Triglav

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Von Math, jenni

Mit 2 Bildern ( 41, 42 ) und 1 SkizzeGlarus ) In der alpinen Literatur über die Ostalpen spielt der Triglav eine hervorragende Rolle. So kommt auch der bekannteste alpine Schriftsteller aus dem alten Österreich, Julius Kugi, immer wieder auf den Triglav zurück. Dabei sticht dieser vielgerühmte Berg weder durch seine Höhe hervor, obwohl er der höchste Berg der südöstlichen Alpen und des heutigen Jugoslawiens ist, noch durch seine besondere Formenschönheit, noch durch die besondern Anforderungen, die seine Besteigung an den Bergsteiger stellt, abgesehen von der Bezwingung der gewaltigen Nordwand. Dieser sagenumwobene Berg war aber seit dem Aufkommen des Alpinismus immer das Ziel der Touristen der südöstlichen Alpenländer, und heute ist er das Symbol für die Slowenen, auch in politischer Hinsicht, steht doch auf seinem Gipfel eine Miniaturschutz-hütte ( Hütte ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck ), auf der der fünfzackige Sowjetstern dominiert, und alljährlich erhält der Berg am 1. und 2. Mai Massenbesuch. So sollen im Jahre 1951 an diesen beiden Tagen über 2000 Personen oben gewesen sein! Die sicher früher nicht leichte Bezwingung dieses Kalkberges mit seinen glatten und steilen Wänden ist heute unschwer, sind doch an den gebräuchlichen Routen überall an einigermassen schwierigen Stellen Tritte eingehauen und Eisennägel angebracht. Nicht umsonst heisst denn auch der Triglav bei den Bergsteigern jener Gegend das « Stachelschwein! » So ist es sicher verständlich, dass auch die drei Vertreter des CC an der Jahresversammlung 1951 der UIAA in Bled ( Slowenien ) die ihnen gebotene Gelegenheit zur Besteigung dieses berühmten Berges gerne benützten.

Mit einer ganz internationalen Gesellschaft — es waren Vertreter von 9 Ländern mit 6 verschiedenen Sprachen anwesend — verliessen wir Bled am 15. Juli, um über Jesenice-Mojstar, im obern Savetal, das wildromantische Vratatal, den landschaftlich und touristisch interessantesten Zugang zum Triglav, zu erreichen. Die Fahrt und der Aufstieg bzw. Spaziergang zur Aljazev Dom V Vratih ( Domhütte ) waren überaus genussreich. Dieses wilde, von der Kultur noch wenig berührte Tal, mit seinen herrlichen, üppigen Wäldern, umrahmt von den schroffen und oft bizarren Bergen des Cmir zur Linken und des imposanten Stenar rechts wird schon von Kugi mit Recht gerühmt. Vor allem aber zieht die im hintern Teil des Tales nun sichtbar gewordene ungeheure Nordwand des Triglav, durch die verschiedene Routen aller Schwierigkeitsgrade führen, die Blicke auf sich. Ich kenne nur wenige Gegenden Die Alpen - 1932 - Les Alpes8 unserer Alpen, die an Grossartigkeit diesem gewaltigen Talabschluss gleichkommen.

In der Aljazev-Dom, einem bewirtschafteten kleinen Berghotel, löste sich unsere Gesellschaft in mehrere Gruppen auf, um auf verschiedenen Wegen den Triglav anzugehen. Leider waren wir für eine « bessere » Route nicht ausgerüstet ( vor allem waren unsere dicksohligen Vibramschuhe für eine subtile Kletterei ungeeignet ), so dass wir uns mit dem Gros der Gesellschaft mit dem einfachen Pragerweg begnügen mussten. Aber auch dieser bietet dem Bergwanderer durch seine landschaftlichen Schönheiten hohen Genuss. Ein guter, stellenweise recht luftiger, aber ebenfalls gut gesicherter Pfad führt über den an dieser Stelle mit Bändern und Felsabsätzen durchsetzten Nordabsturz des Triglav. Gerne hätten wir, mit Ausnahme einer absolut senkrechten, plattigen und grifflosen Stelle, auf die vielen Sicherungsnägel verzichtet. Grossartig ist von diesem Weg aus der Blick in die eigentliche Nordwand, die ganz an die Abstürze des Selbsanftmassivs gegen die Sandalp erinnert, und wir liessen uns von unsern einheimischen Begleitern die verschiedenen Nordwandwege erklären. Aber auch der Blick in den Hintergrund dieses wilden Tales, durch den der Luknjapass ins Trentatal führt, und auf die gegenüberliegenden Berge des Stenar, des Dovski Pihavec und des Pihavec ist überaus fesselnd und interessant. Vor allem aber erfreuten wir uns an der prächtigen, überaus mannigfaltigen und für uns zum Teil fremdartigen Flora. Eine solche Blumenpracht, die Pflanzen standen in höchster Blüte, findet man in unsern, von den vielen « Naturfreunden » heimgesuchten Gegenden nur noch an wenigen, abseits vom Touristenstrom gelegenen Routen. Hier scheint noch alles unberührt; wir sahen aber auch niemanden, auch die Einheimischen nicht, in dieser Blumenpracht « weiden ».

Nach zweieinhalbstündigem Steigen erreichten wir eine öde Karlandschaft, die glücklicherweise noch grösstenteils mit Schnee bedeckt war. In dieses Kar mündet ganz oben auch das berühmte Kugiband, in welches alle Nordwandrouten führen. In der geräumigen Kredarica- oder Triglavski-Dom — 2515 m — vereinigten sich nach und nach alle Gruppen, mit Ausnahme derjenigen, die anderntags die Nordwand über die Bayernroute begehen wollten.

Die Aufnahme in der Hütte war überaus liebenswürdig und gastfreundlich, und wiederum ergötzten wir uns am Sprachengewirr. Trotzdem bestand ein ausgezeichnetes Einvernehmen, und wo man sich gegenseitig nicht verstand, wurde mit Zeichen nachgeholfen oder ein Sprachenkundiger beigezogen. Unsere jugoslawischen Freunde bewunderten vor allem die Qualität unserer Ausrüstung, wobei ihnen die Taschenmesser fast am meisten imponierten. Von der Hütte aus überblickt man den ganzen Aufstieg zum Gipfel, der nur noch ca. 350 m höher liegt. Auch hier bewunderten wir die noch überaus vielfältige Flora mit ihrem seltenen Farbenreichtum, die uns ein einheimischer Kenner erklärte.

Der Weg auf den Gipfel führt zuerst über einen steilen, aber kurzen Schneehang, einen Ausläufer des Triglavgletschers, zum Nordostgrat, der sich nach zirka einviertel Stunde Steigens mit dem Südostgrat vereinigt. Die Kletterei wäre zweifellos sehr interessant und nicht überall leicht, wenn nicht, TRIGLAV wie bereits bemerkt, die vielen Eisenstifte jede Schwierigkeit eliminierten. Der Aufstieg erfolgte in verschiedenen Gruppen; wir befanden uns in Begleitung eines liebenswürdigen Slowenen, der in Triest wohnt, Doktor W., mit dem wir die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes erörterten und Vergleiche mit den schweizerischen politischen Einrichtungen zogen, die übrigens unserm Begleiter bekannt waren. Die Diskussion mit diesem sehr gebildeten und weitsichtigen Manne war für uns überaus interessant, und wir erfuhren von ihm vieles über die Nöte des jugoslawischen Volkes und die Belange der viel umstrittenen Stadt Triest.

Auf dem Gipfel herrschte wiederum das uns nun vertraute lebhafte Treiben. Leider war das Wetter nicht gerade so, wie wir es wünschten. Sonnenschein wechselte mit Nebeltreiben, und von der vielgerühmten Aussicht sahen wir nur wenig; namentlich gegen Süden war, abgesehen von gelegentlichen Tiefblicken ins wilde Trentatal, nicht viel zu sehen. Einzig nach Osten und Nordosten war der Blick frei. Die Karawanken und die Gipfel der Julischen Alpen waren nur zeitweise nebelfrei, was wir sehr bedauerten, war dies doch die einzige Gelegenheit, einen Einblick in jene Gegenden zu bekommen.

Nach zirka einstündigem Aufenthalt und nachdem wir uns ins Gipfelbuch eingeschrieben ( das Unterschriftensammeln war überhaupt grosse Mode ), traten wir den Rückweg an, der wiederum trotz der grossen Teilnehmerzahl ohne Zwischenfälle verlief. Beim Abstieg kamen uns Dutzende Einheimischer entgegen, viele mit Gewehren bewaffnet. Bald hob denn auf dem Gipfel eine wackere Knallerei an, die wir als Freudenschüsse auffassten. Wir erfuhren dann, dass es sich um eine Übung der Volksmiliz, wohl einem Überbleibsel der berühmt-berüchtigten Partisanen, handelte, was uns nun auch die Erklärung für die Knallerei gab, die wir schon bei unserm Aufstieg gehört hatten. Bei der Vereinigung des Südost- und Nordostgrates mussten wir uns von den übrigen Teilnehmern, die ins Tal der Sieben Seen abstiegen, trennen, da unser Auto im Vratatal stand. Kaum in der Kredarizahütte angelangt, ging ein heftiges Gewitter mit Hagel über die Gegend, was zur Folge hatte, dass sich von überallher die Volksmilizen in die Hütte flüchteten, so dass bald ein fürchterliches Gedränge herrschte. Man sah aber verschiedene interessante Gestalten ( auch FHD als Sanitäterinnen waren darunter ), die ihre Schiess-prügel verschiedenen Systems nicht aus den Händen liessen. Die Disziplin war sehr gut, und wir wurden in keiner Weise behelligt, trotzdem wir mit dem Hüttenwart Schriftdeutsch sprechen mussten. Eine Gewitterpause benützend, begannen wir den Abstieg über den Pragerweg ins Vratatal. Verschiedentlich suchten wir in der Nordwand die Partien, die sich im Aufstieg befanden und deren Lage wegen der nun nassen Felsen nicht gerade beneidenswert erschien. Wir konnten aber niemanden beobachten. Viel später erfuhren wir dann, dass sie sich beim Ausbruch des Gewitters schon fast zuoberst in der Wand befanden.

Leider war der Marsch durch das Vratatal hinaus kein grosser Genuss mehr, denn wir mussten einen Dauergewitterregen von südlicher Intensität über uns ergehen lassen, so dass wir trotz Regenschirm ziemlich eingeweicht wurden und froh waren, nach Ankunft bei unserem Wagen trockene Kleider vorzufinden. Wenn sich auch der Triglav niemals mit unsern grossen Gipfeln messen kann, bleibt die Tour auf diesen berühmten Berg für uns ein hoch-interessantes und einmaliges Erlebnis.

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