Bericht über die Arbeiten am Rhonegletscher 1883

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Von Prof. Dr. L. Rütimeyer ( Section Basel ).

Entgegen dem höchst ungünstigen Jahre 1882 hat der Spätsommer von 1883 die Arbeiten auf dem Rhonegletscher in hohem Maße begünstigt und ist bei der energischen Führung derselben die gesammte Unternehmung um einen so bedeutenden Schritt gefördert worden, daß einem eventuellen Abschluß derselben mehr als bisher je mit dem vollen Vertrauen entgegengesehen werden kann, daß die Arbeit innerhalb der Grenzen, welche ihr durch ihre Hülfsmittel gesteckt waren, als ein wohl organisirtes Ganzes entweder abgeschlossen oder einer andern Pflege übergeben werden könne.

Außer der Fortführung der jährlichen Central-messungen und einigen damit leicht verbindbaren Specialarbeiten bestand das Hauptobject der diesjährigen Campagne in der Vollendung der Triangulation des Gletschers auf dem Fuße der Landestriangulation und in der Beifügung des Firngebietes zu der topographischen Aufnahme des Eisstromes an sich.

Sowohl an den Feldarbeiten, welche vom 1. August bis zum 1. September dauerten, als an den nachträglichen Bureauarbeiten betheiligten sich die nämlichen Persönlichkeiten wie im Vorjahre. Herr Ingénieur L. Held, der Führer der Unternehmung, übernahm die Aufnahme des Firngebietes und die Control- messungen, sowie deren Bearbeitung auf Boden der neuen Triangulation sammt Umrechnung der Messungen von 1882 auf derselben Basis; Herr Ingénieur M. Rosenmund die Triangulation und deren Berechnung; Herr Topograph A. Ringier das Croquiren der Control-beobachtungen.

Als Zuwachs des graphischen Inventars ergab sich daraus für 1883: die Aufnahme des rothen Profiles mit Eintragung sämmtlicher Messungen seit 1874, berechnet auf die neue Triangulation, im Maßstab von 1: 1000; die topographische Darstellung der Gletscherzunge vom 27. August 1883 in 1: 5000; der Plan der neuen Triangulation ( Rosenmund ) in 1: 25000 nebst Journalband und Winkelbeobachtungen; die Aufnahme des Firngebietes ( Held ) in 1: 25000, sowie eine Anzahl von Photographien, welche vor Allem bestimmt sind, der charakteristischen Zeichnung der topographischen Aufnahme zu dienen, aber auch bei spätem Veränderungen des Gletscherstandes Dienste leisten werden.

Die Zeichnung der topographischen Aufnahme des obern Gletschers und des Firngebietes, sowie die Reduction der seit 1874 auf Boden der damals zu Grunde gelegten localen Basis gemachten Controlmessungen auf die neue Triangulation stehen in Arbeit und werden dem gesammten Material die für eine allfällige Publikation unentbehrliche einheitliche Organisation geben. Nur die ungewöhnlich günstigen Witterungsverhältnisse machten es möglich, den bedeutenden Umfang der in das diesjährige Programm gefallenen Feldarbeiten so rasch zu erledigen. Von den 31 Tagen der Campagne waren nur 3 ganz schlecht, 6 erlaubten nur zeitweise Arbeit, während 22 schön waren, so daß 74 °/o der Tageszeit für Arbeit im Freien verwendet werden konnten. ( Im Jahr 1882 nur 43 °lo. ) Als Quartier diente das kleine Hôtel Belvédère an der Furcastraße. In Folge der langen Andauer des Winters 1882/83 und der kalten Witterung im Juni und Juli 1883 war das Gebirge mit ungewöhnlichen Massen von Winterschnee bedeckt. Bei der Ankunft in den ersten Tagen des August war der obere Gletscher fast ohne schneefreie Stellen, der Platz, wo man im Vorjahre zu gleicher Jahreszeit schon mehrere Wochen in Zelten campirt hatte, 2-3 m unter Schnee begraben, alle Schrunde geschlossen, die Steinreihen theilweise bis auf 8 m unter Schnee, der Gletscher von mächtigen Lawinenkegeln vom Furca- und Gerstenhorn theilweise bis auf 200 m zugedeckt. Noch Ende August erhielt man beim Ueberblick des Oberwallis den Eindruck, daß ein Jahrzehnt von ähnlichen Witterungsverhältnissen genügen könnte, um einen großen Theil des Gebietes der Alpenweiden unter Firn zu legen.

Bericht über die Arbeiten am Rhonegletscher. 329 Ergebnisse der Controlmessungen.

Dieselben konnten nicht nur bei günstigstem Wetter und mit eingeübten Arbeitern ( alle aus der Gegend von Oberwald ) vorgenommen werden, sondern sie erhielten auch größere Sicherheit dadurch, daß bei den drei größern Profilen des Firngebietes Höhe und Lage jeder Station durch 3-5 trigonometrische Punkte controlirt wurden. Durch Anschluß an die Triangulation wird so die Beweiskraft der Messungen wesentlich erhöht.

Nivellement der Querproflle.

Von dem schwarzen Profil liegen nur noch 34 m auf Eis. Seine Abnahme betrug in 359 Tagen im Mittel 2,7 m Höhe ( im Vorjahre 5,8 ). Es ist das einzige Profil, das in diesem Jahre eine Abnahme zeigt, theils in Folge seiner Nähe an schneefreiem Strand, theils weil in Folge der sehr geringen Bewegung der Ersatz durch nachrückendes Eis gering ist.

Grünes Profil ( 465 m auf Eis ). Stauung in 359 Tagen im Mittel 0,707 m ( im Vorjahre Abnahme um 6,34 ), im Maximum an der Stelle stärksten Gefälls oder also stärksten Nachschubes 1,9 m. Maximale Abnahme am rechten Gletscherrand durch Wärmestrahlung vom Ufer 1,5 m.

Gelbes Profil ( 1168,7 m auf Eis ). Erhöhung auf der ganzen Ausdehnung: 1,891 m im Durchschnitt; von 7 m im Maximum am Ostrande durch Lawinen- schnee .Im Vorjahre durchschnittliche Abtragung 0,39 m.

Rothe » Profil ( 1073,5 m auf Eis ). Mittlere Erhöhung 2,387 m. Im Vorjahre Abtragung um 0,06 m.

Firngebiet unteres Thäliprofil ( 676 m ). Jahres-erhöhung im Mittel um 1,902 m. 3 m im Maximum am schattigen östlichen Abhang.

Unteres Grossfirnprofil ( 1472 m ). Erhöhung 3,049 m, stärkste Zunahme aller Profile, schattigste Lage.

Oberes Thäliprofil ( 732 m ). Mittlere Stauung 2,045 m.

Oberes Grossfirnprofil ( 2549 m ). Mittlere Stauung 2,979 m.

Steinreihen.

Die schwarze Reihe hat ihre Function erfüllt. Kein Stein von ihr liegt mehr auf beweglichem Eis. Sie fällt also für die Zukunft außer Betracht.

Grüne Reihe, vom Rhoneeinschnitt bereits in zwei Stücke getheilt. 7 Steine noch auf Eis. Größte Jahresbewegung 9,1 m.

Gelbe Reihe, am 28. August noch zum Theil unter Schnee. Schon 18 von ursprünglich 51 Steinen sind in den Eissturz vorgerückt. Größte beobachtete Bewegung 98 m.

Rothe Reihe, vorgerückt in die labyrinthisch zerspaltene Partie des Gletschers. In 21/a Jahren wird sie die ursprüngliche Stelle der gelben Reihe einnehmen und noch auf Jahre die genauesten Angaben über Eisbewegung liefern. Größte Bewegung im abgelaufenen Jahr 118,8 m.

Signale des Firngebietes.

Von den 1882 im Firngebiet aufgestellten 16 Lattensignalen zur Messung der Firnbewegung sind 1883 nur zwei zum Vorschein gekommen. Zurückgelegter Weg 34 und 38 m.

Abschmelzung der Gletscherzunge.

In 361 Tagen sind 11400 m2 Strandboden freigelegt worden ( im Vorjahre 24525 ).

Specialbeobachtungen.

Zur Ermittlung der Stromgeschwindigkeit in einer bestimmten Periode des Hochsommers wurden im gelben und im rothen Profil eine kleine Anzahl Steine eingemessen und nach 16 Tagen controlirt. DasErgebniß war von so unerwarteter Uebereinstimmung zwischen der Tagesschnelligkeit im Sommer und derjenigen im Jahr, daß es am Platze sein wird, diesen einfachen Versuch zu wiederholen.

Ken-Aufnahmen.

Die Triangulation, 1882 durch ungünstige Witterung unterbrochen, ist 1883 beendigt worden. Die ganze Arbeit ist so durchgeführt worden, daß sie der Landestriangulation nach allen Anforderungen gleichwerthig steht und als Fortführung derselben, sowie für Anschlüsse der Forsttriangulation dienen kann. Die Vergleichung mit der 1874 vorgenommenen graphischen Triangulation hat ergeben, daß zur Aufnahme des Firngebietes und für Weiterführung der Controlmessungen diese Arbeit unentbehrlich war. Vor Beginn der Winkelmessungen fand eine strenge Vérification der bereits bestehenden Signale statt, sowie Neu-aufstellung von 26 ferneren zum Zweck des Einschlusses des Pirngebiets. Die Zahl der trigonometrisch bestimmten Punkte beträgt 66. Da die bisherigen Can-tonstriangulationen nur wenig brauchbare Punkte lieferten, so wurde ein fernerer Anschluß gesucht an die Arbeiten der internationalen Gradmessung, was freilich nöthigte, den Theodolith auf zwei etwas abgelegenen Punkten, dem Sixmadun und dem Basòdino, aufzustellen.

Aufnahme des Firngebietes in 1: 25000, theils mit Distanzlatten, theils auf trigonometrischem Wege. Bei dem klaren Wetter war der Firn jeden Morgen hart gefroren und leicht passirbar. Gegen Mittag erweichte er und von Nachmittag 4 Uhr an war die Aufnahme so mühsam, daß man wenig mehr leistete.

Landesausstellung. Auf Wunsch des Centralcomite betheiligte sich das Rhonegletscher-Unternehmen an derselben durch den für den internationalen Congreß in Salzburg in Farben gemalten Plan, durch einen Plan sämmtlicher Jahresmessungen der vier Gletscherprofile und durch eine Anzahl von Photographien ( Ausgabe Fr. 350 ).

Rechnungswesen.

Die Ausgaben für 1883 sind unter dem Voranschlag geblieben. Obschon sie bei der Ausdehnung der von dem Programm für 1883 vorgesehenen und durchgeführten Arbeiten das Jahresbudget überschritten, so steht bei Einschluß des Verkaufswerthes der Photographien in Folge des von dem eidgenössischen topographischen Bureau auf Kosten der Landestriangulation übernommenen Antheils derselben, auch nach Erledi- gung der noch auf Rechnung von 1883 fallenden Bureauarbeiten auf Ende dieses Jahres eher ein Saldo zu Gunsten der Unternehmung als ein Deficit, und auch für das Budget von 1884 ein Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben zu erwarten.

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