Skiübergänge vom Oberaarjoch ins Goms.

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Skifahrer, welche das Berner Oberland von West nach Ost durchqueren, steigen fast regelmässig von der Oberaarjochhütte über die Grimsel nach Meiringen ab. Gleichwohl ist dieser klassische Weg wenig zu empfehlen. Das Grimseltal ist im Winter oft gefährlich. Oberhalb der Handeck ist nie gutes Skigelände, und der Rest des langen Tales bis Meiringen muss zu Fuss oder im Wagen erledigt werden. Man darf 8-10 Stunden rechnen für die Strecke Oberaarjoch-Meiringen.

Aber, ihr Skifahrer, bedenkt, dass es möglich ist, vom Oberaarjoch schon in 3 oder 4 Stunden nach Münster im Goms zu gelangen. Und zwar gibt es mehrere Übergänge, die zum Skifahren besser geeignet sind als die Oberaar-jochroute und weit kürzer dazu. Überdies ist es möglich, im Goms einen Zug zu erreichen und durch den Lötschberg am selben Tage ins Berner Oberland zurückzukehren. Eine kurze Beschreibung dieser Übergänge wird somit für Skifahrer von Interesse sein.

1. Qalmilücke, 3305 m.

Sie vermittelt den direkten Übergang ins Goms. Die Galmilücke erreicht man von der Oberaarjochhütte in 40 Minuten, und unter günstigen Bedingungen kann der Abstieg vom Münstergletscher nach Münster in 4 Stunden ausgeführt werden. Im Frühling muss man die Lücke vor 7 Uhr vormittags überschreiten, da die Abhänge links vom Abbruch des Münstergletschers aussergewöhnlich steil sind; im April oder Mai können sie nur durchquert werden, wenn der Schnee noch hart und krustig ist.

Es ist möglich, eine sichere Route zu entdecken, wenn man den Münstergletscher oberhalb des Eisbruches gegen seine rechte Flanke quert und dann nahe P. 2604 gegen Hinterbruch überschreitet. Das Münstertal ist sehr schmal und im Spätfrühling von altem Lawinenschutt ausgefüllt. Darum kann man im Juni daselbst sehr gut Ski fahren.

Am 24. Mai 1923 zog ich meine Schneeschuhe nicht ab, bis ich auf 1500 m hinabgestiegen und also nur noch eine halbe Stunde von Münster entfernt war.

Im Mai hört jedes Skifahren im Grimselgebiet auf. Und will man vom Oberaarjoch nach Meiringen, so heisst es eben 5-6 Stunden laufen. Die Galmilücke dagegen bringt den Bergsteiger auf Ski herunter zu einem Punkt, von wo er in 30 Minuten die Bahnstation Münster erreicht.

2. Bächilücke, 3402 m.

Dieser Übergang ins Goms ist gegeben, wenn man damit eine Besteigung des Galmihorns — feiner Skigipfelverbinden will. Ich überschritt den Pass am 24. Mai 1923 und erreichte die Galmilückeroute unten beim Münstergletscher. Sicherer aber ist es, über den Bächigletscher direkt nach Reckingen abzusteigen und den gefährlichen Steilhang links vom Münstergletscher zu vermeiden. Die Fahrt vom Oberaarjoch über Bächilücke nach Reckingen dürfte in 5 Stunden auszuführen sein.

3. Trübtenjoch, 2651 m.

Dieser Übergang ist wahrscheinlich der sicherste und leichteste Winterweg von der Oberaarjochhütte ins obere Rhonetal. Gewiss ist er sicherer als die Galmilücke mit dem Abstieg über den Münstergletscher, aber er ist länger und weniger interessant. Und im Spätfrühling wird sich auf der Südseite nach Oberwald auch weniger Skigelegenheit bieten. Man findet die Route auf der Skikarte, welche, von Otmar Gurtner und mir bearbeitet, als Beilage zum S.A.C.J.ahrbuch 1922 erschienen ist.

4. Trutzipass, 2809 m, und Ulrichenjoch, 2833 m.

Beide Übergänge sind auf Ski gemacht worden, aber sie bieten dem Skifahrer zu wenig Genuss.

5. Bieligerlücke, 3158 m.

Dieser Pass ist auf der Karte namenlos. Er liegt zwischen Wasenhorn und Galmihorn und bietet eine sehr gerade, aber mitunter nicht ganz leichte Route vom Oberaarjoch nach Biel im Goms.

Am 21. Mai 1926 querte eine Partie Skifahrer die Lücke. Josef Knubel und Fritz Steuri waren die Führer. Wir hatten verschiedene Träger, denn mein Begleiter, Prinz Chichibu von Japan, war sehr darauf bedacht, bei dieser Skitour einen vollen kinematographischen Rekord aufzustellen. Max Amstutz von Murren hatte die Oberaufsicht über die Apparate, deren ganze Ausrüstung drei Träger in Tätigkeit hielt.

Es bestand keine Schwierigkeit, vom Galmifirn den Pass zu erreichen. Immerhin können die obern Hänge in der vorgerückten Jahreszeit vielleicht vereist sein. Man braucht jedenfalls nicht mehr als eine leichte Stunde von der Oberaarjochhütte auf die Höhe der Lücke. Die Karte zeigt auf beiden Seiten der Lücke leichte Schneehänge. Das ist sehr irreführend. Denn der Abstieg nach Süden ist aussergewöhnlich steil. Wir mussten über eine senkrechte Felsstufe von 25 m Höhe abseilen.

Wenn die Schneehänge einmal erreicht sind, gibt es keine weitern Schwierigkeiten mehr. Vom Fusse der Lücke gelangt man leicht nach rechts über gestufte Schrägen. Steile Hänge führen vom Gletscherrand ins Tal hinab. Diese Hänge müssen im April oder Mai gefährlich sein nach 5 Uhr morgens. Daher ist es sehr wichtig, die Bieligerlücke so früh im Tag als irgend möglich mit Ski zu begehen.

Das Selkingertal ist sehr schmal und im Frühling mit alten Lawinentrümmern bedeckt. Im Juni gäbe es wahrscheinlich eine gute Abfahrt ( rechts ) bis auf 1700 m hinunter oder noch tiefer.

Die Lawinen waren eben erst gefallen, als wir hinunter stiegen. Ihre Trümmer waren daher noch nicht in eine sanfte, skimögliche Oberfläche umgeformt. Infolgedessen mussten wir die Ski abziehen und eine gute Stunde lang vorsichtig über die Lawinen hinabklettern.

Wir brauchten 8 Stunden vom Oberaarjoch nach Biel. Eine kleinere Partie könnte wenigstens eine Stunde einsparen beim Abstieg über den Felsenkopf auf der Südseite der Lücke, wo wir so lange Zeit gebraucht, um die kinematographische Ausrüstung und unsere Ski herunterzuschleppen. Überdies hätten wir unter günstigem Bedingungen etwa 300 m Ski fahren können, wo wir jetzt gezwungen waren, in der Lawinenbahn zu klettern.

In 6 Stunden kann eine gute, kleine Partie von der Oberaarjochhütte über die Bieligerlücke durchs Selkingertal nach Biel gelangen.

Arnold Lunn.

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