Von einem Weg und noch anderem im Lande Schwyz

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Von W. Kreisel

Äfft 5 Skizzen und 1 Bild ( 39Wabern-Bern ) Gewiss, er wird kommen. Er ist eigentlich schon da. Die Skifahrer kennen ihn längstens. Er ist nicht durchwegs « es triebes Wägli », aber grossenteils; ein bisschen « vergänglich ».

« Wer von Braunwald im Osten oder vom grünen Pragel im Norden diese Vorsicht erfordernden Wüsteneien mit ihren sparsamen Oasen1 betritt, wird ergriffen von dem eindrucksvollen Gegensatz dieser Gebirgslandschaften.

Ein gangbarer Weg mit Wasserstationen könnte hier ein für die Schweiz überaus lehrreiches Naturgebiet erschliessen. » ( J. Früh, Geographie der Schweiz, III. Bd., Seite 399. ) Eben dieser Weg ist eigentlich schon da. Und zwar verbindet er just Bruwald mit dem Pragel und mit dem Dorf Muotatal. Auf der Twärenen ist auch ein Wässerlein, das genug Flüssiges liefert für ein « Schwarzes », und die Quelle zuhinterst im Brunalpeli ist noch um vieles reicher. Mag man ihn Höhenweg, mag man ihn Wanderweg nennen, gleichviel, er ist etwas Einzigartiges. Um ihn genauer zu fassen: von Muotatal Dorf strebt man den Bödmeren zu. Man kann das auf die verschiedensten Arten machen. Von da durch das Herrengässli und über den Rüchen Tritt auf die Twärenen; vordere, midste, hintere, und schon ist man bereit, ins Dreckloch abzusteigen. Dann durchs Brunalpeli auf die Höhe, um wiederum, diesmal über die Gcharretalp, abzusteigen nach Bruwald.

1 Z. B. das Ochsenbödeli auf der Twärenen, die Gletti und das Heidenstäfeli auf der Gcharretalp.M. 0e.

VON EINEM WEG UND NOCH ANDEREM IM LANDE SCHWYZ Dieser Wanderweg ist eine rechte Sammeistrasse.Vom Pragel her nimmt er zwei Zugänge auf, die ebenfalls durch Karren führen: vom Dreckloch her den Weg der Glarner, die seinerzeit versucht haben, das Stück durchs Brunalpeli bis zum Bützi ob Bruwald zu markieren. Leider ohne die Schwyzer, die da oben schäfern und deren Reich vom Dreckloch bis zur Schwyzerwand ob Bruwald geht, gehörig zu begrüssen. Strafe: die Zeichen verschwinden vorweg wieder.

Beim Silberenseeli kann man auch gut abkürzen über den Chratzerengrat, steckt sich auf dessen sonniger Seite noch schnell ein Edelweiss auf den Hut und ist um so schneller im Brunalpeli.

Ah, diese Karrenfelder! Man hasst sie nur, wenn man sie nicht kennt. Zum vorneherein: der Quintnerkalk der Gcharretalp tut ganz anders als der Schrattenkalk der Twärenen. Letzterer, wenn verkarrt, ist wesentlich giftiger. Fast auf der ganzen Gcharretalp, und es ist ein immenses Gebiet, kann man beliebig herumspazieren. Es herrscht eine einfache Tektonik vor. Entweder ist man auf wenig geneigten, grossen Platten ( es gilt dies ebenso für Kupferberg, Märe und Glatten am Klausen ), oder man steigt über deren Schichtköpfe. Höchstens, dass man, wie auf einem Gletscher, tiefen Spalten ausweichen muss oder Löcher umgeht; aber die Verkarrung hindert dieses Begehen eigentlich wenig. Anders auf der Twärenen. Da sind die verkarrten Gesteine zudem teilweise steil, und dann hört das Traversieren bald auf. Deshalb halte man sich lieber an eine andere Regel: Ich habe noch nie ein Karrenfeld gesehen, das nicht irgendwie eine schwache Stelle hat. Charrental, Charrengässli, Herrengässli heisst sie gewöhnlich. Twärenen ist auch so ein Name dafür. Die Rinder der Silberenalp kommen auf diesem Querstieifen bis zum Rüchen Tritt, mitten durch die Karren, zum Weiden. Der Name Twärenen ist dann auf den ganzen Fig. 3. Ochsenchopf von WestenKarrenbuckel übergegangen.

VON EINEM WEG UND NOCH ANDEREM IM LANDE SCHWYZ Zuoberst, wo das Signal steht, in die Twärenen-Räuji. Also, wenn du zu den Muotatalern kommst, sag, du seiest auf der Twärenen gewesen, dann verstehen sie dich. Wenn du aber sagst Silberen, so heisst das unbedingt, du seiest auf der Silberenalp gewesen, und da geht gewöhnlich weder der Tourist noch der Skifahrer hin. Die Karren am Muttri im Wäggital, die sonst fast unpassierbar sind, haben auch einen solchen Durchgang. Ebenso die auf der Lachenalp, wo es ein Oberes und ein Unteres Charrental gibt. Auf der Karren am Lachenstock haben sie ein Twärmätteli; hübsch dieser Name, oder nicht? 1 Ruch ist es gewöhnlich da oben. Becker berichtet anlässlich seiner Re-visionsaufnahmen aus diesem Gebiet: « Hütte Erixmatt in Mitte Juli 1876 erst mit dem Dach aus dem Schnee hervorragend! » Es mag wohl die alte Hütte weiter südlich von der heutigen gewesen sein. « Dazu in der 2. Hälfte August und ersten Hälfte September wegen Neuschnee nicht weniger als 5 mal ins Tal hinuntergetrieben worden. » Was müssen das für Sommer gewesen sein, damals!

Aber wenn 's schön ist, gefällt es einem da oben so gut, dass man gar nicht mehr hinunter mag. Also, anstatt ins Bützi abzusteigen, lieber ob der Schwyzer-wand durch und auf die Glattalp, durch die Brüelchäle hinauf auf den Leckistock und über den Glatten wieder zu den Muotatalern hinunter.

« Meineid schö, söttige Berge! » sagt der Glarner und heisst Stüssi, Zwicky, Landlet, Tschudi oder Oswald. Im Muotatal gibt 's das nicht mehr. Da sind es Gwei der, Betschart, Ulrich, Inderbitzin, Schelbert, Hediger und Föhn.

Wie war das schön unter denen ihren -. Dächern. Und abermals kommen mir andere Namen in den Sinn: Tinetti, Pellanda, Menegalli, oder: Casutt, Capaul, Cadisch und Casanova. Bin ich schon so alt, dass ich anfange, nachzusinnen? Ein Pfiff, ein Mungg reisst mich aus den Träumen. Ach ja, diese Schwyzer, längs dem ganzen beschriebenen Weg ist ja Schongebiet, darf kein Gewehr getragen werden, auch keines in einer Alphütte versteckt liegen! Und schon wieder verfall ich ins Sinnen über vergangener Zeit:

Festa della Madonna, 15. August, der erseht Mungg uf de Tisch! Es war ganz oben in einer trostlosen Ganna, ich weiss nicht mehr ob rossa oder bianca. Der Photogrammeter liess dem Topographen eine grosse Lücke. Irgendwo pfiff jedesmal auch so ein Mungg, zu unserem grossen Erstaunen, es musste der letzte gewesen sein. Gemsen schon längstens keine mehr; seit der Einführung des Repetiergewehres Schluss, una vera battaglia! Aber 1 « twärr » heisst quer, « Twärenen » bezeichnet somit einen Quergang, einen Durch-gang.M. 0e.

VON EINEM WEG UND NOCH ANDEREM IM LANDE SCHWYZ dieser Mungg war noch da. Kommst etwa frisch aus der Calanca? Da ein Schuss, und eine halbe Stunde später geht ein Mann weit unten durch. An seiner Linken hängt der Mungg, ich erkenne dies mit dem Fernrohr des Mess-instrumentes. Der Mann hat keine Ahnung, dass wir da oben sind. Festa della Madonna, der erseht Mungg uf de Tisch, und wenn 's der letzte war!

Einer im Tal meinte, das müsse eigentlich nicht so sein. Jung, blühend sah er aus. Und mit einer Begeisterung! Er machte sich natürlich unbeliebt. « Wir werden ihn nicht erschiessen, nein, das grad nicht, aber man weiss nie, was... für einen Weg... SO eine Kugel nimmt!»Aus einem Busch krachte ein Schuss, und das blühende Leben war dahin. Sie haben ihn also doch erschossen.

Nun, ein Muotataler ist kein Tessiner, und ein Tessiner kein Muotataler. Aber auch hier habe ich Schüsse gehört. Und dann die Urner im Boden drüben? Ob die überhaupt jemals begreifen werden, dass da oben auf diesem Steindach es für sie nichts mehr zu jegern gibt, wo doch der Grenzgrat selber heisst Jegerenstöck?

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