Reise zum östlichsten <Viertausender> der Alpen

Remarque : Cet article est disponible dans une langue uniquement. Auparavant, les bulletins annuels n'étaient pas traduits.

leise zum östlichsten der Alpen

Patrick Hilber, Uerikon

Ausgangspunkt unseres ist das seit jeher viel besuchte Touristenzentrum Pontresina. Wie im Mittelalter beginnt die Fahrt per Pferdekutsche, zuerst einem Wildbach entlang, dann dem Weg nach hoch durch Lärchenwälder, bis wir uns in einer bereits alpin anmutenden Umgebung befinden. Hier endet der Teil der Reise. Wir schultern deshalb die Rucksäcke und marschieren zu dritt das Val Roseg hinauf, allmählich an Höhe gewinnend.

Weit oben leuchtet der Gletscher funkelnd herab. Das letzte Abendrot erlischt bereits, als wir bei dem vom Piz Morteratsch herkommenden Moränenwall links halten, um zur Tschiervahütte zu gelangen. Von Warnpfiffen der Murmeltiere begleitet, erreichen wir bald die massig sich hinlagernde Bergunterkunft.

Wir setzen uns, essen währschafte Kost und geniessen die immer wieder aufsteigende innere Freude, hervorgerufen durch den Ausblick auf die prächtige, vom fahlen Mondlicht übergossene Bergwelt. Zu unseren Füssen liegt der zerrissene Tschiervagletscher; ganz rechts dahinter erhebt sich die Sellagruppe, während unmittelbar zu ihrer linken der Piz Roseg folgt, der mit seinem 50 ° steilen, 700 Meter sich aufbäumenden Eispanzer zu den ganz grossen klassischen Eistouren zählt. Weiter östlich steht der Piz Scerscen, der von Nordwesten her eine prima Gratkletterei mit anschliessend luftiger Eisnase bietet und mitten im Zentrum dieses gewaltigen Panoramas - Anziehungspunkt und Blickfang zugleich -die Bernina,

Morgens um vier weckt uns der Hüttenwart. Nach einem rasch hinuntergeschlungenen Frühstück sieht er bald die beiden Lichter unserer Stirnlampen entschwinden. Auf dem Gletscher angelangt seilen wir uns an und montieren die scharfgeschliffenen Steigeisen. Über schmale Schneebrücken und an tiefen Gletscherspalten vorbei führt uns der Zustieg gegen den Piz Scerscen. Schon werden die Sterne vom ersten Tageslicht verdrängt, als wir den Einstieg der Piz Bernina-Westwand auf über 3000 Meter erreichen. Eine kleine Pause ist verdient. Welch erhebendes Gefühl, in Ruhe die umliegenden Gipfel mit den zahlreichen schönen Erinnerungen, die sie uns bereits geschenkt haben, bewundern zu können. Schon viele Touren haben wir gemeinsam unternommen, Alfi Weber und ich, wobei uns auf allen Wegen stets Spass, Witz und Vertrauen begleiteten.

Wir müssen aufbrechen. Mit gewohnter Sicherheit überklettert Alfi den steilen Bergschrund. Die folgende Eisrinne lässt uns ahnen, worauf wir uns hier einlassen. Unter einer dünnen Schneeschicht schimmert uns das Eis grün und dunkelblau entgegen, so hart, als hätte man es dem Gefrierfach entnommen. Eine Frage drängt sich auf: ist es bei diesen Der berühmte Biancograt-genau wie im ( Bilderbuch ) Blick auf die Piz Roseg- Nordostwand Bedingungen sinnvoll, die Tour fortzusetzen? Das gute Wetter und die bereits zurückgelegte Wegstrecke reden jedoch eine andere Sprache. Die Zweifel verfliegen. Wir machen weiter! Die schwierigen Eisverhältnisse zwingen uns, den gesamten Aufstieg mit Eisröhren abzusichern. Dies verleiht der Route sofort einen bedeutend ernsthafteren Charakter. Zugleich geht Zeit verloren. Die bereits zurückgelegten Höhenmeter setzen auch unseren Wadenmuskeln arg zu - schliesslich können sich von allen 14 Zacken unserer Steigeisen nur die beiden Frontzähne im Eis verkrallen. Trotzdem bringen wir Seillänge um Seillänge hinter uns, nur ab und zu unterbrochen von energisch geführten Pickelschlägen, die ganze Eisschollen lösen, welche, Glasscherben gleich, in rasender Eile über die glatte Wand talwärts schlittern. Weit weg, auf dem Gipfelgrat, strebt die erste Seilschaft des Tages nach oben. Ein Jauchzer tönt zu uns herunter, gleichzeitig eine Reihe von Echos auslösend. Die Sonne steht schon hoch am Himmel und sendet ihre brennenden Strahlen in unseren Schneetrichter. Automatisch steigern wir das Tempo, um dem gefährlichen Steinschlag der noch folgenden Seilschaften auf dem Biancograt entgehen zu können. Aus Sicherheitsgründen wählen wir deshalb nicht den Wandausstieg, sondern suchen unseren Weg durch einen etwas steileren, links hochziehenden Eisschlauch.

Endlich stehen wir auf dem Gipfel, neue Gebiete eröffnen sich unseren Blicken: vor uns der Dreispitz des Piz Palü, weiter zurück folgt die Bergwelt Italiens und Österreichs. Die gesammelten Alpen scheinen uns zu Füssen zu liegen. Nach einer längeren Rast steigen wir über den messerscharfen Biancograt ab.

Acht Stunden später, wieder an meinem Arbeitsplatz, werke ich, wenn auch etwas müde, aber zufrieden und mit einer einmaligen Erinnerung im Herzen. Wie schön das Leben doch sein kann!

Beim Abstieg. Noch stehen wir ganz im Banne unseres Erlebnisses '':-;.*;-«.>-?« '

Feedback