Reminiszenzen von einer vorweihnachtlichen Fahrt im Süden von Feuerland

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VON H. R. KATZ ( PUNTA ARENAS, CHILE )

Mit 6 Bildern ( 91-96 ) Es ist das Land der Guanacos und Kondore, der Steppen, Wälder und Moore, der Seen, Berge und Gletscher; eines der abgelegensten Länder unserer Erde, weltfern, sturmumtobt, rauh - aber herrlich in seiner einsam wilden Schönheit.

Feuerland - welch magisch klingender Name! Südspitze des amerikanischen Kontinentes, viel weiter südlich liegend als irgendein Land auf diesem Erdball, ausgenommen das Südpolargebiet selbst. Eine Weltumsegelung von hier aus würde eine einzigartige Seefahrt: ohne je anderes Land zu erblicken, könnte ein Schiff hier rund um die Erde fahren, bis es wieder Feuerland vor sich hätte... Auch deshalb wohl ist das Klima so rauh. Tatsächlich befinden wir uns ja nicht näher dem Südpol als etwa in Hamburg dem Nordpol, aber alles deutet auf stürmisches Meer und nahe Nachbarschaft mit der Antarktis. Einen richtigen Sommer gibt es kaum, und die Wald obergrenze liegt bereits auf 600-700 m über Meer; so zeigen auch wenig hohe Berge schon sehr bald alpinen bis hochalpinen Charakter. Gletscher mit grösserem Einzugsgebiet reichen mitten durch diese schmale, wenn auch meist sehr dichte Waldzone hinunter bis ganz zum Meer. Und da tummeln sich Robben, Seelöwen und auch Pinguine in Scharen...

Aber auch Menschen bewohnten früh schon dieses Land. Feuer unterhielten sie überall, wo sie lebten, und mit Rauchsäulen gaben sie einander Zeichen über die Berge und Meeresstrassen hinweg. Es waren die Onas auf der grossen Insel, zum Stamm der patagonischen Indianer gehörend ( wie der Name sagt, Menschen von aussergewöhnlicher Körpergrösseein Jagd- und Wandervolk, als Kleidung nur einen losen Fellüberwurf besitzend. Und die Alakalufs und Yaganas in dem Insel-und Fjordgewirr des westlichen und südlichen Archipels, völlig nackt lebend, in zerbrechlichen Booten herumfahrend und sich ernährend von dem, was das Meer gibt, von Krebsen, Muscheln und Algen. Wohl die primitivsten und abgehärtetsten Menschen, die in neuerer Zeit noch auf unserer Erde zu finden waren. Doch sind sie ausgerottet worden von der modernen Zivilisation, praktisch ausgestorben im Verlauf der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Nur kümmerliche, degenerierte Überreste von einigen Dutzend Seelen existieren da und dort noch.

Heute ist Schafzucht der Reichtum der öden, sturmgefegten, baumlosen Steppengebiete im nördlichen und nordöstlichen Feuerland. Motorfahrzeuge verkehren auf den endlosen Strassen, Flugzeuge überfliegen es und landen an weltverlassenen Orten, die aus dem Nichts herauswachsen - und wiederum brennen die Feuer, ununterbrochen, Tag und Nacht. Geisterhaft sind da und dort, weitherum die tief hängenden, vom Wind zerzausten Wolken am Nachthimmel von flackerndem Rot erhellt: Erdgas! Fackeln der industrialisierten Ausbeutung nicht nur der Steppenoberfläche, sondern des Erdinnern. An Ort und Stelle wird das überschüssig ausströmende, nicht verwertbare Gas auf diesen südlichsten Erdölfeldern der Erde verbrannt. Doch uns locken ja die Berge, die sich im Süden in einsamer Ferne erheben. Und so befinden wir uns eines schönen Tages im abgelegenen Zeltlager in einem kleinen Waldtal, über dem kahl und felsig die Berge in die Höhe wachsen. Eine schöne Waldwiese ist nützliche Weide für unsere Pferde, und ein friedliches Flüsschen schlängelt sich durch den Talboden. Das Wetter hat sich verschlechtert, und jetzt fällt Schnee; leise hüllt er alles in Weiss. Dicht, ununterbrochen fällt Schnee auf den Wald. Ruhe und Frieden überall, eine echte Weihnachtsstimmung überkommt mich; denn es ist Dezember, und ich erinnere mich an daheim im fernen Norden, wo jetzt tatsächlich Winter ist -wie oft hatte ich doch in früheren Jahren zu dieser Zeit diese selbe Stimmung in mich aufgenommen!

Aber wie - hier wird es kaum richtig Nacht, ein Tag gleitet in den anderen über mit nur kurzem Unterbruch von einigen Stunden Dämmerung, aber kaum richtiger Dunkelheit. Denn hier ist es ja Sommer, wir stehen nahe vor dem längsten TagAber doch fällt der Schnee, immerzu, leise und dicht.

Bei scharfem, kaltem Südwind reiten wir später das Tal hinauf, das wieder schneefrei daliegt, und an einem Berghang bis über die Waldgrenze hinauf. Dann geht 's weiter zu Fuss. Die Berge in dieser Gegend sind zuoberst meist recht flach, wie vom ewigen Sturmwind reingefegt, ausgeebnet. Plötzlich ein Rudel Guanacos, das gemächlich über Geröllhalden und steile Schneefelder aufwärtszieht. Rasch will ich versuchen, hinter einem Felsgrat verborgen, ihren Weg abzuschneiden, um von nah einige Photos zu erhaschen. Doch wie tobt der Wind! Es kostet die grösste Anstrengung, und wie ich endlich mit schussbereiter Kamera gegen eine Felslücke komme und mich aufrichte, da wirft es mich beinahe zu Boden. Doch der Moment ist es wert: ein ganzes Rudel dieser stolzen Tiere ganz nah vor mir auf sturmumtobter Bergeshöhe; sie hingegen scheinen den Wind überhaupt nicht zu bemerken. Ruhig stehen sie da, bis sie endlich und ganz erstaunt mich erblicken - doch wissen sie erst gar nicht, was sie davon halten sollen. Dann ihr zischender Warnungslaut, sie werden nervös und drehen sich um, schauen aber nochmals zu mir, bevor sie fast plötzlich hinter dem Kamm verschwinden.

Es sind stolze Tiere, diese Guanacos, und zeigen meist auch eine ziemliche Dosis Neugier. In den Bergen sind es Grattiere im wahrsten Sinne des Wortes: hoch aufgerichtet sieht man sie auf einem Felsvorsprung über dem Tale stehen und von Grat zu Grat die Flanken der Berge ablugend. Ihre Stellung, ihr Gehaben entspricht ganz demjenigen unserer heimischen Gemsen; man trifft sie überall, auch über die unwirtlichsten Felseshöhen führen ihre Pfade. Daneben aber leben sie ebenso in den Wäldern, und rudelweise sieht man sie frühmorgens auf den Waldwiesen und in den sumpfigen Tälern weiden, ganz wie unsere Rehe. Mehr noch: gegen Norden zu, dort, wo das Klima trockener ist und die Wälder der offenen Steppe weichen, wo auch das Land niedrig und endlos flachwellig ist, führen diese selben Guanacos das Leben eigentlicher Steppenbewohner. Und immer sind es prächtig schöne, edle Tiere; oft sind sie so gross fast wie ein Pferd, aber ihre Sippe und Form ist ja kamel-artig, und dazu sind sie zart wie Rehe und behende auch an steilen Bergflanken und im Geröll wie die Gemse. Wirklich ein eigenartiges Tier, so viel in sich vereinend!

Einmal sind wir über schneeverwehte Höhen zum Lago Deseado geritten, der in grösserem Längstal, völlig von Wäldern umgeben, tief eingeschnitten zwischen verhältnismässig hohen Bergen liegt; eine Perle von einem See, zwar etwas düster und unnahbar. Seine beiden Längsufer sind so steil, dass man keinen Durchgang ihnen entlang findet; es sei denn im Wasser selbst, über steinigen Seeboden so nahe wie möglich am Ufer entlang reitend. Doch da versperrt ein Gewirr herabgefallener Bäume noch und noch den Weg, und Säuberungsarbeit mit der Axt verzögerte die Reise unserer Pack- und Reittierkarawane sehr. Später aber gingen wir durch ein Seitental südwärts hinauf, und nun steht ein Lager in lieblicheren Höhen im Herzen der grossen Bergkette, welche nördlich der Senke des Seno Almirantazgo und des Lago Fagnano gewissermassen eine Vorpostenkette zur feuerländischen Hauptkordillere bildet ( der Cordillera Darwin ). Jene: noch stets unnahbar und praktisch unbekannt, kalt und abweisend, eine gigantische Mauer von enorm vergletscherten Bergriesen, die sich fast stets in Nebel und Schlechtwetterwolken hüllen; doch welch erhabener Anblick, wenn ausnahmsweise einmal sie ihre Häupter in blendendem Weiss gegen unendlich zartblauen Himmel erheben - zarte und doch so intensive Farbkontraste, wie sie nur Gebieten der Eisklimate eigen sind!

Bei grauem, windigem Wetter, aber mit guter Sicht unternehmen wir eine Rekognoszierungstour auf einen der höheren Berge in der Umgebung. Wie immer, gilt es zuerst den Wald an steilen Hängen zu durchklimmen; doch an seiner Obergrenze geraten wir da in ein unmögliches Gewirr von « Legföhrendickicht ». Natürlich sind es keine Föhren, sondern eine Art Buchen ( Nothofagus pumilio und N. antarctica, Buchenarten der südlichen Hemisphäre, nebst der immergrünen N. betuloides die ausgesprochenen Charakterpflanzen der patagonischen und feuerländischen Anden ), dieselben, wie sie auch den hochstämmigen Wald bilden, nur in anderer Wachtumsart. Diese « apa-ragados » sind weit verbreitet an der oberen Waldgrenze und nur mit grösster Mühe zu durchqueren, falls man nicht das Glück hat, auf gut ausgetretene Pfade der Guanacos zu stossen. Doch endlich sind wir auch hier über Wald und Gestrüpp, und leichter und freier lässt 's sich gehen. Über Alpweiden und Geröll streben wir da einem kleinen Pässchen zu - welche Überraschung, als wir oben ankommen! Durch steiles, enges Tal nach Süden zu sehen wir direkt auf den Lago Fagnano, und jenseits in völlig klarem, blauem Himmel unendliche Zacken und Pyramiden kristalliner Gebirgsmassive mit Gletschern und Schnee. Noch immer ist es grau über uns, aber dort im Süden, welch unerwartetes Ereignis, ist das Wetter also besser. Eine einzigartige Fernsicht werden wir haben, sind wir nur erst einmal auf einem der Gipfel!

So nehmen wir den schönsten und höchsten der nun ganz nahe stehenden Berge in ungeduldiger Erwartung in Angriff. Es sind graue Burgen und Schlösser, diese Berge, von sehr einförmigem Gestein aufgebaut; steile, enorm zerklüftete Wände und Grate mit Zacken und Türmen sind aus stark verfaltetem und arg gequetschtem Schiefergestein herausmodelliert. Steil geht 's über meist plattiges Geröll aufwärts. Wie wir in die Felsen kommen, wirbelt der Wind Schneestaub von der anderen Seite her auf uns herab; scharf pfeift er über die Grate, so dass man bald durchdringende Kälte verspürt. Da ziehe ich vor, meine altbewährten, winddichten Überhosen aus dem Rucksack zu nehmen; ihre Taufe hatten sie im nördlichen Polargebiet erhalten, so werden sie wohl auch hier im extremen Süden ihren Dienst versehen - wie gut doch, solche Dinge sich aufzubewahren und bei der Hand zu haben jetzt!

Fast 1200 m hoch ist unser Gipfel; mehr als 1000 m tiefer, direkt unter uns, breitet sich zwischen Waldhängen und Mooren der immense Lago Fagnano aus. Hier völlig von hohen, z.T. vergletscherten Bergen umgeben, zieht er sich geradlinig und breit seine 100 km weit nach Osten hin, dort bis in offene, fast flache Pampas reichend. Mehr aber wird unser Blick gefesselt durch die Unzahl der lückenlos sich aneinanderreihenden und hintereinandergestaffelten Berge im Süden - hohe und höchste, wilde, einsame Gipfel und vergletscherte Massive vom fernen Südosten bis weit nach Südwesten.

Fast so viel wie die gesamten Schweizer Alpen kann der Blick von hier aus umfassen, und doch -ein wie winziges Stück ist dies in der kaum vorstellbar grossen, gewaltigen Gebirgskette Südamerikas! Um ihren alleräussersten Ausläufer handelt es sich nur, um die bereits von unzähligen Meeresarmen zerrissenen, ins Südpolarmeer ausstreichenden, letzten Gebirge der andinen Kordillere. Das Kernstück dieser hier stark nach Osten abgebogenen, feuerländischen Anden zeigt sich uns leider auch diesmal nicht ganz; eine dichte Nebelbank hüllt jenen Teil ein, und nur da und dort sind einige der höchsten, völlig eisgepanzerten Bergriesen sichtbar. Wie stark die Vergletscherung, d.h. die Eisreserven und der ständige Zuwachs in den Firngebieten sein müssen, ersieht man aber auch darin, dass z.B. der Marinelligletscher in einer Zone, wo normalerweise dichter Wald bis auf 600 m Höhe reicht, mit noch 5 km breiter Front bis zum Meer hinunterstösst.

Schauend und staunend, photographierend und wieder schauend bleiben wir trotz scharfem Wind mehr als eine Stunde da oben. Wie oft passiert es doch, dass man den Blick kaum noch trennen kann von solch erhabener Grosse; wenigstens mir geht es so, und schon häufig musste ich mich geradezu zwingen, an den Abstieg zu denken und den Gipfel wieder zu verlassen. So auch hier; doch dann sind wir in kürzester Zeit in der Tiefe, fast alles über Geröll und steile Schneehalden abfahrend. Eine unvergessliche Bergfahrt ist hinter uns, und glücklich wandern wir dem Lager zu.

Ein andermal finden wir noch reitend mit den Pferden einen Durchschlupf durch die obersten Waldpartien und können so zu einer Berggruppe viel weiter östlich gelangen, wohin uns unsere an alle Strapazen gewöhnten Vierbeiner über Guanaco-Alpweiden, Moränen, Geröll und sogar Schneefelder tragen. In einem prächtigen Talkessel, bei den letzten Futterplätzen an sprudelndem Gletscherbach lassen wir sie zurück und wandern nun zu Fuss weiter aufwärts. Unterhalb eines sehr reduzierten Kargletschers mit hervorstechend schwarzer, völlig aus Tonschiefer bestehenden Moräne trennen wir uns, und allein ziehe ich meine Spur durch noch stark schneebedecktes Gelände einem grösstenteils aperen Geröllcouloir zu. Dessen oberstes Stück jedoch ist wieder ganz im Schnee, der weich und lose über dem sehr steilen Gelände hängt, so dass ich ein Ausweichen nach rechts in die Felsen oberhalb für vorteilhafter erachte. Mühsam ist 's, aber endlich bin ich in der Gratlücke, und wiederum öffnet sich ein so unerwarteter Blick auf das « Jenseits »: das ist ja immer wieder die Überraschung, der grosse Unterschied zu Bergtouren in den Alpen, wo nebst gedrucktem Tourenführer jedermann eine genaue, das kleinste Detail abzeichnende Karte besitzt und sich zum voraus ein präzises Bild der anzutreffenden Geländeformen machen und sich in jedem Moment genau orientieren kann. Hier nicht; wohl haben wir auch Karten, aber manchmal sind ganze Täler falsch eingezeichnet, und Geländeformen im Detail gibt es ohnehin nicht - Höhenkurven nur alle paar hundert Meter eine, und der Maßstab ist 1: 1 Million; vielleicht zwar vergrössert bis auf 1: 250 000, aber ohne deswegen genauer zu sein! So ist nur eine ganz grobe, sehr allgemeine Orientierung möglich, und im einzelnen bieten eben das Gelände, die Berge und ihre Formen immer wieder volle Überraschung, alles ist praktisch völliges Neuland.

So auch hier, wie ich da plötzlich durch enge Gratlücken den Blick nach Osten freibekomme: ein weites, steil konvex gewölbtes Firnfeld mir zu Füssen, von schwarzen Moränen eingerahmt; unter- halb eines Felsabsturzes ein tiefes, von dichtem, grünem Urwald eingenommenes U-Tal, und jenseits Berge und nochmals Berge. Schwarze Pyramiden mit schneebedeckten Flanken, irgendwo ein weiter, glazial ausgehobelter Passübergang mit zahllosen Seelein; doch zwischen einigen der Gipfel hindurch sieht man fernen, flachen Steppenhorizont gegen kalt-klaren, rötlich bis azurblauen Himmel anstossen. Ein seltsam farbiges Bild, so rar, so unwirklich - ob dies noch zu unserer bekannten, bevölkerten Erde gehört? Ich weiss es nicht, fast möchte ich es bezweifeln... Und doch weiss ich, dass hier irgendwo sogar eine politisch wichtige Grenze durchzieht! Sehr theoretisch zwar, denn noch niemand hat sie gesehen, niemand hat sie markiert im Gelände. Nur an Kon-ferenztischen in den Tausende von Kilometern entfernt liegenden Hauptstädten beider Länder ist sie festgelegt worden, auf den Landkarten gezogen als schnurgerade, nach der geographischen Gradeinteilung orientierte, von Norden nach Süden laufende Linie quer über Berge und Täler hinweg!

Nicht über die von Menschen künstlich festgelegte Grenzlinie durch ein Land, wo Menschen überhaupt nicht verweilen, wohl aber über die naturgegebene Souveränität der hier einheimischen Tierwelt gibt es da Wächter, deren scharfem Auge nichts, aber auch gar nichts entgeht: die Kondore! Wo immer man geht, durch Täler oder über Bergeshöhen, da trifft man sie, einzeln oder in Mehrzahl, und meist kommt dieser gewaltigste der Vögel auch bald ganz in die Nähe. Unzweifelhaft, der Kondor ist neugierig, aber immer ist diese Neugier mit drohender, unnahbarer Haltung gepaart. Lautlos schwebend seine Kreise ziehend kommt er näher und näher, wobei er seinen eher hässlichen Kopf weit vorreckt und ständig nach allen Seiten bewegt, unablässig scharf auslugend. Ohne auch nur einen Flügelschlag zu tun, ist er im nächsten Augenblick in weiter Ferne und mehrere hundert Meter höher am jenseitigen Berghang, so dass man ihn kaum noch sieht; aber er kommt wieder, und von nah oder fern verfolgt er nun über weite Strecken unsern Weg. Was für ein König über unendlichste, unberührte Bergeswelt, und was für ein Flieger! Über den weit höheren Gipfeln der nördlichen Anden ist es ihm genau so wohl, wo ich ihn auf über 5000 m Höhe ebenso ruhig seine Kreise hatte ziehen sehen; in den dort eng zwischen himmelstrebende Berge eingekerbten, unglaublich tiefen Tälern hebt er sich innert Minuten und ohne je mit den Flügeln zu schlagen, wahrhaftig Tausende von Metern in die Höhe! Änderungen im atmosphärischen Druck und Sauerstoffgehalt, die bei uns Menschen so bald schon unangenehmste oder gar katastrophale Folgen haben, scheinen vom Kondor überhaupt nicht bemerkt zu werden, so anpassungsfähig ist sein Organismus. Ohne « Akklimatisierungszeiten » zu benötigen, kann er, von Augenblick zu Augenblick wechselnd, sich jederzeit irgendwo zwischen 0 und 6000 m Höhe aufhalten! Über der Erde, über Tälern wie auch höchsten, eisgepanzerten Bergriesen ist er der wahre König der Lüfte wie kein Lebewesen sonst.

Ob man Angst vor ihm haben muss? Ich denke kaum. Trotzdem - als ich mutterseelenallein über engen Felsgrat wanderte, wo es auf beiden Seiten recht steil und tief hinunterging, und da aus den wild zerklüfteten Flanken eines benachbarten Berges ein solcher Kondor gegen mich heranschwebte, so nah, dass ich ihn mit einem kurzen Steinwurf hätte erreichen mögen, und bald ein zweiter und dritter — nein, sechs, ja sieben dieser schwarzen Riesenvögel nun ständig um mich herum waren, links und rechts, vorn, über mir, hinter und unter mir: da wurde es mir doch etwas unangenehm, beinahe unheimlich zumute! Scharf pfiff dazu der Wind, doch leicht und vollendet liessen sich die Vögel in der Luft herumwerfen, schössen unbeweglich, doch pfeilschnell mit dem Wind vorbei in die Tiefe und gleich darauf hoch in die Höhe, wendeten und segelten nun gegen den Wind ganz langsam wieder auf mich zu, wobei sie oftmals geradezu stillstanden in der Luft, ganz nah und direkt auf Kopfhöhe neben mir...; sich so Aug in Auge diesen Raubrittern der Lüfte gegenüberzusehen, von sieben stechenden, dunklen Augenpaaren von allen Seiten gleichsam durchbohrt zu werden, so dass man sich trotz festem Felsgrund unter den Füssen recht unbeholfen vorkommt diesen aufreizend stummen, teuflisch aussehenden Fliegern gegenüber - das ging tatsächlich bereits an die Nerven. Ich schaute an die Uhr; eine volle Stunde dauerte dieses Schauspiel, währenddessen ich immerhin eine Menge von Nahaufnahmen in allen Stellungen der Kondore im Flug zu erhaschen hoffte. Aber ja - wie oft zeichneten sich die typisch gespreizten, nach aufwärts gerichteten Flügel scharf und gross im Sucher ab, als ein Sausen durch ebensolche Flügel in meinem Rücken mich hastig umdrehen - und somit nicht abdrücken liess! Besonders die Weibchen ( es waren deren drei ), kamen für meine Gefühle oft allzu nah, auch wollte ich ja nicht so sehr sie wie vielmehr die schärfer gezeichneten Männchen photographieren, besonders wenn jene etwas unter mir durchflogen und somit das Weiss auf ihrer Flügeloberfläche sichtbar werden liessen.

Endlich - nachdem alle sieben Kondore bereits einmal verschwunden gewesen, es aber wieder auf meine Nähe abgesehen hatten, als ich zum Abschluss meiner Tour einem am Weg liegenden, weit über das Tal hinausragenden Gipfel zustrebte - verabschiedeten sie sich endgültig, so lautlos, unzeremoniell und plötzlich, wie sie gekommen, als ich auf der Gegenseite die Hänge, Felsen und Geröllhalden hinunter in die Tiefe hielt und das Tal hinauswanderte, dem Platze zu, wo unsere Pferde warteten.

War dieser Tag auch meist grau und von unfreundlichem, kalt-windigem Wetter gewesen, so lag nun goldene Spätnachmittagssonne über den Hängen, was unvermittelt die schönsten Gefühle und Erinnerungen an Bergfrühling daheim in den Alpen aufkommen liess. Ja, dies war es: Skitouren im Frühling in den Bergen, daran erinnerte und danach sehnte ich mich! Die Umgebung hier, sie passte so genau dazu: zwischen Geröll und felsigen Bergen in der Höhe noch weite, zusammenhängende Schneefelder, herrlich geschwungene Hänge, die abwärts in mehr und mehr apere, steinige Flächen, doch bald auch in Alpweiden mit Blumen übergehen; bis zu den ersten, knorrigen Bäumen des Waldes finden sich hier und da noch kleinere und grössere Schneeflecken und Schmelzwasser, sprudelnde Bächlein überall. Windstille, blauer Himmel mit einzelnen, weissen Wölklein und Sonne, die all dies in sanft leuchtende Farben und strahlende Wärme taucht. Wirklich, es gäbe herrliche Skigebiete hier weitherum, besonders für die vorweihnachtliche Frühlingszeit des Novembers und anfangs Dezember - wären sie nur leichter erreichbar und gäbe es nicht überall an den untern, steilen Hängen diesen weglosen, dichten Berg-Urwald!

Ein Ziel, das mir lange sehnlichst vorgeschwebt, erreichten wir einige Tage später: wir standen am Ufer des grossen Wassers im Innern der Berge ( wie die Feuerlandindianer den See nannten ), am Lago Fagnano. Durch ein enges Waldtal südwärts hinunterreitend, hatten wir vor einigen Stunden den Fuss der Bergkette erreicht; dort öffnete sich plötzlich der Blick, und vor und unter uns breitete sich eine weite, hügelige und flach noch weitere 200 m gegen den endlosen See abfallende Uferlandschaft aus, in unregelmässiger Verteilung von Heide, Moor und Wald bedeckt. Und hier wieder die typischen menschlichen Siedlungsspuren: da und dort ausgedehnte, abgebrannte Waldflächen, weisslich-tote wie auch vom Feuer geschwärzte Baumskelette kreuz und quer am Boden liegend oder schief und senkrecht noch sich zum Himmel reckend - eine groteske, wüste Anklage! Jenseits hohe, schöngeformte Berge mit Gletschern und zum Teil granitenen Felswänden; prächtiges Wetter, Sonne und milde Temperatur. Einige Holzfäller leben in diesem äusserst abgelegenen Gebiet und fristen in primitivster Weise ihr Leben. Von Ochsen lassen sie die gefällten Baumstämme zum See schleppen, von wo aus die Strömung sie den recht grossen Ausfluss hinunter zum Meer bringt, am innersten Ende des Seno Almirantazgo ( Admiralitätsfjord ). Dort steht eine Sägerei, nicht weniger weltverloren, die von Zeit zu Zeit ihre Produkte einem Kutter anvertraut, der in unregelmässigen Abständen vorbeikommt und sie bewohnten Gegenden zuführt.

Bis dorthin wollen wir noch gelangen, und im Trab geht 's an einem der folgenden Tage, zusammen mit einem der Holzfäller, dem Ende des Sees entgegen. Doch auf lange Strecken bildet dort rauhe, zerklüftete Felswand das Ufer, und der scharfe Wind treibt recht hohe Wellen von links vorn heran, die brausend an den Klippen hoch- und zurückschlagen. Hier durchreiten? Infolge des Wellen-gischtes sieht man kaum, wie tief das Wasser am Fuss der Felsen ist, aber lachend reitet unser Führer voran, in den See hinein und hinter den nächsten Felsecken verschwindend; mit weniger Vertrauen wir ihm nach - unsichtbare Unebenheiten, Steine und gar Felsblöcke am Boden dieses nicht gar angenehmen Wasserweges entlang steiler Felswände lassen auch unsere Pferde nicht immer ganz sicher auftreten. Einige Male reicht das kalte Wasser bis auf Sattelhöhe, und die von den Felsen zurückschlagende Brandung hilft das Ihrige mit, auch die Reiter trotz hochgezogener Beine nicht ganz trocken vorbeikommen zu lassen - im Rückweg wollen wir hier lieber den andern Weg hoch oben über die Berge nehmen!

Unten am Seno Almirantazgo blies, wie fast immer dort, heftigster Sturmwind von Westen uns entgegen; die Wirkung ist verstärkt durch die düsenartige Form des langgestreckten, tief zwischen hohe Fels- und Gletschergebirge eingeschnittenen Fjordes - eine wilde Landschaft, so ganz anders wieder. Und da haben sich kilometerweit vom Fjordende in den flachen Talboden hinein gar richtige Sanddünen gebildet, und halb wüstenhaftes Land dehnt sich aus, über das unsere Pferde nun in wilder Jagd, in langem, gestrecktem Galopp dem Tagesziel zustürmen. Trocken und fast heiss ist die Luft, geladen von Staub aber auch feinstem, salzigem Wassergischt, der von weither aus dem eingeengten, tief aufgewühlten Meere herüberweht. Weiss schäumend ist das Wasser dort, und Felsinseln wie beiderseitige Bergufer verschwimmen in der Ferne mit dem dazwischenliegenden Wasserhorizont im einheitlichen, hellen Dunst des brausenden Sturmes.

Hier ist also das Endziel unserer Fahrt, und nachdem auch hier die nötigen, wichtigsten geologischen Erkundigungen ausgeführt, bleibt uns noch die Rückreise; in drei Tagen wollen wir die ganze Strecke zurückreiten, über Berge, durch Wälder und Täler nach Norden zu, an den Rand des grossen Steppenlandes. Doch beinahe wäre dieser Plan noch vereitelt worden; wie wir bei herrlichem, schönstem Wetter, diesmal den steinigen Pfad hoch oben über die Berge einschlagend, dem Lago Fagnano wieder zureiten und endlich dessen weite Talsenke in ihrer ganzen Ausdehnung uns zu Füssen liegt, da sehen wir dort Feuer wüten und an zahlreichen Stellen mächtige Rauchschwaden gegen den tiefblauen Himmel ziehen. Waldbrände -und dies genau dort, wo wir durchreiten müssen!

Bis wir am Nachmittag dorthin gelangten, hatte der immer noch kräftige Westwind diese Feuer weiter ausgebreitet, so dass sie nun eine zusammenhängende Fläche von mehreren Quadratkilometern bedeckten. Wald, Heide und Moor brannten gleicherweise, und dicker Rauch stieg bis an die 1000 m hohen Berggipfel hinauf. Werden wir durchkommen? Mein Begleiter reitet voraus, sein Pferd zu scharfem Trab antreibend, an einem Strick das Packpferd hinter sich herziehend; dann folge ich. Nicht lange, da kommen uns Reiter entgegen, zwei Männer auf demselben Pferd sitzend und eine kleine Herde brüllender Ochsen vor sich hertreibend: es sind die Holzfäller der Gegend, die sich und ihre Arbeitstiere aus der brennenden Zone gegen den See hinunter retten. Schon hüllt uns Rauch ein; über schwarze, verbrannte Erde führt der Pfad dahin zwischen verkohlten, noch glühenden und dampfenden Resten von dem, was vorher blühender, grüner Busch, Sträucherwerk und Heidekraut gewesen. Nochmals taucht ein Reiter auf, in fliegendem Mantel und schwarzer Mütze - « Ave Maria », stöhnt er, « das ganze Land brennt, Ihr werdet nicht mehr durchkommen, schon steht auch das enge Waldtal in die Berge hinauf in voller Glut ». Wild bäumt sich sein Pferd, und mit einem kurzen Streich seiner Handpeitsche treibt er es im Galopp davon, unseren Blicken so plötzlich entschwindend, wie er gekommen.

Wir sind nun allein, aber weiter geht 's vorwärts, so rasch wie nur immer möglich. Der Pfad ist gut und, da er viel gebraucht, aus barer, festgestampfter Erde ohne Pflanzenwerk bestehend. Links und rechts aber ist prasselnde Glut und züngelndes Feuer; zum Glück nicht hoch, im starken Wind nur flach dem Boden nach sich ausbreitend. Einzig in Waldparzellen greift es an der leicht entzündbaren Rinde der Bäume rasch meterhoch auf. Heiss ist es, und der Rauch beisst in die Augen; trotz strahlendem Sonnenwetter ist es grau und düster um uns, die Sonne selbst ist meist nur als blasse, hellrosa oder -lila gefärbte Scheibe sichtbar.

Ohne Halt und ohne uns umzusehen reiten wir weiter. Es ist wahr, dass der Wind allen Rauch gerade in jenes Tal hineinweht, durch das uns der Weg aufwärts in die Berge führt. Glücklicherweise jedoch ist das Feuer selbst noch nicht so weit gelangt, und endlich erreichen wir einen Hügel am Eingang des Tales, wo wir die ganze brennende Zone hinter uns sehen - wir sind durch!

Stunden später sind wir über dem Wald, reiten gemütlich das oberste Stück des kleinen Tales hinauf dem Passübergang zu. Die Sonne des sich neigenden Tages malt eine paradiesische Ferien-landschaft vor uns; gleissende Schneefelder inmitten grüner Alpweiden, sauber-kahle Felsberge darüber und ein makelloser Himmel lassen alles vergessen, was wir hinter uns gelassen - nur dort, wenn wir zurückschauen, füllt noch immer Rauch die Luft, drängt in den engen, V-förmigen Einschnitt des Talausganges und wird vom Wind an den Bergflanken hochgetrieben, über Grate und Gipfel hinweg.

Zwei Tage vor Weihnachten war es, als wir endlich vom Berg- und Waldland Südfeuerlands Abschied nahmen und nun im Jeep durch endloses Grasland fuhren. Die Nacht zuvor hatten wir in der Estancia Vicuna verbracht, einer Schafzuchtfarm in schönster Lage am Nordfuss dieser Bergketten; dies ist der äusserste, letzte Vorposten menschlicher Besiedlung und Zivilisation in dieser Gegend. 64 000 ha misst das zugehörige Land dieser Estancia, aber da grosse Teile davon von Torfmooren und Wald eingenommen sind, hält sie nur 30 000 Schafe ( nebst wohl einigen hundert Pferden sowie Rindviehzwar sicher eine grosse Zahl, doch im Vergleich zur Landfläche bedeutend weniger, als was die meisten Estancias auch hier auf diesem von Natur aus nicht sehr gesegneten Boden am Ende der Welt sonst aufweisen können. Rechnet man doch im Durchschnitt für die ganze Provinz Magallanes, soweit es die für Schafzucht überhaupt möglichen Gebietsteile betrifft, ein Schaf pro Hektare Land ( wobei viele Estancias heute wohl einiges mehr an diesen enorm rentablen Tieren zu tragen vermögen ).

So waren wir also auf der Fahrt durch die Steppe, an einem Sommertage, wie er hier vielleicht nur einmal vorkommt im Jahr. Warm war es, und farbig leuchtete das Land, soweit man sehen konnte. Hinter uns die dunklen Waldberge, weiter zurück jedoch in vollständig klarer Luft der ganze, endlose Kranz jener Ketten, die wir zum Teil durchquert; Felsgipfel und solche mit Schnee reihten sich einer an den andern, aber hier nun sahen wir sogar Teile der Cordillera Darwin in makellosem, blendendweissem Glänze sich in den blauen, an diesem Vormittag noch völlig wolkenfreien Himmel erheben. Ein grandioses Schauspiel, diese fast völlig in Eis gepanzerten Bergriesen von oft vollendeter Schönheit dergestalt sehen zu können!

Vor uns reihen sich sanft Hügel an Hügel; flaches, leicht gewelltes Land, zuerst da und dort noch etwas Wald und Busch, dann nur mehr offene Steppe, soweit das Auge reicht. Tiefblaue Flüsschen und Seen bieten da willkommene Abwechslung, auch einmal über grosse Distanz verstreut mächtige, gewaltige Granitblöcke wie Grabsteine aus einer Urzeit von Giganten: es sind die Zeugen einer vor vielen tausend Jahren hier stattgehabten, alles umfassenden Vergletscherung. Dasselbe gilt, wenn auch weniger leicht ersichtlich, von der bis 70 km tief und etwa halb so breit in die grosse Feuerland-insel eingreifenden Meeresbucht, der wir uns nun nähern; breite Moränengürtel umsäumen sie, die infolge des stets hier mit ungeheurer Wucht nagenden Meeres in hohen Kliffs zum Ufer abstürzen. Bahia Inütil heisst sie, die « Unnützige Bucht »; eben deshalb, weil sie gegenüber den vorwiegend südwestlichen Stürmen ganz offen, völlig ungeschützt daliegt und zudem sehr schlechten Ankergrund aufweist. Aber heute liegt das Wasser dieser zweieinhalbtausend Quadratkilometer grossen Bucht spiegelglatt vor uns, mit zartblauer Farbe in der Ferne in die Magallanstrasse ausmündend. Beinahe heiss ist es, windstill; da können wir nicht anders, als anhalten und - baden gehen! Wenigstens einmal im Jahr schwimmen im Meer, an offenem, freiem Strand an der Sonne liegen! Die Gelegenheit ist einzigartig, und mehr als eine Stunde lang nützen wir sie aus, den seltenen Augenblick geniessend in vollen Zügen.

Dann gelangten wir nach Porvenir, einem kleinen, armseligen Nest an der Magallanstrasse. Porvenir: die grosse Zukunft, an die man bei der Namensgebung gedacht, ist nicht gekommen; der Goldvorrat, der damals im Moränenschutt gefunden und intensiv ausgebeutet worden, hat sich erschöpft, ohne die goldene Zukunft zu bringen. Immerhin ist Porvenir aber Hauptstadt des De-partementes « Tierra del Fuego », welches innerhalb der chilenischen Provinz Magallanes sowohl die « Grosse Insel » ( Feuerland ) wie auch alle übrigen Inseln, soweit sie südlich der Magallanstrasse liegen, umfasst. Dies Departement allein ist so gross wie die ganze Schweiz - ein grösstenteils zwar leeres, rauhes, aber herrlich schönes Land, urtümlich und grossartig.

Zehn Minuten Flugzeit trennen uns nur noch von Punta Arenas, das Hauptstadt ist von ganz Magallanes und wichtiger Hafen am jenseitigen, festländischen Ufer der berühmten Meeresstrasse. Am nächsten Tag, 23. Dezember, fliegen wir bei wieder gewohnt kaltem, windig-grauem Wetter dort hinüber. Und da ist endlich und glücklich die ganze Familie wieder vereint, nachdem 4000 bis 5000 km während dieser Wochen die Buben mit der Mutter, die zusammen Ferien unter Tropensonne und an heissem, sandigem Meeresstrand weit im Norden verbracht, vom Vater getrennt hatten. Gross, riesig gross ist ja dieser Kontinent, und so leicht gemacht heute das Reisen von einem Ende zum andern - aber so schwierig, mühsam und langwierig ist die Durchquerung vieler seiner abgelegenen Teile. Unglaubliche Gegensätze in allem, grösste Verschiedenartigkeit auch in Klimaten und Landschaften sind das Charakteristische Südamerikas.

Morgen aber ist Heiliger Abend. So werden wir Weihnachten feiern in dieser südlichsten Stadt der Welt, wo es kaum richtig Nacht wird um diese Jahreszeit, wo selbst um Mitternacht der Himmel im Süden noch hell vom Tageslicht erleuchtet bleibt. Es ist mitten im Sommer, aber doch ist die Temperatur nahe am Gefrierpunkt, ist die Luft kalt, klar und frisch - Luft, die herüberweht vom Südpolargebiet.

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