Skitour auf den Grand Combin (4314 m)

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Juliet!f ramelan PFINGSTEN I977 « Der Grand Combin, ein schöner Berg, lockt den Alpinisten nicht nur durch seine Höhe, sondern seine Gliederung und seine bevorzugten Lage als Aussichtspunkt. » So zu lesen in Alpine Skitouren III, Wallis ( Verlag SAC, 1977 ).

Wohl jeder hegt in einem Winkel seines Herzens einen Traum... und manchmal nimmt dieser Traum Gestalt an: geschulterte Ski, ein prallgefüllter Rucksack und Steigeisen für eine nicht ganz alltägliche Wand.

Gritli, Albrecht und ich befinden uns auf dem Hüttenweg, der von Fionnay zur Cabane de Panossière ( 2671 m ) hinaufführt. Das Wetter könnte einen verdriesslich stimmen, und wie wir endlich die Ski an den Füssen haben, werden wir auch schon vom Nebel eingehüllt. Auf Plan Goli klart es aber auf, und der Aufstieg auf der Moräne bringt uns bald in Sichtweite zur Hütte. Hüttenwart Max Dumoulin, seit März auf seinem Posten, heisst uns mit einem freundlichen Lachen willkommen. Nur sieben Personen werden heute abend im Schlafraum « Grand Combin » übernachten, morgen Samstag jedoch wird die Hütte bestimmt voll sein! So essen wir in aller Ruhe, treffen dann die Vorbereitungen für den kommenden Tag und legen uns für ein paar Stunden zur Ruhe.

2 Uhr: Tagwache! Raus aus der wohligen Wärme! 3 Uhr: Aufbruch im Schein der Taschenlampen. Im Dunkeln scheppern die Ski auf dem pickelharten Gletscher. Am Himmel verheissen die Sterne einen prächtigen Tag.

Langsam erhellt die einsetzende Morgendämmerung unseren Weg und die wunderbare Landschaft um uns herum. Welche Kälte! Bestimmt schätzt jetzt jeder von uns seine Zipfelmütze und seine Finnenhandschuhe. Gritlis hochgewachsener Mann führt uns auf der ( orographisch ) linken Seite des Glacier de Corbassière hinauf zur markanten Ebene der Maisons Blanches und von dort links haltend zum Plateau du Déjeuner ( 3455 m )... Richtig! Unser « déjeuner » befindet sich ja noch im Rucksack, also Rast und Zwischenverpflegung. Mittlerweile ist es Viertel vor sechs geworden. Die Sonne taucht den Gipfelkranz in rosafarbenes Licht. Auch die « geringeren », ihren König umringenden Combins sind einfach schön. Mit klangvollen Namen besingen sie diesen zauberhaften Fleck Erde: Corbassière, Valsorey, Grafeneire, Chessette, Boveyre, Meitin...

Viertel nach sechs. Auch Albrecht, unser Führer schliesst zum erstenmal Bekanntschaft mit dem Grand Combin. Im Corridor mit seinen drohenden Eisabbrüchen weist er uns an, angemessene Abstände einzuhalten. Gern gehe ich als letzte, freue mich aufs Alleinsein... vielleicht, um den Worten aus einem Gedicht Samivels nachzuhängen... « und sie wussten nicht, dass die Schwelle der Hütte ihre letzte gewesen war, das Dorf im Tal das letzte vor der ewigen Einsamkeit, jenes einsame Licht zuhinterst im Tal dessen Abschiedsgruss... ». Ja, gerade hier geschah es, vor nur einer Woche, zu dritt waren sie, mir unbekannt... aber sie wecken in mir Erinnerungen.

Die Schneeverhältnisse sind ausgezeichnet. Die Spur steigt an und durchschneidet zwei mächtige Lawinenkegel. Gewaltig klaffende Spalten unter mir, während über mir bläulich schimmernde Eisbrüche drohen - eine himalayisch anmutende Kulisse. Endlich verlasse ich diese faszinierende Passage und schliesse zu meinen Kameraden auf, die mich am Fuss der Mur de la Côte ( 4090 m ) erwarten. Pause und Vorbereitungen für den weiteren Aufstieg. Weg mit den Ski, weg mit den Fellen, die Steigeisen an die Füsse, das Seil an den Klettergürtel und - nicht zu vergessen - Auffrischen des Sonnenschutzes. Jetzt können wir die « Mauer » in Angriff nehmen. Es liegt genügend trittfester Schnee, und erst am Übergang zum Grat muss Albrecht Stufen schlagen. Unsere Gangart ist jetzt merklich langsamer... glücklicherweise! Da stehen wir auf dem Grat der Aiguille du Croissant, und weiter bergan geht 's. Gratien Volluz'Pilgergebet geht mir durch den Kopf... « Zu den Höhen aufsteigen will ich, zu Dir, mit meinem ganzen Leben, mit der ganzen Schöpfung, wagemutig, Dich verehrend ». Ein Grataufschwung täuscht uns schon den Gipfel vor. Noch ein kurzer Abstieg, ein flaches Stück, und wir erreichen den letzten Hang, der sich zum höchsten, durch zwei Pfosten gekennzeichneten Punkt hinaufzieht. Oben! Alle drei sind wir bewegt und mit Freude erfüllt. Wir richten uns gemütlich ein und geben uns ganz dem Genuss dieser grossartigen Bergwelt hin. Einem Nebelmeer auf rund 2500 Meter entsteigt ein imposanter Kranz von Spitzen: das Mont-Blanc-Massiv, die italienischen Alpen, die Gipfel der Dauphiné, unsere Walliser Viertausender, viele andere mehr und, ganz nahe unter uns, der Vélan.

Wir greifen in unsere Rucksäcke und verzehren unsere Köstlichkeiten - und immer wieder kehren unsere Blicke zu einem Gipfel zurück, den wir bestiegen haben, oder aber zu einem, den wir uns vornehmen möchten. Wir verweilen und erleben ganz intensiv diesen kostbaren Augenblick. Doch unsere Ski werden wohl ungeduldig, die Rückkehr ist unumgänglich, und der Grand Combin gibt uns ein freundschaftliches Zeichen, als ob er erriete, wie glücklich wir sind!

Wir stapfen in den tiefen Trittspuren abwärts, und bald schon stehen wir oben an der « Mauer ». Ihr zugewandt steigen wir sorgfältig sichernd ab. Schliesslich können wir uns vorsichtig wieder umdrehen und erreichen in Kürze unser Skidepot.

Mit zwei Stunden Abfahrt rechnen wir bis zur Hütte. Der Corridor bietet ausgezeichnete Bedingungen: 30-40 Zentimeter Pulverschnee, und unsere Spuren « gleichen einem undurchschaubaren Geflecht geometrischer Linien, kurzlebiger Ausdruck eines neuartigen Spiels » ( A. Lunn ) Im mit Eisbrocken durchsetzten Lawinenschnee ist dann mehr Vorsicht geboten.

Plateau du Déjeuner... ein einziger « Deckel »! Unmöglich, hier eine Schussfahrt zu wagen! Das Gelände ( Spalten !) eignet sich wahrlich nicht dazu. Bei solchen Schneeverhältnissen ist deshalb das Wenden mit der Spitzkehre angebracht, und nur im günstigsten Fall gelingt es, eine weite Kurve zu ziehen. Dann tauchen wir auch noch in den Nebel ein. und weiter unten, wo die Sonne wieder durchbricht, wird der Schnee weich und schwer. Zum Abschluss gibt es auf dem Glacier de Corbassière noch eine rasante Talfahrt in der Aufstiegsspur vom Morgen.

I00 In der Hütte retablieren wir, und der Hüttenwart bereitet uns einen grossen Krug Tee. Wahrhaftig, von Max Dumoulin liesse sich sagen: « Gewisse Tugenden der Bergler erhalten sich auf den Höhen, deren Hüter sie sind. » Bereits um fünf Uhr nehmen wir das Abendessen ein, und um halb sieben legen wir uns zur Ruhe, diesmal in einem anderen Schlafraum, denn morgen steht der Petit Combin auf dem Programm... im Aufstieg wohl Stein und Bein gefroren, « à point » für die Abfahrt - aber das ist eine andere Geschichte!

Aus dem Französischen übersetz! von Ch.Rohr, Überholen

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