. Eine gewisse Hilfe bringt das eingehängte Fixseil, dessen oberes Ende bereits auf den anschliessenden Firngrat überleitet. Mit einiger Anstrengung, aber auch mit viel Vergnügen, überwinden wir das Hindernis und stehen etwas später glücklich vereint auf dem Grat, dem wir noch bis 6360 Meter folgen; dort stellen wir das nächste Lager auf. Die ungarische Mannschaft steigt bis 6540 Meter, wo ebenfalls gute Lagerplätze gefunden werden. Den schönsten Abschnitt dieser Besteigung bietet zweifellos der Gipfeltag. Teils aufschmalem Grat, teils über steil aufgetürmte « Schaumrollen », ähnlich wie am bekannten Bianco-Grat, nur in mehrfach aufeinanderfolgender Ausführung, führt der Weg, einer natürlichen Himmelsleiter gleich, bergan. Dem Bergsteiger bietet dieser Teil ein erhebliches alpines Vergnügen. Wir gehen unangeseilt, so dass jeder sein eigenes Tempo einhalten kann. Dementsprechend bilden die benachbarten Ungarn, Österreicher und wir zwei Schweizer bald ein gemischtes Feld, das sich mehr und mehr aus-einanderzieht. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt oder mit seinem unmittelbaren Begleiter. So bemerken wir erst später, dass Ernst, Elisabeth und Günther sich zur Umkehr entschlossen und ihren Gipfelanstieg abgebrochen haben. Bernd, und etwas später Erich, beide bereits im Abstieg, begegnen mir kurz vor dem Sattel, der wenige Meter unterhalb des Gipfels liegt und eine symbolische Weltkugel auf hoher Metallstange trägt. Dann stehen Werner und ich mit zwei Ungarn auf der erkämpften Bergspitze, 7105 Meter hoch. Leider verhüllt sich das Panorama diskret in den Wolken, so dass statt Rundsicht-Aufnahmen einmal mehr vermummte Gestalten pickelbewehrt in Nebelschwaden stehen.

Zum dritten Mal stehe ich auf einem Siebentausender, und wie schon einmal am Noshaq, vertrete ich auch diesmal als erstes weibliches Wesen die rote Fahne mit dem weissen Kreuz. Ob ich damit wohl zum « Dreibeinigen Schneeleoparden » geworden bin?

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