Prof. Dr. F. Becker: Reliefkarte Vevey-Villeneuve

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* Die Auswahl von Publikationen des wohl bekannten Artistischen Institutes Orell Füßli in Zürich aus den letzten drei Jahren, die ich im nachstehenden zu besprechen unternehme, gehört meist den von dieser Firma nunmehr seit Jahrzehnten mit steigendem Erfolge herausgegebenen „ Wanderbildern " an. Bei unserer Nr. 1, 321 — 323 der Zürcher Sammlung, die Berner Alpenbahn, interessieren uns die Kapitel: Zur Geschichte der Lötschbergbahn, Land und Leute, Landschaftliche Schönheiten der Lötschbergbahn noch mehr als die technischen und wirtschaftlichen Erörterungen über den Bau und die Vorteile der Lötschbergbahn, die man ausführlicher und mit allen Belegen in den im Literaturverzeichnis angeführten Denkschriften der Berner Alpenbahngesellschaft aus den Jahren 1911—1913 findet, von denen Dr. Platzhoff-Lejeune gute Auszüge bringt. In der sehr verständigen Besprechung der Geschichte der Lötschbergbahn finden wir als einen der Initianten des Grimselprojektes genannt den „ braven, aus Ostpreußen stammenden, in Aarau niedergelassenen Ingenieur Michaelis ". Sein Projekt, welches Domo d' Ossola mit Luzern ( über den Brünig ) und Bern verband und den Griesgletscher und die Grimsel untertunnelte, wird von der Höhe unserer heutigen technischen Leistungen aus ironisiert. Persönlich verdient der Mann, der die Gegend von seinen Reisen im Berner Oberland 1827 und im Wallis 1828, wo er am 11. September den Allalinpaß von Täsch nach Matlmark überschritt ( siehe 8. A. C. J. XXXIX, 358—361, und Walliserführer Bd. Ilio, 199, wo das Datum zu korrigieren ist ), wohl kannte, keinerlei Spott. Daß sein Projekt noch eingehender Detailstudien bedürfe, hat er ja selber nicht bestritten. Aber es war wohl durchdacht und lebensfähig, wenn auch verfrüht. Daß Dr. Platzhoff die Bezeichnung „ Lötschberg " statt „ Lötschenberg " „ völlig neu und willkürlich " nennt, wird bestätigt durch die Tatsache, daß auch die in der Beilage zu Jahrbuch XXXVI reproduzierte Karte von 1698 überschrieben ist mit „ Prospekt der reparierten Straß über den Lötschenberg im Ampt Frutingen ", aber die knappere Form „ Lötschberg " hat sich nun einmal durchgesetzt und ist schließlich kein Unding. Dagegen möchte ich, im Anschluß an Platzhoffs Rechtschreibung, nicht verfehlen, auch hier gegen die „ völlig neue und willkürliche " Stationsaufschrift Höhten 1081 m, statt Hohtenn, was einzig einen Sinn gibt, ein kräftig1 Wörtlein zu sagen. Im Abschnitt: Land und Leute sind neben einer „ Chronik ", die der Pfarrer von Kandergrund im Jahre 1908 anzulegen begann, wohl auch die im Literaturverzeichnis aufgeführten Schriften des kürzlich verstorbenen Pfarrers Carl Stettier über das Frutigland benutzt worden. Für eine Bahnlektüre genügen diese Angaben; größere Vertiefung in historische Fragen hat der Verfasser offenbar nicht gesucht. Noch weniger genügt freilich die Auskunft über das Lötschental, wo doch die Quellen in verschiedenen Publikationen so reichlich fließen. Über die hochinteressante Frage der Wanderungen der Lötscher, in welcher der Lötschenberg eine wichtige Rolle spielt, lesen wir nichts als die einfältige Phrase, 1346 habe Peter zum Turm einen Teil der Bewohner gleich einer Viehherde für 500 Goldgulden an das Kloster Interlaken verkauft, um die Pfarrei Gsteig zu bevölkern. Daß die Expedition von M. Polier de Bottens 1742 ( von Gastern zu Pferd über den Tschingelpaß nach Lauterbrunnenund das Biwakieren von Truppen auf der Lötschenpaßhöhe ( 1417—20! 1695 ) Dr. Platzhoff „ rätselhaft " blieb, ist auch uns nach allem, was wir und andere darüber schon aufgeklärt haben, „ rätselhaft ". Die Illustrationen, die teils das Technische, teils das Landschaftliche betreffen, sind artig, wenn auch nicht hervorragend. Nützlich ist die Übersichtskarte, welche das Netz der Berner Alpenbahn und der Simplonbalin mit allen Zufahrtslinien umfaßt.

Das hübsch illustrierte Büchlein von Dr. G. Regi: „ Aus den Schweizerlanden-ist in gutem Sinne populär. Am meisten angezogen hat mich, was er vom schweizerischen Nationalpark, vom Zerfall und der Erhaltung der Ütlibergkuppe, und von der Samnaunstraße plaudert, aber auch das Botanische ( über Eichen, Blutbuchen, aus dem Belvoirpark ), Faunistische ( zur Einbürgerung des Steinbockes ) und Volks-kundliche ( aus dem Tößtal ) ist lesens- und kaufenswert.

Weit weg von der Heimat, nämlich nach Korsika, führen uns die Wanderbilder Nr. 298 — 301. Alfred Moderno, der die Insel von längerem Aufenthalt her genau zu kennen scheint, schildert uns Land und Leute in origineller Weise; vielleicht oft stark auf den Effekt arbeitend, etwas sprunghaft, nicht immer gerecht und stark deut8chtümelnd, aber lustig zu lesen. Der Leser, der Bergtourenberichte sucht, kommt freilich auch in dem Kapitel IV: „ Quer durch Korsika ", nicht auf seine Kosten, und darum verzichte ich auf weitere Ausführungen über das Büchlein.

In zwei Bänden, Wanderbilder Nr. 363—366, schildert Else Spiller die neue Furkabahn, durch welche die Verbindung zwischen der Lötschberg-Simplon-Linie und der Gottbardbahn einerseits bereits erstellt ist und der Anschluß an den rhätischen Alpenübergang anderseits noch gesucht wird. Mit bemerkenswertem schriftstellerischem Geschick und guten historischen Kenntnissen, die nur gelegentlich Lücken zeigen — so in der Behauptung ( S. 80 ), daß „ Bonaparte bekanntlich unter schwierigen Verhältnissen den Simplon ( rette Gr. St. Bernhard ) überschritten hatteund mit viel Verständnis für Volksleben und Volkskunde ist die Verfasserin ihrer nicht leichten Aufgabe gerecht geworden. Sie gibt uns nicht nur gute Auskunft über die Geschichte der Furkabahn, die Schöllenen und die Schöllenenbahn, über die Verkehrslinien des Bündner Oberlandes; wir wandern mit ihr den Bahnlinien entlang von Brig das Goms hinauf nach Gletsch und über die Furkapaßhöhe nach Realp, Hospenthal, Andermatt, Göschenen und weiter das Reußtal hinunter; in umgekehrter Richtung, von Disentis, dem Endpunkt der Rhätischen Bahn, das Tavetsch hinauf und über die Oberalp nach Andermatt zum Anschluß an die Furkabahn. Aber unsere Führerin bleibt nicht am Schienenstrang oder an der Haupttalstraße kleben; sie führt uns auch in Seitentäler und zu versteckten Höhen hinauf. So nach Belalp, Aletschgletscher, Eggishorn, Konkordiahütte, Binn-Pommat ( I. Bd. ) oder ins Medelsertal und Somvix ( II. Bd. ). Und überall scheint sie gut zu Hause zu sein, dank sorgfältiger Benutzung der Literatur und Verständnis für das Volkstum der Walliser wie der Rhätoromanen. Dies zeigt sich auch in den geschichtlichen Abschnitten: „ Aus der Vergangenheit des Wallis " ( I. Bd. ) und: „ Was die Geschichte erzählt " ( II. Bd. ). Vorbildlich ist der Abschnitt: „ Sitten und Gebräuche im Goms mit Sprachproben ". Beide Bändchen sind reich illustriert mit photographischen Aufnahmen und Federzeichnungen. Beide haben mir große Freude gemacht und ich kann sie zur Anschaffung bestens empfehlen.

Ebenfalls eine neu entstandene Bahnlinie bespricht das Buch des gewesenen Pfarrers A.J.enny in Basel: „ Arosa und die Cluir-ArosabahrvWanderbilder Nr. 372 bis 374 ). Wir übergehen die dem Kurort Arosa, seiner Entwicklung, seinem Klima, seinen sanitären Einrichtungen und Gasthöfen, seiner Flora und Fauna etc. gewidmeten Abschnitte, welche den größten Teil des Buches füllen, obwohl wir deren Bedeutung für den „ kranken Menschen " nicht verkennen. Ebenso den übrigens ohne technische Details geschriebenen Einschub von Dr. Ing. Nâdai über die Bahnstrecke Chur-Arosa. Wir halten uns lieber an das „ gesunde Menschen " voraussetzende Kapitel: „ Touristik und Wintersport ". Wir erfahren aus diesem, daß es in der Nähe des Kurortes nicht nur eine Menge reizender Alpen und Bergseen gibt, sondern auch eine Reihe besuchenswerter Gipfel, wie Weißhorn, Schießhorn, Rothorn, Erzhorn, Thiejerhorn, Hörnli, Valbellahorn, Sandhubel, Älplihorn, Parpaner Rothorn, Furkahorn, Amselfluh, Mädrigerfluh, Weißfluh und Schiahorn, und Übergänge in die benachbarten Täler, wie Mayenfelderfurka, Thiejerfurka, Strelapaß, Sandhubelpaß, Kreuz, Furcletta, Gredigs Älpli, Urdenfürkli, Carmeuna, Durannapaß, Casannapaß. Mit besonderer Liebe wird das Leben im Winter, seine Sportfreuden, Wettkämpfe usw. beschrieben und alles mit Illustrationen belebt. Auch die Illustrationen zum Bahnbau und -betrieb sind hübsch und zahlreich. Und so können auch diese „ Wanderbilder " mit gutem Gewissen empfohlen werden.

Ähnliches gilt von den Wanderbildern Nr. 89-91, die von Locarno handeln. Ällig hat, soviel ich sehe, an dem Hardmeyer sehen Original nur das Veraltete geändert und nötige Ergänzungen beigefügt. Nach wie vor folgen auf die einleitenden Kapitel über den Langensee, Lage und Klima von Locarno, lebendige Schilderungen der Stadt selbst, ihrer näheren und weiteren Umgebung, der Vallemaggia, Valle Bavona, Valle di Campo und Bosco ( mit Sprachproben !), Valle Onsernone und Centovalli, Valle Verzasca, zuletzt des Uferstriches von Brissago. Überall wechseln landschaftliche, kunsthistorische, touristische uud geschichtliche Gesichtspunkte miteinander ab, so daß keine Ermüdung bei dem Leser entsteht. Den Schluß macht ein Abschnitt: „ Geschichtliches ", der sehr lesenswert ist, und ein Anhang gibt über praktische Dinge, wie Ausflüge, Sehenswürdigkeiten, Tarife usw., Auskunft. 2 Karten- blatter sind den Ausflüglern dienlich. In der Illustration sind zu den feinsinnigen Zeichnungen des 1912 verstorbenen J. Weber viele ganzseitige Tonbilder hinzugekommen, nach photographischen Originalaufnahmen. In summa, eine gute Erneuerung eines guten alten Büchleins.

Das von den Schweizerischen Bundesbahnen konzessionierte, von Orell Füßli, artistisches Institut und Annoncenfirma, herausgegebene Reise-Album der Schweiz ist ein stattlicher Band mit vielen, farbigen und schwarzen, ganzseitigen und Textillustrationen. Es verdient hier Erwähnung, weil es u.a. alpine Bilder, wie Dent du Midi, Tour Sallière, Zinal et le Besso, Hospice du Grand St. Bernard, Matterhorn, Blümlisalp, Wildstrubel, Jungfrau, Eiger, Mönch, Wetterhorn, Bristenstock, Mythen, San Salvatore, Glärnisch, Scesaplana, Tödi, Furkahörner bei Arosa, Morteratsch, Churfirsten, Säntis und Altmann, aufweist. Im übrigen gehört er zur Keklameliteratur für Eisenbahnreisende.

Die Erneuerung des Hardmeyerschen Büchleins über Lugano ( Wanderbilder Nr. 114—116 ) ist Dr. Platzhoff-Lejeune gut gelungen. Er hat pietätvoll das Alte und namentlich seinen intimen Plauderton geschont und sich damit begnügt, hinzuzufügen, was die Entwicklung Luganos zum mächtig aufstrebenden Fremdenort in den letzten 6 Jahren ( vor Ausbruch des Krieges ) nötig gemacht hat. So findet der Leser alles, was er zu wissen nötig hat, über Lugano selbst, seine Geschichte, seine Kunstschätze, sein Klima und das Leben in der Touristenstation. Er wird ferner belehrt über Spaziergänge und Ausflüge in die Umgebung, nach Tesserete und Ca-priasca, Dino-Sonvico und Val Colla, Ponte Tresa. Er wird auf den Monte San Salvatore, Monte Brè und Monte Generoso geführt. Zum Schluß wird ihm „ der künstlerische Genius der italienischen Schweiz " zu Gemute geführt. Dies alles wird jemandem, der wegen seiner Gesundheit oder zum Vergnügen kürzeren oder längeren Aufenthalt am schönen Ceresio nimmt, dienlich und förderlich sein. Aber nicht auf seine Eechnung kommt, trotz der 4 Karten, derjenige, welcher gerne auch über die Bergwelt des Sotto-Cenere Auskunft bekäme. Kaum, daß er über Salvatore, Brè und Generoso, d.h. die Eisenbahnlinien, die hinaufführen, belehrt wird; vom Boglia, von der Zackenkette hinter diesem zwischen Val Colla und Val Solda, welche im Volksmund Canne d' organo oder Denti della Vecchia heißt, vom Tamaro, San Giorgio, San Bernardo, Camoghe ( den Gottlieb Studer einer Besteigung und Beschreibung würdigte ) erfährt er sozusagen nichts. Der Abschnitt Bergfahrten im „ Itinerarium " umfaßt, genau gezählt, 10 Zeilen. Hier sollte eine 6. Auflage des Büchleins mehr bieten. Zu den 40 früheren Illustrationen, von J. Weber, wenn ich nicht irre, sind 16 neue, ganzseitige Tonbilder hinzugekommen.

Bescheiden an Umfang ( nur 66 Seiten ) und über bescheidene Höhen führend, ist doch das Büchlein von Gottlieb Binder: Ütliberg und Albiskeüe ( Wanderbilder Nr. 339 — 340 ) ein angenehmer Weggefährte, der belehrend und kurzweilig zu plaudern weiß und seinen Text mit gut gezeichneten Bildchen und photographischen Aufnahmen schmückt. Eine doppelseitige Karte dient zur Orientierung.

An dem Büchlein von Hans Morgenihaler: Ihr Berge, gefällt mir das Stimmungs-frische, von aufrichtiger Liebe zu dem Erlebten und Geschilderten Zeugende, aufrichtig gestanden, besser als der sprunghafte, manchmal sogar verzerrte Stil, der auch durch den doch nur stilistisch gewollten Tagebuchcharakter nicht hinlänglich motiviert ist. Immerhin sind manche Skizzen in den Abschnitten: Ihr Berge, Ein Bergsehnen, Bergeinsamkeit, gut abgerundet und stimmungsvoll; die Abschnitte Tödi und Von der glückhaften Reise der Familie Pilz erleben wir, obschon sie nur in leisen Strichen angedeutet sind, von Herzen mit. Sehr gut und künstlerisch geraten sind die 33 Federzeichnungen des Verfassers.

Obschon es in der reichsdeutschen, österreichischen, englischen und italienischen Literatur nicht an Büchern fehlte, die man als Ratgeber für Bergsteiger bezeichnen kann und die auch schweizerischen Lesern leicht zugänglich waren, muß man es doch lebhaft begrüßen, daß die Sektion Uto es unternommen und durchgeführt hat, im Anschluß an einen von ihr im Winter 1915/16 veranstalteten Vortragszyklus ein nationales Buch dieser Art herauszugeben, in welchem die betreffenden Vorträge in erweiterter und in sich abgeschlossener Form zum Abdruck gebracht wurden. Zunächst hervorgerufen durch die schweren Unglücksfälle, durch welche im Sommer 1915 der Sektion Uto „ eine Reihe ihrer treusten und besten Mitglieder heimtückisch entrissen wurden ", ist das Buch über diesen düstern Rahmen hinausgewachsen und zu einer kleinen Enzyklopädie geworden, die von berufenen Fachmännern redigiert und vom Verlag gut ausgestattet wurde. Im 1. Band behandeln Emil Erb: Die Geschichte des Alpinismus in der Schweiz; Prof. F. Becker: Wesen und Gebrauch der Gebirgskarte; Prof. A. de Quervain: Wetterkenntnis und Berggefahr; Ing. Fritz Rutgers: Die Lawinengefahr für Touristen; Gustav Kruck: Die Gefahren der Berge; Jean Fritsch: Bergausrüstung; Prof. Albert Heim: Geologisches über das Bergsteigen; Prof. C. Schröter: Die Alpenflora; Wilhelm Heller: Das Photographieren im Hochgebirge; Prof. Leo Wehrli: Alpine Schilderung. Um einmal mit der Besprechung hinten anzufangen, so will ich gestehen, daß ich an Prof. Wehrlis oft etwas boshaften Bemerkungen über „ Schilderungsunfälle " große Freude gehabt habe, selbst da, wo er über das Ziel hinausschießt, wie in seiner Anspielung auf ein „ Gipfel-mittagessen " im Jahrbuch IL. Denn die „ drei halben Güggeli " sind in der Ökonomie des ganzen Artikels wohl begründet. Weniger gefallen hat mir das recht flüchtig gearbeitete Eingangskapitel von Erb, aus dem ich, wie Wehrli, „ abschreckende Beispiele " zitieren könnte. Ich will mich mit dem kuriosen Satze begnügen ( pag. 14 ), daß „ ein kirchliches Bankett das Ereignis der Rückkehr Saussures vom besiegten Montblanc nach Chamonix feierte ". Und warum sind die Besteigungen des Buet, 1770, der Dent du Midi, 1784, und des Mont Vélan, 1779, übergangen und ebenso die zweite Besteigung des Titlis, 1785, welche neben den Montblancbesteigungen von 1786 und 1787 die epochemachenden im 18. Jahrhundert sind? Und warum werden die alten, längst widerlegten Märchen über den Charakter der Reise von Pococke und Windham nach Chamonix 1741 noch einmal aufgelegt und ist als Ziel der Expedition der Montblanc bezeichnet? Die übrigen Kapitel sind alle sachgemäß behandelt und können vom Leser mit allem Zutrauen benutzt werden. Das Zentralkomitee S.A.C. hat die kleine Monographie von Ing. Rutgers durch Separatausgabe den Sektionen und Mitgliedern zu Propagandazwecken zur Verfügung gestellt. Das gleiche gilt in hohem Maße von dem durch Dr. Hans Koenig bearbeiteten 2. Bändchen. Wie schon die vom S.A.C. preisgekrönte Schrift von Pfarrer Baumgartner ( 1886 ) und noch mehr die von Dr. E. Zsigmondy ( 1885, 4. Aufl., redigiert von Prof. Paulke, 1908 ) über die Gefahren der Alpen, bespricht es nicht nur diese, ihre Ursachen und die Mittel zu ihrer Verhütung, sondern gibt Belehrung über die Technik des Bergsteigens, wobei nicht nur die persönlichen Momente ( Ausbildung des Bergsteigers, Teilnehmerzahl, Vorbereitung und Durchführung einer Tour ), sondern auch die sachlichen ( Seiltechnik und Technik in Schnee und Eis ) genau und an Hand von Beispielen besprochen werden. Alles in Anlehnung an die im Jahrbuch S.A.C. aus den Jahren 1890-1912 resp. 1915 registrierten Unglücksfälle ( zirka 1500 in 25 Jahren ) in den Alpen und an persönliche Erkundigungen des Verfassers. Das Neue an Dr. Koenigs Besprechung ist erstens, daß „ ausschließlich solche Fälle herangezogen wurden, die geübte Bergsteiger oder Führerpartien betroffen haben ", und zweitens, daß in jedem der besprochenen 136 Fälle der erste oder wenigstens der beste Originalbericht unter Anführung der Literatur als Grundlage herangezogen wird und daran die theoretischen Folgerungen geknüpft werden. Dies erleichtert die Nachprüfung. Ich kann sagen, daß die Kritik Dr. Koenigs durchweg sachgemäß, vorurteilsfrei und pietätvoll ist. Um so eindringlicher wirken seine Mahnungen und die Schlußworte der Redaktionskommission für beide Bändchen. Die Illustration dient in beiden Bändchen praktischen Zwecken und ist tadellos gelungen, so namentlich auch die Zeichnungen von C. Meili zu Dr. Koenigs Text.

Wenn der Text der 12 Ferienaufsätze, betitelt „ Heures de Liberté ", von dem Herausgeber Otto Eberhard nicht stark „ beeinflußt " worden ist, was ich fast voraussetzen muß, so ist der 13jährige Lionel Morton, der Sohn eines englischen Ingenieurs an der Jungfraubahn, ein frühreifer Knabe, als Bergsteiger wie als angehender Literat. Erzählt werden eine Skipartie über den Harder, im Januar, eine Besteigung der Jungfrau, vom Jungfraujoch aus, mit seinem Vater und einem Führer, im August: dazwischen allerhand Schüler- oder FamilienausMge mit ernsten und lustigen Abenteuern, ein Besuch der Beatenhöhlen, Fischfang, Jagd, eine Bootsfahrt auf dem Brienzersee, Weihnachten in der Schule usw. Dazwischen eingestreut Sagen und Märchen aus dem Berner Oberland und, was ein bißchen nach Reklame schmeckt, eine Skizze der Geschichte der Jungfraubahn und ein Auszug aus einem Kapitel von Konrad Falkes „ Im Banne der Jungfrau ". Einige hübsche Landschaftsbilder, das Titelbild des jungen Autors, eine Karte des Berner Oberlandes und ein „ Vocabulaire " dienen dem Zwecke dieses sicherlich neumodischen „ Lesebuches für deutsche Knaben und Mädchen, die Französisch lernen wollen "..

Wie Dr. Täuber uns in seiner Vorrede selbst auseinandersetzt, enthält seine neueste Sammlung von Aufsätzen, die zuvor in den Jahrbüchern des S.A.C., in der illustrierten Monatsschrift „ Die Schweiz " und in der „ Neuen Züricher " Zeitung erschienen sind, „ fremde " Bergpfade, vom Standpunkt des Nordostschweizers, und „ Bergpfade " größtenteils. Daß im Gegensatze zu seinen früheren Publikationen bei Orell Füßli ( Die Berner Hochalpen; Aus den Tessinerbergen; Das Walliser Hochgebirge ), die wir früher besprochen haben, diesmal, wie der Verfasser meint, „ Land und Leute und persönliche Verhältnisse eine größere Rolle spielen ", kann man nur begrüßen. Dr. Täuber selber lernen wir aus einem Vortrag, den er seinem Buche vorangestellt hat, als einen in arbeits- und entbehrungsreicher, aber doch froher Jugendzeit flügge gewordenen „ Wandervogel " kennen. Und dieser Neigung zum freien, wenn auch strapaziösen Herumstreifen frönte auch der Erwachsene, wie der Aufsatz: Zu Fuß nach München auf Umwegen aus dem Jahre 1902 beweist. Das Credo Täubers lernen wir aus dem Kapitel: Warum ins Gebirge? kennen; eine Seite seiner wissenschaftlichen Anschauungen in der Skizze: Aus dem Leben der alten Räter. Im übrigen wandern wir mit ihm in bunter und doch durch das Interesse des Verfassers zusammengehaltener Wechselfolge durch die Pyrenäen, die West- und Ostalpen, die Karpathen, den Balkan und Griechenland, durch Korsika und Sardinien bis nach Nordafrika. Wir weilen mit ihm im tessinischen Val Onsernone und an den oberitalienischen Seen oder durchfliegen im Auto das Tirol. Wir begegnen ihm auf höchsten Gipfeln wie Gran Paradiso, Monte Viso, Barre des Ecrins, Königsspitze, Großglockner, wie an den klassischen Stätten Mont Ventoux, Achilleion, Pentelikon, Parnassos. Und überall in regem, freundlichem Verkehr mit den Einheimischen oder zufälligen Reisegefährten bereichert er sein und unser Wissen in origineller Weise. Zu den in den früheren Veröffentlichungen im Jahrbuch und in der „ Schweiz " publizierten Bildern sind in dieser abschließenden Sammlung eine stattliche Zahl von Textbildern, vorwiegend nach eigenen Aufnahmen Dr. Täubers, hinzugekommen.

Die mit einer hübschen Umschlagdecke, Schloß Blonay, wenn ich nicht irre, darstellend, versehene Reliefkarte von Prof. Becker umfaßt das nördliche Ufer des Genfersees von Vevey bis Villeneuve, und zwar vom Seegestade bis hinauf zu den Felshöhen, welche den Kanton Waadt vom Kanton Freiburg trennen, mit Cape au Moine, Dent de Jaman, Rochers de Naye usw. Dieses Terrain ist reich gegliedert und erlaubt dem Kartographen, wenn er zugleich, wie Prof. Becker, ein Künstler ist, abgestufte Landschaftsbilder zur Darstellung zu bringen, von den dichten städtischen Siedelungen über das Rebgelände, die ( spärlichen ) Bauerndörfer und Höfe, die Waldparzellen und Alpweiden bis hinauf zu den kahlen Kalkgraten. Der verschiedene Eindruck, den diese Besiedelungs- und Vegetationsstufen in der Natur auf das Auge hervorbringen, wird nachzuahmen gesucht durch innerhalb einer beschränkten Farbenskala gewählte diskrete Farbtöne, neben denen die bläulichen Gewässer und die dunkel gehaltenen Kommunikationen, insbesondere die vielen Bergbahnen, unaufdringlich, aber sinnfällig genug in die Erscheinung treten. Die mathematisch-geo-graphische Grundlage bildet ein mit Autorisation der Schweizerischen Landestopographie vom Verfasser entworfenes Kartenbild in 1: 30,000 mit Kurven von 20 m Äquidistanz. Das Neue gegenüber ähnlichen Publikationen der Landestopographie, des S.A.C., von Kümmerly & Frey usw. ist „ die Beleuchtung von oben rechts, die, bei der Orientierung der Karte nach Nordost, einer natürlichen Morgenbeleuchtung entspricht und die Plastik der Bodenformen vorzüglich zum Ausdruck bringt ". Daß diese Bemerkung des Verlags Orell Füßli für diese Karte zutrifft, ist ohne weiteres zuzugeben. Eine andere Frage ist, ob dieses von Prof. Becker ausschließlich gefeierte System überall mit Vorteil angewendet werden könne; ebenso, ob „ ungeübte Kartenleser " hier wirklich das Terrain „ mit den Augen spüren ", was das Ideal einer Reliefkarte wäre. Ich fürchte, daß etwas „ Convention " auch bei dieser schönen Leistung unüberwindbar ist.RedaMion.

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