Zur Ernährung am Himalaya

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Von Ralph Bircher

( Erlenbach-Zürich ) Expeditionen, die in Polar- und Himalayagebiete ausziehen, pflegen heute die allerletzten Errungenschaften von Wissenschaft und Technik zu Rate zu ziehen und alle Möglichkeiten auszunützen, um ihre Leistungsfähigkeit während der Expedition zu verbessern und die Risiken zu vermindern. Im Hinblick auf die Ernährung während solcher Expeditionen aber herrscht anscheinend noch viel dilettantische Anarchie und oft eine erhebliche Konfusion zwischen veralteten und neueren Ansichten bei den verschiedenen Teilnehmern. Einige Fortschritte sind zu verzeichnen. Es werden Vitaminpillen, Orangensaft in Büchsen, Knäckebrot, Nüsse mitgenommen. Zur Hauptsache handelt es sich aber doch um stark denaturierte Nahrungsmittel, ergänzt mit Schwarztee, Kaffee, Kakao, vieler Schokolade, Tabakwaren, Alcoholica, Fisch- und Fleischkonserven, Speck, Corned Beef und Pemmikan. So noch bei neueren Himalaya-Expeditionen. Dadurch werden nicht nur die Kosten, sondern auch das Gewicht der Verpflegung unnötig hochgetrieben und, was schwerer wiegt, die Leistungsfähigkeit der Expeditionsteilnehmer herabgesetzt, etwas, das in kritischen Augenblicken ernste Folgen haben kann. Hier gibt es noch Möglichkeiten, die Chancen zu verbessern, auf welche aufmerksam zu machen der Zweck dieser Ausführungen ist.

Gewiss, die Leistungsfähigkeit hängt bei Himalayabesteigern, ähnlich wie bei Olympiade-kämpfern, oft stark von der ererbten Konstitution des einzelnen ab. Nur solche Leute pflegen ja in die Spitzenklasse der qualifizierten Anwärter aufzurücken, die beste Erbanlagen besitzen, nicht nur hinsichtlich Herz, Lunge und anderen athletischen Voraussetzungen, sondern auch in bezug auf die Nerven, den Verdauungsapparat, Leber und Nieren. Es sind manche unter ihnen, die das sind, was man « Konstitutionsrosse » nennen könnte. So kommt es, dass einzelne Expeditionen unter günstigen Umständen trotz einer höchst unvernünftigen Verpflegungsweise ihr hohes Ziel erreicht haben.

Solche « Konstitutionsrosse » werden nun aber unter den heutigen Zivilisierten immer seltener. Es ist auch durchaus nicht gesagt, dass sie auch sonst die besten Expeditionsteil- 1 Mit Erlaubnis der Redaktion der Monatszeitschrift « Der Wendepunkt » ( Nr. 5, April und Nr. 6, Mai 1953 ).

nehmer sind. Und je mehr es um wirkliche Spitzenleistungen geht, wie beim Everest, desto mehr kommt es bei jedem Teilnehmer darauf an, dass auch in der Ernährung die letzten Möglichkeiten der physiologischen Ökonomie, d.h. der höchsten Leistung bei geringster Nahrungsmenge, ausgenützt werden. Mit ein paar Vitaminpillen und Orangensaftdosen zu denaturierter Grundverpflegung und mancherlei Genuss- und Reizmitteln hinzu ist es da sicherlich nicht getan, und von einer studierten und begründeten Verpflegungsweise kann so nicht gesprochen werden.

Es wird oft gesagt, dass die Teilnehmer einer Expedition so wenig wie möglich von ihrer gewohnten individuellen Ernährungsweise abweichen sollen, weil dem Organismus während der Hochleistungsperiode keine Umstellungen zugemutet werden dürfen. Sicherlich darf man in dieser Zeit ihm keine Belastungen durch Desintoxikation oder gar Entwöhnungs-kuren zumuten. Es muss aber vorher geschehen und sollte stets zum Training, zur sportlichen Ausrüstung gehören. Eine gewisse Umstellung ist ja übrigens immer geboten, weil die Verpflegung zu kompliziert würde, wenn man die individuellen Gewohnheiten jedes einzelnen während der Expedition weiterführen wollte, und weil die Forderungen der Raum-und Gewichtseinsparung, der Haltbarkeit und der Leichtverdaulichkeit es verlangen. Diese Forderungen kommen aus den Umständen und sind, wie man weiss, um so unerbittlicher, je weiter die Expedition sich von der Verpflegungsbasis entfernt und je grösser die Höhe ist, die man bezwingen will.

Die physiologische Prüfung und Vorbereitung der Teilnehmer müsste, wenn sie gewissenhaft und sorgfältig sein soll, die Leistungsfähigkeit aller Organe umfassen, auch jener der so wichtigen « inneren Umwelten » in erster Linie beim Darm. Die Darmbakterienflora müsste untersucht und wenn möglich in optimale Kondition gebracht werden. ( Sie ist im Zeitalter der Wundermittel so oft auch bei robusten Männern durch Sulfonamide und Anti-biotica geschädigt. ) Es müsste eine Desintoxikation des Organismus durch einige Wochen Diät durchgeführt werden unter Entwöhnung von Nikotin, Alkohol, Schokolade, Kaffee, Süssigkeiten und Eiweissüberschüssen, zugleich eine Auffüllung der Reserven an Schutz-und Wirkstoffen und ein Training des Organismus auf geringste Nahrungsmenge und beste Ausnützung derselben. Ist doch gezeigt worden, dass pathologische Darmbakterien, abgesehen von der Schwächung, die sie bewirken, und den Vitaminen, die sie zerstören oder nicht produzieren, für ihren eigenen Betrieb bis 30 mal mehr von den zugeführten Kalorien verbrauchen als physiologische ( gesunde Darmflora ). Nur so vorbereitet, kann der Teilnehmer mit besten Aussichten der Prüfung seiner Leistungsfähigkeit entgegengehen.

So vorbereitet kann man ihm aber auch jede Einstellung auf eine physiologisch ideale Verpflegung während der Expedition ohne Nachteil zumuten. Die Planung der Ernährung braucht dann nicht mehr auf die früheren individuellen Gewohnheiten Rücksicht zu nehmen, sondern kann ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Aufgabe richten, im Rahmen der gebotenen Notwendigkeiten - Gewichtseinsparung, Konzentration, Leichtverdaulichkeit und Haltbarkeit - die Ernährung wirklich so zu gestalten, dass von dieser Seite aus die Voraussetzungen für beste Leistungen geschaffen sind.

Es wird sich dann zum Beispiel zeigen, dass der Appetit in grosser Höhe nicht mehr mit besonderen Leckerbissen angeregt werden muss, wie dies sonst berichtet wird. Auf ihrer ersten schweizerischen Himalaya-Expedition im Jahre 1936 hatten Heim und Gansser immer Appetit, und ihre Leistungsfähigkeit nahm mit der Zeit nicht ab, sondern ständig zu. Sie ernährten sich sehr frugal, ohne Fleisch, Nikotin und Alkohol, nach dem Beispiel der Einheimischen, und sparten dabei in erstaunlichem Ausmass an Geld und Trägern, waren auch als Expedition viel beweglicher.

Es ist überhaupt ratsam, dass man in dieser Einsicht von unverdorbenen Eingeborenen jener Gebirgstäler einiges lernt, zum Beispiel von den Nepalesen und Tibetern. Diese bewältigen wochenlange Reisen über Hoch passe mit einem Sack Tsampa - geröstetes Gerstenmehl - und etwas Butter auf dem Rücken und pflegen morgens schon um 6 Uhr nüchtern aufzubrechen, um erst nach zwei Marschstunden unterwegs ein leichtes Frühstück zu sich zu nehmen. Heim und Gansser haben diese Praxis auf ihrer Expedition mit grossem Erfolg durchgeführt. Sie hatte auch noch den Vorteil, dass die Kulis und Sherpas zeitig aufbrachen, statt sich, wie bei anderen Expeditionen, morgens zuerst, entsprechend dem Beispiel der Fremden, mit einem massiven Frühstück zu beschweren und dann verspätet aufzubrechen.

Unsere moderne Nahrungsmittelwirtschaft stellt ja heute glücklicherweise nicht nur denaturierte Nahrung her, sondern, in vorbildlichen Beispielen, auch eine ganze Reihe von solchen, die biologischen Vollwert mit den Erfordernissen einer solchen Expedition verbinden. Da sind hochwertige und schonend behandelte Trockenfrüchte, wie Rosinen, Feigen, Naturdatteln und Trockenbananen, da sind Mandelpüree, Nussa, Traubennußstengel, Helva-Sesamprodukte in verschiedenen Formen, Sojamalt, Nusshonig, Raisinel, Birnensaft-konzentrat, Weizenkeimlinge, vollwertige Hagebuttenkonfitüre, Vollkornbiskuits, Knäckebrot, Darwida, Cenovis und Phag-Hefewürzen und Hefeformen, Suppenmischung ( So-mona/Olten ), Suppenpasten ( Biorex ), Dyna-Sojawürze u.a. m ., höchstwertige, leichtver-dauliche, konzentrierte, biologisch vollwertige Nahrung, die, eventuell mit Tsampa aus Nepal zusammen, eine ausserordentlich abwechslungsreiche und befriedigende Verpflegung ermöglicht, welche sehr viel weniger Trägerlast beansprucht als die sonst bis heute übliche Verpflegungsweise und auch bedeutend weniger kostspielig ist. Mit Leichtigkeit kann daraus jene flüssige Nahrung bereitet werden, die der Mensch in sehr grosser Höhe allein noch zu sich nehmen kann.

Die Aufgabe besteht eigentlich nur darin, alle diese Möglichkeiten zu prüfen und zu sammeln, geeignete Packungen zu schaffen, sofern solche nicht schon zur Verfügung stehen, und geeignete Mischungen und Zubereitungsarten zu erproben. Raisinel zum Beispiel hat sich im Hochgebirge in Verdünnung als ein ausgezeichneter « Tee » für die Unterwegs-verpflegung während der Leistung erwiesen. Berechnungen sollen hier noch folgen.

Eine Erprobung liegt vor durch die schweizerischen Alpinisten Alfons Voit und Christen anlässlich einer 20tägigen Frühjahrs-Alpentraverse vom Piz Palü bis Mont Blanc auf Ski, worüber im « Sport » ( 1952, Nrn. 58, 62 und 65 ) berichtet wurde. Es handelt sich um eine höchst anspruchsvolle Leistung bekannter Alpinisten. Während ein dritter Kamerad, der sich lieber an seine gewohnte Verpflegungsweise mit Weissbrot, Wurst, Eiern und dergleichen hielt, bald wegen Erschöpfung ausschied, hatten Voit und Christen mit einer Verpflegung grösstenteils aus Nahrungsmitteln, wie sie oben aufgezählt wurden, den allerbesten Erfolg und spürten bis am Ende der Traverse keine Ermüdung. « Die ganze Zusammenstellung der Verpflegung darf als ausserordentlich glücklich bezeichnet werden » schreibt Voit. « Auf unserer ganzen Tour fühlten wir uns sehr wohl und leistungsfähig. Die Ergebnisse dieses Versuches einer neuzeitlichen Ernährung » ( ohne vorherige Angewöhnung !) « auf einer langen und anstrengenden Tour haben mich selber sehr überrascht. Ich habe persönlich daraus sehr viel gelernt für das Zivilleben wie für meine sportliche Tätigkeit. » Das Frühstück dieser beiden Touristen bestand aus x/i 1 Frühstücksgetränk ( 20 g Mandelpüree und 3 gehäufte Esslöffel Soyamalt ), etwas Rohzucker und Wasser, 4-5 Scheiben Knäckebrot mit Aufstrich aus Nussa, Raisinel oder Nussa und Hagebutten oder Nuxo und Cenovis, die Zwischenverpflegung ( für den ganzen Tag 8-13 Stunden, inklusive Mittagessen ) Die Alpen - 1954 - Les Alpes2 aus 1 Feldflasche voll Tee, gesüsst mit 20 g Raisinel und 12 g BEDulCe-Glucose, 5-7 Nuxo-, Nusshonig- oder Traubennuss-Stengel, 1 BeDulCe-Rondelle zu 5,7 g, einige Forsanose-Tabletten, 4-5 Scheiben Knäckebrot, abwechselnd mit Nuxo-Haselnuss-Aufstrich oder Cenovis-Vitamin-Extrakt oder 1 Landjäger oder 2 Dreieckkäslein; das Abendessen aus Suppe mit Beigabe von Cenovis und Weizenkeimen, Avorio-Reis, Teigwaren oder Mais, einmal mit Zugabe von Thon, zweimal mit ganz wenig Hackfleisch. Einige Male bestand das Abendessen auch aus einem kalten Flockengericht aus 5-Kornflocken und Hirseflocken mit Weinbeeren und Mandelpüree. Als Suppeneinlagen wurden auch Rapid-Haferflocken und Weizenflocken verwendet.

Diese Verpflegung war leicht an Gewicht, raumsparend, leicht verdaulich und haltbar ( teilweise einen Monat vor Gebrauch spediert !) und von hohem biologischem Wert. Sie stellte sicherlich einen sehr beachtenswerten Versuch dar, der im Hinblick auf Himalaya-Expeditionen weiter entwickelt zu werden verdient.

Anregung für die Ermittlung einer günstigsten Verpflegung Versuchen wir nun, eine möglichst günstige Verpflegung auf Grund der modernen Kenntnisse und Verhältnisse zusammenzustellen, womit eine Gruppe von Alpinisten bei einer länger dauernden und besonders anspruchsvollen bergsportlichen Leistung in grosser Höhe über Meer die beste Aussicht haben kann, ihr Ziel zu erreichen, soweit dies von der Qualität der Nahrung abhängt.

Die Nahrung muss bei geringem Gewicht und in kleinem Raum möglichst gehaltreich sein, um die Traglasten zu vermindern und die Beweglichkeit der Expedition zu erhöhen. Sie soll relativ billig in der Anschaffung sein, aber nicht auf Kosten der Qualität, der Abwechslung und der übrigen Erfordernisse, als da sind: leichte und rasche Zubereitung, teilweise ohne Notwendigkeit irgendeiner Zubereitung ( Zwischenverpflegung ), Appetitanregung, leichte Aufnehmbarkeit und Verdaulichkeit. Also: geringer Flüssigkeitsgehalt und Bevorzugung von un verfeinerten Konzentraten, im Gegensatz zur Alltagsnahrung unter Normal-bedingungen, wo eine möglichst flüssigkeitsreiche und unkonzentrierte Nahrung vorzuziehen ist, um Überernährung zu vermeiden. Die Verpackung muss möglichst wenig Gewicht haben und Raum versperren und dennoch zuverlässig sein. Blechdosen sind zu vermeiden. Alle Packungen kommen ja in Kisten, die ihrerseits tropen- und bruchsicher gepackt werden. Einzelne Nahrungsmittel, welche an sich sehr wünschenswert wären, wie etwa der Honig, sind wenig geeignet, weil sie schmieren oder sonst nicht sehr praktisch sind.

Die Himalaya-Anwohner nehmen Tsampa, das ist geröstetes Gerstenschrot, mit und rühren das im Napf an mit heissem Buttertee oder auch nur mit kaltem Wasser. Das ist praktisch ihre ganze Verpflegung, womit sie weite, anstrengende Reisen im Hochgebirge vollbringen können. Heim und Gansser haben das zeitweise und teilweise mit Erfolg nachgemacht. Hier liegt zweifellos eine längst erprobte, gangbare und sehr wohlfeile Lösung vor, die indessen eintönig, für den Europäer nicht leicht annehmbar und überdies physiologisch nicht ganz ideal ist. Mit Erzeugnissen biologisch sorgfältiger Produzenten, die heute zur Verfügung stehen, lässt sich, wenn auch mit höheren Kosten, eine zweifellos ansprechendere und vollkommenere Verpflegung zusammenstellen.

In der folgenden Tabelle habe ich eine Tagesportion nach Gewicht, Kosten, Kalorien und Nährstoffgehalt ermittelt. Ich gebe sie nicht in der Meinung wieder, dass dies die einzig richtige und mögliche Zusammenstellung sei ( wozu es weiterer Studien bedürfte ), sondern vielmehr, um einmal einen Ansatzpunkt zu haben, das Problem praktisch zu stellen und zu Ergänzung und Erprobung anzuregen. Das sieht einfach aus, eine solche Tabelle; aber es ZUR ERNÄHRUNG AM HIMALAYA kann sich jemand, der dergleichen noch nicht versucht hat, keine Vorstellung machen, wieviel Nachschlagen, Gelaufe und Geschreibe und zum Teil ergebnisarme Bemühungen es braucht, bis man so weit ist. Einmal fehlt diese und einmal jene Angabe. Die Tabellen enthalten vieles nicht, und die Erzeuger müssen oft selber erst suchen oder gar eine Analyse bestellen. So musste ich denn auch einige an sich für diesen Zweck wertvolle Nahrungsmittel oder Produkte nur aus dem sinnlosen Grunde weglassen, weil es einstweilen nicht gelang, die entsprechenden Angaben zu bekommen. Die Gehaltwerte gehen manchmal auch ein wenig auseinander oder unterliegen gewissen Schwankungen, so dass es sich hier nur um eine vernünftige Annäherung handeln kann. Trotzdem hoffe ich, dass die Tabelle einen nützlichen Begriff von einer möglichst günstigen Lösung vermittelt, welche leicht nach Bedarf und Wunsch variiert werden kann.

Es ist natürlich nicht gemeint, dass nun täglich genau die gleichen Mengen gegessen werden sollten, wie sie da angegeben sind, sondern es soll erhebliche Abwechslung herrschen, die dann diese Durchschnitte ergibt.

An der Zusammenstellung fällt zunächst das niedrige Tagesgewicht von 780 Gramm auf, das sich mit der Verpackung der Einzelnahrungsmittel ( ohne Kiste ) auf nur etwa 850 Gramm erhöht. Das ist gerade das Nettogewicht der berühmten Kornration der römischen Legionäre im Altertum, womit diese unvergleichlichen Truppen ihre Fernmärsche durch unwirtliche Gebiete bewältigten 1.

Auch die Kosten sind mit Fr. 4.34 gering und vergleichen sich zweifellos vorteilhaft mit dem, was z.B. bei den meisten Himalayaexpeditionen ausgegeben worden sein dürfte. Wer diese Nahrungsmittel kennt, wird ohne weiteres zugeben müssen, dass es sich um eine leckere und reichhaltige Zusammenstellung handelt. Die Kosten lassen sich überdies unschwer noch senken, indem man, zulasten der sehr reichen Abwechslung, auf einige relativ teure Posten verzichtet und dafür von anderen grössere Mengen wählt oder die Vollkornbiskuits durch Knäckebrot ersetzt usw. In andern Ländern wird man teilweise ähnliche Produkte wählen müssen statt z.B. Raisinel, Birnensaftkonzentrat, Sesampaste u.a., die meines Wissens derzeit nur in der Schweiz erhältlich sind.

Die ersten 5 Posten machen zusammen den Getreideanteil aus: 380 Gramm, Fr. 1.84, 1428 Kalorien, 40,9 g Eiweiss, 22,2 g Fett und 246 Vi g Kohlehydrate. Getreidedym und Avorio-Reis sind neue Vollkornprodukte, die besonders praktisch und in der Zubereitung arbeitssparend sind.

Die nächsten 7 Posten dienen der Vervollkommnung der Eiweissqualität, der Erhöhung der Kalorienmenge bei geringem Gewicht, was nur durch Vermehrung des Fettanteils geschehen kann, und der Zufuhr besonders hochwertiger Fettarten: 200 g Gewicht, Fr. 1.87 Vi, 1125 Vi Kalorien, 35,1 g Eiweiss, 82,9 g Fett und 52 Vi g Kohlehydrate. Das Vollkorn-Eiweiss ( 39 g ) wird in idealer Weise durch Grünblatt- und Milch-Eiweiss ( 20,2 g ) qualitativ ergänzt, wozu noch 5 Vi g Cenovis- und 6,4 g Nuss-Eiweiss, beide von sehr hoher Qualität mit ihrem Ergänzungswert hinzukommen. Besser könnte die Eiweissqualität nicht gesichert sein, gewiss nicht durch Zusatz von Dauerwurst, Thunfisch, Pemmikan oder Corned Beef! Sehr wohl könnte noch Soja statt Magermilch gesetzt werden.

Beim Fettanteil sind die Depotfette ( Speck, Schmalz ) und die denaturierten ( gehärteten, mit Benzin extrahierten ) Fette und Öle vermieden. Der Körper erhält ein Minimum an Cholesterin und gesättigten Fettsäuren und ein Maximum an Lecithinen und hochaktiven Fettsäuren und Vitamin E, welche die Zellatmung verbessern, die Redox-Potentiale im Mesenchym steigern und den Zwischenstoffwechsel ökonomisieren.

Die Vitamin-A- und Vitamin-C-Versorgung, eines der schwierigeren Probleme bei Expeditionen, die sich weit von der Basis und vom Grünland entfernen, weil sie keine Frisch-nahrung mitnehmen können, ist hauptsächlich durch die Zugabe von 20 g Grünblattkonzen-trat gelöst, so dass keine Vitaminpillen mitgenommen werden müssen. Damit allein werden täglich rund 100 mg Vitamin C und eine ähnlich optimale Menge Vitamin A im natürlichen Verband mit anderen Vitaminen und Mineralstoffen zugeführt. Die Versorgung mit allen Vitaminen der B-Gruppe ist in dieser Zusammensetzung reichlich, ebenso an Mineralsalzen.

Um nun die Kost geschmacklich, mit natürlichem Zuckergehalt und vor allem auch mit basischen Mineralstoffen zu bereichern, wodurch sie erst ausgeglichen werden kann, dient die Gruppe der 5 letzten Posten: 200 g Gewicht, Fr. 0.62 Vi, 566 Kalorien, 2,8 g Eiweiss, 0,3 g Fett und 132 Vi g Kohlehydrate. Es ist keine Frage, dass ein Bedürfnis nach Zucker besteht und dass dieses am besten in dieser Form befriedigt wird. Der Speisezettel kann damit sehr angenehm bereichert werden. Raisinel hat sich, wie Voit zeigte, unterwegs als besonders praktisch erwiesen. Insbesondere aber erfordert die Herabsetzung des Eiweiss-und Kalorienbedarfseineausgeglichene Säure-Basenbilanz, wozu dieseGruppe vor allem dient.

Der Kenner wird wohl einwenden, 3120 Kalorien sei zu wenig. Man müsse mindestens das Schwerarbeitermass eines Steinklopfers anwenden, also 4200 Kalorien ( pro Tag und 70 kg Körpergewicht ) vorsehen. Diese Menge scheint auch als Minimum für die Planung solcher Expeditionen angenommen zu werden, wenn man nicht « zur Sicherheit » noch erheblich höher greift. Allerdings wird auch oft nicht die vorgesehene Menge gegessen. Aber nehmen wir 4200 Kalorien als Richtmass an, so wäre es an sich nicht schwer, weitere 1000 Kalorien zu ergänzen, etwa durch Hinzunahme von 50 g Getreidedym, 50 g Haferflocken, 40 g Vollkornbiskuits, 50 g Raisinel, 20 g Soja und 20 g Mandelpüree. Aber es ist offenbar unnötig, so viel vorzusorgen, ganz abgesehen davon, dass bei einer Expedition in so hohe Zonen immer wieder Ruhetage eingeschaltet werden müssen und die Gesamtleistung notgedrungen kleiner wird, also auch weniger Kalorien beansprucht. 3120 Kalorien als Maximum sollten tatsächlich für strengste Tage genügen.

Es ist hier nämlich am Platze, auf eine prächtige, besonders sorgfältige Untersuchung zurückzugreifen, die darin eine interessante Abklärung gebracht hat. Ich meine jene von Dr. med. E. Schmid: Leistungsfähigkeit bei eiweissknapper Ernährung in den Mitteilungen aus dem Gebiete der Lebensmitteluntersuchung und Hygiene, herausgegeben vom Eidgenössischen Gesundheitsamt in Bern, Band XXIV ( 1933 ), Fasz. 1/2, S. 195-225. Schmid erprobte eine eiweissarme Ernährung, teils allein, teils mit Rose, während 2V2 Jahren und vollbrachte dabei neben seiner ärztlichen Praxis während längerer Perioden sehr anspruchsvolle alpinistische Leistungen ohne Zwischenrasttage. Er kam mit einer Norm von 2400 Kalorien aus, die sich an den anstrengendsten Tagen bis auf 3000 Kalorien, aber nicht mehr, erhöhte, und jedenfalls weit unter 4200 blieb. Die Versuchsbedingungen, Leistungen und physiologischen Untersuchungen sind eingehend dargelegt, und es ist darüber auch in der Schweiz. Mediz. Wochenschrift berichtet worden. Solche Versuche werden selten in Angriff genommen, weil sie Umstände voraussetzen, die nicht immer vorhanden, und weil Tierversuche so sehr viel bequemer sind als derlei Selbstversuche. Es geht aus den Untersuchungen Schmids in Verbindung mit dem Eidgenössischen Gesundheitsamt hervor, dass bei einer Eiweisszufuhr von 60-80 g pro Tag und 70 kg und günstiger Säure-Basen-Bilanz der Kalorienbedarf um 20-30 % geringer wird, und dass sich auch der Grundumsatz, das Mass des Sauerstoffbedarfs, erheblich senkt ( bei 40 g Eiweiss um 10-20% ), während die Leistungs- und Erholungsfähigkeit grösser wird. Darin zeigt sich die bessere Ausnützung solcher Nahrung im Zellstoffwechsel. Schmid hielt sich an möglichst naturale, vollwertige Nahrungsmittel, so wie wir in obiger Tabelle. Möchten doch künftig Himalaya-Expeditionen diese wichtige Arbeit von Schmid genau prüfen. Kaum etwas anderes dürfte sich beim jetzigen Stand der Dinge mehr lohnen, glaube ich, als eine solche Prüfung!

Man ermesse nun, was diese Einsparungen an Kalorienbedarf und Sauerstoffhunger, diese bessere Nahrungsausnützung und Körperleistung unter den extremen Bedingungen alpinistischer Leistungen in 5000-9000 m Meereshöhe bedeuten können! Hier kann gerade die Entscheidung liegen. Vermutlich wird es in solchen Höhen möglich sein, ja sogar von selbst dazu kommen, dass die Eiweisszufuhr weiter auf 50 und 40 g im Tag abgebaut und damit die grösstmögliche Verringerung des Sauerstoffbedarfs ohne Nachteil erreicht werden kann.

In diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, dass die amerikanische Aviatik eiweissarme, frugale Diäten in Form von Karottendiät erprobt und angewendet hat, um Ohnmächten in grosser Flughöhe zu vermeiden, weil so der Sauerstoffbedarf, der durch eiweissreiche Ernährung gesteigert wird, niedrig gehalten werden kann. « Hochfliegende sollen sich mehr an Kartoffeln und Brot statt an Schinken und Ei halten » steht an den Wänden des Refektoriums ( « Journal of Aviation Medicine », 9. 7. 45 ).

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