Scheideggwetterhorn-Nordwand

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Hannes Stähli, Wildcrswil BE

D irektdu rchstieg Bilder i und 2 Der Gedanke, diese grossartige, eindrucksvolle W7and zu durchsteigen, beschäftigte mich schon länger. Aber es kamen andere Touren; andere Pläne wollten verwirklicht werden.

Endlich, Ende September 1975, war es soweit.

Der grösste Teil der Sommersaison war vorbei. Edi und ich hatten neben unserer Tätigkeit als Bergführer auch einige schöne Privattouren machen können und fühlten uns genügend « zwäg ».

Das Wetter war wunderbar und versprach, so zu bleiben. Gerade richtig, um einen würdigen Schlusspunkt hinter die Saison zu setzen.

Es war noch dunkel, als ich Edi abholte und wir Richtung Grosse Scheidegg fuhren. Doch nachdem wir unsere reichlich schweren Rucksäcke geschultert hatten, kündigte sich auch schon langsam der neue Tag an.

Schnell war der Wandfuss erreicht. Die ersten Meter gingen wir noch unangeseilt, bis unter die zwei riesigen Felsflammen, die man schon von weitem erkennen kann.

Anseilen und Anhängen der Schlosserei. Wie viele Male wiederholte sich diese Zeremonie wohl schon?

Die erste Seillänge ging noch « harzig », der Rucksack drückte schwer, die Bewegungen waren noch nicht harmonisch aufeinander abgestimmt. Wir scherzten: « Bis wir auf dem Gipfel der 1300-Meter-Wand stehen, werden wir uns sicher erwärmt haben! » Und ob! Schon die dritte Seillänge zeigte uns, dass wir in dieser Route keine Geschenke erwarten durften. Nach einem Spreizschritt vom Kopf des linken Pfeilers ging es schon los mit Hakenschlagen, Steigleitern-Einhängen, Fluchen, dass das Seil viel Zug habe, und Rat-schlagen, wo wohl die beste Durchstiegsmöglichkeit bestehe. In schön wechselnder Folge hatte jetzt jeder von uns beiden Gelegenheit, sich vorne abzurackern!

Unser Auto wurde immer kleiner, die Leute auf der Grossen Scheidegg sahen nur noch wie winzige Ameisen aus. Aber das Gefühl, unsere Kameraden im Tal würden unser Hochkommen beobachten, war beruhigend. Weit weniger beruhigend war die Tatsache, dass alle schwierigen Seillängen, vor allem natürlich die mit hakentechnischen Schwierigkeiten, enorm Zeit kosteten und wir am späten Nachmittag noch nicht einmal in der Mitte der Wand angelangt waren! Dies natürlich vor allem, weil wir die Wand ausser einigen alten Standhaken und den Bohrhaken der Japaner total entnagelt vorfanden.

Nur gut, dass wir ein grosses Sortiment an Haken und Klemmkeilen mit uns führten, sonst hätten wir gleich umkehren können!

Gegen Abend erreichten wir endlich die drei riesigen Pfeiler in der Wandmitte, von denen der westlichste unsern Durchstieg vermittelte. Eigentlich hätten wir heute noch gerne bis auf den Pfeilerkopf kommen wollen. Dies waren aber noch vier Seillängen, zum Teil im VI.Schwierig-keitsgrad. Nun, den Anfang wollten wir auf jeden Fall machen.

Edi nahm die erste Seillänge in Angriff und kam trotz Steilheit und Schwierigkeit gut voran. Wir schöpften wieder Hoffnung. Vielleicht schafften wir 's noch, bevor es dunkel würde. Die nächste Seillänge liess sich auch gut an. Es fanden sich genügend kleine Griffe und Tritte zum Vorwärtskommen. Das Risskamin wurde aber jetzt zusehends glätter, und der Rucksack war ein zu grosses Hindernis. Ich versuchte es noch einmal ohne. Edi schaute fragend herauf. « Geht's? » fragte er. Wie manches Mal schon haben wir uns dieses lakonische Wort zugerufen, weniger als Frage denn als Aufmunterung! Ja, es ging, aber bedenklich langsam und anstrengend. Auf einmal wusste ich mir beim besten Willen nicht mehr zu helfen und rutschte wieder einige Zentimeter zurück. Hakenschlagen war in diesem kompakten Kalk ein Ding der Unmöglichkeit. Schliesslich brachte ein eingeklemmter Stein im Risskamin die Wende.Vorsichtig, um ja keine abrupte Bewegung zu machen, nahm ich einen Klemmkeil von meinem Material-Durcheinander und hängte ihn zwischen Stein und Kaminwand. Kurz darauf stand ich erschöpft in der Kaminnische bei einem rostigen, alten Haken - sicherlich noch von der Seilschaft Max Niedermann/Seth Abderhalden, die 1954 diese schwierige Route erstbegangen hatte.

Der Tag ging nun rasch zur Neige. So blieb uns nur noch eine Lösung: abzuseilen und am Pfeilerfuss zu biwakieren. Wir beliessen je ein Seil in den zwei Seillängen, seilten uns zum Pfeilerfuss ab und begannen mit dem Einrichten des Biwaks.

Edi bereitete auf dem Metakocher Suppe und Tee zu, während ich Haken schlug, unsern Kram aufhängte und die grössten Steine unter den Schlafsäcken wegräumte. Wenigstens konnten wir ausgestreckt liegen, sogar ohne Selbstsicherung.

Der Morgen des 23.September kam- kalt und klar, herbstlich. Es brauchte ein schönes Stück Überwindung, sich aus dem warmen Schlafsack herauszuschälen und für den weitern Aufstieg bereitzumachen. Edi kochte mit dem letzten Meta noch einen Becher Tee, dann ging 's wieder los!

Ich wusste nicht mehr, wie wir tags zuvor diese zwei Seillängen geschafft hatten. Heute morgen machte uns schon das Hochklettern an den fixierten Seilen mit Steigschlingen die grösste Mühe! Der Fels war bissig kalt, und mehrmals schalteten wir kleine Pausen ein, um die Finger zu erwärmen.

Edi hatte danach die undankbare Aufgabe, die erste Seillänge nach meinem letzten Stand vom Abend, also die neue Unbekannte, zu übernehmen. Jedenfalls sah es nicht sehr einladend aus. Aus dem Risskamin war zwar jetzt ein richtiges Kamin geworden, dafür aber zumeist senkrecht bis überhängend. Wenigstens war der Fels etwas 12- Seillänge in der Nordwand des Scheideggwetterhorns

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