Skihochtour im Mont Blanc-Massiv

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VON FRITZ LÖRTSCHER, BERN

PETITE AIGUILLE DE TRIOLET, 3806 M, UND POINTE ISABELLA, 3768 M, IM FRÜHLING Mit 2 Bildern ( 119/120 ) Beim schönsten Wetter starten wir am Samstag um 03.45 Uhr in Bern und erreichen Chamonix, über die Forclaz, in vier Stunden. Der Grenzübergang bei Le Châtelard erfolgt reibungslos. Wie die Kurgäste nehmen wir in Chamonix auf der Terrasse der Brasserie, Place Balmat, ein zweites Frühstück: Café au lait et croissant! Hier trifft der Führer zu unserer Gruppe, ein grossgewachsener, braungebrannter Chamoniarde. In wenigen Minuten bringt uns dann die höchste Seilbahn Europas von Chamonix auf die Aiguille du Midi, 3842 Meter Höhe. Länge 5394 m, davon ein Stück von 2869 m im zweiten Teil ohne Zwischenstütze! Nachdem wir bei klarer Sicht die unbeschreibliche Aussicht genossen haben, gehen wir neben dem fixen Seil vom Stollenausgang auf das Plateau hinunter. Hier beginnt die 16 km lange Skifahrt ins Vallée Blanche bis Mer de Glace. Die Rucksäcke waren schwer, mussten wir doch neben dem üblichen Material auch die Butagaskocher mitschleppen. Auf dem hartgefrorenen Schnee beginnt für uns eine hochalpine Abfahrt, vorbei am Mont Blanc du Tacul, Aiguille du Diable, Grand Capucin, Vierge, auf den Glacier du Géant. Bei den Séracs du Géant sind verschiedene Spalten zu umfahren, der reinste Hindernislauf. In der Fallinie ist auch eine rund 80 cm breite Kluft zu überqueren mit anschliessendem Bremsschwung nach rechts, um einem Verhängnis in Form einer breiten « Crevasse » auszuweichen. Wie uns der Führer am Schluss der Tour berichtete, haben sich in diesen gefährlichen Séracs schon verschiedene schwere Unfälle ereignet. Verschiedentlich geht die Abfahrt auch scharf neben geöffneten Längsspalten vorbei.

Beim Zusammenfluss der Glacier du Tacul und de Leschaux - neben einem blaugrünen Schmelz-wasserbecken - halten wir Mittagsrast. Nun beginnen erst unsere bergsteigerischen Strapazen: Aufstieg über die rechte Leschaux-Moräne, wobei wir wegen der Steilheit die Ski tragen müssen. Beim « Pierre à Béranger » - zum Andenken an den bekannten Alpenmaler so benannt - machen wir eine kleine Pause. Heiss brennt die Sonne in den Kessel des Glacier de Talèfre. Schon von weitem aber sehen wir unsere Unterkunft, die kleine Blechhütte unter einem mächtigen Granitdeckel: das Refuge du Couvercle, das wir erfreut erreichen. Rasch ist mit unsern Gaskochern Schnee geschmolzen. Trotz den seltenprimitiven Hüttenverhältnissen verbringen wir einen gemütlichen Abend. Zum Sitzen sind einzig drei alte, metallene Gartenstühle vorhanden, bei denen sämtliche Holzteile weggerissen sind. Unsere illustre Gesellschaft wird zum « Souper » in zwei Serien eingeteilt, nicht der vielen Gänge wegen, sondern einzig aus Platzmangel in dieser Sardinenbüchse! Und dabei sind wir noch allein in der Hütte! Aber ein abgebrühtes Team; an Humor und Scherz fehlte es nicht. Beim Sonnenuntergang zeigt sich dem Beschauer ein einzigartiges Panorama von dieser luftigen Hütte unter der Aiguille du Moine. Links die fast unzählbaren Zähne, Nadeln, Türme und zackigen Grate der Aiguille Verte, Courtes, Droites, dann unser morgiges Ziel, die Aiguille de Triolet und Pointe Isabella. Vor uns die gewaltigen Nordwände der Grandes Jorasses mit dem Walker-Pfeiler, Arête de Rochefort, Mont Mallet und Dent du Géant, der eindrucksvolle Peuterey-Grat mit der dominierenden Schneekuppe des Mont Blanc.

Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen den imposanten Eisdom des Mont Blanc erreichen, steigen wir bereits über den hartgefrorenen Schnee des Glacier de Talèfre, vorbei an den felsigen Steil- abbrüchen des Moine, Nonne und Evêque. Wir queren die Seitenmoräne. Heinz zieht steil in ausgreifenden Schritten aufwärts, neben Spalten und Schrunden. Die Ski nehmen wir bis zu der letzten fahrbaren Fläche mit, mitten im steilen Eisabbruch des Talèfre, auf rund 3450 Meter.

Hier werden die Steigeisen festgebunden. Die Verhältnisse sind günstig, es gibt keine grossen Schwierigkeiten zu überwinden. Aber es macht uns allen einen gewaltigen Eindruck, wie eine Schneebrücke mit lautem Krach einstürzt, die Norbert Fontaine, unser Führer, eben sondieren wollte. Nach einer Umgehung dieses Schrundes erreichen wir nach kurzer Zeit den Nordaufschwung zur Petite Aiguille de Triolet, die sich in enormer Steilheit vor uns auftürmt.

Wie wir von Norden den äusserst schmalen, kurzen Gipfelgrat erreichen, bietet sich uns ein überwältigender Ausblick. « Wer kennt die Gipfel, wer nennt die Namen? » Wie beim Essen in der Couvercle-Hütte, müssen wir uns auch hier für die letzten Meter zum Gipfel « in Serien » aufteilen, denn der Kulminationspunkt bietet höchstens für drei aufrechtstehende Personen Platz. Gewaltig fällt die Südwand auf den Trioletgletscher ab. Wenn man auf dem Grat sitzt, hängt ein Bein gegen Italien und das andere gegen Frankreich.

Bei wolkenlosem Himmel geniessen wir die einzigartige Aussicht. Der Abstieg nach der Westseite über knapp verschneite steile Eishänge erfordert unsere ganze Vorsicht.

Ein zweiter Gipfel, die Pointe Isabella, « muss mit ». Wir erreichen ihn nach Traversierung eines Hochplateaus und den Aufstieg in einer hartgefrorenen Firnmulde. Der granitene Gipfelaufbau erfordert einige Klettergriffe.

Nach kurzer Zeit sind wir wieder bei unserem Skidepot im Gletscherbruch. Da, wo wir am Morgen mühsam stundenlang aufgestiegen sind, fahren wir nun jauchzend die mit einer führigen Sulzschneeschicht bedeckten Firnhänge sausend hinunter. Erst auf dem Glacier de Leschaux machen wir Halt und stärken uns. Dann folgt die herrliche Abfahrt im Frühlingsschnee auf der Mer de Glace, bis zum Gletscherende bei Le Chapeau! Hier erreicht uns Norbert wieder, der bei der End-fahrt nahe der Felsen eine Quarzader entdeckte; er bringt richtig zwei grosse Bergkristalle mit!

Zu Fuss steigen wir über die Moräne hinauf, und in einer Stunde sind wir wieder in Lavancher. Ein unvergessliches Erlebnis!

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