Wintersonne im Hüfigebiet

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Mit 1 Bild.Von Ernsf Lautenschlager.

Der Sommerweg zur Hüfihütte war mitten im Winter praktisch ungangbar, also suchten mein lieber Freund, der Bergführer Sepp Zgraggen, und ich einen neuen Zugang aus dem Maderanertal direkt über die Brüche des Hüfigletschers hinauf in das Skiparadies des Hüfifirns.

Über steile Schneebänder querten wir die senkrechten Felswände bei der Gletscherzunge und erreichten nach diesem heikein Stück den unteren Gletscherboden. Mühelos langten wir bald beim ersten Steilabfall an, und ohne grössere Schwierigkeiten fanden wir eine Route zwischen den tiefverschneiten Seraks hindurch auf den oberen Gletscherboden. Beim zweiten Gletscherbruch schwenkten wir rechts ab und erklommen in mehreren Zick- Die Alpen — 1940 — Les Alpes.35 zacken den Steilhang, der uns noch vom Hochplateau des Hüfifirns trennte. Im warmen Nachmittagssonnenschein rasteten wir nun auf dem weiten, sanftwelligen Hüfifirn. Wenig ansteigendes Gelände trennte uns noch von unserm heutigen Ziele, der Planurahütte. Und wellig war alles um uns, wellig das Gelände am Grossen Rüchen drüben, wundervoll wellig die tiefverschneiten Berge des Hüfigebietes! Das lockte! Wir mussten weiter, und in munterem Tempo, besessen von der Freude auf den morgigen Tag, erreichten wir mühelos die winterlich einsame Planurahütte.

Der eisige Wind, der in der Morgendämmerung über den Claridenpass fegte, sorgte dafür, dass unsere Begeisterung nicht ins Uferlose wuchs. Wir hielten beide Hände dicht vor Gesicht und Nase und zottelten eilig dem bissigen Wind entgegen. Schon bald waren wir « warm gelaufen » und stiegen im Zickzack durch die grosse Mulde des Claridenstocks hinauf. Und immer schneller stiegen wir, um den Sonnenaufgang auf dem Gipfel nicht zu verpassen. Und wir haben ihn nicht verpasstVergessen war das Hetztempo, vergessen der Wind, vergessen alles — alles ausser dieser Feuerkugel am klarsten Winterhimmel I — Könnten doch alle Menschen solches erleben, und es müsste anders aussehen in unserer Welt!

Hart mahnt uns der kalte Wind, dass nicht alles Sonne und Licht ist um uns. Die Abfahrt muss uns wieder erwärmen. Leuchtendgoldene Schneefahnen fliegen hinter Sepp her, wie er so vor mir durch die weisse Unendlichkeit dem Licht entgegenschwebt. Gar bald sind wir wieder auf dem Claridenpass unten, schnurgerade halten wir nun zur Kammlilücke hinüber. Zischende lange Schusshalden, dann Gehen in der Ebeneein erfrischender Morgenspaziergang über die weisse Fläche des Hüfifirns. Drüben schaut uns unser guter alter Freund, der Düssistock, zu, und vor uns ladet das Grosse Scheerhorn zum Besuche ein. Ohne es zu merken, haben wir die sanfte Steigung zur Kammlilücke hinauf überwunden. Zu Fuss steigen wir nun über den steinigen Kammligrat hinauf. Hier meldet sich wieder unser alter Gegner, der Wind: mit jähem Ruck reisst er mir die Schneebrille vom Hut, lustig wirbelt sie durch die Luft, der Tiefe zu. Mag sie fliegen, auch wir fliegen dem nahen Gipfel zu!

Längst ist die Sonne aufgegangen. Was sie uns auf dem Claridenstock noch verborgen hat, eröffnet sie hier unseren Blicken. Tief unter uns liegt dunkel der Vierwaldstättersee, Bürgenstock, Pilatus, der Jura, ja, als dunkles Pünktchen vermögen wir das Hotel auf dem Chasserai zu erkennen. Und auf der andern Seite, tief unter uns, die Gletscherbrüche des Hüfi. Nicht ganz eine Stunde später stehen wir schon wieder dort unten, und wo wir im Sommer stundenlange Gletscherwanderung und Umgehung von unzähligen Spalten kennen, schweben wir hurtig über wellige Hänge hinab. Dann winden wir uns zwischen den Seraks durch, über den langen Gletscherboden, und bald rasten wir beschaulich bei den hintersten Bäumen im Maderanertal, und hoch über uns strahlt das Scheerhorn im Mittagssonnenglanz.

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