Das Gadmenthal und seine Coleopternfauna

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Von Pfarrer Räizer.

Wie das Gesammtstudium der Naturwissenschaften überhaupt, so hat auch das Spezialstudium der Entomologie « im Zeitalter Darwins » einen neuen Aufschwung genommen; bisher meist als Dilettantismus in vorwiegend gemüthlichem Interesse getrieben und zu einer Art Stillleben in Sammlungen und Katalogen verurtheilt tritt es, namentlich seit Vorgang Moritz Wagners, in die Reihen der wissenschaftlichen Disziplinen, die gemeinschaftlich, sei 's händereich end, sei 's schwertkreuzend, an der Lösung der Grundprobleme vom Ursprung und von der Entwicklung des organischen Lebens arbeiten.

Zwei Aufgaben sind es, welche die Wissenschaft dem Entomologen stellt: Einmal die Varietätenbildung auf beobachtendem und experimentellem Wege zu belauschen, wozu die Lepidoptern, namentlich in den Spannern und Mikrolepidoptern, als jüngste Ordnung am besten geeignet erscheinen; sodann die geographische Verbreitung nach Zonen und Regionen ( horizontal und vertikal ) zu erforschen in vorzugsweiser Berücksichtig gung derjenigen Gebiete, auf welchen die Grenzlinien verschiedener Faunen zusammenstossen oder überein-, andergreifen.

Als einen kleinen Beitrag zur Lösung dieser letztern Aufgabe, soweit sie die schweizerische Fauna betrifft, mag man nachfolgende Schilderung der Coleoptern Gadmens ansehen; sie wird zugleich dazu dienen, diesem Thale auch in Bezug auf Reichthum der Thierwelt einen hohen, ich wage zu sagen, den höchsten Rang unter sämmtlichen Lokalgebieten gleicher Ausdehnung zuzuerkennen, nachdem es schon in anderer Hinsicht, namentlich durch den grossartigen Charakter seiner Gebirgswelt das Interesse der Kundigen und Empfänglichen auf sich gezogen hat. Das Gadmenthal, dessen Naturschätze zum kleinsten, Theile an uns vorüberziehen sollen, ist schon durch seine Configuration, topographische und geognostische Beschaffenheit interessant. Gleich dem Wallis und Engadin ist es eines der wenigen Längenthäler unserer Alpen, freilich von viel geringerer Ausdehnung als jene, da seine Gesammtlänge von Innertkirchen bis zur Sustenpasshöhe und zur Wendenlimmi kaum 5 Stunden beträgt. Es theilt also mit jenen entomologisch so viel berühmten und besuchten Thälern den Vorzug der westöstlich offenen Lage, die den reichen Wechsel der Vegetation und damit auch des Insektenlebens bedingt. Aber es hat vor jenen noch den weiteren Vorzug, dass es zugleich die Formationsgrenze zwischen Kalk- und Granitzone bezeichnet, ein Umstand, der für die Zu-.

sammensetzung seiner Fauna von eminenter Bedeutung ist.

Was die Thalbildung anbelangt, so unterscheiden wir leicht 3 deutlich abgesetzte Stufen oder Terrassen, deren Gesammterhebung nach Osten im ganzen circa 1000™ beträgt, so dass wir vermuthen dürfen, es sei die Erhebung der Urathgruppe, die zwischen den Sustenhörnern und dem Titlis sich einkeilt, relativ Jüngern Datums als die an Höhe und Ausdehnung viel bedeutendere Dammakette.

Die unterste Thalstufe, gleich hinter Wyler im « Mühlethal » die Höhe von 850 m gewinnend, dann von dem Punkt an, wo der Aufstieg in 's Gentelthal zur Linken abbiegt und die Kalkschichten der Gadmerfluh im Achtelsassgrätli zuerst sich mauerartig erheben, als « Nessenthai » allmälig ansteigend, ist zur Rechten flankirt von dem Urgebirgsmassiv des Mährenhorns und Benzlauistockes. Sie trägt im Allgemeinen den Charakter der Bergregion und bietet durch die mannigfachen, wildromantischen Wasser- und Felspartieen reiche Abwechslung dar, nur dass sie des freundlichen Charakters entbehrt, seitdem die in früherer Zeit die linke Thalseite bekleidenden Buchenwälder verschwunden sind. Ein gewaltiger Querriegel, der berüchtigte Schaf-telenstutz, der von der Strasse in steilen Serpentinen überwunden wird und in seinem Schooss den bekannten weissen Marmorbruch birgt, bezeichnet die Grenze gegen die zweite Thalstufe des Gadmenthales im engem Sinne. Oben merken wir schon an der frischen Bergluft, dass wir hier in einer Höhe von durchschnittlich 1200 m die Alpenregion betreten haben, noch mehr an dem freien Ausblick auf das Kopfende des Thales, welches durch das den Urathhörnern vorgelagerte Vorbettlihorn in zwei Ausläufer verzweigt wird, von denen namentlich der linke, der Formationsgrenze folgend, unter dem Namen Wendenthal als dritte Thalstufe gelten kann.

Für den Zweck unserer Arbeit beschränken wir uns lediglich auf die mittlere Thalstufe und die nördlich und südlich anstossenden Bergreviere, indem wir nur gelegentlich in 's benachbarte Gebiet hinüberstreifen, wo es das Aufsuchen dort fehlender Arten gilt.

Machen wir uns vertraut mit der Beschaffenheit unseres Jagdrevieres! Der erste Anblick ist sonderbar, befremdend; weder lieblich, noch romantisch, noch wild, und doch das alles zusammen; das Thal hat Charakter! Im Schmuck grüner Wiesen, aus denen hie und da sturmzerfetzte Ahornriesen in Gruppen hervorragen, zieht sich seine Sohle eine kleine Stunde weit fast eben dahin, nur zweimal quer durchsetzt von alten, wohlausgebildeten und dicht bewaldeten Gletschermoränen; im Hintergrunde eben sichtbar das Kirchlein von Gadmen mit den furchtsam sich zusammenschmie-genden Häusergruppen. Scharf damit kontrastirend erhebt sich zur Rechten die Thalwand wie eine gewaltige Schattendekoration: finsterer Tannwald, in 12- bis 20facher Verjüngung den Berg hinanstürmend, oben Arven, die triumphirend ihre buschigen Kandelaber-zweige über die Felsterrassen ausbreiten, drüber die vergletscherten Häupter der Gadenlauiegg, des Gygli-und Thalegglistockes, kammartig verbunden, so dass die Sonne im Winter dort keinen Zugang in 's Thal 27 findet. Nicht weniger kühn und imponirend, aber offener und in wohlthuenden Proportionen liegt gegenüber die Nordfront oder Sonnseite des Thales vor uns. Durch. sanft ansteigende, kultivirte oder erlenbuschreiche Alluvionen vermittelt, hebt sich der Urgebirgssockel ziemlich steil aus dem Thal, nackt zu Tage tretend nur wo Lawinen oder Wildwasser ihre tiefen Furchen gezogen, sonst im freundlichen Gewand geschlossener Buchen-und Tannenwälder oder jungen Gebüsches. Drüber wieder das helle Grün ausgedehnter Alpen, aus deren Schooss endlich die urgewaltige Gadmerfluh lothrecht ihre Mauerzinnen in den blauen Himmel erhebt; ein prächtiger Anblick, zumal wenn der Nebel Alpen und Fluhschooss verhüllt und nur die Krone derselben, durch Lichtbrechung um 's doppelte erhöht, im hellen Sonnenglanze wie ein luftiges Feengebilde am Himmel hängt; am herrlichsten aber zur Zeit der Schneeschmelze, wo um die frühen Nachmittagsstunden die ganze Fluh in Bewegung geräth, indem zahllose Staublawinen scheinbar lautlos und langsam wie flatternde Silberschleier niederschweben, während das Thal unausgesetzt von dem Donner ihres Aufpralls wiederhallt.

Und nicht weniger lehrreich ist dieser Anblick; liegt doch die ganze Formationsreihe der nördlichen Alpenzone schon an der Färbung deutlich erkennbar vor uns. Unten bis zur Holzgrenze das Urgebirge, dann wo zwischen schmalen Easenbändern das nackte Gestein wieder zu Tage tritt, dunkler Verrucano, im Volk « Salzgebistein » genannt und viel zu Stützmauern und Grabsteinplatten verwendet; von diesem hell sich abhebend ein Dolomitband, das unter der ganzen Fluh durchstreicht und unmittelbar hinter Hof als eine Art Vorgebirge unter dem Namen « Kaisten » zwischen der Gadmer- und Guttanneraar abfüllt, während es an die 2000™ höher als Wendenstöckli* ) die Limmi des Wendengletschers markirt; dem Dolomit wieder ist ein dunkler, harter Schiefer aufgelagert, der namentlich am Südabsturz des Wendenstocks ( Titlis ) schön entwickelt ist und schon von weitem als « schwarze Nath » in 's Auge fällt. Erst über diesen verhältnissmässig schwach entwickelten Schichten thürmt sich in einer imposanten Mächtigkeit von 500 bis 1000™ der Hochgebirgskalk auf, der die Hauptmasse der Gadmerfluh bildet; auf demselben lagert die Nummulitenbildung, deren untere Kalkschichten Anthracitnester einschliessen, wie « zwischen den Stöcken » im Telli, während die obersten etwas zurücktretenden Felsterrassen, welche die Krone der Gadmerfluh bilden, aus Quarzsandstein bestehen.

Wenn nun auch, namentlich seit der klassischen Arbeit ( trotz ihres negativen Resultatesder Gebrüder Speyer über die geographische Verbreitung der Schmetterlinge, soviel sicher ist, dass die geologische Gliederung in keiner direkten ursächlichen Beziehung zu der Beschaffenheit einer Fauna steht, so ist doch anderseits ebenso gewiss, dass sie indirekt durch den Verwitterungsprozess, Humusbildung, Licht und Wärme-reflexe etc. von eminenter Bedeutung für die Entwicklung, Verbreitung, besonders aber Variation der einmal vorhandenen Organismen sein kann. Diess im einzelnen nachzuweisen, wird dem Kenner der Gadmer Lepidoptern nicht schworfallen, aber auch die höhere Thierwelt gibt uns darüber interessante Aufschlüsse. So ist es gewiss nicht zufällig, sondern den geschilderten Verhältnissen zuzuschreiben, wenn abgesehen von dem zahlreichen Alpenwild neben dem Bartgeyer auch der südliche Schlangenadler ( geschossen im Winter 1872 ), neben dem grossen Uhu und der Zwergohreule die seltene nordische Schneeeule ( strix nivea ) beobachtet wird oder unter den Schlangen ausser den zahlreichen Glattnattern ( coronella Itevis ) und Kreuzottern ( Pelias berus und prester ) sogar die Jura-Viper ( Vipera Redii). sonst nur aus dem Jura und den südlichen Alpenthälern bekannt, nicht selten sich vorfindet; gar nicht zu gedenken jener Schleichenart, die nach der bestimmten Versicherung naturkundiger Sammler hoch oben in einer Felsgrotte der Gadmerfluh ( sog. Kirchthor ) hausen soll und deren Beschreibung nach Gestalt und Lebensweise haargenau auf eine der südeuropäischen Am-phisbänen Arten passt.

So werden wir also wohl auch für die Coleoptern-Fauna ein interessantes Resultat erwarten dürfen, namentlich können wir zum Voraus versichert sein, dass wir, wenn auch nicht Repräsentanten der Medi-terranfauna ( bei der geringen Migrationsfähigkeit ), so doch ausser zahlreichen, sonst unter der Bergregion zurückbleibenden Arten, einen Theil der Walliser und Engadiner wiederfinden werden und dazu die für die Nordalpen charakteristischen Typen, deren Kenntniss uns Heer's vortreffliche Fauna erschlossen hat.

Ein Gang durch unser Revier mag uns nun darüber Gewissheit verschaffen.

Wir beginnen unsere Exploitation auf der Nordoder Sonnseite des Thales. Hier versprechen zunächst drei alte Tannwälder, der Fuhrenwald über der Häusergruppe gleichen Namens, der Plattenwald, der dem Bühldörfchen mit Kirche und Pfarrhaus zweifelhaften Schutz vor Lawinen gewährt, und der Wendenwald hinter Obermatt, alle zwischen 1260—1550™ liegend, reichliche Ausbeute; denn viele Carabiciden, Staphy-liniden u.a. wählen ihr Winterquartier in faulen Baumstöcken, an denen es in den Bergwäldern ja nie Mangel hat.

Da fällt uns denn vor allem das prächtige Caraben-Trio in die Hände, Carabus intricatus, depressus, auronitens und zwar nach ihrer Frequenz im Verhältniss von 7:2:1, der erste einer der gemeinsten Carabiciden Gadmens, aber hier in der Waldregion das Maximum seiner Entwicklung erreichend, während die beiden andern in der obern Alpenregion heimischer sind. Mit ihnen finden sich, oft ganz in Mulm vergraben, die schildkrötenartigen Thymalus limbatus, Peltis ferruginea und grossa, letzterer nur in trocken und sonnig gelegenen Stöcken, dann aber oft in Gesellschaften von über 20 Stück; vereinzelter die Nacht -raubthiere unter den Elateriden: Adelocera fasciata und lepidoptera; Melanotus castanipes, Ampedus scrofa und nigrinus; ferner die glänzenden Staphy-liniden Philonthus lcevicollis und montivagus, Lep-tacinus batychrus, Baptolinus alternans und pilicornis, sowie eine dritte, noch ungetaufte Art, Othius fulvipennis, punctipennis, sämmtliche mehr oder weniger selten; häufig dagegen in gesundem, wie in abgestorbenem Holz Rhyncolus chlor opus. Zìi diesen kommen noch aus den Wäldern des Nessenthals Ampedus sanguin eus, lythropterus, pomorum, crocatus und in ziemlicher Anzahl der in der übrigen Schweiz so seltene Uloma culinaris.

Ebenfalls im untern Thale, aber in Höhen von 4000—4800'finden sich am steilen, trockenen Gehänge der Sonnseite eine Menge von Ahornstämmen, die oft riesige Dimensionen erreichensie leisten dem Coleopterologen den Dienst der Eichenwälder der Ebene; denn hier unter abgestorbener oder faulender Rinde, in Mulm und Flechten sammelt sich alles, was sonst nur von jenen Standorten bekannt ist; also ein Beispiel der Instinktvariation oder biologischen Migration, wie sie Kerner und Weissmann als Ergänzung der rein geographischen Migrationstheorie M. Wagner's aufstellten.Wie zu erwarten, sind es meist Clavicornien, denen wir hier begegnen: Scaphidium quadrimaculatum, Piatì/soma depressum, selten auch lineare, Ips quadnpunctata und qxadripushdata, letzterer auch unter Buchen- und Fichtenrinde; schlanke ßhizophagus-arten in Menge und seltener Auswahl, so neben de- pressiis und bipustitlatus, welcher in den Fichtenwäldern hoch in den Alpen aufsteigt, dispar, paral-lelocollis, nitidulus und der für die schweizerische Fauna neue cribrahis; Mycetophagus quadripustu-latus, Cerylon histeroides und deplanatitm, Diloma crenata häufig, Hypophlœvs cctslaneus, mehrere Arten Cis in ungeheuren Mengen, Cryptophagiden und Lathridien, die zierlichen Iìhinosìmits viridipennis und planirostris, Conosoma pubescens, endlich die Erotyliden und Endomychiden Triplax rnssica, Tri-toma bipiistulata, Engis hitmeralis in dunkeln Varietäten, Lycoperdina succincta und nicht eben selten der schöne Endomychus coccineus.

Den Grundstock unsrer Sammlung liefert uns aber die Thalsohle zur Zeit der Schneeschmelze, denn an entsprechenden Standorten für die Vertreter der grossen Carabiciden- und Staphylinidenfamilien fehlt 's nicht; überall im Thal liegen Steine, Felsblöcke zerstreut, welche die zwei wichtigsten Lebensbedingungen, Feuchtigkeit und Deckung, mit sich bringen. Dazu kommt noch eine für den Entomologen erfreuliche Sitte, das Material der bekannten Feldeinzäunungen, breite Holzlatten, oft bis zur Alpgrenze hinauf vor Einbruch des " Winters niederzulegen, um erst in den warmen Frühlingstagen gelegentlich die Arbeit des « Haagens* wieder vorzunehmen.

Im Grunde sind es verhältnissmässig wenige Arten, die als Ubiquisten in unterschiedsloser Verbreitung jene geschilderten Lokalitäten bewohnen; es gehören dazu Pterostichus strenuus P. und diligens St, multi-punctatus, metallicus, oblongopunctatus, striola, ovalis, terricola und der gemeinste aller Gadmer-coleoptern vulgaris L.; die letzten 4 namentlich au der Sonnseite his über die Baumgrenze ansteigend; ferner Calnlhus melanocephahts, micropterus, oft in Gesellschaften von 20—30 Stück in faulem Holz überwinternd, Harpalus lœvicollis und luteicornis, latus, ignavus, azur eus; Trechits obtusus und Schanmi, Bembidium conforme und tricolor ausser den Ubiquisten ihres Geschlechts; Carabtts convexus,. glabratus, auratus, Licinus depressus; rechnen wir dazu noch die zahlreich vertretenen Amaren und die mit ihnen auf Weg und Steg, " Wiesen und Feldern herumlaufenden Anisodactylus binotatus, Pterostichus cu-prens, lcpidus und Cicindela v. riparia, v. monticola, so werden wir ein ziemlich getreues Bild von der durch 's ganze Thal verbreiteten Carabicidenfauna haben.

Untersuchen wir jene durch Lawinenstürze und Wildbäche gebildeten und als Kultur- und Weideland benutzten Alluvionen, so kommen noch zahlreiche neue, in ihren Standorten mehr isolirte Arten hinzu. So auf der Bühlweid zwischen Buchholz und Plattenwald Cymindis humeralis und etwas höher coadunata, Panagœa 4 pustulata, den gewöhnlichen crux major vertretend. Call ist us bmatus in der Nähe von Ameisen-kolonien, Badister bipiistulatus, Ocypus micropterus ( der geflügelte Olens fehlt ), cyan eus, alp estris, similis, fulvipennis, Diacanthus œneus, Chrysomela staphy-lœa und polita, nebst einigen Otiorhynchen. Eine 2. Alluvion, schon höher und mit Gneissblöcken übersät, die Geissenweid, wo ein vorspringender Nollen vor Alters zur Gyrenbeize diente, liefert uns nur wenig neue, aber interessante Arten, so Harpalus discoideus, Timarcha metallica und Quedius fimbriatus, letztern in grosser Zahl, seltener Staphylinus fulvipes; über der Wald- resp. Buschgrenze an feuchten, sumpfigen Stellen Anchomenus antennarius, Bembidium geni-culatum und ebenda, aber in klarem Quellwasser Agabus didymus, chalconotus und congener. Endlich gegen Obermatt hin, auf der gras- und wasserreichen Alluvion der gefährlichen Obermattlauine, tummelt sich das Gros der Staphyliniden: Xanlholinus linearis, longiventris, lentus; Lathrobium fulvi-penne, multipunctaturn und eine species nova; Quedius molochinus, xanthopus, parviceps, Philonthus laminatila, intermedius, lucens, decorus, politus, ceneus, marginatus, atratus; etwas höher, häufiger im Wendenwald, frigidus und vernalis und in faulem Holz wie unter Steinen Quedius xanthopns, ochro-pterus, lœvigatus, punctatellus.

Auf dem Rückweg nach Gadmen werfen wir noch einen Blick unter die hier überall auf dem schnee-nassen Wiesengrund herumliegenden Zaunlatten und wieder belauschen wir eine ganz eigenthümliche Käferwelt, meist Arten, deren Kleinheit und verborgene Lebensweise im Gras sie zu den übrigen Jahreszeiten unserm Auge entzieht. Da spazieren ganze Familien von Apionen gravitätisch mit ihren Stelzbeinen auf dem feuchtwarmen Holze herum, am abundantesten fagi, flavipes, virens und miniatura; auf der Unterseite residiren, grosse schwarze Conglomerate bildend, hunderte von Stenus und Oxytelus, Stüicus und Päderus- arten, darunter die glänzenden Tachinus flavipes, rufipes, häufiger noch collar is und die zierlichen, bellenden Tachyporus chrysomelinus, pusülus und scüulus; breitspurig kleben hier und da die unvermeidlichen Chrysomela Staphylœa und polita unter dem unruhigen Volk, aber auch die immer willkommenen Liophlœus pulverulentus, Barynotus obsciirus und mœrens, Sciaphilus muricatus und, freilich weit seltener als diese, Otiorhynchus septmtrionis und pauxillus, Trachyphlceus scabriculus, Tropiphorus mercurialis und globatus. An geeigneten Stellen überdiess Parvins auriculatus mit Agathidium ni-grintim oder Simplocaria semistriata, maculosa und wenn richtig bestimmt, acuminata, letztere beiden aus der Schweiz bisher noch nicht bekannt.

Kaum ein paar Tage dauert diese Herrlichkeit, wo wir nach ömonatlichem Scheintod der Natur die ersten zum Leben erwachenden Organismen begrüssen, dann kommt 's wieder thalaufwärts mit Sturm und Schneegux, als sollte der Winter noch einen Winter gebären. Trostloses Gefühl, Steine und Zäune, Mauern und Ställe im Wonnemond unter Schnee begraben zu sehen, während drunten 2 Stunden weiter das Gras schon zur ersten Mahd entgegenreift! Und doch kommt das grüne Unterhasli dem Weissland nicht vor; sind die rauhen Stürme vorüber und fällt der * Schneefresser » über den Susten in 's Thal, so geht 's ein paar Tage und mit Macht sprosst das Grün auf dem Felde, die Knospen schwellen und springen, das Geissenheer jagt mit Geschell wieder seinem sonnigen Reviere zu und das Thal hallt wieder vom Jauchzen der Burschen, àie den letzten Windfall aus den Wäldern räumen. Frühling und Sommer, sie halten mit einander Einzug und in ihrem Gefolge erscheinen wie aus dem Boden gestampft neue Legionen des Insektenheeres, die den Entomophilen auf lange hinaus in Athem halten.

Wir lassen jetzt Stein und Holz, denn das geht zu langsam und greifen zum Schirm, um gleich in Masse die Käfer von den duftenden Weidenkätzchen, dem zarten Espenlaub, den klebrigen Erlen- und Fichtentrieben herunterzuklopfen; jene alte Gletschermoräne ( das Wälli ), die vom Kirchbühl her quer durch die Thalsohle zu der gegenüberliegenden Bergseite sich hinüberzieht, dort von der schäumenden Gadmeraar durchbrochen, gibt uns die beste Sammel-gelegenheit, denn dichtes Laubgebüsch, abgelöst von jungem Fichtengestrüpp, bekleidet den klüftereichen Blockwall, während eine blumenreiche Niederung, von Kosenwäldchen umsäumt, in ihrem Schütze sich ausbreitet.

Den Eeigen eröffnen die Omalinen; in zahllosen Mengen bewohnen Amphicliroma canaliculatum und hirtellum die Salix- und Sorbusblüthen; in ihrer Gesellschaft die allbekannten Anthophagus armiger und alpestris, während die seltenern alpinus, fallax, omalinns, melanocephalus, prceustus und die schönste und grösste spectabilis sammt der schwarzen Varietät sich mehr an die schattigen Erlen in der schluchtartigen Tiefe des Gadmenwassers halten. Ebenso stark sind die Telephoriden vertreten: Podabrus alpinus mit der Varietät annulatus, Telephorus abdominalis und tristis, ( diese besonders gern in Gärten auf Päonien- knospen und aconitum napellus ), albomarginatus und nigricans; seltener assimilas, siideticus, Rliagonycha rufescens, ater und elongatus, letztere drei häufiger auf Fichten.

Unter den Curculioniden zeigen sich Polydrusus fulvicornis, Chlorophanus viridis und pollinosus,, Otiorhynchvs pupillatiis, zahlreicher als die Stamm-art v. sub denta tus, lepidopterus, seltener varius: dann Phyllobius calcaratus, ulneti, psittacinus, Anoplus plantaris, Apoderus coryli ( auf Birken und Erlen ), Rhynchites aipreus namentlich auf blühendem Gürmsch; Magdalinus nitidipennis und asphaltinus, sonst nur -von Genf und dem Saasthal bekannt, häufig namentlich Orchestes scutellaris, salicis; Ellescus bipunctatiis; Soronia grisea und eine ziemliche Schaar Nitidularier der bekannten crux interpretorum.

Von Elateriden fallen uns auf Limonius Bruderi, Athous vittatus, Zebei, siibfuscus, letztere namentlich oft mit starkgewölbtem, hellrothem Halsschild; Seri-cosomus marginatits, brunneus mit der v. fugax in Massen besonders auf den Blüthen von Sorbus aria; Serie, subœnens, Ampedus elegantulus auf Salix caprea, nigrinus und balteatus; auf Sumpfweiden Corymbites holosericeus^aulicusJiœmatodesmGesell-schaft von Agrilus cœruleus und wills das Glück, so finden sich unter ihnen vereinzelte Diacanthus im-pressus und Athous trifasciatus.

Die Chrysomeliden sind vertreten in den Gattungen Clythra ( cyanea, affinis, 4 punctataCryptocephalus coryli, variabilis, violaceus, favipes, nitens, niti-dulus, pallifrons ( neu für Fauna helv. ), labiatus, geminus; Lina populi ( über der Waldgrenze noch auf Zwergweiden zahlreich, während cenea im untern Thale zurückbleibtGoniocte.no, pallida und vimi-italis mit allen Varietäten, Phratora vitellina:, sämmtlich auf Erlen, Haseln und Weiden.

Ungünstig dagegen ist dieser Standort für die Cerambyciden; nur auf Weiden Oberea oculata, auf Loniceren pupillata, beide ziemlich häufig; Pompsidia popìdnea und Anœrea carcharias beleben die Espen, Saperda scalaris liebt die Blüthen des Mehlbaumes, ist aber auch an Stämmen von Kirschbäumen zu finden, in deren Holz die Larve lebt; besser vertreten ist diese schöne Familie auf der Sonnseite, wo der berühmte Alpenbock Rosalia alpina mit Acanthoderus varius an Buchenstöcken zu treffen ist und verschiedene Clytus-, Indolia-, Strangalia-, Leptura-Arten auf Blumen und Gesträuchen leben.

Das grösste Gewimmel ist aber zu unseren Fussen; im thaufeuchten Grase schwärmt 's in dunkeln Massen von Corymbetes pectinicornis, cupreus und v. cerii-ginosus, tesselatus und v. affinis; rothe Feuerstreifen fahren kreuz und quer über die blumigen Wiesen und wo sie niederschiessen, finden wir Pyrochroa cocdnea und ihre seltnere Verwandte pectinicornis; wie funkelnde Smaragde glänzen auf den Hieracien zu Hunderten Cryptocephalus sericeus, aureolus, hypochœ-ridis und rugulipennis, neben ihnen, wo nur ein Plätzchen frei ist, sonst auch auf Leontodon die dunkeln Anthaxia 4 punctatus und sepulchralis; auf Anemonen mit dem Frass der zarten Kelchblätter beschäftigt die schönen Opsilia virginea und selbst auf der verachteten Caltha palustris machen wir guten Fang mit zahlreichen Pachyta clathrata; tiefer im Wald drin, da wo Orchideen und Lilium martagon stehen, findet sich die ausgezeichnete Crioceris alpina und mit ihr an derselben Pflanze ohne Ahnung der Entweihung die hausbackene mer dig era, die berüchtigte-Lilienverwüsterin unserer Gärten.

Nur zwei-, dreimal fahren wir mit dem Streifsack über 's Gras und niedere Kraut hin, so wird 's drin lebendig von Graptodera oleracea und helianthemi, Haltica ajanella, melanocephala u.a., Crepidodera rhœtica, letztere überdiess zahlreich aus den Tümpeln des Sustenpasses wie der Grimsel zu fischen; von Cassida notiren wir noch einige Arten, sanguinolenta, nobilis, subreHculata ( neu für Fauna helv. ), diese-leider vereinzelt, während equestris, rubiginosa, nebulosa zahlreicher mit Larinus stur nus auf den Disteln sitzen. Ist die Stelle gut gewählt, so wird uns ausser diesen die alpine Coccinellide Adalia alpina in die Hände fallen, von der man im November ganze-Gesellschaften an höher gelegenen Felspartieen herumlaufen sieht, offenbar um ihre Winterquartiere zu beziehen.

Noch bleibt ein Revier dieser Höhenregion zit durchforschen übrig, das wir nur eben ein paarmal angestreift haben, es ist der Tannwald der schattigen Thalseite, der schwarz und scheinbar todt da drüben sich aufbaut, ein düsterer Hintergrund, von dem das frische Grün der Wiesen hell sich abhebt. Und doch birgt dieses Revier vieles, was den Entomologen herbeiziehen kann, namentlich jene spärlichen Ueberreste der alten arktischen Fauna, die hier unter entsprechenden Lebensbedingungen sich unverändert erhalten haben,, während in tieferen Regionen nach der Eiszeit die mitteleuropäische Fauna sich rasch das Terrain eroberte und über der Waldgrenze unter veränderten atmosphärischen Einflüssen sich neue alpine Typen entwickelten.

Und ein Umstand kommt hier dem Sammler zu Hülfe; fast überall längs des Gadmerwassers finden sich hier im Vorsommer lange Reihen frisch geschlagenen und aufgeklafterten Holzes, das nur auf Hochwasser wartet, um thalabwärts geflösst zu werden und unterdessen einer Menge Käfer zum Tummelplatz sich, hergibt.

Da sind 's vor Allem die berüchtigten Waldzerstörer,, die Scolytiden, die sich uns hier mühelos überliefern. Unglaublich sind zur Schwarmzeit die Mengen dieser hartnäckigen Bohrer; schwarz ist der Boden und das harzreiche Holz wie übersäet, besonders von Hylastes ater, Pomicus typographies und laricis, Xyloterus lineatus; bald unterscheiden wir von diesen die braunen, Hylastes cunicularius, opacus, decurnanus und den winzigen Pytiophtorus Lichtensteini, die letztgenannten bei ihrer Seltenheit gewiss unschädlich. Ebenso unbedeutend für die Forstwirthschaft* ) ist der Arvenborken-käfer Tomicus cembrœ, der im Verein mit chalco-graphus die schon abstehenden Arven angeht, und die-übrigen bekannten Baumverwüster Blastophagus piniWenigstens im Gadmenthal, nicht so im Engadin..

perda, Crypturgus pusillus, Xyloterus domesticus, Dryocœtes autographus scheinen alle mehr, wie auch Hylesinus fraxini, die Gehölze der sonnigen Berghänge zu lieben; dagegen schwärmen hier mit jenen die ßindenkäfer Ips ferruginea, Rhizophagus ferru-gineus und cribratus.

Am Holze mordlustig herumlaufend fallen uns gleich die bunten, holzameisenartigen Clerus formicarius in die Augen; ferner der zierliche Fliegenbock Necydalis minor, hier viel leichter anzutreffen als auf Blumen, das prächtige Callidium violaceum und die dünn-schenkligen HolzböckeRhagium indagator, inquisitor, bifasciatum; Toxotus cursor ( auch'als seltene Varietät mit gelben Flügeldecken ), alle aber dominirt Monohamnus sutor durch Grösse und Gestalt und Hylobius abietis durch massenhafte Individuenzahl, unter der das Beste fast verschwindet: Pissodes Har-zynice und Nothus bipunctatus, beide sonst nur einmal in der Schweiz gesammelt.

Auch die grünen Tannen, die über den Holzfrevel der zwei- und sechsbeinigen Borkenkäfer so ernst die Häupter schütteln, liefern ihr Contingent, zumal zur Zeit, wo die jungen Blüthentriebe die Besucher locken; doch scheinen die Otiorhynchen, die da hervortreten sollten, bei weitem sieht so reich vertreten zu sein, wie z.B. im wälder- und rosenreichen Engadin. Nui Otiorh. niger, fuscipes, lepidopterus, varius und der schöne chrysocomus repräsentiren das grosse Genus; dazu kommen die Telephorus pilosus, assimilis, su-détiens und rufescens; etwas höher und bis zur Arvenregion reichend Haplocnemus alpestris und florali », Diacanthus impressus, affinis und quercus, Adalia obliterata, Calvia Ì4 guttata, Mysia oblongopunctata und Scymnus abietis, aber alle mehr oder weniger vereinzelt. Auf dem schattigen Bergahorn finden sich noch Rhynchites tristis; auf niederen Pflanzen Oe-demera tristis, im Namen ihr Farbengewand, in diesem wieder den düsteren Charakter ihrer Heimat verrathend; auf blühendem Gürmsch in ziemlicher Höhe Rhopalum hungaricum und an Holzstöcken oder auf Tannen als einzelne Seltenheiten Poicilonota conspersa und Tragosoma depsarium.

Was aber diesem auf den ersten Anschein so wenig anziehungskräftigen Revier den Vorzug vor allen übrigen verleiht, das ist der enorme Reichthum an Oreinen, den es beherbergt, freilich in abgelegenen, schwer zugänglichen Winkeln; als solche Lokalität, die für das Studium dieser in so vielen Beziehungen ausgezeichneten specifisch alpinen Chrysomelinengattung am besten sich eignet, nenne ich die Kehle, die vom oberen Schaftelenwald steil zur Triftlamm sich hinunterzieht und wegen der vielverlangten nordisch-alpinen Argynnis Thore, die dort am zahlreichsten fliegt, unter Eingeweihten als Thorekehle zur Orientirung dient. Da sitzen die herrlichen Thiere, in allen Farbenübergängen vom tiefsten Schwarz durch Violett, Blau, Grün, Gold-grün bis zum feurigsten Rothgold und dunkeln Purpur spielend, wie funkelnde Edelsteine auf den breiten Tussilagoblättern oder Droslenbüschen, eine Augenweide auch für den Laien, und wer sie so beobachtet und gesammelt hat, der wird begreifen, dass es für den1 Entomologen nicht des Kuhreigens bedarf, um das Heimweh nach den Bergen zu wecken. Es ist beinahe überflüssig, die einzelnen Arten besonders anzuführen, zumal sich von den meisten so zahlreiche und feine Uebergangsformen finden, dass eine Bestimmung beinahe illusorisch wird, eine Eigenthümlichkeit, in welcher sie an die berühmten oder berüchtigten Hieracien erinnern, mit der sie ja auch die merkwürdigen choro-logischen Anomalien gemein haben.

Schon von Oreina luctuosa findet sich neben der var. rugulosa eine andere Form, bei der das schöne-Blau zu mattem Kohlschwarz vertieft ist; vollends Oreina speciosa ist in 8—10 verschiedenen Typen vertreten, von denen pretiosa, superba, gloriosa, vittigera, venusta, bifrons, alcyonea wohl auch anderwärts in der Schweiz, aber nicht auf so kleinem Ge-biet'zusammengedrängt vorkommen, während nigrina als neu für die heimische Fauna hinzutritt; Oreina nivalis, zumal in seiner var. ignita, meist auf Alnus viridis, fällt gleich in die Augen, ebenso durch Standort und sporadische Häufigkeit Or. speciosissima, Or. tristis var. cacalice und vor allen der Repräsentant der rothen Oreinen, melanocephala, der hier in abweichender brandschwarzer Tracht erscheint.

Das mag so ziemlich der Grundstock der Thal-fauna sein, soweit die Region der Laub- und Nadelhölzer sie einschliesst; steigen wir über die Holzgrenze empor, so zeigt sich die Artenzahl, wie zu erwarten, bedeutend reducirt, weniger jedoch als in andern Alpen-revieren,weil die Configuration des Thales die Vertikal-verbreitung ausnehmend begünstigt und sowohl auf der untern als der obern Grenze der Alpenzone eine eigenthümliche Mischung einer sonst scharf getrennten Fauna erzeugt.

Verhältnissmässig arm sind die nach Süden zu liegenden Alpen, freilich auch am wenigsten erforscht, und mag in und an den Kalkgufern der Gadmerfluh, die für die Noctuinen- und Mikrolepidoptern-Fauna von so eminenter Bedeutung sind, noch manches Interessante und Eigenthümliche verborgen sein; immerhin findet sich hier unsere einzige alpine Vertreterin der Cicindeliden, Cicindela chloris, mit Vorliebe auf Kuhwegen, an Schutthalden, auf trockenem Alpgras und durchaus nicht, wie man bisher angenommen, an die Nähe des Schnee's gebunden; ferner Carabus au-ronitens, Fabricii, Pterostictus Panieri nicht selten unter Kalkgeröll; Emus hirtus, Staph. murinus, Philonthus nitidus in Menge zumal auf der Wendenalp, wo die löbliche Sitte herrscht, den Mist zu Gunsten des Gross- und Kleinvieh's auszutragen.

Viel reicher ist die Steinalp, wo schon Gletschernähe und Gneissformation günstigeren Boden erwarten lassen; Vorzügliches beherbergt namentlich die östliche Gletscherseite mit ihren zahlreichen stagnirenden und laufenden Wassern, Schneeflächen, Steintrümmern. Hier stossen wir auf die ersten Vorposten der die Tiefsee-und Schneeregion bewohnenden Nebrien, die unsäglich häufigen Nebria castanea und seitnern Jokischii, sowie auch ganze Kolonien von Trechus glacialis; ferner Amara erratica, Quenselii und rufocincta; Quedius monticola; Barynotus margaritaceus, Otiorhynchus maurus, nubilus, rugifrons, hie und da varius, foraminosus und lugdunensis ( neu für Fauna helv.dann in zahllosen Exemplaren und Flügel-fragmenten die trotz ihres schimmernden Panzers den grossen Caraben und Raubspinnen zum Opfer fallenden Oreina speciosissima var. troglodytes, tristis und monticala; dann wieder jene schwarze var. melanocephala. Sämmtliche genannten Arten bewohnen mit Vorliebe die östlichen Grashänge der Sustenscheidegg, während in dem Hügelwirrwar der Seebodenalp am Westrand des Steingletschers die schwerfälligen Cychrus rostratus und attenuatus ein idyllisches Leben führen, wo sie vom Kampf um 's Dasein weniger mitgenommen werden.

Noch höher hinauf führt uns die Nebrienjagd, die E. Frey-Gessner in den Mittheilungen der entomolog.. Gesellschaft, Bd. IL, so plastisch geschildert hat — droben im gemsenreichen Oberthal; an die 1000™ über dem Steinwirthshaus, ist das nasse Revier der beiden übrigen Nebrienarten ( es scheinen nur diese 4 vorzukommen ), Nebria Escheri und Bremii, beide wohl des Schweisses der Edeln werth; von untergeordneter Bedeutung sind in derselben Region am steilen Gehänge der zerrissenen Heuberge Carabus Fabricii vorwiegend in der var. Heeri, Pterostichns maurus und Jurinei, Diacanthus rugosus, der im Triftgebiet noch auf dem Gipfel des Thältistockes fortkommt, und endlich soll, wenn man einer gelegentlichen brieflichen Mittheilung des bekannten Naturforschers Boll Glauben beimessen darf, selbst Carabus Latreillei dort einen vereinzelten Standort haben.

Das in kurzumrissenem Bild die Coleoptern-Fauna des Gadmerthals, wobei natürlich nur die am meisten Gadmenthal.4SI charakteristischen oder besonderes Interesse darbietenden nach Standort und Lebensweise geordnet aufgezählt sind; denn die Zahl der von mir aufgefundenen Arten beträgt über 800, ohne die mindestens 50 Arten, die noch der Bestimmung bedürfen und leicht liesse sich, bei nur einigermassen methodischem, alle Familien berücksichtigendem Sammeln diese Zahl in kürzerer Zeit ( alles in allem mag obiges Resultat 4 Wochen in Anspruch genommen haben ) auf das Doppelte bringen. Vergleichen wir damit das Resultat der sorgfältigen, das Ergebniss vieler Jahre und vieler Mitarbeiter umfassenden Arbeit unseres geschätzten Prof. Fischer über die Flora unserer Berneralpen, welche nicht ganz 1300 Arten aufzählt, so werden wir staunen über den Insektenreichthum unseres kleinen Lokalgebietes.

Und betrachten wir unsere Coleoptern näher nach Heimat und Verbreitung, so sehen wir " unsere durch Analogieschluss aufgestellte Voraussetzung durch die Erfahrung bestätigt; die Zusammensetzung der Gadmer-Coleoptern-Fauna ist in der That der Art, wie wir sie Eingangs geschildert haben. Ausser den Ubiquisten, deren Verbreitung das ganze europäische Faunagebiet und alle Höhenregionen umfasst, haben wir viele hier wiedergefunden, deren Vorkommen entweder auf unzusammenhängende, kleine Lokalbezirke beschränkt oder an die unterste Höhenregion, die in der Schweiz zudem geognostisch von den Höhen sich unterscheidet, gebunden sind. Von der alpinen Fauna zeigten sich ferner nicht nur die durch die ganze Alpenkette verbreiteten Arten oder die wenigen den Nord- resp. Kalkalpen eigenthümlichen Typen, sondern ein starkes Con- tingent lieferten auch die Thäler der Monte Rosa- und Berninagruppe, ja selbst der Norden ist vertreten mit einigen Arten, trotzdem die Brücke des einstigen Rhone-Aaregletschergebietes keine direkte, ununterbrochene Verbindung bot wie der weiter hinaufreichende Rheingletscher.

Als Schluss noch für Insektensystematik und Statistik das kurze Register der in die allgemeine oder schweizerische Käferfauna neu einzuregistrirenden Arten und Varietäten:

*Baptolinus spec, nova,Otiorhynchus lugdun ensis, *Lathrobium spec, nova,Toxotus cursor var. elytris flavis, Tachinus rufipennis,Cryptocephalus pallifrons, Sunius neglectus,Tintarella globosa, *Mycetoporus splendens,Orcina luctuosa var. antliracina, Khizophagns eribratus,speciosa var. nigrina, *Byrrhus Dennii,lnelanocephala var. car- Tyrus mucronatus,bonaria, Simplocaria maculosa,Longitarsus nigriceps, Himplocaria uminata,Cassida subreticulata.

Anmerkung. Die mit * bezeichneten Arten bedürfen, noch genauerer Bestimmung.

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