Das Goldbergwerk „zur goldenen Sonne am Calanda

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Dr. E. Bosshard ( Section Ehätia ).

Das Goldbergwerk „ zur goldenen Sonne am Calanda Von Das Geschiebe fast aller von den Alpen kommenden Flüsse ist goldhaltig. Nach einer alten Sage soll früher zu Zeiten iui Rheinbett zwischen Chur und Maienfeld Gold gewaschen worden sein. Dies warf aber nur einen kärglichen Verdienst ab, der sich nur in einzelnen, besonders glücklichen Fällen bis auf Fr. 7 bis 8 täglich belaufen konnte. Der alte Züricher Naturforscher Scheuchzer gibt an, daß er aus Schams Gold erhalten habe, welches bei Andeer aus dem Hinterrhein gewaschen worden war. Aus in der Pfalz gewonnenem „ Rheingold " ließ König Ludwig 1. in München Dukaten prägen mit der Inschrift: « Sie fulgurant littora Rheni. » Nach neueren Bestimmungen enthält der Rhein-sand höchstens 56 Theile Gold in 100 Millionen Theilen.

In den Sand der Flüsse gelangt das Edelmetall durch die Verwitterung und Zertrümmerung güldischer Gesteine. Solche sind aber in der Schweiz bisher nur an wenigen Orten bekannt, obwohl die Volkssage in den Rhätischen Alpen von ganzen Bächen dem Gestein der Casanna und des Rothhornes entfließenden Goldes zu berichten weiß. Die Reichthümer von Plurs sollten da geschöpft worden sein. Beim Bau des Gotthardtunnels wurde 1873 gediegenes Gold gefunden I ). Nach den geologischen Tabellen und Durchschnitten über den großen Tunnel ist die Fundstelle zwischen 495 und 500 m vom Südportal bei Airolo entfernt. Das Gold, mit 30 bis 40 °;o Silber legirt, war neben Schwefelkiesen in einem im Glimmerschiefer verlaufenden Gang von Kalkspath- und Quarzkrystallen eingesprengt.

In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts sind durch einen Zufall die Goldadern am Südabhang des Calandagebirges auf Gebiet der Gemeinde Felsberg bei Chur entdeckt worden. Die Geschichte dieses Fundes wurde mir in Felsberg wie folgt erzählt: Vinzenz Schneller, Schlosser in Felsberg, fand eines Tages auf seinem Grundstück am Rheinufer, etwa 2 Kilometer oberhalb des Dorfes, große Steinblöcke, welche vom Calanda abgestürzt waren. Diese Steine wurden gesprengt und zum Wuhrbau am Rhein verwendet. In einem der letzten Trümmer bemerkte Schneller etwas Glänzendes von schönerem Aussehen, als das ihm wohlbekannte, in jener Gegend häufige „ Katzengold " ( Schwefelkies ). Er brachte den Fund nach Chur und soll dafür 70 Gulden Bündner Währung gelöst haben, nachdem der Apotheker Capeller das Mineral für reines Gold erklärt hatte. Man versuchte nun schleunigst, die in den Rhein versenkten Steine wieder herauszufischen, aber ohne Erfolg.

Als die Mähr von diesem Funde ruchbar wurde, machten sich verschiedene Leute an den steilen Hängen des Calanda auf die Suche nach der Abrißstelle der herabgestürzten werthvollen Blöcke. Der Bergmann H. Schopfer von St. Gallen ( nach anderer Version Apotheker Capeller ) fand dann wirklich im anstehenden Gestein am Tage Gold eingesprengt an der Stelle, wo sich jetzt der nördliche der beiden obersten Stollen des Bergwerkes befindet ' ). Die Oertlichkeit liegt in einer Höhe von 1312 m, etwa 720 m über dem Rhein, gerade gegenüber dem Dorf Ems, am Südabfall des Taminser Calanda ( vgl. Blatt Chur, Siegf. ). Das Recht der Ausbeutung ging an einen besonderen „ Bergwerkverein " über, dessen Gründer Apotheker Capeller mit einigen andern Churer Herren zu sein scheinen; als Leiter figurirte der ehemalige Land-schuster Hitz von Churwalden. Die Gründung fällt wahrscheinlich in das Jahr 1809. Einen Theil der Actien hatte die im Jahr 1804 durch Landammann und Specereihändler Demenga, den oben genannten Ilitz und Andere gegründete „ Bergbaugesellschaft von Tiefenkasten " besessen. Diese letztere war eine groß angelegte Unternehmung, die zeitweise über bedeutende Mittel verfügte, in den ersten Jahren ihres Bestehens die Herrschaft Reichenau für 74,000 fl. ankaufte und dort Verwaltungsgebäude und Hüttenanlagen einrichtete, auch die von den Franzosen 1798 verbrannte Reichenauer Rheinbrücke wieder aufbaute, dann aber durch ihre sonstigen Operationen an rhätischen Erzfund-stätten sich eine traurige Berühmtheit erworben hat. Der Bergwerkverein zahlte für das Ausbeutungsrecht am Calanda jährlich 300 Gulden an die Gemeinde Felsberg. Er legte den obersten ( nördlichen ) der jetzt noch bestehenden, horizontal in den Berg dringenden Stollen an, wobei 6 Arbeiter beschäftigt waren. Berg-rath Selb von Wolfach, welcher 1810 und 1811 die Grube als Experte besuchte, erklärte die Ausbeutung für rentabel, wenn richtig ausgeführt. Weitere fachmännische Leitung scheint nicht vorhanden gewesen zu sein, und so kam es denn, daß Anfangs das geförderte Gestein von den Arbeitern sammt und sonders über die Halde gestürzt wurde, bis endlich einem Förderburschen der schöne Glanz des in dem weggeworfenen Material eingesprengten „ Katzengoldes " auffiel. Er las einige Stücke zusammen und brachte sie dem in Tamins wohnenden und selten zur Grube kommenden Steiger, der sie dann als Gold erkannte. Der Betrieb im Stollen wurde nun eingestellt und zunächst das Metall, welches in den über die Halde gestürzten Trümmern enthalten war, so gut es ging, ausgesucht; später begann man wieder im Stollen zu arbeiten. Es wurde nun wirklich Gold gefördert. Westlich von der Grube, gegen Taminser Gebiet zu, baute man ein stattliches Haus für die Arbeiter und ein Pochwerk mit Wasserkraftbetrieb; von diesen Bauten sind zur Zeit nur noch Spuren vorhanden. Ein bequemer Weg, der « Knapperuiey », jetzt noch gangbar, wurde angelegt; derselbe führt von Felsberg in etwa 1's Stunden meist durch schönen Buchwald zur « Goldenen Sonne », wie man jetzt das Bergwerk nannte.

Die Trennung des Goldes von der Gangart geschah durch Auflösen in Quecksilber ( Amalgamations-verfahren ). Die größte damals gefundene Goldstufe soll 8 Loth gewogen und über 23-karätig gewesen sein, also aus nahezu reinem Gold bestanden haben.

Im Jahr 1813 wurden aus dem Gold der Goldenen Sonne 72 Bündner Dukaten à 16 alte Schweizerfranken'geschlagen. Diese schönen Stücke mit den Wappen der drei Bünde sind zur Zeit eine numismatische Seltenheit. Der Prägestempel befindet sich noch im Besitz der Familie Capeller in Chur. Wie hoch sich das weitere Ergebniß dieser ersten Betriebsperiode belief, ist nie bekannt geworden.

Das Gold kommt an dieser Fundstelle in gediegenem Zustande vor, in Form größerer Stückchen, zuweilen deutlich octaedrisch ausgebildet, bis staub-fein eingesprengt in Gängen, welche aus einem Gemenge von Quarz und Kalkspath bestehen. Diese Gänge verlaufen in einer mächtigen Schicht von grauen Kalkschiefern, welche der Unterjuraformation ( Lias ) angehören. Sie streichen von Südwesten nach Nordosten und fallen nördlich ein, so daß sie die südöstlich steil fallenden, sehr regelmäßigen Schichten des Calanda in schiefen Winkeln schneiden. Das Gold wurde vorzugsweise in einem Hauptgang gefunden auf eine Längenerstreckung von etwa 150 Schritten. Angaben über andere Fundstellen, in weiterer Entfernung von der Grube, auf Gebiet von Tamins und an der Gesteinsgrenze gegen Felsberg sind unsicher.

Die Mächtigkeit der goldführenden Gänge wechselt von 20 cm bis l1/»m. Sie sind mehrfach von verticalen Spalten durchbrochen und enthalten neben dem Edelmetall viel Schwefelkies und Arsenkies, oft in äußerst schön ausgebildeten Pentagondodekaedern, auch Zwillingsbildungen, krystallisirt. Ferner finden sich hübsche Bergkrystalldrusen. Auch das Muttergestein, der Jura-schiefer, ist reich an Pyriten, deren leichte Verwitter-.barkeit durch das Auftreten zahlreicher Ausblühungen von Bittersalz und Eisenvitriol dargethan wird.

Ueber den Liasschiefern der Gol denen Sonne lagern plattenförmige Kalkschichten, darüber sehr brüchiger Dolomit, der Mitteljuraformation angehörend. Die Gipfelpartien des Gebirges bestehen aus sandigen Kreidekalken, in welchen man Versteinerungen ( Austern ) findet.

Nachdem durch die Prägung klingender Münze der Ertrag des Bergwerkes in lockendster Form dargestellt war, grub man tapfer vorwärts und verlor nun bald den die nordwestliche Richtung des Stollens in schiefem Winkel kreuzenden Goldgang. Wohl von der Meinung ausgehend, daß mit weiterem Eindringen in das Innere des Berges auch die Ausbeute zunehmen müsse, bohrte man, ohne auf das Verschwinden der Quarzadern zu achten, im tauben Muttergestein weiter. Die Arbeiter sollen ihre Freude daran gehabt haben, da sie nach dem Cubikinhalt der geförderten Masse bezahlt waren; der Kalkschiefer war sichtlich weicher und leichter zu fördern, als die harten Quarzgänge.Versuche, durch zwei Seitenstollen in nördlicher und südlicher Richtung und durch einen senkrechten Schacht das Metall wieder aufzufinden, blieben ohne Erfolg. Diese Bauten führten zwar an einigen Stellen auf wenige Fuß Entfernung an den goldführenden Adern vorbei, ohne sie aber anzubohren.

Der ganze damalige Abbau mag etwa 70 m lang gewesen sein; der Stollen ist so weit, daß ein Mann mittlerer Größe eben darin gehen kann.

Da nun kein Gold mehr gefunden wurde, war die Verlegenheit groß und man rief zuletzt aus Straßburg eine Somnambule zu Hülfe! Diese bezeichnete eine Stelle, fast 300 m tiefer am Bergabhang, auf dem fTschengelserboden* ' ), und gab an, 4 Lachter3 tief unter ihren Füßen befinde sich Gold. Es wurde sofort ein Schacht getrieben, welcher in gelben Kalkstein eindrang. Als sich aber selbst bei 14 Lachter Tiefe kein Metall zeigen wollte, beschloß man, die Somnambule nochmals zu befragen; diese aber war in Straßburg verschwunden und nicht mehr aufzufinden. In dieser Noth übernahm denn die Frau des Bergverwalters Hitz das Amt einer Hellseherin. Sie gab eine noch weiter unten gelegene Stelle an, wo nun ein an die 100 m langer, horizontaler Stollen angelegt und in dessen Mitte noch ein 17 m tiefer Schacht abwärts in das taube Gestein gesprengt wurde. Bei dieser Arbeit erstickte ein Mann. Diese Anlage ist die unterste von den vorhandenen Bergbauten ( jetzt theilweise eingestürzt ) und zugleich die größte; der Stollen hat am Eingang eine Höhe von fast 2 m; das Vertrauen auf die magnetischen Künste scheint groß gewesen zu sein. Nach Theobald, der 1859 die Verhältnisse untersuchte, hätte man an dieser Stelle mindestens eine Viertelstunde weit bis zu den Gold-gängen graben müssen.

Noch zwei Stollen in gerader Richtung bergan, wovon einer ungefähr in der Höhe der ersten Fundstelle, aber etwa 45 m weiter gegen Südwesten, wurden ebenfalls nach Angabe der Frau Hitz angelegt, so daß in dieser ersten Betriebsperiode alle, theilweise jetzt noch erhaltenen 5 Stollen mit 3 Schächten ge- baut worden sind. Nur die allererste Anlage hatte aber einige Ausbeute geliefert.

Die Gesellschaft, deren Personalbestand mehrfach gewechselt zu haben scheint, löste sich mit schweren Verlusten Ende der Zwanzigerjahre auf; vereinzelte Versuche sollen indessen bis etwa um 's Jahr 1830 fortgesetzt worden sein. Ein Urtheil über die Höhe des Ertrages läßt sich kaum gewinnen, doch dürfte dieser gering genug gewesen sein, da eben nur der kleinere Theil der erstangelegten Grube auf die Goldadern traf. Professor Deiche aus St. Gallen, der 1859 das Bergwerk besichtigte, schätzt ( doch wohl zu hochdie Gesnmmtauslagen für diesen wahnwitzig betriebenen Bergbau an der Goldenen Sonne, Alles in Allem, auf etwa Ì Million Gulden. Nach diesen Mißerfolgen legte sich nun doch das Goldfieber für längere Zeit.

Es brach im Jahr 1843 eine Zeit großer Bedrängniß über Felsberg herein, indem gerade über dem Dorfe von den Dolomitfelsen des Leonhardskopfes gewaltige Blöcke sich ablösten und mit Getöse zu Thal stürzten, den schönen Wald, der den Bergabhang hinter dem Dorfe zierte, gänzlich verheerend. Einige Gebäude, zu hinterst am Fuß des Berges gelegen, wurden ebenfalls zertrümmert; die bis auf den heutigen Tag stehen gebliebenen Ruinen, von diesem und anderen Ereignissen herrührend, verleihen dem Dörflein ein mehr malerisches als properes Aussehen. Eine Zeit lang schien es, als ob das ganze in einem Wald von Obstbäumen idyllisch gelegene Nest ein Opfer des Calanda werden sollte. Durch Geldbeiträge aus Gegend der Goldenen SonneLeonhardskopt Alter Schrotthurm St. Salvatoren von Chnr ans gezeichnet Ton E. Bosshard. 19. IX 87.

allen Ländern wurde die Anlage des neuen Dorfes außerhalb der Schußlinie ermöglicht; dasselbe entstand, unschön und dem kalten Thalwind ausgesetzt, in den Jahren 1845—1849. Seither sind größere Stürze unterblieben, nur von Zeit zu Zeit mahnen von den schrecklich zerklüfteten Felsköpfen abstürzende Blöcke an das drohende, Schicksal. Die meisten haben sich am Fuße der weithin sichtbaren kahlen Schutthalde ( s. obige Ansicht ) zu einem gewaltigen Trümmerfeld angesammelt; infolge der durch die sehr schief gegen das Thal einfallenden Schichten bedingten Steilheit der Schutthalde gelangen selten einzelne Trümmer näher an das Dorf hin. Auch an den weiter westlich gelegenen Hängen fanden solche Stürze statt, E. Bostharä del. 81. VII 89.

gezeichnet westlich yon der Vazeralp ( circa 1830 m ).

zum Sahaden der Waldbestände. Derartige Vorkommnisse waren es eben, welche zur Entdeckung des Calandagoldes geführt hatten. Die Ursache dieser unheimlichen Erscheinungen ist in der leichten Ver-witterbarkeit der dortigen " Jnraschiefer, zum Theil bedingt durch das Zerfallen der eingesprengten Schwefelkiese und darauf folgendes Nachbrechen der auflagernden, brüchigen Dolomitfelsen, zu suchen.

Im Herbst 1856 übernahm durch Pachtvertrag mit derGemeinde Felsberg der Sattlermeister U. A. Sprecher in Chur die bis dahin verlassen gewesenen Gruben der Goldenen Sonne. Der Vertrag lautete auf 20 Jahre. Es war zunächst nicht ein bergmännischer Betrieb, sondern nur die Gewinnung einer Anzahl Goldstufen beabsichtigt, welche auf der Industrieausstellung in Bern 1857 ausgestellt werden und Käufer für das Bergwerk heranziehen sollten.

Man nahm den Bau an der richtigen Stelle wieder: ir.ilE. Bosshard.

auf, nämlich in dem erstangelegten, obersten Stollen, wo man nach einigem Suchen unter Berücksichtigung der Lagerungsverhältnisse bald den beim früheren Betriebe verloren gegangenen goldführenden Quarzgang wieder auffand. Beim Eingang des ebenfalls vom früheren Abbau herrührenden zweitobersten Stollens, etwa 5 Minuten unterhalb der Goldfundstätte, wurden auf einer kleinen Terrasse mit freier Aussicht auf das Emser Rheinthal neue Hlittengebäulichkeiten erstellt: ein Scheidhaus mit Wohnraum für die Arbeiter, sowie ein kleines Pochwerk, durch ein oberschlächtiges Wasserrad getrieben, und Rost- und Schmelzofen mit Blasebalg. Die ganze Einrichtung, von der im Mai 1889 noch ein Theil vorhanden war ( s. Ansicht pag. 353 ), ist jetzt zerfallen. Sie war lange nicht so bedeutend, als die beim ersten Betrieb erstellten Gebäude.

Es gelang nun in der That, gleich Anfangs schöne Goldstufen aufzufinden. Auf der Berner Ausstellung figurirte u. Â. eine solche im Werth von ungefähr Fr. 400. Da sich dermaßen die Sache günstig anließ und die Ausbeute die Förderkosten deckte, wurde, entgegen der ursprünglichen Absicht, die Arbeit nun fortgesetzt bis Anfangs der Sechzigerjahre. 1859 ging die Pacht an Herrn A. Stecher in Chur über. Der Vertrag mit der Gemeinde lautete nunmehr auf 30 Jahre, der jährliche Pachtzins war für die ersten 10 Jahre auf Fr. 400 festgesetzt. Der Pächter hatte das Recht, das Bergwerk unter den Bedingungen des Vertrages beliebig zu verkaufen, beim Erlöschen des Vertrages sollten dagegen Gebäude und Bergwerk unentgeltlich der Gemeinde zufallen.

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Der neue Unternehmer ließ nun ( 1859 ) die geogno^ stischen Verhältnisse der Grube durch verschiedene Experten wissenschaftlich untersuchen; die darüber erstatteten Gutachten von Prof. Theobald in Chur und Arn. Escher von der Linth, sowie von Prof. ./. C. Deiche in St. Gallenund ein Bericht über die chemische Untersuchung des geförderten Gesteines von Prof. Theodor Simmler in Chur liegen mir vor. Sämmtliche Gutachten lauteten ( wie das früher erwähnte von Selb, 1810 ) dahin, daß der Betrieb, wenn sachgemäß und in nicht zu kleinem Maßstab, aber mit vorläufiger Unterlassung kostspieliger Ver-suchsbauten durchgeführt, Aussieht auf Gewinn biete. Deiche rechnet bei einem Betriebe mit 20 Mann $Haoern)- auf einen jährlichen Reingewinn von Fr. 700024 °/o Dividende ), indem bei circa Fr. 29,000 jährlichen Ausgaben etwa 375 Unzenll,7i » KiloLetzteres in extenso mitgetheilt von Walkmeister Ì. c.

23 U... ,'VA gramm ) Gold im Werth von Fr. 36,000 gefördert werden könnten. Nach dem Münzfuß der lateinischen Union ist der Werth von 1 Kilogramm Feingold zur Zeit Fr. 3444, bei obiger Berechnung ißt fttr 1 Kilogramm Fr. 3072 angenommen. Die Ausbeutung wurde indessen immer nur sehr wenig intensiv betrieben, mit 5 Mann und 3 Frauenspersonen, zeitweise aber nur mit 2 Mann. Simm^er bezeichnet in seinem Bericht den Betrieb mit nur 2 Arbeitern als „ unter der Spielerei and kann daher von „ Fördern1* gar nicht die Bede sein ". Die Leitung der Arbeiten, welche nun wenigstens in bergmännischer Hinsicht richtig ausgeführt wurden, war in den Händen des Steigers St. Oberföll. Man schürfte nur in den beiden ungefähr in gleicher Höhe liegenden obersten Stollen, die durch einen Seitenstollen miteinander verbunden wurden. Durch einen aufwärts führenden kurzen Schacht wurde der goldführende Gang wieder angeschrotet und verfolgt. Der Abbau geschah in der Weise, daß das Gestein ausgesprengt and in Säcken zur Scheidehütte getragen wurde. Dort besorgten die Frauenspersonen das Zerkleinern mit dem Hammer bis auf Nußgröße und das Sortiren. Größere Stufen wurden dabei sofort ausgeschieden und direct an den Pächter abgeliefert. Die mit kleineren Metallkörnern durchsetzte Gangmasse ( Scheidausschlag ) mußte auf dem Pochwerk fein zerstoßen, dann von Hand mit Wasser geschlämmt werden, wobei man die sichtbaren Körner auslas. Die überbleibende Gangmasse wurde nun durch Rösten von Schwefel und Arsen befreit und hernach mit Blei verschmolzen. Dabei löste sich das Gold in dem flüssigen Blei auf und konnte dann durch „ Abtreiben " auf der Capelle, wobei das unedle Metall verbrannte, gewonnen werden.

Stmrnler bezeichnete mit Recht diese Cupellations-methode als veraltet und empfahl die chemische Extractionsmethode ( Amalgamation oder Behandlung mit Chlorwasser ) als weit schneller zum Ziele führend. Auch forderte er die Einrichtung guter Poch-, Wasch-und Schlämmwerke.

Nach Bestimmungen des Steigers Oberföll gewann man so aus 245 ( Zoll-)Pfund Scheidausschlag, d.h. der Masse, wie sie zum Pochwerk kam, 30 Gran ( =l,»6s Gramm ) über 23-karätiges Gold. Es entspricht dies einem durchschnittlichen Gehalt von 15 Theilen Gold auf 1 Million Theile Scheidausschlag oder auf 68 Millionen Theile der Fördermasse ( Gruben-klein ).

Prof. Simmler fand in einer Durchschnittsprobe auf 1 Centner Pochmasse 828,s Milligramm Gold ( fast 24-karätig ). Dieses Resultat stimmt mit den Angaben des Steigers überein es entspricht 16,67 Theilen'Gold in 1 Million Theilen Pochmasse. Bei diesen Bestimmungen sind die bedeutenderen Stufen, welche zu vorderst ausgelesen wurden ( einige schöne befinden sieh im Naturhistorischen Museum in Chur ), nicht inbegriffen. Es ist daher auch bei diesem Betriebe nicht möglich, eine Schätzung des wirklich geförderten Metalles anzustellen.

Aus der Gangmasse ließ sich nach Simmler alles Gold auf mechanische Weise durch Absieben und Abschlämmen gewinnen. Die abgeschlämmte Gang- masse nnd die darin befindliehen Schwefelkiese enthielten, entgegen der Annahme der Geologen, kein Gold. Die Kiese waren nur Schwefelkies und Arsenkies, Kupferkies war nicht vorhanden. Zwar sollen auf Felsberger Gebiet, wie bei Vättis1 ), auch Fahlerze in größerer Menge gefunden worden sein, eine Localität dort heißt heute noch Kupfergrübli.

Der gesammte Abbau an der Goldenen Sonne in den Jahren 1856 bis 1861 mag etwa 80 m3 betragen haben. Die Auslagen dafür beliefen sich nach einer in den „ Grundakten " ( s. Anmerkung zu pag. 343 ) aufgestellten Rechnung annähernd auf Fr. 24,000. Die Erinnerung an die früheren Mißerfolge hielt fremdes Capital von ausreichender Betheiligung ab, und da der Betrieb demgemäß ein sehr eingeschränkter blieb, standen die Unkosten außer Verhältniß zum Erfolg. Mit ziemlichen Verlusten ward der Betrieb abermals eingestellt, nachdem mehrmalige Versuche zum Verkauf der Grube gescheitert waren. Der Pächter verlangte als Kaufsumme Ff. 40,000, ging dann attf Fr. 32,000 herab, schlug aber ein Angebot von l ) Auf der Nordwestseite des Calanda wurde vor alter Zeit nach Kupfer geschürft. Eine jetzt fast ganz zerfallene Grube ist unterhalb dem Joch Calandaluz in der Nähe der Untervazer Alp Salaz. Es finden sich dort im Dolomit auf Quarzgängen Fahlerz, Kupferkies und andere Kupfererze, auch etwas Bleiglanz. Diese Schichten entsprechen nach Theolald vollkommen den unterhalb der Goldenen Sonne zu Tage tretenden, auch die Schichtenfolge ist genau dieselbe, wie bei Felsberg. Möglicherweise würde man in den bei Calandaluz anstehenden Juraschiefern auch die Quarzgänge der Goldenen Sonne wieder antreffen.

Fr. 15,000 aus. Einer der Kaufliebhaber soll in Chur Erkundigungen über das Werk eingezogen haben und durch die ertheilte Auskunft dermaßen abgeschreckt worden sein, daß er sofort abreiste; mit einem Anderen entstand Streit bei der Abfassung des Kaufvertrages. So kam die Goldene Sonne wieder an die Gemeinde Felsberg: Seit jener Zeit ist sie noch mehrmals an Einzelne verpachtet worden, so 1876 an Professor Valentin von Sins, 1881 an Gr. Jäger von Peist, welcher eine neue Grube tief unten am Berg anlegte, und zuletzt 1885 an J. Ackermann von Igis. Es wurde aber immer nur in kleinstem Maßstabe gearbeitet, um Muster zu erbeuten, von eigentlichem Förderbetrieb war keine Rede mehr. Zur Zeit sind Unterhandlungen zum Abschluß eines neuen Pacht-vertrages mit Ausländern im Gange.

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